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ETIKA |
Rainer LECHNER |
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22LECR44 |
Kommentare |
Erschienen in der Tageszeitung “Dolomiten”, Bozen, zumeist als
„Vorausgeschickt“ auf Seite 1 |
Schnell und billig muss
es sein (14.3.2006)
Was ist schlimmer
als Feinstaub? Geistiger Feinstaub. Er vernebelt die Gehirne. Ex-Abt
Chrysostomus Giner meint damit die Gottlosigkeit. Der
Begriff läßt sich auch anwenden auf die Unfähigkeit, Probleme bei der Wurzel
anzupacken. Wer die Luftverschmutzung verringern will, muss
die Autofahrten reduzieren. Nicht mit schikanösen Fahrverboten für Leute, die
keine zwei Autos mit geraden und ungeraden Endziffern besitzen. Erst
Alternativen anbieten, dann Fahrverbote! Mit Ausnahmen für Handwerker usw.
Weitblick statt Kurpfuscherei: Straßen-, Schwebe- oder Kabinenbahnen. Schnellbahn
ins Überetsch. Stollenbahn nach Ulten, Passeier. Landesweit Züge im Stundentakt. Parkplätze nur am
Stadtrand. Da der Bürger genug Steuern zahlt, hat er ein Recht auf schnelle und
billige Alternativen. Sie sparen Folgekosten und retten Leben. Übrigens wären
alle gesünder, wenn sie Strecken bis zu drei Kilometer zu Fuß oder mit dem Rad
zurücklegten.
„Aufgestöbert“ (auf der Seite
Weltchronik, vormals „Zeitlos“, 30.9.2005
Dummheit ist die
ergiebigste Quelle des Übels auf Erden. Dummheit nennt man die Beschränktheit
jener, die sich aus Hochmut oder Faulheit der Wahrheit verschließen; die ihre
Fehler und ihre Schuld nicht einsehen; die sich weigern, täglich dazuzulernen;
die Gefahren ignorieren; die das Gesetz von Ursache und Wirkung mißachten; die
sich einbilden, es gebe keinen Gott, der allen gerecht vergilt gemäß ihrem
Wirken.
Rainer Lechner (58), Ex-„Dolomiten“-Redakteur
(unter einem le-Artikel
mit der Überschrift HEIMAT / Tradition, Messner: Weg mit Gipfelkreuzen –
Südtiroler Extrembergsteiger will alle christlichen Symbole von den Bergen
verbannen; Zwischenüberschrift: Heiliger Krieg ganz oben)
Fragen an den
EU-Parlamentarier Michl Ebner (29.9.2005, Seite
3)
Die Türkei gibt den Völkermord an den Armeniern nicht zu. Sie
erkennt das EU-Mitglied Zypern nicht an. Sie verweigert den Kurden die
Selbstbestimmung. Und das EU-Parlament honoriert eine solche Haltung mit einem
Ja zu Beitrittsverhandlungen. Halten Sie das für richtig? Michl
Ebner: Nein. Ich habe auch gegen die Eröffnung der Beitrittsverhandlungen
gestimmt.
Der Grüne Daniel Cohn-Bendit wirft den Beitrittsgegnern Rassismus vor. Doch
die übergroße Mehrheit der Bevölkerung in der EU hat Angst davor,
überall von türkischen Moslems überschwemmt zu werden. Hat die einheimische
Bevölkerung in der EU kein Recht mehr darauf, ihre Identität zu verteidigen und
ihre Heimat zu schützen? Michl Ebner: Die primäre
Aufgabe von uns Politikern ist der Schutz unserer einheimischen Bevölkerung.
Ungerechte
Weltordnung (21.9.20005, Seite 10)
Zu einem Bericht über
die Not in Burkina Faso aufgrund von Briefen afrikanischer Salesianerinnen,
die im „Engelsboten“ erschienen sind: UNGERECHTIGKEIT / Katastrophen, Armes
Afrika: Szenen aus der Hölle. Blicke in die düstere Welt der von den
Weltorganisationen und Medien Vergessenen. – Raufereien am Mülleimer –
Wandelnde Leichname – Tochter für Essen verkauft – Der brave Katechet – Mund
kaum zu öffnen – Dieb aus Verzweiflung - Sr. Marie Denise: Sie warten alle auf
den Tod, der sie erlösen wird, denn diese armen Leute essen nur noch jeden
fünften oder sechsten Tag. – Schwester Angélique Sawadogo: Die Not wird von Tag zu Tag größer!
Obiger Artikel ist kein Spendenaufruf. Ein paar tausend Euro lösen das
Problem nicht, daß jeder zweite Mensch in Armut lebt, daß Ausbeutung,
Unterdrückung und die Pest des Krieges sich ausbreiten, daß tägliche Zigtausende verhungern und daß ungezählte Millionen in
dieser Minute krank und verzweifelt dahinsiechen.
Da muß irgend etwas faul sein an der derzeitigen Weltordnung, die ja
angeblich die beste der Geschichte ist und die Menschenrechte und die Freiheit
gewährleistet. Politiker und Konferenzteilnehmer beschwören diese
Menschenrechte häufig, womit sie die Gewissen beruhigen – und ablenken von den
eigenen Pflichten und den Zehn Geboten Gottes.
Vermutlich gehen die Freiheit und der Wohlstand der einen auf Kosten der
anderen.
Ein Stückchen heile Welt (9.8.2005)
Die Berge sind
das A, das Christen- und Tirolertum das O unserer
Heimat. Schöpfen wir aus den reichen Gaben Gottes und aus der Tradition! Die Schönheit dieses Got-tesgartens
ist unser größtes Kapital, und davon dürfen wir alle zehren in Form des
Fremdenverkehrs. Der Kern des Volkes ist das Bauerntum. Sichern wir die
Existenz der Bauern durch ein zweites und drittes Standbein als bezahlte
Landschaftspfleger und – in ihrer Freizeit – als Wegmacher. Das schönste Land der Welt müsste auch das am besten ausgebaute Netz von Wanderwegen
haben. Wo es geht, Barfußwege,
Kneipp-Anlagen! Unberührte Natur, kombiniert mit Gastfreundschaft, Brauchtum, echter Volksmusik, der Tiroler
Spiritualität des Reimmichl (ein Reimmichl-Kalender
in jedes Gästezimmer!) – dieses „Paket“
wäre der sicherste Garant für die Zukunft.
Denn in einem solchen Südtirol
finden die Gäste das, was sie
suchen: Ruhe, Besinnung, schöne Erlebnisse, kurz ein Stückchen heile Welt –
Gesundkost für die Seele.
Am besten ein Auge zudrücken (2.8.2005)
Wenn es nur
alle einsähen: Die Rechtschreibreform ist vermurkst. Oder vermurxt?
Keiner kennt sich mehr aus. Jeder schreibt, wie er will. Und da wird nun den
Schülern, den Schwächsten der Gesellschaft, die größte Last aufgebürdet. Ihnen
wird als falsch angekreidet, was jahrhundertelang
richtig war und in Millionen Büchern steht. So etwas Absurdes kann nur
Bürokraten und Politikern einfallen. Wie lächerlich, in einer Zeit, in der
Fremdsprachen wichtiger sind denn je,
Fremdwörter gewaltsam einzudeutschen! Wie schlampig die Zeichensetzung!
Ohne den Bei-strich vor dem „erweiterten Infinitiv
mit zu“ sind viele Sätze unverständlich. Und wie verwirrend die künstlichen
Neuschöpfungen, wie doppeldeutig das Auseinanderschreiben vertrauter Begriffe!
Eine Reform sollte doch alles einfacher machen. Neuerungen müssen klar und logisch sein. Da jetzt aber alles so
kompliziert und chaotisch ist, bleibt nur der Appell an die Lehrer: Drückt ein
Auge zu, wenn die Schüler richtig schreiben!
Dem Terror den Boden entziehen (25.7.2005)
Der Lauf der
Welt: Eine Macht will der andern ihr Herrschaftssystem aufzwingen. Einst der
Osten dem Westen. Jetzt der Westen dem Osten. Entweder mit List oder über Leichen.
Ein Motto hat sich bewährt: Nach neun umgebrachten Zivilisten ist der Zehnte sicher ein
Terrorist. Die Reaktionen der Bevölkerung: Viele resignieren, schwenken um, kollaborieren. Ein
paar Radikale greifen zum Messer oder zur Bombe, ihr Hass steigert sich zur
Mordlust. Alles im Kalkül der Gegenseite. Diese „reagiert“ mit totaler
Überwachung, mit Entrechtung der eigenen Bürger, mit Razzien auf angebliche
Sympathisanten der Terroristen, nicht selten mit Folter. Vernünftig wäre, aus
diesem Teufelskreis auszubrechen: 1. Besatzungstruppen aus dem Irak und
Afghanistan abziehen, 2. den Palästinensern einen Staat geben, 3. überall das
Selbstbestimmungsrecht der Völker anwenden. Dann wäre Schluss
mit der Wahnsinnsspirale: Blut um Blut, unschuldige Opfer um unschuldige Opfer,
Eskalation bis zur Apokalypse.
Verwahrlostes Ferienparadies (20.7.2005)
Die Gäste
bleiben aus. Das große Jammern. Bei allem Respekt vor dem Fleiß und Idealismus
einzelner: Das touristische Gesamtbild Südtirols ist beschämend. Viele Juwelen wurden zertrümmert: etwa die
idyllische Gruppe kleiner Hütten vor Pfelders oder der Holzsteg zum Fennberger
See. So viele für immer verlorene
Schätze! Und am Wichtigsten fehlt es: neun Zehntel zu wenig Wanderparkplätze!
Für lückenlose Markierungen reicht das
Geld nicht (Unterland, Passeier, Puflatsch).
Wanderer werden kilometerweit über Asphalt gejagt (wenigstens Kies- oder
Graspfade könnte man daneben anlegen)! Normalwege führen über abschüssige
Felsplatten, bei Nässe lebensgefährlich (Kolbenspitze)! Und öffentliche
Hallenbäder muss man mit der Lupe suchen. Von den
Preisen ganz zu schweigen. Gewisse Raubritter (über die schon Karl May klagte),
Landes- und Gemeindepolitiker haben die Bemühungen der anderen zunichte
gemacht, den Gottesgarten Südtirol zu hegen und als Ferienparadies zu erhalten.
Fall Sgrena öffnet die Augen (7.3.2005)
Tragische Folgen hatten die US-Schüsse auf das Auto mit der befreiten Geisel Giuliana Sgrena: Der tapfere Geheimdienstmann Nicola Calipari starb, sein Kollege und die Journalistin wurden schwer verwundet. Diese Tat öffnet vielen die Augen. So schreibt heute der „Westfälische Anzeiger“: „Welcher tödliche Leichtsinn sollte die Fahrer eines Konvois im Irak verleiten, trotz mehrfacher Warnungen zu schnell auf eine US-Sperre zuzufahren im Wissen darum, wie schnell man dort mit dem Finger am Abzug ist?“ Der „Wiesbadener Kurier“ meint, dass „der ungeheuerliche Vorwurf eines bewussten Mordanschlags von vielen für glaubhaft gehalten wird“. Für die „Main-Post“ wirft der Vorfall ein Schlaglicht „auf die Sinnlosigkeit der Irak-Mission“. – Sinnvoll wäre der Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak, die Gründung eines unabhängigen Kurdistans sowie einer irakischen Föderation aus einem schiitischen und einem sunnitischen Teilstaat mit Minderheitenschutz. Dann wäre Frieden.
Verhinderte Klimaschützer (20.12.2004)
5000 Klimaexperten und Politiker aus 189 Staaten sind nach Buenos Aires geflogen. Sie haben sich unterhalten, ob die Leute weniger mit dem Flugzeug fliegen und weniger mit dem Auto fahren sollen. Sonst ist nichts herausgekommen. Nein, doch etwas: Nach zweiwöchigem Palaver fassten die Delegierten voll Tatendrang den Beschluss, dass sie alle im Mai mit Flugzeugen zur nächsten Klimakonferenz nach Bonn fliegen. Die Umweltschützer weltweit jubeln. Doch die Amerikaner hätten ihnen beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn sie wollten nicht nach Bonn fliegen. Erstens weigern sie sich, ihre Treibhausgase zu reduzieren, womit sie schon bisher alle Klimakonferenzen blockiert haben. Zweitens würden sie die ganzen Flugkosten sparen, und drittens: „Time is money“. Auf gutes Zureden fliegen sie nun im Mai doch nach Bonn, um den Klimaschutz weiter zu blockieren. – Ums Haar hätten sich die Amerikaner als die einzigen Umweltschützer von Buenos Aires erwiesen.
Das Rennen der Fanatiker (18.10.2004)
Die Menschheit saust in einem schwindelerregenden Tempo über die Autobahn. In vielen Autos sitzen behämmerte Fanatiker, die stur Vollgas geben. Sie kennen keine Rücksicht, versuchen wie in einem Computerspiel möglichst viele andere Autos zu rammen und Fußgänger zu überfahren. Sieger ist jener, der am meisten Gegner ins Jenseits befördert. Am Schluss aber bleibt keiner Sieger, denn es gibt eine Massenkollision, und alles fliegt in die Luft. So ist es auch mit der heutigen Politik. Staatsterror und Terror schrauben sich gegenseitig empor in einer Spirale der Vernichtung. Im Irak, in Afghanistan, in Palästina. Die einen sind gierig nach Erdöl oder wollen Waffen verkaufen, andere streben als Imperialisten oder religiöse Fanatker nach der Weltherrschaft, zerstören als Chauvinisten Häuser eines fremden Volkes. Der Hass lodert, Köpfe rollen, Kirchen brennen. Alles spitzt sich zu. Es gibt nur einen Ausweg: Selbstbestimmung und Freiheit für Iraker, Kurden, Afghanen und Palästinenser.
Angriff auf Europa
(28.6.2004)
Viele träumten von einem eigenständigen Europa, einer Macht
zwischen den Blöcken, einem geistigen Gegengewicht zu Supermächten, zu
menschenverachtenden Ideologien, zum
Islam. Diesen Traum wird man bald begraben müssen. Denn der stärkste
Mann der Welt wünscht, dass die Europäische
Union die Türkei aufnimmt. Mit diesem
Trojanischen Pferd soll das christlich-abendländische Wesen Europas weiter
aufgeweicht, die EU von innen geschwächt werden. Wenn Brüssel sich diesem
Ansinnen des „großen Freundes“ Bush
widersetzen würde, wäre es ein Wunder. Und so wird „Europa“ immer größer,
demnächst noch angereichert mit den Mittelmeerstaaten von Israel bis Marokko,
bis es endlich heißt: Warum schließen wir uns nicht alle brüderlich zusammen zu
einem Weltstaat, unter einem einzigen Präsidenten mit allen Vollmachten? Denn
nur er kann der Welt Frieden und Wohlstand bringen. Und alle werden ihm
zujubeln. Freiheit und christliches Abendland, adieu!
Untergang der Zivilisation
(10.5.2004)
Wir erleben einen historischen Augenblick: den Untergang der Demokratie, der Grundrechte, des Völkerrechts, der von der zivilisierten Menschheit als verbindlich anerkannten Werte. Ein Staat, der sich anmaßt, weltweit als Hüter der Menschenrechte aufzutreten, tritt jegliche Ethik in den Schmutz. Es ist unerhört, unfassbar, unglaublich: US-Geheimdienstler, -Militärpolizisten und -Soldaten, die ein fremdes Land besetzt haben, um „Freiheit und Frieden“ zu bringen, tun dessen Bürgern Dinge an, die man nur aus Horrorfilmen aus Hollywood kennt. Gefangengenommene Iraker werden von Folterknechten ihrer Würde als Kinder Gottes beraubt, gedemütigt, vergewaltigt, mit Hunden gehetzt, sadistisch getötet. Die höchsten Stellen in Washington wussten seit langem Bescheid über das Treiben dieser Hyänen in Menschengestalt – und schwiegen. Wir Europäer haben eine andere Auffassung von Demokratie. Ob diese noch eine Chance hat? Die Weltdiktatur steht vor der Tür und ist kaum aufzuhalten.
Bombay oder Bomben
(19.1.2004)
In Bombay fordern Idealisten Frieden und Gerechtigkeit. Sie
verkünden: „Eine andere Welt ist möglich“. Natürlich wäre sie möglich. Sogar im Irak. Doch fremde Mächte ziehen aus
der Ferne die Fäden des Ölgeschäfts. Die Einheimischen gehen leer aus. Die
Worte von Freiheit und Demokratie bleiben Gerede. Schiitenführer Ali Sistani
fordert freie Wahlen. US-Verwalter Paul Bremer will zwar einen „freien Irak“,
aber keine freie Wahlen. Der Irak brodelt. Kurden gegen Araber, Sunniten gegen
Schiiten, Einheimische gegen Besatzer. Und so explodieren in Bagdad weiter
Bomben. Wer den gordischen Knoten Irak aufknüpfen will, muss
beim Ursprung anfangen: Der Irak ist ein von den Engländern geschaffenes
künstliches Gebilde. Der erste Schritt zur Gesundung: das Recht jedes Volkes
auf Selbstbestimmung anwenden. Sobald die Kurden ihren eigenen Staat haben mitsamt Mossul, Kirkuk und ihren
Ölquellen, werden sich die Araber schon zusammenraufen. Vorausgesetzt, auch sie
erhalten ihr Öl zurück.
Erbarmungslose Bürokraten
(2.1.2004)
Bei schweren Erdbeben ist die eine Katastrophe nie genug. Wie 1980
in Kampanien, so jetzt im Iran: Es stellen sich zwei
weitere ein. Die erste ist die Unfähigkeit der Behörden, aus altbekannten
Erfahrungen Lehren zu ziehen und Maßnahmen zur Rettung Überlebender zu
koordinieren; stattdessen stehen an
Unglücksorten viele Helfer tatenlos
herum. Die beschämendste Katastrophe aber ist die
Unverfrorenheit, mit der Verantwortliche schon nach wenigen Tagen erklären, es
gebe nur noch geringe oder gar keine Überlebenschancen für Verschüttete. Bereits nach kurzem Einsatz
haben jetzt aus dem Ausland angereiste
Rettungstrupps die Schaufeln hingeworfen und sind heimgekehrt. Dummheit, Faulheit – oder Menschenverachtung? Wie so oft kamen
dann, nach einer Woche, Überlebende zum Vorschein. Wer weiß, wie viele Menschen
noch immer in Schlupflöchern verzweifelt ausharren, aber aufgrund der Befehle
seelenloser Bürokraten von Baggern lebendig beerdigt werden.
Überall gibt es solche und solche (3.11.2003)
Machen wir uns nichts vor: Ziel des Islamismus ist die Weltherrschaft, so Peter Fritsch, Expräsident des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz. Und laut Giuliano Vassalli, Expräsident des italienischen Verfassungsgerichtshofes, ist „ein großer Plan einer moslemischen Invasion Europas in Durchführung“. Fanatiker wollen nun die Kreuze aus unseren Schulen entfernen lassen. Man stelle sich vor, was mit Christen in Saudi-Arabien geschähe, die die Entfernung islamischer Symbole aus öffentlichen Gebäuden verlangen würden. Sie wären vermutlich rasch einen Kopf kürzer, während Adel Smith in Italien Polizeischutz bekommt. Zum Glück gibt es auch sehr viele verständige Moslems, welche die Religion und Tradition ihres Gastlandes respektieren. Äußerst bedenklich ist jedoch, dass sich hierzulande sofort Richter finden, die eine solche Gelegenheit zur weiteren Entchristianisierung beim Schopf packen. Doch noch sind die Christen in der Mehrheit. Nur wer sich selbst aufgibt, ist verloren.
Im Teufelskreis der Schulden (13.10.2003)
Wo soll das alles enden? Das fragen sich viele Deutsche. Ihr Staat
macht so viel Schulden wie noch nie in der Geschichte, weil die Politiker nicht
mehr ein noch aus wissen. Dabei ziehen
sie ohnehin die Daumenschrauben an, soweit es geht. Am einfachsten ist es für
die Mächtigen, die Rentner zu schröpfen; diesen drohen Nullrunde und
Steuerpflicht. Die Erwerbstätigen sollen künftig 40 statt 35 Stunden in der
Woche arbeiten; so fordert es die geängstigte Industrie, die wegen des steigenden
Euro-Kurses immer weniger exportiert. Das Heer der Arbeitslosen wächst
ständig; weil für sie das Geld fehlt,
will Kanzler Schröder nun am Freitag die Zusammenlegung der Arbeitslosen- und
Sozialhilfe durchsetzen. Das wird aber nicht genügen. Und so schielen er und
die Führer anderer Staaten, die ebenso
tief in der Tinte sitzen, auf eine
EU-Lösung, die ihnen alle Lasten abnimmt. Sie wird einfach und wirksam ausfallen, denn es wird
die OECD-Formel sein: alle Europäer in Rente erst ab 67 oder 68 Jahren.
Menschen – dümmer als Affen (23.9.2003)
Es gibt Tiere, die werden aus Erfahrung klug. Jungtiere meiden recht bald giftige Sträucher, Kühe schrecken vor elektrisch geladenen Weidezäunen zurück, und auch Affen vergessen nie, was sie gelernt haben. Nur eine Kreatur merkt sich nichts – trotz täglicher bitterer Erfahrungen: der Mensch. Er haut und schießt sich mit seinesgleichen, tut seinen Artgenossen Unrecht und Leid an, soviel es geht. Im Großen wie im Kleinen. Er tötet mit Messern, Pistolen und Bomben, foltert, baggert Häuser von Familien nieder, hetzt Hunde auf Wehrlose, sät Hass, provoziert Rache. Und voll Verblendung opfert er das Höchste, was er hat, sein eigen Fleisch und Blut, nur um dem Gegner zu schaden. So ist der Kamikaze-Terrorist ein Symbol für Adam, der den Verstand verloren hat und sich und die ganze Erde in die Luft sprengt. Alle setzen auf Gewalt, von den primitivsten Motorrad-Rockern über El Kaida bis zu den Großmächten. Und erreichen nichts, nur Blut, Tränen und Chaos. Und alle schauen zu.
Überlebensstrategien suchen
(11.8.2003)
Nun auch in Europa: Auf einmal beginnt für viele der Kampf ums
Überleben. Weil die Regierungen Rentengelder für anderes verprasst
haben, vergreifen sie sich am Existenzminimum von Pensionisten. Noch
beschämender: Teile der jüngeren Generation sind nicht mehr bereit, für Eltern
und Großeltern aufzukommen. Eine globale Wirtschafts- und Finanzkrise rollt
unaufhaltsam vorwärts. Allein in der EU sind 14 Millionen Menschen ohne
Arbeit. Und jetzt noch dieser Sommer,
wie es nie einen gab. Weil das Gras
fehlt, werden viele Bauern ihre Kühe zu Mindestpreisen verkaufen müssen, und
kommendes Jahr fehlt es dann an Milch. Was tun? Die Ursachen angehen. Norbert Lantschner sagt es bezüglich der Umwelt: den Autoverkehr
reduzieren! Genauso gibt es für andere globale Probleme Lösungen: die
christliche Soziallehre, Achtung der Gebote Gottes, weg vom Egoismus, brüderlicher Umgang mit der Schöpfung,
teilen. Ethisches Handeln nützt allen, das Recht des Stärkeren nur wenigen.
Indiens Verrat an Tibet
(26.6.2003)
In erschreckender Weise haben die Ereignisse der vergangenen Jahre
deutlich gemacht, dass internationale Verträge und
das Völkerrecht oft kaum mehr das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben
sind. Angriffskriege gegen unbotmäßige Völker und die Ausnahmen bei der
Verfolgung von Kriegsverbrechern durch den Internationalen Strafgerichtshof
sind nur zwei Beispiele. Die Großen
werden immer mächtiger, die Kleinen bleiben auf der Strecke. Den neuesten
Kuhhandel sind Indien und China eingegangen. Beide haben im vergangenen halben
Jahrhundert fremde Länder besetzt. Weil sich kein Weltgewissen rührt und weil
die unterdrückten Völker keine Stimme mehr haben, die ihr Recht auf
Unabhängigkeit fordert, wird schändlicher Verrat nun in Recht umgewandelt.
China darf Tibet behalten, wenn Indien Sikkim nicht mehr hergeben muss. Den unterdrückten Kleinen bleibt als einziges
Gegenmittel das Beharren auf dem Selbstbestimmungsrecht – allen Verträgen der
Großen zum Trotz!
Gescheiterte Staaten (17.6.2003)
Entweder war die Parole „Nie wieder Krieg – nein zur Gewalt!“, die
nach dem Zweiten Weltkrieg ein halbes Jahrhundert lang gepredigt wurde, falsch.
Oder etwas Grundlegendes hat sich in den vergangenen Jahren geändert, dass jetzt auf einmal Staaten und Staatenbündnisse wie die
EU den von ihnen so oft beschworenen Verzicht auf Angriffskriege hintanstellen und Gewalt gegen ferne Länder androhen, falls diese nicht abrüsten. Passé ist die Zeit, in
der die Rede davon war, dass alle Staaten souverän
und gleichberechtigt seien. Plötzlich taucht
der Begriff „gescheiterte Staaten“ auf. Das Kuriose dabei ist, dass im Fadenkreuz der „Friedensbewahrer“ meist
erd-ölreiche Staaten stehen wie jetzt der
Iran. Verwundert fragt sich der Beobachter, warum die ganze Welt zugeschaut hat, wie im Kongo
in sechs Jahren drei Millionen, im Sudan
zwei Millionen und und in Ruanda eine Million Menschen massakriert wurden. Offenbar
„gescheiterte Staaten“ – und Menschen –
zweiter Klasse.
Rückfall in die Barbarei
(7.4.2003, aus technischen Gründen zurückgezogen, nicht veröffentlicht)
Welch wunderbarer Fortschritt im 20. Jahrhundert! Große Geister entwickelten große Ideen: Albert Schweitzer die Ehrfurcht vor dem Leben, Mahatma Gandhi die Gewaltlosigkeit (ahimsa = Nicht-Verletzen), Mutter Teresa die Bestimmung des Christen, „die Liebe und das Mitleid Christi in der Welt zu sein“.
Jetzt sind wir im 21. Jahrhundert. Werden diese hehren Ziele umgesetzt? Weit gefehlt! Die stärkste Macht der Welt baut immer noch größere Bomben, um sie an Menschen in fernen Ländern zu testen. Seelenlose, computergesteuerte Marschflugkörper suchen sich ihre Ziele selbst mitten in einer Stadt. Grässliche Streubomben machen aus Gottes Kreaturen Hackfleisch. Gewalt ist nicht mehr gleich Gewalt. Denn welche Chance auf Gegenwehr haben da noch Beduinen mit veralteten Flinten? Und welch himmelweiter Unterschied zur Gewalt des Sepp Kerschbaumer: Dieser hat, von seinem Gewissen getrieben, Masten gesprengt - aber peinlichst darauf bedacht, nur ja keinem Menschen ein Härchen zu krümmen.
Die Frommen und die Frevler (31.3.2003)
US-Präsident George W. Bush ist ein frommer Mann. Er zieht sich
oft zum Gebet zurück und trifft entsprechend „fromme“ Entscheidungen. Das ist seine Sache
und die der USA. Wenn er aber glaubt, er könne
die Führung eines fremden Staates
(heute im Irak, morgen anderswo) für
„vogelfrei“ erklären und „Frevler“ weltweit von CIA-Killerkommandos um die Ecke bringen lassen, dann geht das uns
alle an. Man stelle sich vor, die Fidschi-Inseln, Serbien oder Deutschland würden Agenten in die USA schicken, um
dort Spitzenpolitiker umbringen zu lassen. Sofort würden der
Weltsicherheitsrat und die UN-Vollversammlung zu Eilsitzungen einberufen,
und die „Weltgemeinschaft“ würde jenem
Land, das das Völkerrecht so frevelhaft bricht, den Krieg erklären. Da dies im
Falle der USA nicht der Fall ist, bleibt nur der Appell an Bush, in der Bibel Matthäus 5 und 13 zu lesen: „Du
sollst nicht töten!“ – „Die Engel werden alle, die Unrecht tun, in den Feuerofen
werfen; dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.“
Wieder Kurden gegen Kurden
(24.3.2003)
Divide et impera!
Teile und herrsche! Ein uraltes, todsicheres
Erfolgsrezept. Beliebt bei den Römern. Beliebt bei den Siegern des Ersten
Weltkrieges, die nicht nur Tirol teilten, sondern auch anderswo das
Selbstbestimmungsrecht der Völker missachteten,
willkürlich Staatsgrenzen zogen und damit
große Teile Afrikas und Asiens zur armen Welt deklassierten. Daueropfer
dieses Mottos sind auch die Kurden. Ihre klügsten Köpfe verfolgten die
Strategie, nach dem Untergang des Saddam-Regimes einen kurdischen Staat
auszurufen. Aber mit Kurden lässt sich anscheinend
kein Staat machen. Anstatt sich mit den anderen Kurden dem türkischen Erzfeind
entgegenzustellen, der jeden Augenblick eindringen kann, kocht die Patriotische
Union Kurdistans ihr eigenes Süppchen. Ihre
Peschmerga bekriegen mit den USA, die gegen ein freies Kurdistan
sind, die islamistischen Kurden von Ansar el Islam an der Grenze zum Iran. So werden die Türken
das Rad der Geschichte wohl bald zurückschrauben.
Achtung vor dem Mitmenschen
(5.11.2002)
So mancher Zeitgenosse hat derzeit ein mulmiges Gefühl. Die Gesellschaft
driftet auseinander. Ein Wettrennen ist ausgebrochen: Wer durchsägt als erster
den Ast, auf dem alle sitzen? Die Demokratie hat für mich fünf Kennzeichen: 1.
Das Volk (nicht eine multikulturelle Randgruppe) herrscht. 2. Die Mehrheit
entscheidet. 3. In einer pluralistischen Gesellschaft spricht keiner dem
anderen die Existenzberechtigung ab. 4. Jeder darf seine Meinung frei sagen. 5.
Konflikte werden mit friedlichen Mitteln ausgetragen. Frage an alle: Gelten
solche Grundsätze noch? Wer sich Demokrat nennt, darf keine Methoden anwenden,
die typisch sind für eine Diktatur. Deshalb: Bitte keine Diskriminierungen,
keine Hexenjagden, keine Kriegshetze! Stattdessen:
Schutz unserer Gesellschaft und der Heimat, ja, aber mit, nicht ohne Achtung
vor der Menschenwürde jedes Einzelnen. Versuchen, die Sorgen des anderen zu verstehen, zur
Versöhnung bereit sein, gerechte Lösungen suchen – das ist besser als Hass und
Bürgerkrieg.
Chance für die Kurden
(31.8.2002)
Noch hat die Weltmacht Nummer eins ihre Streitmacht nicht
aufgeboten, um das unbotmäßige Regime Saddam Husseins zu zerschlagen, den Irak
mit ihrer Demokratie zu beglücken und die Ölquellen für die westliche Welt zu
sichern, da sitzen schon Aasgeier am Wegesrand. Mit einer Unverfrorenheit
sondergleichen erhebt die Türkei Ansprüche auf den Nordirak. Mit welchem Recht?
Weil dort Kurden wohnen! Und dieses angebliche Räubervolk in den Bergen – das ist seit Jahrhunderten Tradition
und Gewohnheitsrecht – muss eben von Osmanen im Zaum
gehalten werden. Die Zersplitterung der
Kurden hat die Aufteilung auf fünf Staaten zementiert. Wenn die Kurden
weiterhin Wasser für fremde Herren tragen wollen, dann mögen sie so
weitermachen wie bisher. Wenn sie aber das
Jahrhunderte alte Joch abschütteln wollen, dann täten sie gut daran, sich für
die kommende Umwälzung in Nah- und Mittelost zu rüsten. Mit Willen und
Diplomatie könnte ein Traum wahr werden: der Traum vom freien Kurdistan.
40.000 und die klugen Köpfe (27.8.2002)
„Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“, lautet der Werbeslogan einer Zeitung. Ob dies auch auf die Weltkonferenz für nachhaltige Entwicklung in Südafrika zutrifft? 40.000 Delegierte aus aller Welt hat man einfliegen lassen, damit sie die Probleme der Armut und des Wassermangels lösen. Wie sagte doch der Dichter Friedrich Schiller? „Mehrheit ist Unsinn. Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen.“ Das Tröstliche bei dieser Verschwendungsorgie, deren Kosten unzähligen afrikanischen Familien das Überleben auf Jahre hinaus sichern könnten: Die Schlussresolutionen sind, wie bei Mammutkonferenzen üblich, bereits vorher fertig formuliert, und zwar von wenigen klugen Köpfen. Wozu also ein Massengipfel? Überhaupt liegen alle Forschungsergebnisse bezüglich Armut und Wasser bereits schriftlich vor. Es braucht nur wenige kluge Köpfe, die sie zusammenfassen und umsetzen. 40.000 palavernde Konferenzteilnehmer sind für diese Arbeit zuviel. Die Armen brauchen Taten, nicht Reden.
Reizüberflutung durch Licht am Tag (22.6.2002)
Zur Senkung der Unfallgefahr müssen Autofahrer ab 1. Juli auf
italienischen Autobahnen auch bei Tag das Abblendlicht einschalten. So weit, so
gut. Man muss aber wissen, dass
die einschlägige Industrie seit Jahrzehnten eine internationale Kampagne führt,
um alle Kraftfahrer zu zwingen, auf
sämtlichen Straßen auch am helllichten Tag mit Abblendlicht zu fahren. Dagegen
hat der Automobilclub ÖAMTC dieser Tage zu Recht protestiert, denn:
„Unbeleuchtete Fahrzeuge, Fußgänger, aber auch Motorradfahrer könnten auf Grund
der Reizüberflutung leichter übersehen werden.“ Das ist es: Die Autofahrer
selbst sind geschützter, aber alle anderen nicht. Dazu kommt, dass die
Reizüberflutung durch die Scheinwerfer die heute oft computergestressten
Augen noch mehr belastet. Schon jetzt leidet etwa jeder zehnte Autofahrer unter
Nachtblindheit. Wenn noch mehr Lichtreize dazukommen, wird die allgemeine
Verkehrssicherheit auf lange Sicht verringert.
Kurden: Ohne Einheit keine Zukunft (19.3.2002)
Wieder stellen Kurden das Gros der Flüchtlinge, die mit einem
Schiff in Sizilien gelandet sind. Diesmal stammen die meisten nicht aus der
Türkei, sondern aus dem Irak und Syrien.
Weitere Angehörige des 25-Millionen-Volkes leben im Iran und in Armenien (zuvor
Sowjetunion). Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges teilen sich fünf Staaten das
Terroritorium des zerstrittenen Bergvolkes auf.
Vertreter der in Südtirol lebenden Kurden klagten, dass
Europa und die USA an die Unterdrücker Panzer, Minen und Giftgas liefern.
Millionen Kurden sind schon aus der „internationalen Kolonie Kurdistan“ geflohen.
Doch hat es einen Sinn, wenn noch mehr Millionen der Heimat den Rücken kehren?
Dringlicher wäre es, die Ursachen der Not anzugehen. Und dazu wäre
überlebenswichtig, dass sich die Kurden endlich einigen und einen
eigenen Staat fordern. Gemeinsam sind
sie stark, und die Sympathien vieler Völker und ethnischer Minderheiten –
darunter die Südtiroler – sind ihnen sicher.
Katz-und-Maus-Spiel in Afghanistan (8.1.2002)
Seit Anfang Oktober jagen die Amerikaner den Terroristenchef Osama bin Laden und den Führer der Taliban,
Mullah Omar: mit Spionen, Rangers und Delta Force,
mit Tarnkappen- und bunkerbrechenden Bombern, mit Marschflugkörpern, Panzern
und Hubschraubern. Sie bombardieren Militärlager, Städte, Dörfer, und jetzt
auch noch Berggipfel. Oft hieß es: Die Taliban seien
besiegt, El Kaida sei zerschlagen, Tora Bora sei
eingenommen. Ein Vierteljahr dauert die Suche genau, und die Amerikaner werfen
noch immer Bomben. Sind die El-Kaida-Kämpfer Stehaufmännchen? Es hat den Anschein. Am
Freitag hatte es wieder geheißen, die
Festnahme von Mullah Omar stehe unmittelbar bevor. Am Samstag soll er dann auf
einem Moped entkommen sein. Die Häscher seien ihm aber weiter auf den Fersen.
Da erhebt sich die Frage, wer mit wem Katz und Maus spielt. Entweder die Taliban mit den Amerikanern – oder die amerikanische
Informationspolitik mit der Weltöffentlichkeit.
Afghanen gegen Fremdbestimmung
(20.11.2001)
Keiner will zu kurz kommen. Der Iran, Russland,
die Paschtunen, Usbeken, Tadschiken, Hasara – alle
bemühen sich fieberhaft, meist hinter den Kulissen, der UNO zuvorzukommen, die
eine multiethnische, demokratische Regierung in Afghanistan an die Macht bringen will. Mit welchen Leuten die
internationale Gemeinschaft dies tun will, ist schleierhaft. Sie entsendet zwar
Kampfflugzeuge, Kriegsschiffe, Sonderkommandos, aber ob diese auf Dauer in der
Lage sind, ein so kriegerisches Volk zu „Frieden und Fortschritt“ zu führen,
ist zu bezweifeln. Die meisten Feinde der Taliban
sind fast ebensolche radikale Islamisten wie die
jetzt fliehenden oder eingekesselten Koranschüler und ihre arabischen
Mitstreiter. Die Zeichen mehren sich, dass die
stolzen Afghanen mit einer Fremdbestimmung durch den Westen nicht einverstanden
sind. Mit Bomben und Dollars wurden die Taliban
gestürzt. Ihre Feinde jubeln, haben aber wenig Lust, selbst ein Musterstaat der
UNO zu werden.
Lieber Fleisch von Bergbauernhöfen (29.11.2000)
„Der Fleischmarkt bricht zusammen – Konsum geht um 70 Prozent zurück“, titelte „Die Welt“ gestern. In allen Ländern Europas schrillen die Alarmglocken. Und warum? Weil britisches Rindfleisch und Tiermehl importiert wurde, das möglicherweise mit BSE verseucht ist. Mehrere Staaten hatten versucht, ihre Bevölkerung durch Einfuhrsperren zu schützen, doch hatte die EU dies für unzulässig erklärt. Denn der freie Warenverkehr ist eines ihrer obersten Ziele. Ob Brüssel hier nicht umdenken muss?
Es geht nicht an, dass wegen
offensichtlicher Fehlentscheidungen die halbe Landwirtschaft zugrunde geht.
Was tun? Südtirols
Verbraucher müssen sich darüber
klar werden, dass es gesundes Vieh
gibt, das nicht mit Tiermehl gefüttert wird: auf unseren
Bergbauernhöfen. Es liegt nun am Land, schnellstens ein Gütesiegel für
garantiert gesundes heimisches Rindfleisch einzuführen. Freilich hat Sicherheit ihren Preis. Aber lieber ein
finanzielles Opfer als BSE.
Fall ICI: Ignorant oder bösartig
(21.6.2000)
ICI 2000 – Gemeindesteuer auf Immobilien. Hilfe! Wer versucht,
diese Steuer anhand der offiziellen
Unterlagen auszurechnen, scheitert kläglich und versinkt in tiefe Depression –
oder geht die Wände hoch, wie der Schreiber dieser Zeilen. Mancher würde zu den
Anweisungen für das Ausrechnen der Steuer sagen: ein Rückfall ins Mittelalter. Völlig falsch: Im Mittelalter hatte man noch
klare Verhältnisse, wusste, woran man war. Entweder
nahm einem ein Raubritter alles weg, oder man entrichtete seinen Zehnten an den
Lehnsherrn. Heute hingegen herrscht die totale Konfusion, jedenfalls bei den
bedauernswerten Zeitgenossen, die einen „Katasterertrag“ mit „Koeffizienten“
multiplizieren und mit Hebesatz und Freibetrag kombinieren sollen. Nirgends
wird erklärt, wie. Nicht ignorante oder
bösartige Behörden würden gleich einfache Beispiele fürs Ausrechnen mitliefern
– oder die Steuer selbst ausrechnen, was in zivilisierten Gegenden bereits üblich ist, übrigens auch in Deutschnofen.
Der Horror hinter dem Horror (20.6.2000)
Ein Schauer läuft einem über den Rücken. Entsetzlich: 60
Flüchtlinge sind hinter Waren in einen Container gepfercht, haben kaum Luft zum
Atmen, halten durch in der Hoffnung, daß das Unerträgliche doch einmal ein Ende
hat. Doch das Unerträgliche will kein Ende nehmen, die Luft wird noch dünner,
die Sinne schwinden, einer nach dem anderen wird bewusstlos,
fällt ins Koma. Hilfeschreie verhallen ungehört. Die, die nicht tot sind,
wissen, dass auch sie bald tot sein werden. Nackter
Horror, schlimmer als im Gruselfilm. Nur zwei überleben. Als die Tragödie – die
wievielte? – durch Zufall bekannt wird, ist die Empörung europaweit groß. Wie
können diese bösen Schlepper nur so grausam mit den Flüchtlingen umgehen, erzürnen sich alle – zu Recht. Warum jene
bedauernswerten 60 aber geflohen sind,
danach fragen wenige. Grund ist die wachsende Kluft zwischen armen und reichen
Ländern, die Ausbeutung der Armen Welt
durch die Industriestaaten und Finanzmächte des Westens.
Empörung nach römischem Urteil (2.6.2000)
Fürchte nicht das Gesetz, sondern den Richter! Dieses Wort stammt
aus Russland, hat aber weltweite Gültigkeit. In
Italien hat das oberste Gericht ein Urteil gefällt, das bei vielen anständigen Menschen Empörung hervorgerufen
hat. Anstatt die Rechte der Schwachen zu verteidigen, anstatt Kinder vor
sexueller Ausbeutung zu schützen, wie es die Gesetze verlangen, hat das
Kassationsgericht dem Glauben an die
irdische Gerechtigkeit einen schweren Stoß versetzt: Es hat einen pädophilen
Lehrer freigesprochen, der von einem 13-Jährigen pornografische Aufnahmen
gemacht hatte. Der Grund: Er habe sie nur zum eigenen Vergnügen angefertigt und
nicht, um damit Geld zu machen. Als ob es beim
Schutz der jugendlichen Unschuld und Kindheit um Materielles ginge!
Wer Kinder missbraucht, tötet Seelen. Und wer Herstellern von Kinderpornografie einen Freibrief erteilt, erschüttert Justiz und Staat und macht sich schuldig – an den Opfern und vor Gott!
Dafür sorgt schon der liebe Gott
(16.9.1999)
Umweltalarm der UNO: Das Wasser immer schmutziger und knapper. Die
Luft verpestet. Die Böden verseucht. Viele Nahrungsmittel vergiftet.
Für den Leser schockierend? Ja, wenigstens für einen Augenblick. Wir lesen diese Nachrichten im Lehnstuhl. Wir staunen, wie es auf der Welt zugeht. Besonders wenn es heißt: „Die fortdauernde Armut der Weltbevölkerung und das exzessive Konsumverhalten einer Minderheit werden im Millennium-Bericht Geo 2000 als Hauptgründe für die Umweltzerstörung genannt.“ Ja, vielleicht ärgern wir uns sogar über das Blabla und die Tatenlosigkeit der verantwortlichen Politiker.
Doch danach ...
Danach haben wir es eilig, irgendwohin zu fahren. Natürlich mit
dem Auto, nicht mit Bahn oder Rad.
Gemäß dem Motto: Nach uns die Sintflut. Und auf unsere süßen Kleinen wird schon der
liebe Gott aufpassen.
(Berichte auf Seite Weltchronik.)
Christen ihren Henkern ausgeliefert (9.9.1999)
Hier geht es nicht um Öl,
hier winken keine Geschäfte, strategische Vorteile lassen sich ebenso wenig
erkennen – hier geht es nur um ein paar Menschenseelen, noch dazu christliche.
Daher ist es kaum verwunderlich, wenn zwar aus Lissabon, Bern, Wien oder Bozen
Rufe nach einem internationalen Eingreifen ertönen, nicht aber aus New York und
Washington. UNO und USA sind derzeit
nicht gewillt, Truppen in das Krisengebiet Osttimor zu entsenden, um das
Gemetzel zu beenden. Bill Clinton, der
in den Kuwait- und Kosovo-Krisen den
moralischen Saubermann mimte, der unerschrocken für bedrohte
Völkerschaften eintritt wie weiland Robin Hood für die Armen, dieser
Bill Clinton zeigt nun seine wahre geschichtliche Größe.
In Osttimor werden Christen gejagt, verschleppt, enthauptet. Hunderttausende flehen um Hilfe. Die Weltöffentlichkeit nimmt's zur Kenntnis – und läßt die Verfolgten im Stich. Henker sorgen inzwischen für die „biologische Lösung“ des Problems.
Einäugige Weltkontrolleure
(9.7.1999)
Unvorstellbare Greueltaten haben die RUF-Rebellen
acht Jahre lang während des Bürgerkriegs in Sierra Leone begangen. Die
Mordbuben von Foday Sankoh
hackten unzähligen Menschen Gliedmaßen, Lippen und Ohren ab. Gezielt jagten, vergewaltigten und töteten sie
Jungfrauen. Sie spießten abgeschlagene
Köpfe ihrer Opfer auf.
Nun hat die Regierung mit ihrem Anführer Frieden geschlossen, der behauptet, übernatürliche Kräfte zu besitzen. Eine Generalamnestie wurde vereinbart. Alles, was geschehen ist, darf nicht bestraft werden. Blut und namenloses Weh – alle Greuel bleiben ungesühnt.
Dem UN-Generalsekretär Kofi Annan, der Krokodilstränen weinte
wegen ungleich harmloserer Konflikte, fiel nichts Besseres ein, als das Abkommen samt Generalamnestie zu begrüßen. Das heißt die
Schande unter den Teppich kehren.
Gottlob gibt es noch unabhängige Menschenrechtsorganisationen, die
den Ruf nach Gerechtigkeit erheben.
Tierfreunde danken Michl Ebner (29.1.1999)
Unerwartet gute Nachricht
aus Brüssel: Dem Südtiroler Europaparlamentarier Michl
Ebner ist es gelungen, die schändliche Praxis der Käfighaltung von Legehennen zu Fall
zu bringen. Die allermeisten der 270 Millionen Hühner in Europa fristen ihr Dasein
nämlich unter unvorstellbar grausamen Bedingungen. Viele haben nur 450
Quadratzentimeter Platz, weniger als auf
einem Blatt Schreibmaschinenpapier. Sie können sich nicht rühren – leben wie in
einem Sarg. Die neue Regelung, die Michl
Ebner im Plenum des Europaparlaments durchgesetzt hat und die ab
dem Jahr 2009 zur Anwendung kommen soll, nützt auch den Verbrauchern. Denn bei artgerechter
Haltung sind Eier von besserer Qualität
zu erwarten. So sehr die Tierfreunde Michl Ebner
danken, so hoffen sie doch auch, daß die von der EU finanzierten
tierquälerischen Massentransporte von Vieh kreuz und quer durch Europa ebenfalls bald aufhören.
Rechtschreibreform am Kippen
(28.9.1998)
Das hat den „Schöpfern“ der Rechtschreibreform gerade noch
gefehlt: Sie hatten maßgebliche Beamte, Politiker und Richter auf ihre Seite
gebracht und wähnten sich kurz vor dem
Ziel – da macht ihnen das Volk einen
Strich durch die Richtung.
Trotz einer mit unfairen Mitteln geführten Kampagne stimmte eine klare Mehrheit der Bevölkerung von Schleswig-Holstein gegen die unausgegorene, von Widersprüchen strotzende Reform, die die Schreibweise in vielen Bereichen nicht einfacher, sondern komplizierter und unverständlicher macht.
Jetzt hängt es von den deutschsprachigen Nachrichtenagenturen ab,
ob sie sich nach einer Clique arroganter Sprachverhunzer
richten oder ob sie den Willen der Mehrheit der Bevölkerung respektieren, die
dieses Machwerk ablehnt; dies ist bei
Umfragen klar zum Ausdruck gekommen. Denn wenn die Zeitungen nicht
mitmachen, ist die Reform geplatzt.
Weltuntergangsängste
(28.3.1997)
Ganz gleich, was geschieht: Selbstmord ist immer die schlechteste
Lösung. Keine noch so verzweifelte Lage rechtfertigt es, daß ein Mensch Hand an
sich legt. Wir alle haben unser Leben
aus der Hand Gottes erhalten, und allein unser Schöpfer darf es uns nehmen.
Alles andere ist Mord, ist ein Verstoß gegen das Gebot: Du sollst nicht töten.
In welch kollektiven Wahn haben sich doch die armen Verführten hineingesteigert, die jetzt in Kalifornien mit einem Ufo im Schweif des Kometen Hale-Bopp vom irdischen Jammertal in den Himmel fliehen wollten. Weitere Massenselbstmorde bis zum Jahr 2000 sind zu befürchten. Viele haben Angst vor dem Weltuntergang.
Doch ein Christ weiß sich geborgen, von Gott geliebt und gerettet
durch Christi Kreuzesopfer. Der Tod ist für ihn nur der Durchgang zum ewigen
Leben, und das Ende der Welt bedeutet nicht weniger als den Endsieg Christi.
Leserbrief:
Einwanderer (11.2.1997, S. 6)
Es ist erstaunlich und
erfreulich zugleich, wenn unter der Rubrik „Vorausgeschickt“ von Herrn Rainer Lechner eine Meinung vertreten wird, für die wir Freiheitlichen noch vor
wenigen Monaten als Rassisten und sogar Neonazis beschimpft wurden. In
Österreich bildete man wegen der gleichen Aussage des Bundesparteiobmanns Jörg
Haider Lichterketten und Solidaritätskomitees, mit wohlwollender und großteils
einseitiger Berichterstattung in den Südtiroler Medien. Wir Freiheitlichen
haben in zahlreichen Presseaussendungen und Stellungnahmen schon seit jeher
darauf hingewiesen, daß viele der Einwanderer in Europa bereits in den
Herkunftsländern vorbestraft waren bzw. sich bereits dort auf Kosten der
Ärmsten bereichert haben. Führende Politiker Europas haben in der
Einwanderungsfrage total versagt und das Problem einfach auf die Bevölkerung
abgeschoben. Dies ist jedoch ein gefährliches Spiel, weil gerade dadurch Unmut
und sogar Haß entstehen können. Immer mehr Bedeutung erhält dadurch der
unermüdliche Einsatz der Freiheitlichen für einen sofortigen Einwanderungsstopp
bzw. die sofortige Ausweisung für straffällig gewordene Einwanderer. Niemand
von uns ist gegen humanitäre Hilfen für Hungernde und Elendszonen, doch müssen
die Mittel vor Ort eingesetzt werden, anstatt sie hier für einige schlauere zu
vergeuden.
Hermann Tonner,
Vorsitzender Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender
Zusatz der Redaktion:
Der Kommentator Rainer Lechner hält eine Beschränkung der Einwandererzahl aus
christlicher Sicht nur dann für gerechtfertigt, wenn gleichzeitig den Ärmsten
in der Armen Welt geholfen wird. Bisher
wurden nur Brosamen gespendet. Zwei Vorschläge: Südtiroler Familien könnten für
notleidende christliche Familien im Südsudan, Indien oder Bolivien
“Überlebens-Patenschaften“ (zum Beispiel 100 Dollar pro Jahr) übernehmen, und
das Land könnte Sister Nancy ein Promille seines
Haushalts für die Slums von Bangalore zur Verfügung
stellen.
Gandhis Erbe verraten (31.1.1997)
Gandhi, der unerschrockene Satyagrahi
(Kämpfer für die Wahrheit), lebt noch immer im Herzen seines Volkes. Das wurde
anläßlich der Beisetzung seiner Asche im
Ganges deutlich.
Indien heute: ein Bild des Elends. Der Mahatma ist von seinen Nachfolgern verraten worden. Fast nichts von dem, was er vorlebte, ist geblieben. Hunderte Millionen vegetieren dahin.
Gandhi hätte für alles Rezepte gehabt, radikale, aber
wirksame: „ahimsa“
(Nichtverletzen, kommt der christlichen Nächstenliebe nahe), wirtschaftliche Selbstversorgung durch
Landwirtschaft und Handwerk, Bekämpfung
der Unmoral (Nichtduldung der
Pornographie, Postenstehen vor
Bordellen und damit Beschämung der Besucher). Auch die Blutopfer für die
Hindugöttin Kali würde er nicht hinnehmen. Nur ein neuer Gandhi könnte Indiens Sehnsucht nach Befreiung von seinen
tausend Übeln stillen.
Zuwanderer oder Sister Nancy (29.1.1997)
Hilfe für die Armen ist Christenpflicht. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß Milliarden Dollar an Unwürdige verschleudert wurden. Die
Reichen bereicherten sich, die Hungernden
gingen leer aus. Zeit für ein
Umdenken.
Wie helfen wir am wirkungsvollsten? Sicherlich, wenn wir die
Ärmsten der Armen unterstützen, und die
leben nicht hier in Europa, sondern in
den Elendszonen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.
Mit 100 Dollar, die einem nordafrikanischen Einwanderer hier wegen der hohen Lebenshaltungskosten gerade für eine Woche reichen, könnte in
Indien eine Familie ein ganzes Jahr überstehen.
Eine klare Mehrheit der Bürger Europas lehnt eine weitere
Zuwanderungswelle ab (Bericht auf Seite Chronik). Wäre es da nicht sinnvoll, einen Teil der Hilfsgelder umzuverteilen, zum
Beispiel zugunsten der indischen Sister Nancy für die Elendsviertel von Bangalore?
Türkei nicht europawürdig
(27.1.1997)
Sie verschließen ihre Augen
vor der Wirklichkeit: all jene Politiker, die lauthals nach voller
Eingliederung der Türkei in die Europäische
Gemeinschaft schreien.
Das Regime in Ankara unterdrückt seit Jahrzehnten brutal seine
Gegner: Linksextremisten wurden in den Gefängnissen gefoltert, das
freiheitsliebende Volk der Kurden wird sogar noch jenseits der Grenzen aus der
Luft bombardiert, und sogar die wirklich harmlosen letzten Christen – einige tausend in ein paar Dörfern
– wurden gewaltsam aus dem hintersten Winkel vertrieben, so daß der
Staat am Bosporus nun voll islamisiert ist.
Wen wundert es da, wenn die Vizeregierungschefin Tansu Ciller der Verwicklung in den internationalen Heroinhandel bezichtigt wird? Ein deutsches Gericht ist sogar überzeugt, daß die ganze Regierung die Rauschgiftexporte nach Westeuropa deckt. Also bitte Schluß mit der Naivität!
Weiterer Text in Caritas-Buch „Im Vertrauen“, Athesia, Bozen, 2004, Seite 132f.:
Mein schönstes Zitat aus der Bibel
Bibelzitat: Römer 8,19 Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. 21 Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.
Diese Worte sind Sprengstoff, bilden mit die Grundlage für die Anklage Leo Tolstois gegen die Gesellschaft und die Amtskirchen. Der russische Revolutionär wirft ihnen Christentum ohne Moral vor. Er hält das Töten und Essen unserer Brüder und Schwestern aus der Tierwelt für nicht vereinbar mit dem christlichen Gebot der Barmherzigkeit. Doch Tolstoi, Franziskus von Assisi, Albert Schweitzer und Mahatma Gandhi, laut Vatikan ein "Apostel christlicher Tugenden", sind tot. Und so klammern sich jene Christen, die Mitleid mit der gequälten Kreatur empfinden, in ihrer Verzweiflung an obiges Paulus-Wort. Während die Einheitsbibel lediglich kommentiert: "Die Leiden dieser Zeit können im Blick auf die verheißene Vorstellung ertragen werden", hoffen jene, die kein Fleisch essen, auf ein Wunder. Dass nämlich durch göttliche Erleuchtung die Bräuche von Osterlamm, Weihnachtsgans und Silvesterkarpfen, die Tierversuche, das Schächten und das Töten überhaupt abgeschafft werden. Damit Franziskus ohne schlechtes Gewissen singen darf: "Alle Kreaturen, lobet den Herrn!" Die "Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers" belehren uns: Das "geheimnisvolle Seufzen der Kreatur ist das innere Gebet. Es ist in allem und in allen enthalten."
Eingesandt von: Rainer Lechner (57), Journalist, (Redakteur der "Dolomiten", Ressortleiter "Weltchronik")