ETIKA

Rainer LECHNER

www.etika.com
28.4.2006

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Kommentare

Erschienen in der Tageszeitung “Dolomiten”, Bozen, zumeist als „Vorausgeschickt“ auf Seite 1

Index Personen A- Z

Schnell und billig muss es sein (14.3.2006, S. 1, Vorausgeschickt)

Was ist schlimmer als Feinstaub? Geistiger Feinstaub. Er vernebelt die Gehirne. Ex-Abt Chrysostomus Giner meint damit die Gottlosigkeit. Der Begriff läßt sich auch anwenden auf die Unfähigkeit, Probleme bei der Wurzel anzupacken. Wer die Luftverschmutzung verringern will, muss die Autofahrten reduzieren. Nicht mit schikanösen Fahrverboten für Leute, die keine zwei Autos mit geraden und ungeraden Endziffern besitzen. Erst Alternativen anbieten, dann Fahrverbote! Mit Ausnahmen für Handwerker usw. Weitblick  statt Kurpfuscherei:  Straßen-, Schwebe- oder Kabinenbahnen. Schnellbahn ins Überetsch. Stollenbahn nach Ulten, Passeier. Landesweit Züge im Stundentakt. Parkplätze nur am Stadtrand. Da der Bürger genug Steuern zahlt, hat er ein Recht auf schnelle und billige Alternativen. Sie sparen Folgekosten und retten Leben. Übrigens wären alle gesünder, wenn sie Strecken bis zu drei Kilometer zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegten.

 

„Aufgestöbert“ (auf der Seite Weltchronik, vormals „Zeitlos“, 30.9.2005

Dummheit ist die ergiebigste Quelle des Übels auf Erden. Dummheit nennt man die Beschränktheit jener, die sich aus Hochmut oder Faulheit der Wahrheit verschließen; die ihre Fehler und ihre Schuld nicht einsehen; die sich weigern, täglich dazuzulernen; die Gefahren ignorieren; die das Gesetz von Ursache und Wirkung mißachten; die sich einbilden, es gebe keinen Gott, der allen gerecht vergilt gemäß ihrem Wirken.
Rainer Lechner (58), Ex-„Dolomiten“-Redakteur
(unter einem le-Artikel mit der Überschrift HEIMAT / Tradition, Messner: Weg mit Gipfelkreuzen – Südtiroler Extrembergsteiger will alle christlichen Symbole von den Bergen verbannen; Zwischenüberschrift: Heiliger Krieg ganz oben)

 

Fragen an den EU-Parlamentarier Michl Ebner (29.9.2005, Seite 3)

Die Türkei gibt den Völkermord an den Armeniern nicht zu. Sie erkennt das EU-Mitglied Zypern nicht an. Sie verweigert den Kurden die Selbstbestimmung. Und das EU-Parlament honoriert eine solche Haltung mit einem Ja zu Beitrittsverhandlungen. Halten Sie das für richtig? Michl Ebner: Nein. Ich habe auch gegen die Eröffnung der Beitrittsverhandlungen gestimmt.

Der Grüne Daniel Cohn-Bendit wirft den Beitrittsgegnern Rassismus vor. Doch die übergroße Mehrheit der Bevölkerung in der EU hat Angst davor, überall von türkischen Moslems überschwemmt zu werden. Hat die einheimische Bevölkerung in der EU kein Recht mehr darauf, ihre Identität zu verteidigen und ihre Heimat zu schützen? Michl Ebner: Die primäre Aufgabe von uns Politikern ist der Schutz unserer einheimischen Bevölkerung.

 

Ungerechte Weltordnung (21.9.20005, Seite 10)

Zu einem Bericht über die Not in Burkina Faso aufgrund von Briefen afrikanischer Salesianerinnen, die im „Engelsboten“ erschienen sind: UNGERECHTIGKEIT / Katastrophen, Armes Afrika: Szenen aus der Hölle. Blicke in die düstere Welt der von den Weltorganisationen und Medien Vergessenen. – Raufereien am Mülleimer – Wandelnde Leichname – Tochter für Essen verkauft – Der brave Katechet – Mund kaum zu öffnen – Dieb aus Verzweiflung - Sr. Marie Denise: Sie warten alle auf den Tod, der sie erlösen wird, denn diese armen Leute essen nur noch jeden fünften oder sechsten Tag. – Schwester Angélique Sawadogo: Die Not wird von Tag zu Tag größer!

Obiger Artikel ist kein Spendenaufruf. Ein paar tausend Euro lösen das Problem nicht, daß jeder zweite Mensch in Armut lebt, daß Ausbeutung, Unterdrückung und die Pest des Krieges sich ausbreiten, daß tägliche Zigtausende verhungern und daß ungezählte Millionen in dieser Minute krank und verzweifelt dahinsiechen.

Da muß irgend etwas faul sein an der derzeitigen Weltordnung, die ja angeblich die beste der Geschichte ist und die Menschenrechte und die Freiheit gewährleistet. Politiker und Konferenzteilnehmer beschwören diese Menschenrechte häufig, womit sie die Gewissen beruhigen – und ablenken von den eigenen Pflichten und den Zehn Geboten Gottes.

Vermutlich gehen die Freiheit und der Wohlstand der einen auf Kosten der anderen.

 

Ein Stückchen heile Welt (9.8.2005)

Die Berge sind das A, das Christen- und Tirolertum das O unserer Heimat. Schöpfen wir aus den reichen Gaben Gottes und aus der Tradition!   Die Schönheit dieses Got-tesgartens ist unser größtes Kapital, und davon dürfen wir alle zehren in Form des Fremdenverkehrs. Der Kern des Volkes ist das Bauerntum. Sichern wir die Existenz der Bauern durch ein zweites und drittes Standbein als bezahlte Landschaftspfleger und – in ihrer Freizeit – als Wegmacher.   Das schönste Land der Welt müsste auch das am besten ausgebaute Netz von Wanderwegen haben.  Wo es geht, Barfußwege, Kneipp-Anlagen!  Unberührte  Natur, kombiniert mit Gastfreundschaft,  Brauchtum, echter Volksmusik, der Tiroler Spiritualität des Reimmichl (ein Reimmichl-Kalender in jedes Gästezimmer!) – dieses  „Paket“ wäre der sicherste Garant für die Zukunft.  Denn in einem solchen Südtirol  finden die Gäste  das, was sie suchen: Ruhe, Besinnung, schöne Erlebnisse, kurz ein Stückchen heile Welt – Gesundkost für die Seele.

 

Am besten ein Auge zudrücken (2.8.2005)

Wenn es nur alle einsähen: Die Rechtschreibreform ist vermurkst. Oder vermurxt? Keiner kennt sich mehr aus. Jeder schreibt, wie er will. Und da wird nun den Schülern, den Schwächsten der Gesellschaft, die größte Last aufgebürdet. Ihnen wird als falsch angekreidet, was jahrhundertelang richtig war und in Millionen Büchern steht. So etwas Absurdes kann nur Bürokraten und Politikern einfallen. Wie lächerlich, in einer Zeit, in der Fremdsprachen wichtiger sind denn je,  Fremdwörter gewaltsam einzudeutschen! Wie schlampig die Zeichensetzung! Ohne den Bei-strich vor dem „erweiterten Infinitiv mit zu“ sind viele Sätze unverständlich. Und wie verwirrend die künstlichen Neuschöpfungen, wie doppeldeutig das Auseinanderschreiben vertrauter Begriffe! Eine Reform sollte doch alles einfacher machen. Neuerungen müssen klar und  logisch sein. Da jetzt aber alles so kompliziert und chaotisch ist, bleibt nur der Appell an die Lehrer: Drückt ein Auge zu, wenn die Schüler richtig schreiben!

 

Dem Terror den Boden entziehen (25.7.2005)

Der Lauf der Welt: Eine Macht will der andern ihr Herrschaftssystem aufzwingen. Einst der Osten dem Westen. Jetzt der Westen dem Osten. Entweder mit List oder über Leichen. Ein Motto hat sich bewährt: Nach neun umgebrachten  Zivilisten ist der Zehnte sicher ein Terrorist. Die Reaktionen der Bevölkerung: Viele  resignieren, schwenken um, kollaborieren. Ein paar Radikale greifen zum Messer oder zur Bombe, ihr Hass steigert sich zur Mordlust. Alles im Kalkül der Gegenseite. Diese „reagiert“ mit totaler Überwachung, mit Entrechtung der eigenen Bürger, mit Razzien auf angebliche Sympathisanten der Terroristen, nicht selten mit Folter. Vernünftig wäre, aus diesem Teufelskreis auszubrechen: 1. Besatzungstruppen aus dem Irak und Afghanistan abziehen, 2. den Palästinensern einen Staat geben, 3. überall das Selbstbestimmungsrecht der Völker anwenden. Dann wäre Schluss mit der Wahnsinnsspirale: Blut um Blut, unschuldige Opfer um unschuldige Opfer, Eskalation bis zur Apokalypse.

 

Verwahrlostes Ferienparadies (20.7.2005)

Die Gäste bleiben aus. Das große Jammern. Bei allem Respekt vor dem Fleiß und Idealismus einzelner: Das touristische Gesamtbild Südtirols ist beschämend. Viele  Juwelen wurden zertrümmert: etwa die idyllische Gruppe kleiner Hütten vor  Pfelders oder der Holzsteg zum Fennberger See.  So viele für immer verlorene Schätze! Und am Wichtigsten fehlt es: neun Zehntel zu wenig Wanderparkplätze! Für lückenlose  Markierungen reicht das Geld nicht (Unterland, Passeier, Puflatsch). Wanderer werden kilometerweit über Asphalt gejagt (wenigstens Kies- oder Graspfade könnte man daneben anlegen)! Normalwege führen über abschüssige Felsplatten, bei Nässe lebensgefährlich (Kolbenspitze)! Und öffentliche Hallenbäder muss man mit der Lupe suchen. Von den Preisen ganz zu schweigen. Gewisse Raubritter (über die schon Karl May klagte), Landes- und Gemeindepolitiker haben die Bemühungen der anderen zunichte gemacht, den Gottesgarten Südtirol zu hegen und als Ferienparadies zu erhalten.

 

Fall Sgrena öffnet die Augen (7.3.2005)

Tragische Folgen hatten  die  US-Schüsse auf das Auto mit der befreiten Geisel Giuliana Sgrena: Der  tapfere Geheimdienstmann Nicola Calipari starb, sein Kollege und die Journalistin  wurden schwer verwundet. Diese Tat öffnet vielen die Augen. So schreibt heute der „Westfälische Anzeiger“: „Welcher tödliche Leichtsinn sollte die Fahrer eines Konvois im Irak verleiten, trotz mehrfacher Warnungen zu schnell auf eine US-Sperre zuzufahren im Wissen darum, wie schnell man dort mit dem Finger am Abzug ist?“ Der „Wiesbadener Kurier“ meint, dass „der ungeheuerliche Vorwurf eines bewussten Mordanschlags von vielen für glaubhaft gehalten wird“. Für die „Main-Post“ wirft der Vorfall ein Schlaglicht „auf die Sinnlosigkeit der  Irak-Mission“. –  Sinnvoll wäre der Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak,  die Gründung eines unabhängigen Kurdistans sowie einer irakischen Föderation aus einem schiitischen und einem sunnitischen Teilstaat mit Minderheitenschutz. Dann wäre Frieden.

 

Verhinderte Klimaschützer (20.12.2004)

5000 Klimaexperten und Politiker aus 189 Staaten sind nach Buenos Aires geflogen. Sie haben sich unterhalten, ob die Leute weniger mit dem Flugzeug fliegen und weniger mit dem Auto fahren sollen. Sonst ist nichts  herausgekommen. Nein, doch etwas: Nach zweiwöchigem Palaver fassten die Delegierten voll Tatendrang den Beschluss, dass sie alle im Mai mit Flugzeugen zur nächsten Klimakonferenz nach Bonn fliegen. Die Umweltschützer weltweit jubeln. Doch die Amerikaner hätten ihnen beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn sie wollten nicht nach Bonn fliegen. Erstens weigern sie sich, ihre  Treibhausgase zu reduzieren, womit sie schon bisher alle Klimakonferenzen blockiert haben. Zweitens würden sie die ganzen Flugkosten sparen, und drittens: „Time is money“. Auf gutes Zureden  fliegen sie nun im Mai doch nach Bonn, um den Klimaschutz weiter zu blockieren. – Ums Haar hätten sich die Amerikaner als die einzigen Umweltschützer von Buenos Aires erwiesen.

 

Das Rennen der Fanatiker (18.10.2004)

Die Menschheit saust in einem schwindelerregenden Tempo über die Autobahn. In vielen Autos sitzen behämmerte Fanatiker, die stur Vollgas geben. Sie kennen keine Rücksicht, versuchen wie in einem Computerspiel möglichst viele andere Autos zu rammen und Fußgänger zu überfahren. Sieger ist jener, der am meisten Gegner ins Jenseits befördert.  Am Schluss aber bleibt keiner Sieger, denn es gibt eine Massenkollision, und alles fliegt in die Luft. So ist es auch mit der heutigen Politik.  Staatsterror und Terror schrauben sich gegenseitig empor in einer Spirale der Vernichtung. Im Irak, in Afghanistan, in Palästina. Die einen sind gierig nach Erdöl oder wollen Waffen verkaufen, andere streben als Imperialisten oder religiöse Fanatker nach der Weltherrschaft, zerstören als Chauvinisten Häuser eines fremden Volkes. Der Hass lodert, Köpfe rollen, Kirchen brennen. Alles spitzt sich zu. Es gibt nur einen Ausweg: Selbstbestimmung und Freiheit für Iraker, Kurden, Afghanen und Palästinenser.

 

Angriff auf Europa (28.6.2004)

Viele träumten von einem eigenständigen Europa, einer Macht zwischen den Blöcken, einem geistigen Gegengewicht zu Supermächten, zu menschenverachtenden Ideologien, zum  Islam. Diesen Traum wird man bald begraben müssen. Denn der stärkste Mann der Welt wünscht, dass die Europäische Union  die Türkei aufnimmt. Mit diesem Trojanischen Pferd soll das christlich-abendländische Wesen Europas weiter aufgeweicht, die EU von innen geschwächt werden. Wenn Brüssel sich diesem Ansinnen des „großen Freundes“  Bush widersetzen würde, wäre es ein Wunder. Und so wird „Europa“ immer größer, demnächst noch angereichert mit den Mittelmeerstaaten von Israel bis Marokko, bis es endlich heißt: Warum schließen wir uns nicht alle brüderlich zusammen zu einem Weltstaat, unter einem einzigen Präsidenten mit allen Vollmachten? Denn nur er kann der Welt Frieden und Wohlstand bringen. Und alle werden ihm zujubeln. Freiheit und christliches Abendland, adieu!

 

Untergang der Zivilisation (10.5.2004)

Wir erleben einen historischen Augenblick: den Untergang der Demokratie, der Grundrechte, des Völkerrechts, der von der zivilisierten Menschheit als verbindlich anerkannten Werte. Ein Staat, der sich anmaßt, weltweit als Hüter der Menschenrechte aufzutreten, tritt jegliche Ethik in den Schmutz. Es ist unerhört, unfassbar, unglaublich: US-Geheimdienstler, -Militärpolizisten und -Soldaten, die ein fremdes Land besetzt haben, um „Freiheit und Frieden“ zu bringen, tun dessen Bürgern Dinge an, die man nur aus Horrorfilmen aus Hollywood kennt. Gefangengenommene Iraker werden von Folterknechten  ihrer Würde als Kinder Gottes beraubt, gedemütigt, vergewaltigt, mit Hunden gehetzt, sadistisch getötet.  Die höchsten Stellen in Washington wussten seit langem Bescheid über das Treiben dieser Hyänen in Menschengestalt – und schwiegen. Wir Europäer haben eine andere Auffassung von  Demokratie. Ob diese noch eine Chance hat? Die Weltdiktatur steht vor der Tür und ist kaum aufzuhalten.

 

Bombay oder Bomben (19.1.2004)

In Bombay fordern Idealisten Frieden und Gerechtigkeit. Sie verkünden: „Eine andere Welt ist möglich“. Natürlich wäre sie möglich.  Sogar im Irak. Doch fremde Mächte ziehen aus der Ferne die Fäden des Ölgeschäfts. Die Einheimischen gehen leer aus. Die Worte von Freiheit und Demokratie bleiben Gerede.  Schiitenführer Ali Sistani fordert freie Wahlen. US-Verwalter Paul Bremer will zwar einen „freien Irak“, aber keine freie Wahlen. Der Irak brodelt. Kurden gegen Araber, Sunniten gegen Schiiten, Einheimische gegen Besatzer. Und so explodieren in Bagdad weiter Bomben. Wer den gordischen Knoten Irak aufknüpfen will, muss beim Ursprung anfangen: Der Irak ist ein von den Engländern geschaffenes künstliches Gebilde. Der erste Schritt zur Gesundung: das Recht jedes Volkes auf Selbstbestimmung anwenden. Sobald die Kurden  ihren eigenen Staat haben mitsamt Mossul, Kirkuk und ihren Ölquellen, werden sich die Araber schon zusammenraufen. Vorausgesetzt, auch sie erhalten ihr Öl zurück.

 

Erbarmungslose Bürokraten (2.1.2004)

Bei schweren Erdbeben ist die eine Katastrophe nie genug. Wie 1980 in Kampanien, so jetzt im Iran: Es stellen sich zwei weitere ein. Die erste ist die Unfähigkeit der Behörden, aus altbekannten Erfahrungen Lehren zu ziehen und Maßnahmen zur Rettung Überlebender zu koordinieren; stattdessen stehen an Unglücksorten  viele Helfer tatenlos herum. Die beschämendste Katastrophe aber ist die Unverfrorenheit, mit der Verantwortliche schon nach wenigen Tagen erklären, es gebe nur noch geringe oder gar keine Überlebenschancen  für Verschüttete. Bereits nach kurzem Einsatz haben jetzt  aus dem Ausland angereiste Rettungstrupps die Schaufeln hingeworfen und sind heimgekehrt.  Dummheit, Faulheit  – oder Menschenverachtung? Wie so oft kamen dann, nach einer Woche, Überlebende zum Vorschein. Wer weiß, wie viele Menschen noch immer in Schlupflöchern verzweifelt ausharren, aber aufgrund der Befehle seelenloser Bürokraten von Baggern lebendig beerdigt werden.

 

Überall gibt es solche und solche (3.11.2003)

Machen wir uns nichts vor: Ziel des Islamismus ist die Weltherrschaft, so Peter Fritsch, Expräsident des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz. Und laut Giuliano Vassalli, Expräsident des italienischen Verfassungsgerichtshofes, ist  „ein großer Plan einer moslemischen Invasion Europas in Durchführung“. Fanatiker wollen nun die Kreuze aus unseren Schulen entfernen lassen. Man stelle sich vor, was mit Christen in Saudi-Arabien geschähe, die die Entfernung islamischer Symbole aus öffentlichen Gebäuden verlangen würden. Sie wären vermutlich rasch einen Kopf kürzer, während Adel Smith in Italien Polizeischutz bekommt. Zum Glück gibt es auch sehr viele verständige Moslems, welche die Religion und Tradition ihres Gastlandes respektieren. Äußerst bedenklich ist jedoch, dass sich hierzulande sofort Richter finden, die eine solche Gelegenheit zur weiteren Entchristianisierung beim Schopf packen. Doch noch sind die Christen in der  Mehrheit. Nur wer sich selbst aufgibt, ist verloren.

 

Im Teufelskreis der Schulden (13.10.2003)

Wo soll das alles enden? Das fragen sich viele Deutsche. Ihr Staat macht so viel Schulden wie noch nie in der Geschichte, weil die Politiker nicht mehr ein noch aus wissen.  Dabei ziehen sie ohnehin die Daumenschrauben an, soweit es geht. Am einfachsten ist es für die Mächtigen, die Rentner zu schröpfen; diesen drohen Nullrunde und Steuerpflicht. Die Erwerbstätigen sollen künftig 40 statt 35 Stunden in der Woche arbeiten; so fordert es die geängstigte Industrie, die wegen des  steigenden  Euro-Kurses immer weniger exportiert. Das Heer der Arbeitslosen wächst ständig; weil für sie  das Geld fehlt, will Kanzler Schröder nun am Freitag die Zusammenlegung der Arbeitslosen- und Sozialhilfe durchsetzen. Das wird aber nicht genügen. Und so schielen er und die Führer  anderer Staaten, die ebenso tief in der Tinte sitzen,  auf eine EU-Lösung, die ihnen alle Lasten abnimmt. Sie wird  einfach und wirksam ausfallen, denn es wird die OECD-Formel sein: alle Europäer in Rente erst ab 67 oder 68 Jahren.

 

Menschen – dümmer als  Affen (23.9.2003)

Es gibt Tiere, die werden aus Erfahrung klug. Jungtiere meiden recht bald giftige Sträucher, Kühe schrecken vor elektrisch geladenen Weidezäunen zurück, und  auch Affen vergessen nie, was sie gelernt haben. Nur eine Kreatur merkt sich nichts – trotz täglicher bitterer Erfahrungen: der Mensch. Er haut und schießt sich mit seinesgleichen, tut seinen Artgenossen Unrecht und Leid an, soviel es geht.  Im Großen wie im Kleinen. Er  tötet mit Messern, Pistolen und Bomben, foltert, baggert Häuser von Familien nieder, hetzt Hunde auf Wehrlose, sät Hass, provoziert Rache. Und voll Verblendung opfert er das Höchste, was er hat, sein eigen Fleisch und Blut, nur um dem Gegner zu schaden. So ist der Kamikaze-Terrorist ein Symbol für  Adam, der den Verstand verloren hat und sich und die ganze Erde in die Luft sprengt. Alle setzen auf Gewalt, von den primitivsten Motorrad-Rockern über El Kaida bis zu den Großmächten. Und erreichen nichts, nur Blut, Tränen und Chaos. Und alle schauen zu.

 

Überlebensstrategien suchen (11.8.2003)

Nun auch in Europa: Auf einmal beginnt für viele der Kampf ums Überleben. Weil die Regierungen Rentengelder für anderes verprasst haben, vergreifen sie sich am Existenzminimum von Pensionisten. Noch beschämender: Teile der jüngeren Generation sind nicht mehr bereit, für Eltern und Großeltern aufzukommen. Eine globale Wirtschafts- und Finanzkrise rollt unaufhaltsam vorwärts. Allein in der EU sind 14 Millionen Menschen ohne Arbeit.  Und jetzt noch dieser Sommer, wie es nie einen gab. Weil  das Gras fehlt, werden viele Bauern ihre Kühe zu Mindestpreisen verkaufen müssen, und kommendes Jahr fehlt es dann an Milch. Was tun? Die Ursachen angehen. Norbert Lantschner sagt es bezüglich der Umwelt: den Autoverkehr reduzieren! Genauso gibt es für andere globale Probleme Lösungen: die christliche Soziallehre, Achtung der Gebote Gottes,  weg vom Egoismus,  brüderlicher Umgang mit der Schöpfung, teilen. Ethisches Handeln nützt allen, das Recht des Stärkeren nur wenigen.

 

Indiens Verrat an Tibet (26.6.2003)

In erschreckender Weise haben die Ereignisse der vergangenen Jahre deutlich gemacht, dass internationale Verträge und das Völkerrecht oft kaum mehr das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben sind. Angriffskriege gegen unbotmäßige Völker und die Ausnahmen bei der Verfolgung von Kriegsverbrechern durch den Internationalen Strafgerichtshof sind nur zwei Beispiele.  Die Großen werden immer mächtiger, die Kleinen bleiben auf der Strecke. Den neuesten Kuhhandel sind Indien und China eingegangen. Beide haben im vergangenen halben Jahrhundert fremde Länder besetzt. Weil sich kein Weltgewissen rührt und weil die unterdrückten Völker keine Stimme mehr haben, die ihr Recht auf Unabhängigkeit fordert, wird schändlicher Verrat nun in Recht umgewandelt. China darf Tibet behalten, wenn Indien Sikkim nicht mehr hergeben muss. Den unterdrückten Kleinen bleibt als einziges Gegenmittel das Beharren auf dem Selbstbestimmungsrecht – allen Verträgen der Großen zum Trotz!

 

Gescheiterte Staaten (17.6.2003)

Entweder war die Parole „Nie wieder Krieg – nein zur Gewalt!“, die nach dem Zweiten Weltkrieg ein halbes Jahrhundert lang gepredigt wurde, falsch. Oder etwas Grundlegendes hat sich in den vergangenen Jahren geändert, dass jetzt auf einmal Staaten und Staatenbündnisse wie die EU den von ihnen so oft beschworenen Verzicht auf Angriffskriege  hintanstellen und  Gewalt gegen ferne Länder androhen, falls  diese nicht abrüsten. Passé ist die Zeit, in der die Rede davon war, dass alle Staaten souverän und gleichberechtigt seien. Plötzlich taucht  der Begriff „gescheiterte Staaten“ auf. Das Kuriose dabei ist, dass im Fadenkreuz der „Friedensbewahrer“ meist erd-ölreiche Staaten stehen wie jetzt der  Iran. Verwundert fragt sich der Beobachter, warum  die ganze Welt zugeschaut hat, wie im Kongo in sechs Jahren  drei Millionen, im Sudan zwei Millionen und und in Ruanda eine Million  Menschen massakriert wurden. Offenbar „gescheiterte Staaten“ – und Menschen –  zweiter Klasse.

 

Rückfall in die Barbarei
(7.4.2003, aus technischen Gründen zurückgezogen, nicht veröffentlicht)

Welch wunderbarer Fortschritt im 20. Jahrhundert! Große Geister entwickelten große Ideen: Albert Schweitzer die Ehrfurcht vor dem Leben, Mahatma Gandhi die Gewaltlosigkeit (ahimsa = Nicht-Verletzen), Mutter Teresa die Bestimmung des Christen, „die Liebe und das Mitleid Christi in der Welt zu sein“.

Jetzt sind wir im 21. Jahrhundert. Werden diese hehren Ziele umgesetzt? Weit gefehlt! Die stärkste Macht der Welt baut immer noch größere Bomben, um sie an Menschen in fernen Ländern zu testen. Seelenlose, computergesteuerte Marschflugkörper suchen sich ihre Ziele selbst mitten in einer Stadt. Grässliche Streubomben machen aus Gottes Kreaturen  Hackfleisch. Gewalt ist nicht mehr gleich Gewalt. Denn welche Chance auf Gegenwehr haben da noch Beduinen mit veralteten Flinten? Und welch himmelweiter Unterschied zur Gewalt des Sepp Kerschbaumer: Dieser hat, von seinem Gewissen getrieben,  Masten gesprengt - aber peinlichst darauf bedacht, nur ja keinem Menschen ein Härchen zu krümmen.

 

Die Frommen und die Frevler (31.3.2003)

US-Präsident George W. Bush ist ein frommer Mann. Er zieht sich oft zum Gebet zurück und trifft entsprechend „fromme“ Entscheidungen.  Das ist seine Sache und die der USA. Wenn er aber glaubt, er könne  die Führung  eines fremden Staates (heute im Irak, morgen anderswo)  für „vogelfrei“ erklären und „Frevler“ weltweit von CIA-Killerkommandos  um die Ecke bringen lassen, dann geht das uns alle an. Man stelle sich vor, die Fidschi-Inseln, Serbien oder Deutschland  würden Agenten in die USA schicken, um dort  Spitzenpolitiker  umbringen zu lassen. Sofort würden der Weltsicherheitsrat und die UN-Vollversammlung zu Eilsitzungen einberufen, und  die „Weltgemeinschaft“ würde jenem Land, das das Völkerrecht so frevelhaft bricht, den Krieg erklären. Da dies im Falle der USA nicht der Fall ist, bleibt nur der Appell an Bush,  in der Bibel Matthäus 5 und 13 zu lesen: „Du sollst nicht töten!“    „Die Engel werden  alle, die Unrecht tun, in den Feuerofen werfen; dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.“

 

Wieder Kurden gegen Kurden (24.3.2003)

Divide et impera! Teile und herrsche! Ein uraltes, todsicheres Erfolgsrezept. Beliebt bei den Römern. Beliebt bei den Siegern des Ersten Weltkrieges, die nicht nur Tirol teilten, sondern auch anderswo das Selbstbestimmungsrecht der Völker missachteten, willkürlich Staatsgrenzen zogen und damit   große Teile Afrikas und Asiens zur armen Welt deklassierten. Daueropfer dieses Mottos sind auch die Kurden. Ihre klügsten Köpfe verfolgten die Strategie, nach dem Untergang des Saddam-Regimes einen kurdischen Staat auszurufen. Aber mit Kurden lässt sich anscheinend kein Staat machen. Anstatt sich mit den anderen Kurden dem türkischen Erzfeind entgegenzustellen, der jeden Augenblick eindringen kann, kocht die Patriotische Union Kurdistans ihr eigenes Süppchen. Ihre  Peschmerga bekriegen  mit den USA, die gegen ein freies Kurdistan sind, die islamistischen Kurden von Ansar el Islam an der Grenze zum Iran. So werden die Türken das Rad der Geschichte wohl bald zurückschrauben.

 

Achtung vor dem Mitmenschen (5.11.2002)

So mancher Zeitgenosse hat derzeit ein mulmiges Gefühl. Die Gesellschaft driftet auseinander. Ein Wettrennen ist ausgebrochen: Wer durchsägt als erster den Ast, auf dem alle sitzen? Die Demokratie hat für mich fünf Kennzeichen: 1. Das Volk (nicht eine multikulturelle Randgruppe) herrscht. 2. Die Mehrheit entscheidet. 3. In einer pluralistischen Gesellschaft spricht keiner dem anderen die Existenzberechtigung ab. 4. Jeder darf seine Meinung frei sagen. 5. Konflikte werden mit friedlichen Mitteln ausgetragen. Frage an alle: Gelten solche Grundsätze noch? Wer sich Demokrat nennt, darf keine Methoden anwenden, die typisch sind für eine Diktatur. Deshalb: Bitte keine Diskriminierungen, keine Hexenjagden, keine Kriegshetze! Stattdessen: Schutz unserer Gesellschaft und der Heimat, ja, aber mit, nicht ohne Achtung vor der Menschenwürde jedes Einzelnen. Versuchen, die  Sorgen des anderen zu verstehen, zur Versöhnung bereit sein, gerechte Lösungen suchen – das ist besser als Hass und Bürgerkrieg.

 

Chance für die Kurden (31.8.2002)

Noch hat die Weltmacht Nummer eins ihre Streitmacht nicht aufgeboten, um das unbotmäßige Regime Saddam Husseins zu zerschlagen, den Irak mit ihrer Demokratie zu beglücken und die Ölquellen für die westliche Welt zu sichern, da sitzen schon Aasgeier am Wegesrand. Mit einer Unverfrorenheit sondergleichen erhebt die Türkei Ansprüche auf den Nordirak. Mit welchem Recht? Weil dort Kurden wohnen! Und dieses angebliche Räubervolk in den  Bergen – das ist seit Jahrhunderten Tradition und Gewohnheitsrecht – muss eben von Osmanen im Zaum gehalten werden. Die  Zersplitterung der Kurden hat die Aufteilung auf fünf Staaten zementiert. Wenn die Kurden weiterhin Wasser für fremde Herren tragen wollen, dann mögen sie so weitermachen wie bisher. Wenn sie aber das Jahrhunderte alte Joch abschütteln wollen, dann täten sie gut daran, sich für die kommende Umwälzung in Nah- und Mittelost zu rüsten. Mit Willen und Diplomatie könnte ein Traum wahr werden: der Traum vom freien Kurdistan.

 

40.000 und die klugen Köpfe (27.8.2002)

„Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“, lautet der Werbeslogan einer Zeitung. Ob dies auch auf die Weltkonferenz für nachhaltige Entwicklung in Südafrika zutrifft? 40.000 Delegierte aus aller Welt hat man einfliegen lassen, damit sie die Probleme der Armut und des Wassermangels lösen. Wie sagte doch der Dichter Friedrich Schiller? „Mehrheit ist Unsinn. Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen.“ Das Tröstliche bei dieser Verschwendungsorgie, deren Kosten  unzähligen afrikanischen Familien das Überleben auf Jahre hinaus sichern könnten: Die Schlussresolutionen sind, wie bei Mammutkonferenzen üblich, bereits vorher fertig formuliert, und zwar von wenigen klugen Köpfen. Wozu also ein Massengipfel? Überhaupt liegen alle Forschungsergebnisse bezüglich Armut und Wasser bereits schriftlich vor. Es braucht nur wenige kluge Köpfe, die sie zusammenfassen und umsetzen. 40.000 palavernde Konferenzteilnehmer sind für diese Arbeit zuviel. Die Armen brauchen Taten, nicht Reden.

 

Reizüberflutung durch Licht am Tag (22.6.2002)

Zur Senkung der Unfallgefahr müssen Autofahrer ab 1. Juli auf italienischen Autobahnen auch bei Tag das Abblendlicht einschalten. So weit, so gut. Man muss aber wissen, dass die einschlägige Industrie seit Jahrzehnten eine internationale Kampagne führt, um  alle Kraftfahrer zu zwingen, auf sämtlichen Straßen auch am helllichten Tag mit Abblendlicht zu fahren. Dagegen hat der Automobilclub ÖAMTC dieser Tage zu Recht protestiert, denn: „Unbeleuchtete Fahrzeuge, Fußgänger, aber auch Motorradfahrer könnten auf Grund der Reizüberflutung leichter übersehen werden.“ Das ist es: Die Autofahrer selbst sind geschützter, aber alle anderen nicht. Dazu kommt, dass die  Reizüberflutung durch die Scheinwerfer die heute oft computergestressten Augen noch mehr belastet. Schon jetzt leidet etwa jeder zehnte Autofahrer unter Nachtblindheit. Wenn noch mehr Lichtreize dazukommen, wird die allgemeine Verkehrssicherheit auf lange Sicht verringert.

 

Kurden: Ohne Einheit keine Zukunft (19.3.2002)

Wieder stellen Kurden das Gros der Flüchtlinge, die mit einem Schiff in Sizilien gelandet sind. Diesmal stammen die meisten nicht aus der Türkei, sondern aus dem Irak und  Syrien. Weitere Angehörige des 25-Millionen-Volkes leben im Iran und in Armenien (zuvor Sowjetunion). Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges teilen sich fünf Staaten das Terroritorium des zerstrittenen Bergvolkes auf. Vertreter der in Südtirol lebenden Kurden klagten, dass Europa und die USA an die Unterdrücker Panzer, Minen und Giftgas liefern. Millionen Kurden sind schon aus der „internationalen Kolonie Kurdistan“ geflohen. Doch hat es einen Sinn, wenn noch mehr Millionen der Heimat den Rücken kehren? Dringlicher wäre es, die Ursachen der Not anzugehen. Und dazu wäre überlebenswichtig, dass  sich die Kurden endlich einigen und einen eigenen Staat fordern.  Gemeinsam sind sie stark, und die Sympathien vieler Völker und ethnischer Minderheiten – darunter die Südtiroler – sind ihnen sicher.

 

Katz-und-Maus-Spiel in Afghanistan (8.1.2002)

Seit Anfang Oktober jagen die Amerikaner den Terroristenchef Osama bin Laden und den Führer der Taliban, Mullah Omar: mit Spionen, Rangers und Delta Force, mit Tarnkappen- und bunkerbrechenden Bombern, mit Marschflugkörpern, Panzern und Hubschraubern. Sie bombardieren Militärlager, Städte, Dörfer, und jetzt auch noch Berggipfel. Oft hieß es: Die Taliban seien besiegt, El Kaida sei zerschlagen, Tora Bora sei eingenommen. Ein Vierteljahr dauert die Suche genau, und die Amerikaner werfen noch immer Bomben.  Sind die El-Kaida-Kämpfer Stehaufmännchen? Es hat den Anschein. Am Freitag hatte es wieder  geheißen, die Festnahme von Mullah Omar stehe unmittelbar bevor. Am Samstag soll er dann auf einem Moped entkommen sein. Die Häscher seien ihm aber weiter auf den Fersen. Da erhebt sich die Frage, wer mit wem Katz und Maus spielt. Entweder die Taliban mit den Amerikanern – oder die amerikanische Informationspolitik mit der Weltöffentlichkeit.

 

Afghanen gegen Fremdbestimmung (20.11.2001)

Keiner will zu kurz kommen. Der Iran, Russland, die Paschtunen, Usbeken, Tadschiken, Hasara – alle bemühen sich fieberhaft, meist hinter den Kulissen, der UNO zuvorzukommen, die eine multiethnische, demokratische Regierung in Afghanistan an die Macht  bringen will. Mit welchen Leuten die internationale Gemeinschaft dies tun will, ist schleierhaft. Sie entsendet zwar Kampfflugzeuge, Kriegsschiffe, Sonderkommandos, aber ob diese auf Dauer in der Lage sind, ein so kriegerisches Volk zu „Frieden und Fortschritt“ zu führen, ist zu bezweifeln. Die meisten Feinde der Taliban sind fast ebensolche radikale Islamisten wie die jetzt fliehenden oder eingekesselten Koranschüler und ihre arabischen Mitstreiter. Die Zeichen mehren sich, dass die stolzen Afghanen mit einer Fremdbestimmung durch den Westen nicht einverstanden sind. Mit Bomben und Dollars wurden die Taliban gestürzt. Ihre Feinde jubeln, haben aber wenig Lust, selbst ein Musterstaat der UNO zu werden.

 

Lieber Fleisch von Bergbauernhöfen (29.11.2000)

„Der Fleischmarkt bricht zusammen – Konsum geht um 70 Prozent zurück“, titelte „Die Welt“ gestern. In allen Ländern Europas schrillen die Alarmglocken. Und warum? Weil britisches Rindfleisch und  Tiermehl importiert wurde, das möglicherweise mit BSE verseucht ist. Mehrere Staaten hatten versucht, ihre Bevölkerung  durch Einfuhrsperren zu schützen, doch hatte die EU dies für unzulässig erklärt. Denn der freie Warenverkehr ist eines ihrer obersten Ziele. Ob Brüssel hier nicht umdenken muss?

Es geht nicht an, dass wegen offensichtlicher Fehlentscheidungen die halbe Landwirtschaft zugrunde geht.

Was tun? Südtirols  Verbraucher müssen sich  darüber klar werden, dass es gesundes  Vieh  gibt, das nicht mit Tiermehl gefüttert wird: auf unseren Bergbauernhöfen. Es liegt nun am Land, schnellstens ein Gütesiegel für garantiert gesundes heimisches Rindfleisch einzuführen. Freilich hat   Sicherheit ihren Preis. Aber lieber ein finanzielles Opfer als BSE.

 

Fall ICI: Ignorant oder bösartig (21.6.2000)

ICI 2000 – Gemeindesteuer auf Immobilien. Hilfe! Wer versucht, diese Steuer  anhand der offiziellen Unterlagen auszurechnen, scheitert kläglich und versinkt in tiefe Depression – oder geht die Wände hoch, wie der Schreiber dieser Zeilen. Mancher würde zu den Anweisungen für das Ausrechnen der Steuer sagen:  ein Rückfall ins Mittelalter.  Völlig falsch: Im Mittelalter hatte man noch klare Verhältnisse, wusste, woran man war. Entweder nahm einem ein Raubritter alles weg, oder man entrichtete seinen Zehnten an den Lehnsherrn. Heute hingegen herrscht die totale Konfusion, jedenfalls bei den bedauernswerten Zeitgenossen, die einen „Katasterertrag“ mit „Koeffizienten“ multiplizieren und mit Hebesatz und Freibetrag kombinieren sollen. Nirgends wird erklärt, wie. Nicht ignorante oder  bösartige Behörden  würden gleich  einfache Beispiele fürs Ausrechnen mitliefern – oder die Steuer selbst ausrechnen, was in zivilisierten Gegenden  bereits üblich ist, übrigens auch in Deutschnofen.

 

Der Horror hinter dem Horror (20.6.2000)

Ein Schauer läuft einem über den Rücken. Entsetzlich: 60 Flüchtlinge sind hinter Waren in einen Container gepfercht, haben kaum Luft zum Atmen, halten durch in der Hoffnung, daß das Unerträgliche doch einmal ein Ende hat. Doch das Unerträgliche will kein Ende nehmen, die Luft wird noch dünner, die Sinne schwinden, einer nach dem anderen wird bewusstlos, fällt ins Koma. Hilfeschreie verhallen ungehört. Die, die nicht tot sind, wissen, dass auch sie bald tot sein werden. Nackter Horror, schlimmer als im Gruselfilm. Nur zwei überleben. Als die Tragödie – die wievielte? – durch Zufall bekannt wird, ist die Empörung europaweit groß. Wie können diese bösen Schlepper nur so grausam mit den  Flüchtlingen umgehen, erzürnen  sich alle – zu Recht. Warum jene bedauernswerten 60  aber geflohen sind, danach fragen wenige. Grund ist die wachsende Kluft zwischen armen und reichen Ländern, die Ausbeutung der Armen  Welt durch die Industriestaaten und Finanzmächte des Westens.

 

Empörung nach römischem Urteil (2.6.2000)

Fürchte nicht das Gesetz, sondern den Richter! Dieses Wort stammt aus Russland, hat aber weltweite Gültigkeit. In Italien hat das oberste Gericht ein Urteil gefällt, das bei vielen  anständigen Menschen Empörung hervorgerufen hat. Anstatt die Rechte der Schwachen zu verteidigen, anstatt Kinder vor sexueller Ausbeutung zu schützen, wie es die Gesetze verlangen, hat das Kassationsgericht  dem Glauben an die irdische Gerechtigkeit einen schweren Stoß versetzt:  Es hat einen pädophilen Lehrer freigesprochen, der von einem 13-Jährigen pornografische Aufnahmen gemacht hatte. Der Grund: Er habe sie nur zum eigenen Vergnügen angefertigt und nicht, um damit Geld zu machen. Als ob es beim  Schutz der jugendlichen Unschuld und Kindheit um Materielles ginge!

Wer Kinder missbraucht, tötet Seelen. Und wer Herstellern von Kinderpornografie einen Freibrief erteilt, erschüttert Justiz und Staat  und  macht sich schuldig – an den Opfern und vor Gott!

 

Dafür sorgt schon der liebe Gott (16.9.1999)

Umweltalarm der UNO: Das Wasser immer schmutziger und knapper. Die Luft verpestet. Die Böden verseucht. Viele Nahrungsmittel vergiftet.

Für den Leser schockierend? Ja, wenigstens für einen Augenblick.  Wir lesen diese Nachrichten im Lehnstuhl.  Wir staunen, wie es auf der Welt zugeht. Besonders wenn es heißt: „Die fortdauernde Armut der Weltbevölkerung und das exzessive Konsumverhalten einer Minderheit werden im Millennium-Bericht Geo 2000 als Hauptgründe für die Umweltzerstörung genannt.“  Ja, vielleicht ärgern wir uns sogar  über das Blabla und die Tatenlosigkeit der verantwortlichen Politiker.

Doch danach ...

Danach haben wir es eilig, irgendwohin zu fahren. Natürlich mit dem Auto, nicht mit Bahn oder Rad.

Gemäß dem Motto: Nach uns die Sintflut.  Und auf unsere süßen Kleinen wird schon der liebe Gott aufpassen.

(Berichte auf Seite Weltchronik.)

 

Christen ihren Henkern ausgeliefert (9.9.1999)

Hier geht es  nicht um Öl, hier winken keine Geschäfte, strategische Vorteile lassen sich ebenso wenig erkennen – hier geht es nur um ein paar Menschenseelen, noch dazu christliche. Daher ist es kaum verwunderlich, wenn zwar aus Lissabon, Bern, Wien oder Bozen Rufe nach einem internationalen Eingreifen ertönen, nicht aber aus New York und Washington. UNO und  USA sind derzeit nicht gewillt, Truppen in das Krisengebiet Osttimor zu entsenden, um das Gemetzel zu beenden.  Bill Clinton, der in den Kuwait- und Kosovo-Krisen  den moralischen Saubermann mimte, der unerschrocken für  bedrohte  Völkerschaften eintritt wie weiland Robin Hood für die Armen, dieser Bill Clinton zeigt nun seine wahre geschichtliche Größe.

In Osttimor werden Christen gejagt, verschleppt, enthauptet. Hunderttausende flehen um Hilfe. Die Weltöffentlichkeit nimmt's zur Kenntnis – und läßt die Verfolgten im Stich. Henker sorgen inzwischen für die „biologische Lösung“ des Problems.

 

Einäugige Weltkontrolleure (9.7.1999)

Unvorstellbare Greueltaten haben die RUF-Rebellen acht Jahre lang während des Bürgerkriegs in Sierra Leone begangen. Die Mordbuben von Foday Sankoh hackten unzähligen Menschen Gliedmaßen, Lippen und Ohren ab. Gezielt  jagten, vergewaltigten und töteten sie Jungfrauen. Sie  spießten abgeschlagene Köpfe ihrer Opfer auf.

Nun hat  die Regierung mit ihrem Anführer Frieden geschlossen, der behauptet, übernatürliche Kräfte zu besitzen. Eine Generalamnestie wurde vereinbart. Alles, was geschehen ist, darf nicht bestraft werden. Blut und namenloses Weh    – alle Greuel bleiben ungesühnt.

Dem UN-Generalsekretär Kofi Annan, der Krokodilstränen weinte wegen ungleich harmloserer Konflikte, fiel nichts Besseres ein, als  das Abkommen samt  Generalamnestie zu begrüßen. Das heißt die Schande unter den Teppich kehren.

Gottlob gibt es noch unabhängige Menschenrechtsorganisationen, die den Ruf nach Gerechtigkeit erheben.

 

Tierfreunde danken Michl Ebner (29.1.1999)

Unerwartet gute Nachricht  aus Brüssel: Dem Südtiroler Europaparlamentarier Michl Ebner ist es gelungen,   die schändliche  Praxis der Käfighaltung von Legehennen zu Fall zu bringen. Die allermeisten der 270 Millionen Hühner in Europa fristen  ihr Dasein  nämlich unter unvorstellbar grausamen Bedingungen. Viele haben nur 450 Quadratzentimeter Platz, weniger  als auf einem Blatt Schreibmaschinenpapier. Sie können sich nicht rühren – leben wie in einem Sarg.  Die neue Regelung, die Michl

Ebner im Plenum des Europaparlaments durchgesetzt hat und die ab dem Jahr 2009 zur Anwendung kommen soll, nützt auch den Verbrauchern. Denn bei artgerechter Haltung sind Eier  von besserer Qualität zu erwarten. So sehr die Tierfreunde Michl Ebner danken, so hoffen sie doch auch, daß die von der EU finanzierten tierquälerischen Massentransporte von Vieh kreuz und quer durch Europa  ebenfalls bald aufhören.

 

Rechtschreibreform am Kippen (28.9.1998)

Das hat den „Schöpfern“ der Rechtschreibreform gerade noch gefehlt: Sie hatten maßgebliche Beamte, Politiker und Richter auf ihre Seite gebracht  und wähnten sich kurz vor dem Ziel –  da macht ihnen das Volk einen Strich durch die Richtung.

Trotz einer mit unfairen Mitteln geführten  Kampagne stimmte eine klare Mehrheit der Bevölkerung von Schleswig-Holstein gegen die unausgegorene, von Widersprüchen strotzende Reform, die die Schreibweise  in vielen Bereichen nicht einfacher, sondern komplizierter und unverständlicher macht.

Jetzt hängt es von den deutschsprachigen Nachrichtenagenturen ab, ob sie sich nach einer Clique arroganter Sprachverhunzer richten oder ob sie den Willen der Mehrheit der Bevölkerung respektieren, die dieses Machwerk ablehnt; dies ist bei  Umfragen klar zum Ausdruck gekommen. Denn wenn die Zeitungen nicht mitmachen, ist die Reform geplatzt.

 

Weltuntergangsängste (28.3.1997)

Ganz gleich, was geschieht: Selbstmord ist immer die schlechteste Lösung. Keine noch so verzweifelte Lage rechtfertigt es, daß ein Mensch Hand an sich legt. Wir alle haben unser  Leben aus der Hand Gottes erhalten, und allein unser Schöpfer darf es uns nehmen. Alles andere ist Mord, ist ein Verstoß gegen das Gebot: Du sollst nicht töten.

In welch kollektiven Wahn haben sich doch die  armen Verführten hineingesteigert, die jetzt in Kalifornien mit einem Ufo im Schweif des Kometen Hale-Bopp vom irdischen Jammertal in den Himmel fliehen wollten. Weitere Massenselbstmorde bis zum Jahr 2000 sind zu befürchten. Viele haben Angst vor dem Weltuntergang.

Doch ein Christ weiß sich geborgen, von Gott geliebt und gerettet durch Christi Kreuzesopfer. Der Tod ist für ihn nur der Durchgang zum ewigen Leben, und das Ende der Welt bedeutet nicht weniger als den Endsieg Christi.

 

Leserbrief: Einwanderer (11.2.1997, S. 6)

Es ist erstaunlich und erfreulich zugleich, wenn unter der Rubrik „Vorausgeschickt“ von Herrn Rainer Lechner eine Meinung vertreten wird, für die wir Freiheitlichen noch vor wenigen Monaten als Rassisten und sogar Neonazis beschimpft wurden. In Österreich bildete man wegen der gleichen Aussage des Bundesparteiobmanns Jörg Haider Lichterketten und Solidaritätskomitees, mit wohlwollender und großteils einseitiger Berichterstattung in den Südtiroler Medien. Wir Freiheitlichen haben in zahlreichen Presseaussendungen und Stellungnahmen schon seit jeher darauf hingewiesen, daß viele der Einwanderer in Europa bereits in den Herkunftsländern vorbestraft waren bzw. sich bereits dort auf Kosten der Ärmsten bereichert haben. Führende Politiker Europas haben in der Einwanderungsfrage total versagt und das Problem einfach auf die Bevölkerung abgeschoben. Dies ist jedoch ein gefährliches Spiel, weil gerade dadurch Unmut und sogar Haß entstehen können. Immer mehr Bedeutung erhält dadurch der unermüdliche Einsatz der Freiheitlichen für einen sofortigen Einwanderungsstopp bzw. die sofortige Ausweisung für straffällig gewordene Einwanderer. Niemand von uns ist gegen humanitäre Hilfen für Hungernde und Elendszonen, doch müssen die Mittel vor Ort eingesetzt werden, anstatt sie hier für einige schlauere zu vergeuden.

Hermann Tonner, Vorsitzender Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender

Zusatz der Redaktion:
Der Kommentator Rainer Lechner hält eine Beschränkung der Einwandererzahl aus christlicher Sicht nur dann für gerechtfertigt, wenn gleichzeitig den Ärmsten in der Armen Welt geholfen wird.  Bisher wurden nur Brosamen gespendet. Zwei Vorschläge: Südtiroler Familien könnten für notleidende christliche Familien im Südsudan, Indien oder Bolivien “Überlebens-Patenschaften“ (zum Beispiel 100 Dollar pro Jahr) übernehmen, und das Land könnte Sister Nancy ein Promille seines Haushalts für die Slums von Bangalore zur Verfügung stellen.

Die Leserbriefredaktion

 

Gandhis Erbe verraten (31.1.1997)

Gandhi, der unerschrockene Satyagrahi (Kämpfer für die Wahrheit), lebt noch immer im Herzen seines Volkes. Das wurde anläßlich der  Beisetzung seiner Asche im Ganges deutlich.

Indien heute: ein Bild des Elends. Der Mahatma ist von seinen Nachfolgern verraten worden. Fast nichts von dem, was er  vorlebte, ist geblieben. Hunderte Millionen  vegetieren dahin.

Gandhi hätte für alles Rezepte gehabt, radikale, aber wirksame:  ahimsa“ (Nichtverletzen, kommt der christlichen Nächstenliebe nahe),  wirtschaftliche Selbstversorgung durch Landwirtschaft und Handwerk,  Bekämpfung der Unmoral (Nichtduldung der  Pornographie, Postenstehen vor  Bordellen und damit Beschämung der Besucher). Auch die Blutopfer für die Hindugöttin Kali würde er nicht hinnehmen. Nur ein neuer Gandhi könnte  Indiens Sehnsucht nach Befreiung von seinen tausend Übeln stillen.

 

Zuwanderer oder Sister Nancy (29.1.1997)

Hilfe für die Armen ist Christenpflicht. Die Erfahrung  zeigt jedoch, daß Milliarden Dollar   an Unwürdige verschleudert wurden. Die Reichen bereicherten sich, die Hungernden  gingen leer aus.  Zeit für ein Umdenken.

Wie helfen wir am wirkungsvollsten? Sicherlich, wenn wir die Ärmsten der Armen   unterstützen, und die leben  nicht hier in Europa, sondern in den Elendszonen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.

Mit 100 Dollar, die einem nordafrikanischen Einwanderer hier  wegen der hohen Lebenshaltungskosten  gerade für eine Woche reichen, könnte in Indien eine Familie ein ganzes Jahr überstehen.

Eine klare Mehrheit der Bürger Europas lehnt eine weitere Zuwanderungswelle ab (Bericht auf Seite Chronik).  Wäre es da nicht sinnvoll,  einen Teil der Hilfsgelder umzuverteilen, zum Beispiel zugunsten  der indischen Sister Nancy für die Elendsviertel von  Bangalore?

 

Türkei nicht europawürdig (27.1.1997)

Sie verschließen ihre  Augen vor der Wirklichkeit: all jene Politiker, die lauthals nach voller Eingliederung der Türkei in die Europäische  Gemeinschaft schreien.

Das Regime in Ankara unterdrückt seit Jahrzehnten brutal seine Gegner: Linksextremisten wurden in den Gefängnissen gefoltert, das freiheitsliebende Volk der Kurden wird sogar noch jenseits der Grenzen aus der Luft bombardiert, und sogar die wirklich harmlosen letzten  Christen – einige tausend in ein paar Dörfern –  wurden gewaltsam aus dem  hintersten Winkel vertrieben, so daß der Staat am Bosporus nun voll islamisiert ist.

Wen wundert es da,  wenn die Vizeregierungschefin  Tansu Ciller       der Verwicklung in den internationalen Heroinhandel bezichtigt wird?  Ein deutsches Gericht ist  sogar überzeugt, daß  die ganze Regierung die Rauschgiftexporte nach Westeuropa deckt. Also bitte Schluß mit der Naivität!

 

 

Weiterer Text in Caritas-Buch „Im Vertrauen“, Athesia, Bozen, 2004, Seite 132f.:
Mein schönstes Zitat aus der Bibel

 

Bibelzitat: Römer 8,19 Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. 21 Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.

 

Diese Worte sind Sprengstoff, bilden mit die Grundlage für die Anklage Leo Tolstois gegen die Gesellschaft und die Amtskirchen. Der russische Revolutionär wirft ihnen Christentum ohne Moral vor. Er hält das Töten und Essen unserer Brüder und Schwestern aus der Tierwelt für nicht vereinbar mit dem christlichen Gebot der Barmherzigkeit. Doch Tolstoi, Franziskus von Assisi, Albert Schweitzer und Mahatma Gandhi, laut Vatikan ein "Apostel christlicher Tugenden", sind tot. Und so klammern sich jene Christen, die Mitleid mit der gequälten Kreatur empfinden, in ihrer Verzweiflung an obiges Paulus-Wort. Während die Einheitsbibel lediglich kommentiert: "Die Leiden dieser Zeit können im Blick auf die verheißene Vorstellung ertragen werden", hoffen jene, die kein Fleisch essen, auf ein Wunder. Dass nämlich durch göttliche Erleuchtung die Bräuche von Osterlamm, Weihnachtsgans und Silvesterkarpfen, die Tierversuche, das Schächten und das Töten überhaupt abgeschafft werden. Damit Franziskus ohne schlechtes Gewissen singen darf: "Alle Kreaturen, lobet den Herrn!" Die "Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers" belehren uns: Das "geheimnisvolle Seufzen der Kreatur ist das innere Gebet. Es ist in allem und in allen enthalten."

Eingesandt von: Rainer Lechner (57), Journalist, (Redakteur der "Dolomiten", Ressortleiter "Weltchronik")

 

Heilige, Selige, Gerechte