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ETIKA 022 |
Bischof Wilhelm
Egger † |
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22EGGW2 |
Der Tod des
lächelnden Bischofs |
20.08.2008 und 1.9. |
1. Allgemeines - 2. Kurs Franziskanische
Spiritualität - 3. Todesursache - 4. Beisetzung - 5. Agatha-Christie-Notizen –
6. Fazit
„Christen sollen
Hoffnungsträger in der Welt sein“
P. Urban Stillhard
mußte am Sonntag, 17.8.2008, seine morgendliche Sendung für Kirchenmusik im RAI
Sender Bozen völlig umgestalten. Zwischen Todes- und Grabesgesängen verkündete
er jedesmal die traurige Nachricht vom Ableben des Diözesanbischofs von Bozen
und Brixen, Wilhelm Egger.
Für viele kam dieser Tod
unfaßbar. Nach den Worten von
Generalvikar Josef Matzneller (dessen Amt
wie üblich mit der Sedisvakanz „erloschen“ ist und der jetzt zum bischöflichen
Administrator gewählt worden ist) und den Angaben der „Dolomiten“ (18.8.2008, uli) hatte die Haushälterin
Rosa am Vorabend, Samstag, 16.8.2008, den Bischof zum Abendessen gerufen. Weil
er nicht kam, sah sie nach, fand Wilhelm Egger im Badezimmer sitzen,
ohnmächtig. Er soll noch gelebt haben. Als eine Krankenpflegerin und der
Notarzt des Roten Kreuzes ankamen, gab Egger keine Lebenszeichen mehr von sich.
Die beiden versuchten eine Dreiviertelstunde lang, den Bischof wiederzubeleben
– vergeblich. Die Todeszeit wird mit 19.20 Uhr angegeben. Erste Diagnose:
Herzstillstand. Ist sie die richtige? Mehr dazu am Ende des Artikels.
Bischof Wilhelm Egger
hatte jene Südtiroler, die sich für Glaube und Heimat einsetzen, zwar manchmal
erzürnt (wie der freiheitliche Obmann Pius Leitner zu Recht anmerkte) und hätte
nie wie Albino Luciani einen so begeisterten Brief an den Tiroler
Freiheitshelden Andreas Hofer geschrieben („Illustrissimi“,
edizioni messaggero padova, 1978, 334-341), aber ansonsten war er ein guter
Bischof sowie ein Ordensmann mit der löblichen franziskanischen Einfalt. Er war
ein gutgläubiger Mensch. Außer in der Einwanderungs- und manchen sozialen
Fragen schwieg er lieber bei heiklen Themen. In den Zeitungen kamen ihm zu
viele schlechte Nachrichten vor.
Wie Ulrike Stubenruß
in den „Dolomiten“ schrieb, war er immer „auf Ausgleich bedacht – auch zwischen
den Sprachgruppen; alle Äußerungen tat er auf Deutsch und Italienisch, und er
lernte auch Ladinisch“. (18.8.2008)
Im Mittelpunkt seines
Lebens stand die Heilige Schrift.
Seine 48 Seiten umfassende Kleinschrift „Freude am Wort Gottes – Anleitung zum
persönlichen und gemeinschaftlichen Umgang mit der Heiligen Schrift“ (Athesia Bozen) wurde von unserem Linzer
Freund und Mitstreiter Karl Gruber in dessen Verlag Kultur in die Familie neu
aufgelegt. Eggers „Sonntagsbibel“ fand weite Verbreitung in Südtirols Familien.
Sie klammert freilich so manches aus, was nicht in das Weltbild des Klerikers
paßt, der das Evangelium nur als Frohe Botschaft und nicht auch als
Drohbotschaft auffaßt. So wie Franziskus „das Evangelium lebte“ (Worte Eggers),
wollte er auch, daß die Christen ihr Leben nach der Heiligen Schrift
ausrichten. Oder, wie es der frühere Jugendbeauftragte und jetzige
Seelsorgeamtsleiter Eugen Runggaldier in der ladinischen Sendung des RAI
Senders Bozen formulierte, er wollte die Bibel ins Volk tragen.
Als international
renommierter Fachmann wurde Egger vom Papst zum Sondersekretär der
Weltbischofssynode vom 5. bis 26. Oktober 2008 ernannt. In einem Arbeitspapier,
das maßgeblich vom Generalrelator der Synode, dem kanadischen Kardinal Marc
Quellet formuliert wurde und das Aldo Parmeggiani (Vatikan-Journalist, Papst-Vertrauter, „Camerlengo“ (Kämmerer) der
„Erzbruderschaft zur schmerzhaften Muttergottes“, deren Ehrenmitglied Ratzinger
ist; Parmeggiani wurde übrigens im Juni 2006 von Wiens Vatikan-Botschafter
Helmut Türk mit dem „Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik
Österreich“ geehrt) am 17.6.2008 kurz in den „Dolomiten“ vorstellte, wird
darin vor einer fundamentalistischen Bibelinterpretation gewarnt.
Etliche Verschwörer in
höchsten Kirchenkreisen werden erleichtert aufgeatmet haben, als sie die
Nachricht vom Tode Eggers hörten. Der Südtiroler Bischof leitete nämlich die
Revision der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, die von 1961 bis 1979
verfaßt worden war. (Siehe dazu unter
anderem das „Katholische Sonntagsblatt“ vom 2.4.2006 und 28.1.2007 sowie die
„Dolomiten“ vom 26.1.2006, 11.2.2006, 22.1.2007 und 4.8.2007.) Nach dem
Willen der Modernisten sollen wesentliche Teile der Bibel umgeschrieben und
Wichtiges weggelassen werden. Nach unserer Einschätzung war Egger hingegen ein
ehrlicher, wahrheitsliebender Wissenschaftler, der den Fälschern im Wege stand,
denn der gläubige Egger wollte eine „text- und sinngetreue Bibel“.
Am Rande
bemerkt: Eine Bibelausstellung mit dem Untertitel „Von der Keilschrift zur Computerbibel“
fand vom 9. bis 30.6.2007 im der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen
statt, wobei unser Professor anhand einer Illustration zu David und Bathseba
(Mt 1,6 David zeugte Salomo mit der Frau des Uria) darauf hinwies, daß
„Protestanten wesentlich puritanischer als Katholiken“ sind.
Geben wir als
Vermächtnis Wilhelm Eggers folgende Sätze an die Nachwelt weiter:
„Franziskus hat sich an das Evangelium gehalten und dadurch
Lösungen für verschiedene Probleme seiner Zeit gefunden: Umgang mit dem Geld,
Macht und Gewalt.“ (Kath. Sonntagsblatt,
Bozen, 11.11.1990)
„Die Christen sollen Hoffnungsträger
in der Welt sein.“ (Gesprochen bei
der Seelsorgetagung, Kath. Sonntagsblatt 10.9.2006)
Wir bemühen uns.
Franziskanische
Spiritualität
Willi Egger schuf mit
Leonhard Lehmann und Anton Rotzetter im Rahmen der Interfranziskanischen
Arbeitsgemeinschaft einen „Fernkurs
Franziskanische Spiritualität“ – wohl sein größtes Werk. Er führte einen
solchen vom Februar 1985 bis August 1986 zusammen mit Pater Anton Beikircher
und Sr. Johanna M. Unterkalmsteiner durch. Die gemeinsamen Sitzungen fanden im
Kapuzinerkloster in der Runggadgasse 23 in Brixen statt. Wegen der am 29. Juli
erfolgten Ernennung zum Bischof von Bozen-Brixen und der Weihe am 31. August
nahm Egger nicht mehr an der abschließenden Lehrfahrt vom 23. bis 30. August
1986 nach Assisi und an andere franziskanische Stätten teil.
Der Verfasser dieser
Zeilen ist glücklich, daß er an jenem Kurs teilnehmen durfte. Dieser hat sein
Leben geprägt. In den „Dolomiten“ veröffentlichte er voller Dankbarkeit
folgenden Artikel (8.10.1985):
Franziskus von Assisi neu entdecken
Fernkurs über franziskanische Spiritualität – Begeisterte
Teilnehmer aus ganz Südtirol
Brixen (le) – Wie ein Leuchtzeichen weist Franziskus von Assisi
allen Menschen, die sich auf den stürmischen Wogen unserer chaotischen Zeit
nicht mehr zurechtfinden, den Weg. Es ist der Weg der Liebe, der Demut, der
Einfachheit. Franziskus lebte das Evangelium. (Anmerkung:
Nicht selten brauchte der Verfasser bei seinen Artikeln zwei Stunden, bis er
den ersten Satz fertig bzw. x-mal umgeschrieben hatte, viel länger noch als
sein Kollege und Wanderkamerad fb, der auch lange herumtüftelte, bis er einen
fesselnden Einstieg in seine Gerichtsreportagen und SKFV-Berichte gefunden
hatte.)
Wie dies der Christ auch heutzutage tun kann, erfahren über 50
Südtiroler – 20 Laien, zahlreiche Schwestern und acht Kapuziner – beim Fernkurs
„Franziskanische Spiritualität“, der nunmehr schon zum zweitenmal von der
Interfranziskanischen Arbeitsgemeinschaft in unserem Lande abgehalten wird. Er
dauert anderthalb Jahre.
„So hat der Herr mir, dem Bruder Franziskus, gegeben, das Leben
der Buße zu beginnen: denn als ich in Sünden war, kam es mir sehr bitter vor,
Aussätzige zu sehen. Und der Herr selbst hat mich unter sie geführt, und ich
habe ihnen Barmherzigkeit erwiesen, und da ich fortging von ihnen, wurde mir
das, was mir bitter vorkam, in Süßigkeit der Seele und des Leibes verwandelt.“
Mit diesen Worten umschreibt der Heilige aus Umbrien eine Tat, die ihm wohl
seither nur wenige nachgemacht haben: Er hat einen Aussätzigen geküßt.
Franziskus ist der Freund aller Schwachen, der Leidenden, der
Verlassenen und Verfolgten, und da es heute nicht weniger von ihnen gibt als
dazumal, verwundert es nicht, daß Leben und Werk des Mannes aus Assisi im 20.
Jahrhundert so aktuell sind wie im 13. Jahrhundert, ja sie scheinen sogar eine
immer größere Faszination auszuüben. Während das Böse im Prinzip immer gleich
und somit von tödlicher Langeweile ist, weil dem Teufel jegliches schöpferische
Prinzip fehlt (Tatjana Goritschewa),
finden wir bei Franziskus eben das kreative Element in unglaublicher Vielfalt,
das heißt das eigentlich Neue, das unser Leben bereichert.
Teilnehmer des Kurses drückten es in folgenden Worten aus: „Jesus,
wie einmalig und schön ist es, daß du uns immer wieder vom Kreuz her
entgegenkommst, das ist uns heute wieder neu bewußt geworden. So möchten wir in
Zukunft immer und überall bewußt in uns, im Nächsten, in unserer Umgebung dich
sehen, erleben und vergegenwärtigen.“
Schön ist auch das Erlebnis der Gemeinschaft für die Kursteilnehmer.
Liebevolle Schwesternhände helfen mit, daß die Treffen in jeder Hinsicht
gelingen.
Die geistliche Leitung liegt bei Altprovinzial P. Anton Beikircher
und Prodekan P. Wilhelm Egger, beide Kapuziner, und Sr. Johanna M.
Unterkalmsteiner von den Brixner Terziarschwestern. Schon viermal kamen die
Teilnehmer in Brixen zusammen, und die in den einzelnen Talschaften gebildeten
Gruppen sprechen meist einmal im Monat die gestellten Aufgaben durch. Vom 23.
bis 30. August 1986 wird die Abschlußwoche in Assisi stattfinden.
Das Miteinander von Ordensleuten und Laien bei Gebet, Meditation,
Gesang und Messen in Räumen, die sonst Außenstehenden verschlossen sind,
beglückt alle. Und alle sind bemüht, die franziskanische Freude weiterzugeben.
Denn trotz aller Zeitumstände ist noch immer Anlaß zur Freude.
„Lobet und preiset meinen Herrn und erweist ihm Dank und dient ihm
mit großer Demut“, fordert uns Franziskus von Assisi in seinem berühmten
Sonnengesang auf.
Bildunterschriften: Franziskus sah in allen
Geschöpfen seine Brüder, und überall nahm er die Güte des Herrn wahr. Wie auch
der Mensch von heute mit „franziskanischer Fröhlichkeit“ das Leben meistern
kann, das erläuterten beim vierten Kurstreffen am vergangenen Sonntag Referent
P. Wilhelm Egger (links) und P. Anton Beikircher. Aufnahme: „Dolomiten“/Rainer Lechner
Dieses Kreuz von San Damiano sprach einst zum Heiligen aus Assisi:
„Franziskus! Geh hin und stelle mein Haus wieder her, das, wie du siehst, zu
zerfallen droht.“ Er antwortete: „Höchster, glorreicher Gott! Erleuchte die
Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, gefestigte Hoffnung
und vollendete Liebe. Gib mir, Herr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit
ich deinen heiligen Auftrag erfülle, den du mir in Wahrheit gegeben hast.“ Anhand
dieser Texte meditierten die Teilnehmer des Fernkurses über das Kreuzbild, das
so reich an theologischer Aussage ist wie kaum ein anderes.
Gedanken
über die Todesursache Wilhelm Eggers
So manches erinnert
uns bei Bischof Wilhelm Egger an Papst Johannes Paul I. Er strahlte eine solche
Zuversicht aus und wollte immer nur das Gute wahrhaben.
„Dolomiten“-Chefredakteur Toni Ebner setzte ihm dieses Denkmal: „Bei den
Südtirolern hat er sich einen Platz in ihren Herzen gesichert – als der
lächelnde Bischof mit dem guten Herzen.“ (18.8.2008) Erste Parallele: der
lächelnde Bischof – der lächelnde Papst.
Bei den Treffen mit
den Journalisten versäumte Egger selten, den Verfasser dieser Zeilen scherzhaft
zu ermahnen, nicht immer nur das Schwarze zu sehen. Der Bischof wollte das Böse
in der Welt, das auch zur Wahrheit gehört, einfach ausklammern. Möglicherweise
ist ihm dies zum Verhängnis geworden.
Typisch sind seine
Worte, die er am 6. 10. 1985 im Kapuzinerkloster Brixen beim Lehrbrief 14
„Gotteserfahrung“ sprach: Er sah es als Lehre des Franziskus an, man solle
„geistliche Erfahrungen für sich bewahren und höchstens durch Wirken zeigen“
und „Geheimnisse des Herrn im Herzen bewahren“. „Sehr verschwiegen“ sei
Franziskus gewesen, und so war der Kapuziner Wilhelm Egger es auch in heiklen
Situationen und eiferte ihm im einfachen Leben nach. Dazu gehört auch, daß er
lieber mit dem Bus als mit dem Auto fuhr.
Nun zu den
„technischen Angaben“ über die Todesursache. Wir beziehen uns vor allem auf
das, was der RAI Sender Bozen am Tag nach dem Tod Eggers gemeldet hat, unter
anderem in der Sondersendung um 13 Uhr.
Sein Mitbruder P.
Anton Beikircher OFMCap, der ihn seit 1951 auf seinem Lebensweg begleitete,
teilte mit, daß Wilhelm Egger bei bester
Gesundheit gewesen sei. Er habe gesund gelebt, sei täglich spazieren gegangen
und habe Sport getrieben (Schwimmen, Radfahren, Skilanglauf). In der Bozner
Marienklinik habe er sich regelmäßigen ärztlichen Kontrollen unterworfen.
Nichts habe auf einen solchen Tod hingedeutet. Von einer Herzschwäche sei
nichts bekannt, auch die Befunde seien alle negativ gewesen. Beikircher sagte,
er sei „tatsächlich überrascht“ gewesen.
Dies bestätigte
Bischofssekretär Thomas Stürz. Gesundheitliche Probleme habe es nie gegeben, schon gar nicht am Herzen. Die letzten
Analysen im Juli (oder Juni?) seien
alle sehr gut gewesen, auch was das Herz betrifft. Auf die Belastungen im
Zusammenhang mit dem Papsturlaub in Brixen angesprochen, meinte Stürz, daß
Egger sehr glücklich gewesen sei und die Freude überwogen habe.
„Zwei Tage vor seinem
Tod sagte er, er fühle sich so gut wie
nie zuvor.“ Mit dieser Feststellung untermauert Josef Innerhofer,
langjähriger Redakteur des Katholischen Sonntagsblatts, obige Behauptungen.
Wilhelm Egger, den er einst als Mitarbeiter gewonnen hatte, sei stets sehr um
seine Gesundheit besorgt gewesen, doch wolle er damit nicht sagen, er sei ein
Hypochonder (eingebildeter Kranker) gewesen. Erst im Juli sei er zur Kur in Bad
Wörishofen gewesen, und dort sei alles durchgecheckt worden; die Analysen seien
alle einwandfrei ausgefallen. (RAI Sender
Bozen. 18.8.2008, Morgengespräch)
Weitere derartige Stellungnahmen in
den „Dolomiten“, die wir leider erst mit großer Verspätung zur Verfügung
hatten.
Umso unerklärlicher ist der
Tod. Es muß aber eine Erklärung geben. Phantasiebegabte Leute wie Father Brown sowie
Enthüllungsjournalisten pflegen für alles Unerklärliche Erklärungen zu finden.
Es könnte zum Beispiel sein, daß Bischof Wilhelm eine Nachricht vernommen hat,
die so ungeheuerlich war, daß sie ihn zu Tode schockte. Etwas völlig Undenkbares.
Oder birgt das Priesterseminar irgendwelche Geheimnisse? Wir erinnern an den
Fall des suspendierten Hochschuldekans. Man beachte den Ablauf der Ereignisse.
Dies ist nur eine von mehreren Theorien – alle Spekulationen, nicht ernst zu
nehmen. Chesterton würde noch weitere Möglichkeiten finden, die sich niemand
vorstellen kann. Wir versuchen, mit seinen grauen Zellen (und denen Agatha
Christies) zu denken. Wir können eben nicht aus unserer Haut und denken immer
gleich (schon beim Hören der Todesnachricht war dies der Fall) an das
Schlimmste. Würden Miss Marple und Hercule Poirot einen solch unerwarteten,
unerklärlichen Tod völlig unbeachtet lassen? Nein, wir auch nicht. Und wir sind
erstaunt, daß niemand in der Kurie auf die Idee kommt, eine Autopsie zu
veranlassen.
Parallelen des
freundlichen Bischofs Wilhelm Egger mit dem gütigen, stets lächelnden
33-Tage-Papst Albino Luciani gibt es eben nicht nur im Leben, sondern auch im
Sterben. Man lese die damaligen Zeitungen nach – der Verfasser redigierte damals
selbst die Nachrichten der Agenturen – und unterschätze die fundamentalistische
und Enthüllungsliteratur hierzu nicht (z. B. Jacques Thierry, David A. Yallop,
John Cornwell). „Er war zu gut für diese Welt“, lautete eine der damaligen
Schlagzeilen in den „Dolomiten“ (2.10.1978).
An dieser Stelle
wollen wir nur auf die schlichte Tatsache verweisen, daß Luciani plötzlich
einem Herzinfarkt erlegen sei, so die offizielle Darstellung („Dolomiten“, 30.9.1978). Prof. Mario
Fontana und Prof. Renato Buzzonetti hatten im Kommuniqué eine „akuten
Herzmuskelinfarkt“ angegeben. (Zeitungen
vom 13.10.1978) „Er lag über sechs Stunden tot in seinem Bett“, so die
„Dolomiten“ in der ersten Nachricht.
Auf einer Kassette der
„edizioni paoline“, betitelt „Giovanni Paolo I, il Papa del sorriso“ (MEP 163), verliest eine Sprecherin eine
Mitteilung des Direktors der „Sala Stampa“, des vatikanischen Pressezentrums,
somit das amtliche Kommuniqué zum Tod Lucianis. Dieser sei nach 33 Tagen am 29.
September 1978 um 5.30 Uhr früh von seinem Sekretär tot im Bett aufgefunden
worden, „trovato morto nel letto“, mit einem akuten Herzmuskelinfarkt.
Wenn das eine nicht
stimmt, stimmt auch das andere nicht. Das Kath. Sonntagsblatt, Bozen,
berichtete am 27.1.1991, daß Luciani „am Schreibtisch tot aufgefunden“ wurde.
Krimileser kennen als häufiges Motiv bei vielen Morden die Tatsache: Das Opfer
wußte zuviel.
Widersprüche über
Widersprüche tauchten auf, Unwahrheiten, Lügen, Vertuschungen. Im Laufe der
Jahre listeten die italienische Presseagentur ANSA, die Deutsche Presseagentur
dpa und auch andere Agenturen wie die APA die immer neuen Thesen zum Tod von
Papst Luciani auf und leisteten ihren Beitrag zur Wahrheitsfindung.
Schwester Lucia von
Fatima hatte den frühen Tod Lucianis vorhergesagt, so dessen Bruder Edoardo
gegenüber „Il Sabato“. Sein Bruder habe eine „eiserne Gesundheit“ gehabt,
betonte Eduardo. Und „Schweizer Verwandte glauben nach wie vor nicht an einen
Herztod des Papstes“. „Gegenüber der Presseagentur KIPA wies ein Sprecher für
die Familie darauf hin, dieser Verwandte sei davon überzeugt, daß Johannes Paul
I. niemals eine Herzkrankheit gehabt hätte.“ („Dolomiten“, 8.9.1993)
Erst am 14.9.2003
veröffentlichte die große spanische Zeitung „El Mundo“ aufgrund neuer
Recherchen des Geistlichen Jesús López Sáez noch einen Bericht: „Juan Pablo I
fue asesinado – Por la ingestion de una dosis fortisima de un vasodilatador“. (ermordet mit einer starken Dosis eines
gefäßerweiternden Mittels)
Entsprechend der
„Corriere della Sera“ am 26.9.2003: „Torna la teoria del complotto: ,Fu
ucciso’. Il libro di un sacerdote spagnolo
ripropone le accuse contro mafia, Ior e P2”. Schon im August 1993 hatte die Agentur AGI gemeldet, daß
der Sekretär über Einzelheiten des Todes gelogen habe. So habe der Tote laut
Sekretär zum Beispiel das Buch von der „Nachahmung Christi“ in seinen Händen
gehabt (wie Agatha Christie am
Nachttisch, siehe die Neuerscheinung „Christen, seid alle eins! – 3.
Reformation von A bis Z, von Rainer Lechner), was gar nicht stimmte.
Immerhin durfte die Presse
am 1.10.2003 besorgte Gläubige trösten: „Lächelnder Papst steht vor
Seligenhimmel – Am 23. November beginnt in der Diözese Belluno das offizielle
Seligsprechungsverfahren für Papst Johannes Paul I.“ („Dolomiten“).
Exkurs: In dem brandneuen Buch von Christopher A. Ferrara: Il segreto ancora
nascosto (Inchiesta sulla campagna personale intrapresa dal Segretario di Stato
Vaticano per nascondere le parole della Vergine Maria contenute nel Terzo
Segreto di Fatima, 2008, 280 pagine, www.ilsegretoancoranascosto.it) wird auf das Dritte Geheimnis von Fatima
angespielt, von dem ein Teil noch nicht bekannt ist (der mit den Kardinälen
Bertone und Ratzinger gut bekannte TV-Moderator Antonio Socci nannte es in
seinem Buch „Il Quarto Segreto di Fatima“), und dort geht es um einen Papst,
Bischöfe und Laien, die als Märtyrer sterben. Der in dem Buch Ferraras
enthüllte Kern des noch unveröffentlichten Geheimnisses deckt sich mit den
Angaben in unserem Roman „Jedem nach seinen Taten“ (Autor: Vicente F. Delmonte,
2007).
Zurück zum Thema. Dies
ist also die zweite Parallele: ein vollkommen unerwarteter, mysteriöser Tod,
der sowohl bei Albino Luciani als auch bei Wilhelm Egger als Herzinfarkt
diagnostiziert wird.
Die dritte Parallele
ist, daß alles mit dem Vatikan zu tun hat.
Etwas seltsam mutet
an, dass Papst Benedikt XVI. am Sonntag, 17. August, beim Angelusgebet in
Castelgandolfo sagte: „Der Verlust dieses gelehrten und liebenswürdigen und
tieffrommen Bischofs bewegt mich sehr, durfte ich vor zwei Wochen als sein Gast
mit ihm zusammen sein.“ („Dolomiten“, 18.8.2008) Erst am Montag, 11. August,
war Ratzinger aus Südtirol abgereist.
Ein guter Bischof ist uns genommen worden. Möge Er nach dem
Fegefeuer – die hl. Teresa von Avila kannte fast niemanden, der davon verschont
worden war – in den Gefilden des Himmels die verdienten Freuden
genießen. Er kennt sie dann besser als der Schreiber des „Himmels-Abc“. Wir
bitten Gott, dem Heiligen Land Südtirol wieder einen guten Hirten zu geben. Die
bisher genannten Vorschläge erscheinen uns alle o. k.
Wir verweisen nun nur noch auf einen
entsprechenden Satz in unserem Roman „Jedem nach seinen Taten“ und schließen
wie immer mit dem Schluß des Franziskus-Psalms VII zur Vesper:
„Und wir
wissen, daß Er kommt, daß Er kommen wird zu richten in Gerechtigkeit.“
Nur Gott und die Engel wissen, warum der Tod von Bischof
Wilhelm Egger am 16. 8. zusammenfiel mit einer Meldung im Internetdienst
etika.com. Ab 13. 8. brachte dieser folgendes Gebet von Franziskus auf der
Titelseite: „Die Verbrecher erheben sich gegen mich,
Gott, und der Rat der Mächtigen trachtet mir nach dem Leben; Du giltst ihnen
nichts. Ich stehe auf der Todesliste. Du bist mein heiligster Vater, mein König
und mein Gott. Komm und hilf mir, Herr, Gott meines Heils.“ (Franziskus, Matutin,
8.8.2008; Psalm VIII). Randbemerkung: Natürlich würden
sie eine chinesische Spur legen.
Ein
zu 99 % unwichtiges Detail: Am 14. August ist der Verfasser zweimal an der
Wohnung des Bischofs vorbeigegangen, um auf dem Hauptpostamt der
Landeshauptstadt die ersten Exemplare seines neuen Buches „Christen, seid alle
eins! Die 3. Reformation von A bis Z“ aufzugeben. Doch das Postamt ist in
dieser Urlaubszeit nachmittags geschlossen. Der Autor wollte Bischof Egger
seine beiden neuen Bücher später zusammen übergeben; das „Himmels-Abc“ war noch
nicht gedruckt. Jetzt ist es leider zu spät.
Nachbemerkung: Die Trauer um den guten Hirten hat uns
ermutigt, keine Rücksicht auf die Sicherheit der eigenen Person zu nehmen,
sondern alles zu tun, um die Todesursache herauszufinden. Wir sind es Wilhelm
Egger schuldig, der uns stets gewogen war und uns zusammen mit P. Anton
Beikircher unglaublich viel über Franziskus vermittelt hat, und haben kein
anderes Motiv.
8000 Gläubige bei Beisetzung in Brixen
Rund 8000 Christen gaben Bischof Wilhelm Egger am
Donnerstag, 21.8.2008, bei schönstem Wetter das letzte Geleit. Der Trauerzug
bewegte sich vom Seminarplatz durch Teile der Altstadt zum Domplatz. Die
meisten Gläubigen verfolgten die Messfeier auf einem Großbildschirm. Die Worte
der Anteilnahme von Papst Benedikt XVI. am vergangenen Sonntag wurden von einem
Sprecher wiederholt, wobei die Formulierung „vor zwei Wochen“ einfach in „vor
einer Woche“ abgeändert wurde. Der Patriarch von Venedig, Kardinal Angelo
Scola, würdigte den Verstorbenen auf italienisch und deutsch; die Erschütterung
über den Tod sei nicht das letzte Wort. Mit erstaunlicher Zuversicht schloß der
Trentiner Erzbischof Luigi Bressan mit den Worten „auf Wiedersehen im Himmel“,
wo doch manche Heilige sich für die schlechtesten Menschen hielten und die
Verdammung in die Hölle fürchteten. Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheurer
nannte ‚Egger „ein Geschenk“ für den ganzen deutschsprachigen Raum. Am Sarg war
Eggers Motto „syn“ (miteinander) angebracht. („Dolomiten“, 22.8.2008, ler). Die
Feier dauerte von 15.00 bis 18.08 Uhr.
Die Organisatoren haben leider vergessen, daß Südtirol ein
Gebirgsland ist und daß bei einem Beginn des Begräbnisses erst um 15 Uhr mit
einer über einstündigen Prozession und dem Ende nach 18 Uhr Menschen, die aus
abgelegenen Tälern kommen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr nach
Hause kommen. So schaffte der Berichterstatter den letzten Bus nach P. nicht
mehr und mußte von St. L. aus einen zweistündigen Asphaltmarsch auf sich
nehmen, um zu Mitternacht zu Hause zu sein. Es wäre schade, wenn der Klerus die
Bindung zur Landbevölkerung verlöre, denn der Bauernstand ist - personell
gesehen - das Herz Tirols (räumlich ist es Passeier). Hoffentlich setzen die
Organisatoren das nächste Bischofsbegräbnis auf 14 Uhr an.
Exkurs: Alles hat natürlich eine Kehrseite. Wegen der mangelhaften
Verkehrsverbindungen ist die Landbevölkerung gezwungen, mehr zu gehen, was ja
gesund ist und sogar sportlich Früchte tragen kann, wie der Gewinn der
Olympischen Goldmedaille im 50-Kilometer-Gehen am 22.8.2008 in Peking zeigt.
Von Alex Schwazer aus dem 31-Einwohner
Dorf Kalch zwischen Sterzing und Passeier wird erzählt, daß er mit dem Fahrrad
auf den Jaufenpaß (2100 m) und hinunter nach Meran fuhr, um dort zu trainieren,
und dann wieder mit dem Fahrrad zurückfuhr; übrigens träumte er schon in der
ersten Oberschulklasse von Medaillen. Sein Fettanteil liegt extrem niedrig bei
5 Prozent, wie der RAI Sender Bozen am gleichen Tag zu berichten wußte; sein
großes Sportlerherz ist Grund, daß beim Puls nur 28 Schläge pro Minute
erfolgen. Extreme Leistungen sind in Passeier häufig, wie der Wettbewerb um die
3-Hütten-Trophäe vor einigen Jahren bewiesen hat. Weiteres Beispiel: Ein Bauer
und zwei Söhne umrundeten kürzlich mit dem Fahrrad die ganze Texelgruppe über
Meran (300 m Meereshöhe), Naturns und die Stettiner Hütte (2875 m) und waren
trotz Radbruch und eines gesundheitlichen Problems bereits um 4 Uhr nachmittags
wieder in U.; gestartet waren sie um 3 oder 4 Uhr früh.
Als prominentesten Ordner machten wir den päpstlichen
Kämmerer … aus.
Lob der umfangreichen, bilderreichen Berichterstattung in
den „Dolomiten“; dies gilt auch für den Papsturlaub.
Nachstehend eine Aufnahme von Bischof Wilhelm Egger, die am
Schluß des Besuches von Papst Johannes Paul II. in Maria Weißenstein anno 1988
bei der Begegnung mit drei Teilnehmern des Kurses Franziskanische Spiritualität
entstanden ist.

Bischof Wilhelm Egger 1988 in Maria
Weißenstein, Foto: Rainer Lechner
In dem Serviten-Wallfahrtsort im Unterland war an jenem Tag
auch unser Freund Pedro dabei; von hier aus ein herzlicher Gruß an den treuen
Sohn der katholischen Kirche ins G. Gestartet waren wir in Radein, vorbei am
Zirmerhof.
Exkurs: Dessen Besitzer hatte vor fast 30 Jahren die
Freundlichkeit, uns aus der Vergangenheit zu erzählen. Am Zirmerhof hatten sich
bei Kriegsende nicht nur prominente Widerständler versammelt, er ist im 19.
Jahrhundert aus einem ganz anderen Grund bekannt geworden. Eine Frau hatte
damals den stigmatisierten Jungfrauen Maria von Mörl aus Kaltern und Domenica
Lazzeri aus dem nahen Capriana nachgeeifert, zog Neugierige aus halb Europa an,
wurde aber als Schwindlerin entlarvt und starb in einem Pariser Bordell. So
gibt es auch heute falsche Heilige,
was der gutgläubige Christ bei bestimmten Personen für ganz und gar
ausgeschlossen hält.
Das Sterbebildchen
für Bischof Egger trägt die dreisprachige Aufschrift:
Einer ist euer Lehrer, ihr alle seid Brüder und Schwestern.
Uno
solo é il vostro maestro e voi siete tutti fratelli. Mâ
ön su è osc maester, os indere sëis düc fredesc. (Mt. 23,8)
Wilhelm Egger
Bischof – Vescovo – Vesco
* 14/05/1940
Ordenseintritt –
Cappuccino dal – Jü te convënt 29/08/1956
Sonderzeichen PX für Priesterweihe: 29/06/1965
Bischofsweihe –
Consacrazione – Consacraziun a Vësco 31/08/1986
† 16/08/2008
Agatha-Christie-Notizen
Vorausgeschickt: Gott lenkt die
Wege des Menschen. Es gibt keinen Zufall.
Man möge dem Verfasser
nachsehen, wenn er auf den absurden Gedanken gekommen ist, zu diesem Artikel
seine Notizen aus dem Kriminalroman von Agatha Christie „Death In The Clouds“ (Fontana/Collins, London, 1986) zu
stellen. Er mußte nämlich am Vormittag des 20. August (Beginn der 3. Reformation) zwei Stunden auf seinen Bus warten. Er
nutzte die Gelegenheit, um sich aus der Teßmann-Bibliothek wieder einmal einen
Kriminalroman zu holen, den letzten aus dem Agatha-Christie-Arsenal, von dem er
glaubte, er habe ihn noch nicht gelesen. Wie sich dann herausstellte, kannte er
ihn doch schon. Aber erst auf Seite Pichcca Chunca Soccta Pisi Uc (natürlich
auf Ketschua, damit der Leser nicht verfrüht aufgeklärt wird) erinnerte er sich
an den Täter.
Die Tatsache, daß das Mordopfer
denselben Frauennamen trägt wie sein eigenes Haus (Bild), berührte ihn doch etwas sonderbar („berühren“ ist übrigens das Lieblingswort von Papst Ratzinger).

Außerdem notierte er sich
folgende Sätze aus dem Kriminalroman:
S. 35: Inspector Japp: ’These detective-story-writers . . . always
making the police out to be fools . . . and getting their procedure all wrong.’
S. 45: Jane Grey: ‘All the false beard stuff is very out of date.
Nowadays detectives just sit and think out a case psychologically.’
S. 50: Norman Gale: ‘The doctor? That doesn’t seem very likely.’
S. 51: Jane Grey: ‘If he’d wanted to kill her he could have used something
quite untraceable and nobody would ever have known.’
S. 177 Poirot: ‘Whenever I come in contact with death, I am like the dog
who lifts his head and sniffs the scent (die
Witterung aufnimmt).’
Soweit Agatha Christie. Was der
Anlaß für den Einfall war, am 13. August das Zitat aus dem Franziskus-Psalm II
(mit der Anmerkung 8.8.2008) sowie dann den Verweis auf Psalm VIII auf der Titelseite von etika.com zu bringen, sei hier
allerdings aus Diskretion verschwiegen. Wie dem auch sei, der Verfasser hat sich
vorgenommen, in nächster Zeit die Todesanzeigen in den „Dolomiten“ gründlicher
zu lesen als bisher, das Übrige in die Hände der Engel Gottes zu legen und sich
in den Schutz besonders des hl. Sebastian zu stellen.
Fazit:
Wo wir nicht mehr durchblicken,
blickt Gott durch.
Wo wir nicht mehr weiter
wissen, wird Gott durch die Ereignisse sprechen.
Hoch gelobt sei der Herr, der
lebendige und wahre Gott!
Evtl.
Fortsetzung auf der neuen ETIKA-Seite
Kirche in Südtirol ab 2008
Dort bringen wir alle Nachrichten ab dem
Papstbesuch, die mit Kirche und Religion zu tun haben.