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ETIKA
022 |
KARL
MAY |
www.etika.com |
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22MAY34E |
EMPOR INS REICH DER EDELMENSCHEN - DAS HEILIGE FEUER |
Karl und Klara May, Fritz Barthel |
Allen
Wahrheitssuchern, besonders den etika.com-Lesern,
F. J. Hendricks, H. F., J. u. M. M., P. V., F. L.,
den F. L.,
Tatjana Goritschewa sowie Shraga
Elam gewidmet
Wir empfehlen: Karl May Band 34
"Ich" - Karl Mays Leben und Werk
sowie alle Bücher Karl Mays,
natürlich nur aus dem Karl-May-Verlag Bamberg
Am
22. März 1912, acht Tage vor seinem Tode, hielt Karl May in Wien auf Einladung
des Akademischen Verbandes für Literatur und Musik eine zweistündige Rede.
Seine Frau Klara May hat eine Zusammenfassung erstellt, aus der wir Auszüge
wiedergeben:
Empor ins
Reich der Edelmenschen!
Es
ist das Hauptthema des großen Menschheitslebens und auch das jedes einzelnen.
Die Menschheit soll empor ins Reich der Edelmenschen und jeder einzelne ebenso.
Ich
habe, wie jeder andere Mensch, ein äußeres und ein inneres Leben. Beide sind
auszugestalten, daß sie zur Persönlichkeit werden.
Viele bringen es nie zur inneren Persönlichkeit, ja leider viele nicht einmal
zur äußerlichen.
Nicht
meine äußere, sondern meine innere Persönlichkeit soll zu Ihnen sprechen: mein
Herz! Das ist das Richtige! Die Seele zur Seele, das Gemüt zum Gemüt, das Herz
zum Herzen. Dann werden wir uns verstehen! So bin ich aber verpflichtet, Ihnen
hier meine Seele, mein Gemüt, mein Herz offen und ehrlich zu zeigen.
Ich fragte zu den Sternen
wohl auf in stiller Nacht:
"Gilt dort in jenen Fernen
auch mir die Himmelspracht?"
Da klang es tröstend nieder:
"Du gingst von hier einst aus
und kehrst, wie deine Lieder,
zurück ins Vaterhaus!"
Was
für einen Ort aber verstehe ich unter diesem "hier", unter diesem
"Himmel", an dem solche Sterne strahlen? Ich bin hier, um es Ihnen zu
sagen.
Es
führen drei Wege hinauf: Wissenschaft, Kunst, Religion. Wissenschaft
bringt Erkenntnis, die Kunst Offenbarung; Religion bringt Erlösung.
Ich
stehe auf dem mittleren Weg, auf dem Weg der Kunst, und spreche zu Ihnen nur
als Schriftsteller, als unbefangener Laie, der nichts erstrebt als nur das eine
große irdische Ziel: "Und Friede auf Erden!"
Tragt euer Evangelium hinaus
doch ohne Kampf sei es der Welt beschieden!
Und seht ihr irgendwo ein Gotteshaus,
so stehe es für euch im Völkerfrieden!
Gebt, was ihr bringt, doch bringt nur Liebe mit;
das andre alles sei daheim geblieben.
Weil Liebe einst für euch den Tod erlitt,
will sie durch euch nun ewig weiter lieben.
Tragt euer Evangelium hinaus,
indem ihr´s lebt und lehrt an jedem Orte!
Und alle Welt sei euer Gotteshaus,
in dem ihr hell erklingt als Engelsworte!
Gebt Liebe nur, gebt Liebe ganz allein;
laßt ihren Puls durch alle Länder fließen!
Dann wird die Erde Christi Kirche sein
und wieder eins von Gottes Paradiesen!
Also
auf dem Pfad der Kunst, der Poesie empor ins Reich der Edelmenschen!
Was
ist Poesie? Ich versuche es in "Friede auf Erden" (Anmerkung:
Band 30) zu sagen.
Der Dichter ist zugleich Seher. Wer nicht Seher ist,
kann auch nicht Dichter sein! Schaut in die Heilige Schrift! Wie oft beginnen
die Reden der Propheten: "Und ich sah" oder "Und ich hörte eine
Stimme".
Dem wahren Dichter kommt aus einer Welt, die mit der
unsrigen zusammenhängt, auf leisen Schwingen schöngebor´ne
Kunde. Er nimmt sie auf; er gibt sie weiter fort, und
wer sie hört, der wird von ihr berührt, als sei sie ein Gedicht aus Engelsmunde.
Das ist die Poesie, die aus dem Himmel stammt. Kein Geist, kein Mensch kann sie
uns niederbringen. Dort oben, wo das Meer des Lichtes flammt, muß jeder Strahl in goldenen Reimen schwingen.
Wir
stehen gerade jetzt in einer Zeit, die alte Formen zerbricht. Wir sehnen uns
nach neuen Idealen, nach einer neuen Kunst, nach dem Drama der Zukunft, nach
dem großen Meister, der da kommen soll.
Die
höchste, inhaltsreichste und mir liebste Form der Kunst, der Poesie, ist das
Märchen. Ich liebe das Märchen. Ich bin Hakawati.
Dieses arabische Wort bedeutet "Märchenerzähler".
Was
ist das Märchen?
Es
gibt irdische Wahrheiten und himmlische Wahrheiten. Die irdischen werden uns
von der Wissenschaft gebracht. Die himmlischen steigen an den Strahlen der
Sterne zu uns nieder.
Die himmlische Wahrheit kam zu den Menschen, wurde aber von ihnen fortgewiesen; man wollte sie nicht. Trauernd
kehrte sie zu Gott zurück und klagte, daß man ihr
keine bleibende Stätte gewähre, ja sie nicht einmal einlasse.
Gott
tröstete sie und sprach: Versuche es noch einmal, wähle dir einen Dichter aus
und laß dich von ihm in das Gewand des Märchens
kleiden, dann wird man dir Einlaß gewähren.
Die
Wahrheit tat, wie ihr geheißen, und sie ging sich einen Dichter suchen. Als sie
ihn gefunden und er sie, ins Märchengewand gehüllt, von neuem zu den
Menschen sandte, wurde sie freudig aufgenommen: schien sie doch nur ein
harmloses Märchen zu sein!
Das Märchen von Sitara
(Band 34, Ich, Seite 27 - 32)
Wenn man von der Erde aus drei Monate lang geraden
Weges nach der Sonne fliegt und dann in derselben Richtung noch drei Monate
lang über die Sonne hinaus, so kommt man an einen Stern, der Sitara heißt. Sitara ist ein persarabisches Wort und bedeutet eben "Stern".
Dieser Stern hat mit unserer Erde viel gemein. Das
Tiefland ist eben, ungesund, an giftigen Pflanzen und reißenden Tieren reich.
Man nennt es Ardistan. Ard
heißt Erde, Scholle, niedriger Stoff, und bildlich bedeutet es das Wohlbehagen am geistlosen Schmutz und Staub, das
rücksichtslose Trachten nach der Materie, den grausamen Vernichtungskampf
gegen alles, was nicht zum eigenen Selbst gehört und gewillt ist, ihm zu
dienen. Ardistan ist die Heimat der niedrigen,
selbstsüchtigen Daseinsformen und, was sich auf seine höheren Bewohner bezieht,
das Land der Gewalt- und Egoismusmenschen.
Das Hochland dagegen ist gebirgig,
gesund, ewig jung und schön im Kuß des Sonnenstrahls,
reich an Gaben der Natur und Produkten des menschlichen Fleißes, ein Garten
Eden, ein Paradies. Man nennt es Dschinnistan. Dschinn heißt Genius, wohltätiger Geist, segensreiches,
unirdisches Wesen. Bildlich bedeutet es den angeborenen Herzenstrieb nach Höherem, das fleißige Trachten nach allem,
was gut und edel ist, und vor allen Dingen die Freude am Glück des Nächsten, an
der Wohlfahrt all derer, welche der Liebe und der Hilfe bedürfen. Dschinnistan ist das Land der Nächstenliebe, das einst
verheißene Land der Edelmenschen.
Tief unten herrscht über Ardistan
ein Geschlecht von Tyrannen, deren oberstes Gesetz lautet: "Du sollst der Teufel deines Nächsten sein,
damit du dir selbst zum Engel werdest!"
Und hoch oben regiert eine Dynastie großherziger
Fürsten, deren Gesetz lautet: "Du sollst der
Engel deines Nächsten sein, damit du nicht dir selbst zum Teufel werdest!"
Also in Dschinnistan Glück
und Sonnenschein, dagegen in Ardistan eine tiefe
seelische Finsternis und der heimliche Jammer nach Befreiung aus dem Elend
dieser Hölle! Ist es da ein Wunder, daß da unten im
Tiefland eine immer größer werdende Sehnsucht nach dem Hochland entstand? Daß die fortgeschrittenen unter den dortigen Seelen sich
aus der Finsternis zu befreien und zu erlösen suchen?
Zwischen Ardistan und Dschinnistan liegt Märdistan. Zu
Märdistan, im Walde von Kulub
(arabisch Herzen), liegt einsam, tief versteckt, die Geisterschmiede.
"Da schmieden Geister?"
"Nein, man schmiedet s i e !
... Da, jetzt., o Mensch,
ergreifen dich die Zangen.
Man stößt dich in den Brand; die Bälge knarren.
Die Lohe zuckt empor, zum Dach hinaus,
und alles, was du hast und was du bist,
der Leib, der Geist, die Seele, alle Knochen,
die Sehnen, Fibern, Fasern, Fleisch und Blut,
Gedanken und Gefühle, alles, alles
wird dir verbrannt,, gepeinigt und gemartert
bis in die weiße Glut -"
Der Schmerz beginnt sein Werk, der Schmied, der
Meister.
Er spuckt sich in die Hände, greift dann zu.
Hebt beiderhändig hoch den Riesenhammer -
die Schläge fallen. Jeder ist ein Mord,
ein Mord an dir. Du meinst, zermalmt zu werden.
Jeder Bewohner des Sterns Sitara
kennt die Sage, daß die Seelen aller bedeutenden
Menschen, die geboren werden sollen, vom Himmel herniederkommen.
Engel und Teufel warten auf sie. Die Seele, welche das Glück hat, auf einen
Engel zu treffen, wird in Dschinnistan geboren.
Die arme Seele aber, welche einem Teufel in die Hände fällt, wird von ihm nach Ardistan geschleppt und in ein um so tieferes Elend
geschleudert, je höher die Aufgabe ist, die ihr von oben mitgegeben wurde. Der
Teufel will, sie soll zugrunde gehen, und ruht weder bei Tag noch bei Nacht,
aus dem zum Talent oder gar Genie Bestimmten einen möglichst verkommenen,
verlorenen Menschen zu machen.
Nur selten ist die Himmelskraft, die einer nach Ardistan geschleuderten Seele
mitgegeben wurde, so groß und unerschöpflich, daß sie
selbst die stärkste Pein der Geisterschmiede erträgt. Sie wird nicht vom Feuer
vernichtet, sondern geläutert und gestählt. Darum kann weder Mensch noch Teufel
sie mehr hindern, nach Dschinnistan aufzusteigen, wo
jeder Mensch der Engel seines Nächsten ist.
(Anmerkung:
Ende des hier gestrafften Märchens von Sitara)
Sitara ist die Erde. Nicht
geographisch, sondern geistig betrachtet. Da kann es nicht drei oder gar fünf
Menschenrassen und fünf Erdteile geben, sondern nur zwei Erdteile mit einer
einzigen Rasse, die aber nach gut und böse, nach hoch und niedrig Denkenden,
nach auf- oder abwärts Strebenden geschieden ist. Körperbau, Hautfarbe
usw. sind da gleichgültig, bestimmen nicht im geringsten
den Wert oder Unwert des betreffenden Menschen.
In
Ardistan haben die Niedrigen, die Unedlen, in Dschinnistan die Hohen, die Edlen ihren Wohnsitz.
Beide
sind verbunden durch den schmalen, aufsteigenden Streifen von Märdistan, wo im Wald von Kulub
der "See der Schmerzen" und die "Geisterschmiede" liegen.
Kennst du den unergründlich tiefen See,
in dessen Flut ich meine Ruder schlage?
Er heißt seit Anbeginn das Menschheitsweh,
und ich, mein Freund, ich bin die Menschheitsfrage.
Und
ich setze hier fort:
Ist dir auf ihm das kleine Boot bekannt,
das mir der Herr für meine Fahrt gegeben?
Von euch wird es das Erdenleid genannt;
ich aber sag: Es ist das Erdenleben!
Was
ist die Menschheitsfrage? Sie wurde von Gott geschaffen, als er den Menschen
schuf. Dieser lebte im Paradiese von Dschinnistan.
Die Früchte des Sumpflandes waren ihm verboten. Er stieg trotzdem hinab, sie zu
genießen. Kaum hatte er das getan, so sah er, daß er
nackt war, entkleidet allen Adels, aller Hoheit, aller Reinheit, aller Würde.
Es war nichts mehr an ihm, was ewig ist, er hatte sich den Tod erworben.
Er
versteckte sich. Da kam der Herr und rief: "Adam, wo bist du?" Adam
heißt Mensch. Gemeint ist Edelmensch. Also: "Mensch, Edelmensch, wo
bist du?"
In
diesem Augenblick war die Menschheitsfrage geboren. Sie verließ mit Adam das
Paradies.
Gott
war gnädig mit ihm, der nun in Ardistan wohnte und
darum sterben mußte. Er verlieh ihm das Geschenk der
Nachkommenschaft, in der er weiterleben durfte, um nach Jahrtausenden
fortgesetzter Läuterung nach Dschinnistan, ins
Paradies zurückzukehren.
Wohin
sich die Menschen immer wandten, die Menschheitsfrage ging mit. Sie stand auf
allen Schlachtfeldern der Erde, um auszurufen:
"Adam,
wo bist du? Wo ist die Edelmenschlichkeit? Ich sehe sie nicht."
Zu
jeder Zeit und überall, wo Menschen gegen Menschen sündigten, erhob sie ihre
Stimme. Sie schien ewig zu sein, weil das Menschenleid kein Ende
zu nehmen scheint. Und sie schien allgegenwärtig zu sein, weil das Menschheitsweh allgegenwärtig ist.
Aber
nicht bloß bei großen, gewaltigen Völkerschmerzen tritt sie als Klägerin heran,
sondern sie steht bei jeder einzelnen Menschenseele, die irgendein Leid zu tragen
hat, und flüstert bittend:
"Du bist in der Geisterschmiede.
Schrei nicht! Dann kommst du frei und wirst als Sieger die Qual verlassen.
Bleib nicht hier unten. Werde Edelmensch! Dein Ziel heißt Dschinnistan!"
Woher
weiß ich das?
Ich
will es Ihnen erzählen: Im tiefsten, allertiefsten Ardistan
wurde ich geboren. Meine Eltern waren bitterarm. Wir haben fleißig
gearbeitet und ebenso fleißig gehungert. Vater war streng, doch gut. Jähzornig.
Nächtelang las er. Mutter war still und lieb, unendlich lieb, und hatte trotz
ihrer eigenen Not und Armut immer noch für noch Ärmere übrig. In meinen
"Himmelsgedanken" gedenke ich ihrer in dem Gedicht:
Ich hab gefehlt, und du hast es getragen...
Der
Großmutter widmete ich folgendes Gedicht:
Sie trug mich stets auf ihren Armen,
sie lehrte mich den ersten Schritt,
und weinte ich zum Herzerbarmen,
so weinte sie erbarmend mit...
Dieser
Großmutter habe ich damals versprochen: "Großmutter, ich will ,Hakawati' werden. Ich will
von Dschinnistan erzählen. Darum muß
ich aus Ardistan hinaus!" Märchenerzähler, um
die Wahrheit der Zukunft in das Gewand des Märchens zu kleiden, damit man sich
ihrer erbarme.
Ich
bin trotz allen Erdenleides ein unendlich glücklicher Mann. Habe mich aus
Abgründen emporgearbeitet. Ich habe meinen Beruf,
meinen Erfolg, mein glückliches, friedliches Heim, meinen unerschütterlichen
Glauben an Gott und die Menschheit. Dieses so große Glück möchte ich auch gern
anderen Menschen bereiten.
Was
ich selbst erstrebe, soll auch für meine Leser (Anm.:
auch für die etika.com-Leser) gelten:
Empor ins Reich der Edelmenschen!
Schon weicht das Tiefland hinter mir;
mein Lebenspfad beginnt zu steigen.
Nun gilt mein ganzes Sehnen Dir,
da endlich alle Zweifel schweigen.
Es ist, als ob am Horizont
ich Bergesspitzen leuchten sähe.
So reinigt, läutert, wärmt und sonnt
die Seele sich in Himmelsnähe.
Hinauf, hinauf! Ich raste nicht;
ich will und will nicht unten bleiben.
Mein frömmstes, innigstes Gedicht,
will ich im Glühn der Alpen schreiben.
(Anmerkung: Merkwürdig die wichtigen Bezüge in
jüngster Zeit zum gottgesegneten Südtirol!)
Dann werde ich es heimlich, still
in einem Kirchlein niederlegen;
vielleicht gereicht´s, so
Gott es will,
dem, der es finden wird, zum Segen!
Wie
ich mir dieses Empor für die Menschheit im allgemeinen
denke, sage ich im "Silbernen Löwen".
Das
Menschheitsleben vollzog sich bisher nur unten in Ardistan.
Ardistans Geschichte ist mit Blut geschrieben.
Glauben wir ja nicht, daß die Sehnsucht nach Dschinnistan erst von heute ist! O nein! Allen Völkern
wohnte sie inne, wir finden sie bei den Heiden, in der Religion der Inder, der
Chinesen, der Inkas, alle, alle zeugen von der großen Sehnsucht nach
Edelmenschlichkeit. Die Gesetze Hammurabis! Wie das heutige "Heidentum"
darüber denkt, lasse ich von einem malaiischen Priester sagen
in "Friede auf Erden".
Und
Israel, das Volk Gottes! Was haben wir von ihm überkommen und geerbt! Nie
können wir genug dankbar sein! Was ist sein Gott für den Poeten! Welche Regeln
der Menschlichkeit! Ich habe als Knabe die Weissagungen gesungen: Jesaias 9. Und es genügt mir hier das eine Wort aus dem 60.
Kapitel, Vers 1:
Mache dich auf, werde Licht!
Und
der Islam! Ich lasse ihn in meinem "Babel und Bibel" zu Worte kommen.
Und
nun das Christentum!
(Anmerkung:
Dem Bekenntnis zu Gott läßt Karl May Zitate aus dem
Werk der Friedensaktivistin Bertha von Suttner "Der Menschheit
Hochgedanken" folgen. Der frei gesprochene Teil des Vortrags ist von dem
Journalisten Fritz Barthel rekonstruiert. Daraus entscheidende Absätze,
ebenfalls in Kurzform und an ganz wenigen Stellen wegen des Satzbaus leicht verändert:)
Heute
wollen wir den eisernen Entschluß fassen, alles zu
tun, was dem Frieden dient, und alles zu lassen, was zum Kriege führt! Es ist höchste Zeit! Schon lauert der Krieg wie ein hungriger
Tiger vor den Toren Europas! Morgen schon kann er bei uns einbrechen und uns
vernichten! Und das zu ändern, das liegt nur bei uns selber, bei
uns ganz allein!
(Anmerkung
etika.com: Die prophetische Warnung Karl Mays wurde
nicht ernst genommen. So kam der Erste Weltkrieg; dieser löste mit seinem
ungerechten Versailler Vertrag den Zweiten Weltkrieg aus; und das dadurch
hervorgerufene Unrecht wird den Dritten Weltkrieg ermöglichen, wenn Vernunft
und Wahrheit nicht bald zum Durchbruch kommen.)
Fünfzehnhundert
Millionen bevölkern die Erde. Fast alle sind einfache Leute, Wochenlöhner, geduldige Gehaltsempfänger, Menschen wie wir
alle hier im Saal. Menschen, die nichts heißer wünschen, als in Ruhe für sich
und ihre Lieben schaffen zu dürfen. Ja, alle diese fünfzehnhundert Millionen
Mitmenschen hassen den Krieg. Meint ihr nicht?
Und
da sollte es uns fünfzehnhundert Millionen nicht gelingen, eine Handvoll
Wahnwitzige daran zu hindern, die Welt in Brand zu stecken? Liegt also nicht
die Schuld bei uns selber?
Drei Teufel sind es, drei Dämonen, die uns immer wieder hinabstoßen auf den Weg, der zum Kriege führt: das sind der
Hochmut, die Habgier und die Unduldsamkeit. Besiegen wir diese drei in unserem
eigenen Herzen, dann erst dürfen wir hoffen, daß wir
sie auch draußen in der Welt besiegen!
Es
ist aber nicht so einfach, diese Dämonen in uns selber zu erkennen. Denn sie
kommen seit altersher immer mit edlen Masken.
Oder wißt ihr hier im Saal von irgendeinem Kriege,
der mit der Parole der Gehässigkeit oder Gemeinheit begonnen hätte? O nein! Der
Krieg beginnt immer mit großen und guten Redensarten, ja, seine liebste Art ist
es, ein großes Geschrei für den Frieden zu erheben! Dann klingt es in allen
Reden und schreit es in allen Zeitungen vom Frieden, Frieden und wieder
Frieden!! - Es ist das Lächerlichste und das Gemeinste, daß die meisten Kriege entfesselt wurden, angeblich
um den Frieden herbeizuzaubern! Oder um ihn zu erhalten und zu stärken! Ist es
nicht der gräßlichste Betrug: die Hölle zu
entfesseln, um der Menschheit den Himmel zu schenken?
Oder
der Krieg kommt mit dem Appell an euren Gerechtigkeitssinn, an euer
christliches Empfinden, an eure gute Seele. An euren Mut und eure
Opferbereitschaft. Viele, viele Masken trägt er, und es ist schwer, hinter
diesen edlen Masken die Teufelsfratze zu erkennen.
"Die
heiligsten Güter sind in Gefahr", so ruft er durch die Lande, und selbst
die klügsten und besten Menschen greifen dann, betört von dem eigenen
Überschwall, blindlings zur Waffe, um andere, ebenso betörte Mitmenschen
niederzustechen und niederzuschießen!
Dann
sitzen die Greise, die Frauen, die Bräute, die Kinder zitternd daheim und
warten auf - ja, worauf? - es ist ja so lächerlich - auf ein gerechtes
Gottesurteil!
Hört
mich an. Wir alle hier glauben doch, daß wir
Geschöpfe sind mit einem gesunden Verstand. Und dieser gesunde Verstand ist
uns doch von Gott geschenkt, um ihn auch recht zu gebrauchen.
Nein,
meine Freunde, wir dürfen nicht die Hände in den Schoß legen und uns damit
einschläfern, daß letzten Endes ein Gottesurteil zum
Besten führe - das Gottesurteil ist in uns selber! In unserer eigenen Brust!
Gott verlangt von uns, daß
wir selber das Edelste und Beste, das Recht und die Tugend schützen, indem wir
den Weg suchen, uns selber und unsere Mitmenschheit zu veredeln.
Empor
ins Reich der Edelmenschen! Das ist der einzige Weg in die Zukunft einer
besseren Welt!
Wir müssen zu allererst danach trachten, selber Edelmenschen zu
werden und die andern Mitmenschen durch unser Beispiel auch dazu zu erziehen.
Werdet echte, wahre Christen, und ihr seid schon auf dem
Wege, der uns in eine Welt des Ewigen Friedens führt!
Wir sind durch die Hölle des Klassenhasses gegangen, des
Rassenhasses und des Religionshasses! Überall Haß, Haß und Haß! Der Große gegen den Kleinen. Der Kleine gegen den Großen. Der
Christ gegen den Mohammedaner, der Mohammedaner gegen den Christen. Der Weiße
gegen den Gelben, den Schwarzen, den Roten. Ein
Gebirge von Leid. Ein Ozean voll Tränen. Und dann wundern wir uns, daß immer wieder Krieg ist in der Welt?
Besiegen wir den Haß in uns selber - und
das können wir! - dann ist der Weg frei zum Ewigen Frieden. Aber solange ihr
das nicht könnt, ja, solange ihr das nicht könnt, solange seid ihr nichts
anderes als Heuchler! Glaubt mir: wären die Menschen seit dem schwarzen Tag
von Golgatha wirklich echte Jünger des Heilandes gewesen, so gäbe es schon seit
zweitausend Jahren keinen Krieg mehr!
Nun wißt ihr, warum Winnetou im Sterben
sagt: "Winnetou ist ein Christ!"
Warum
Hadschi Halef sich bekehrte von der brutalen
Nilpferdpeitsche zur Liebeslehre Isa Ben Mariams!
Versteht
mich aber auch nicht falsch, meine Freunde!
Wenn
der Frieden göttlich ist, so ist der Krieg vom Teufel! Ich beschwöre euch:
denkt darüber nach und erkennt es.
Gewiß, es gibt in unseren
Geschichtsbüchern unsterbliche Männer und edle Frauen, die im Kriege unvergeßliche Heldentaten verrichteten und das Leben
unbedenklich für ihre Brüder und ihre Kinder in die Schanze schlugen - aber
welche Heldentaten waren größer als die für den Frieden!
Glaubt
mir: Mit dem ersten Schuß schon ist der Satanismus
der Unterwelt entfesselt und ersäuft alles Gute in einem Strom von Unrat und
Blut!
Ich
weiß so gut wie Sie: Kampf muß sein, denn leben
heißt kämpfen!
Das Edle muß über das Böse siegen, der
Bessere über den Schlechteren, auf daß sich die
gesamte Menschheit emporentwickle in das Reich der
Edelmenschen! Güte ist größer als alle Gewalt!
Güte
ist größer als Gewalt! Milde mächtiger als Mord!
Sie
wissen es aus meinen Büchern: Nie ist Old Shatterhand, ist Kara
Ben Nemsi einem Kampf ausgewichen, wenn es galt, dem
Guten zu dienen, Bedrängten zu helfen oder das Böse niederzuzwingen! Nie!
Heimtücke und Niedertracht, die Waffen der Unterwelt, sie lauern
überall an unseren Wegen! Wir müssen bereit sein mit Herzen und Händen, Tag
und Nacht, zu jeder Stunde."
Auch
ich habe einmal geglaubt, daß eine gerechte Sache im
Kriege siegen müsse. Seitdem ich weiß, daß der Krieg das Handwerkszeug des Teufels ist, seitdem
weiß ich auch, daß Gott andere Wege geht als die
des Krieges.
Der Mensch ist seine eigene Geißel!
Es
ist eine gemeine Lüge, Freunde, wenn man euch einredet, es könne nie einen
ewigen Frieden geben in der Welt! Glaubt dieser Lüge nicht! Alles, was von
Menschenhand stammt, das kann auch von Menschenhand wieder bereinigt werden!
Und der Krieg mit allen seinen Greueln, er ist nichts
als Menschenwerk! - Nein, ihr Männer und Frauen, es gibt kein Gottesgesetz
und es hat nie eines gegeben, das euch zwingt, eure Väter, Männer oder Brüder
zu Krüppeln zu machen oder sie in den Tod zu schicken!
Draußen
am Eingang zum Sophiensaal - habt ihr sie nicht
gesehen? Die beiden Bettler? Sie hocken auf schneenassen Steinen. Der eine hat keine Füße mehr und der andere keine Augen...
Kriegsopfer. Fragt sie doch, ob auch sie meinen, der liebe Gott habe
es in seiner Weisheit und Güte so gewollt!
Sind
das nicht fleischgewordene Gottesworte gegen den Wahnsinn Krieg?
Aber
die Menschen gehen stumpf an den Mahnungen Gottes vorüber. Sie
legen die Hände in den Schoß und warten, warten ...worauf?
Es
gab Zeiten, da glaubten die Menschen allen Ernstes, es sei gottgewollt, daß es Freie und Sklaven gäbe. Es gab Sklavenhalter, die in
der Woche die Sklaven mit Bluthunden hetzten und die am Sonntag mit der Bibel
in der Hand zur Kirche gingen. Sklaverei?
Ach, das war doch gottgewollt! - Aber da traten edle und tapfere Menschen auf.
Ein ganzes Volk empörte sich über die Sklaverei (Anmerkung:
Wer empört sich heute über die Sklaverei des Kindesmißbrauchs
und der Prostitution?) - und heute weiß jedes Kind, daß
Sklaverei ein Verbrechen ist und kein Gottesgesetz!
Ich
frage: wer hat die Sklaverei beseitigt? Wer hat die Pest und die Cholera
besiegt? - Und ich antworte: der menschliche Wille! Wir! Ihr! Du und ich! Der
Mensch, der Gottes Ebenbild sein soll!
Wer
Menschenblut vergießt, des Blut soll wieder vergossen werden! - Ist das nicht
auch eine göttliche Stimme, die euch sagt, daß Krieg
Mord ist? Und nun fragt ihr: Was können wir denn gegen den Krieg tun?
Ich
will es euch sagen, Freunde:
Wir müssen
die Güte, die Klugheit organisieren!
Ohne unser eigenes Zutun wird der Krieg
nicht kapitulieren. Nie wird dem Menschen etwas geschenkt, was er sich selber
erzwingen kann!
Christus, der große Friedensfürst, sagte:
"Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden, und Ich
wollte, es brennte schon!"
Welches
Feuer meinte er denn?
Er meinte das heilige
Feuer gegen alles Schlechte, Böse, Gemeine!
Und
ist Krieg nicht das Schlechteste, das Böseste, das Gemeinste...?
(Anmerkung: Die Greueltaten
der Kriege, die Karl May 1912 bekannt waren, werden in der jetzigen Endzeit noch
um ein Vielfaches übertroffen von dem satanischen Krieg, der gegen die Kinder
und Familien geführt wird durch milliardenfache Verführung zum Bösen, sexuellen
Mißbrauch und Tötung der Seelen!)
Wie
wir den Kampf gegen das Schlechte, das Böse, das Gemeine führen können, wollt
ihr wissen? Lest ihr denn meine Bücher nicht? Zeige ich es nicht in
jedem Kapitel?
Weshalb
wird denn Old Shatterhand von allen geliebt und geachtet? Weil er nur in
allerletzter Notwehr Messer und Kugel gebraucht, sonst aber nur die Güte, die
Verzeihung, die Klugheit - oder wenn das nicht ausreicht, die List - und
erst dann, wenn auch diese nicht zum Ziele führt, die schmetternde Faust.
Aber
diese Faust tötet nicht, sie schont das Leben. Auch der Feind ist ein
Gottesgeschöpf. Und aus manchem Feind Old Shatterhands wurde dadurch ein
Freund, ja sogar ein Bruder. Denkt an Winnetou!
Brüder!
Laßt uns heute etwas wollen, in unserem tiefsten
Innern wollen! Wir wollen nicht mehr ablassen im Kampfe gegen den Krieg. (Anmerkung:
unsere Aufgabe ist vor allem der Kampf gegen den Krieg, den die Unterwelt zum
Verderben der Seelen führt).
Wir
wollen jeden Tag an unsere Aufgabe denken: Kampf dem Massenmord! (Anmerkung:
Massenmord der Seelen) Tag für Tag wollen wir unverdrossen suchen, wie wir
unser Ziel erreichen! - Freunde, welch hohes Ziel! Ein Paradies gilt es zu
schaffen auf dieser blutenden Erde!
Wir
müssen einen ganz neuen Weg gehen - und es ist doch schon
zweitausend Jahre her, daß der einfache
Zimmermannssohn aus Nazareth ihn der verirrten Welt zeigte:
Wir
müssen - Du und ich - bei uns anfangen mit dieser Aufrüstung zur Liebe! - Ja, laßt uns aufrüsten, Freunde, aufrüsten mit all unserer
Kraft, mit allem, was wir besitzen und vermögen: aufrüsten in unseren eigenen
Herzen! Wollt! - Wollt! - Wollt!
Vergessen
wir nicht, Freunde: das schönste Wort der Welt
ist Liebe! Und wenn wir uns alle wirklich und wahrhaftig zur Liebe
durchgerungen haben, dann hat die letzte Stunde des Hasses geschlagen, und dann
sind wir reif für den Ewigen Frieden!
Das
walte Gott - Amen!
Sicherlich
mit dem Wollen des Redners, seiner Witwe und des Berichterstatters zitiert aus:
"Ich",
Karl Mays Leben und Werk, Karl-May-Verlag Bamberg 1975, Empor ins Reich des
Edelmenschen! Seite 293 - 312
Fritz
Barthel: Letzte Abenteuer um Karl May, Ustad-Verlag
Bamberg 1955, S. 164 - 188
Zu den Zuhörern im Wiener Sophiensaal
gehörten Karl Kraus, Georg Trakl, Berthold von Viertel, Heinrich Mann, Adolf
Hitler. In einer Besprechung des Films „Karl May“ von Hans-Jürgen Syberberg über die letzten zehn Jahre des Schriftstellers
heißt es weiter: „Der Traum vom guten deutschen Wesen, an dem die Welt
genesen könne, hat nach Syberberg eine seiner
Wurzeln bei Karl May und findet seinen perversen Höhepunkt bei Adolf Hitler.“
Der von dem erpresserischen Journalisten Lebius und
Prozessen gehetzte Schriftsteller erhielt Zuspruch von Bertha von Suttner,
Peter Rosegger und dem Maler George Grosz. (2003)
Die Vorführung des Films im Bozner Filmclub am
13.3.2003 zum Ende einer Plakat-Ausstellung (w. h. m.) wurde von Jürgen Wehnert eingeleitet, Theologe und Germanist, Dozent an der
Universität Göttingen, Leiter des Karl May Archivs Göttingen.
Kauft euch alle Karl-May-Bände, natürlich aus dem
Karl-May-Verlag!
Anmerkung: Jemand hatte diese Seite manipuliert und oben
ein falsches Datum eingetragen.