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ETIKA
022 |
Peter Paul Rainer |
www.etika.com |
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22rainerpeterpaul030107 |
„Decke
Täter nicht“ |
Brief
vom 7.1.2003, erhalten am 9.1. (nicht prioritario!) |
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Personalien.
Zur
Meldung in der Südtirol Chronik von etika.com (Nachtrag
unter 21.2.2001) schrieb uns Mag. Dr. Peter Paul Rainer aus seiner Haftanstalt
in der Provinz Udine am 7.1.2003:
„Herzlichen
Dank für Ihre Rückmeldung und besonders für die Korrektur des entsprechenden
Intemeteintrages. Nachdem ich den beigelegten Ausdruck gelesen habe, erlaube
ich mir doch noch eilige Anmerkungen.
Ich wurde zu
20 Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Zu keinem
Zeitpunkt habe ich die italienische Sprache gewählt. In der Verhaftungsnacht
führte der Staatsanwalt das Verhör eigenmächtig in italienischer Sprache, ohne
mich zu fragen. Leider habe ich dessen bis heute so verhängnisvolle
Grobzusammenfassung nicht mehr durchgelesen, sondern einfach unterschrieben. Im
unerwähnt gebliebenen Anfangsteil findet sich seither der Absatz, demzufolge
ich die Sprache gewählt hätte. Da ich unterschrieben habe, kann ich dagegen
nichts sagen. Dennoch stimmt es nicht, wie ich bereits 1997 vor Beginn der
Hauptverhandlung am Landesgericht Bozen mittels Leserbrief an die
"Dolomiten" erklärte. Ich hätte bei späteren Verfahren die Sprache
wechseln können. Das habe ich nicht getan, weil das die Übersetzung aller Akten erforderlich gemacht
hätte. Wer hätte aber bei deren Umfang eine korrekte Übersetzung kontrollieren
können. So verzichtete ich in Absprache mit meinen Anwälten darauf.
Wie Sie
selbst schreiben, handelt es sich bei Ihrer Bewertung um eine "nicht
beweisbare Meinung", kurzum um ein Gerücht. Gegen Gerüchte gibt es keine probaten
Mittel, mit denen man sich wehren könnte. Dementsprechend kann ich Ihnen nur
versichern, wie ich es schon im Frühjahr dieses Jahres in Leserzuschriften an
Südtiroler Medien tat, daß ich zu keinem Zeitpunkt irgendeinen Kontakt zu
Geheimdiensten unterhalten habe. Ich halte deren Aktivitäten im Verborgenen
für grundsätzlich suspekt, gleichgültig für welchen Staat sie handeln. Daß man
über mich ein solches Gerücht in die Welt gesetzt hat, hat mich tief getroffen
und mich endgültig jeder aktiven Politik entfremdet. Es hat mir auch gezeigt,
daß in Südtirol sehr leichtfertig diese Keule eingesetzt wird. Eine späte
Ermahnung an mich selbst.
Schließlich
habe ich mich ja selbst jahrelang genau in jenen Südtiroler Kreisen bewegt, in
denen nur zu gerne alle unerklärbaren Vorkommnisse mit vermeintlich
omnipräsenten Geheimdiensten erklärt werden. So kann ich auch nichts über
deren mögliche Verwicklung in den Mord sagen, sehr wohl aber, daß ich
jedenfalls nichts mit ihnen zu schaffen habe. Dementsprechend gibt es auch
keine "Leidtragenden" meiner angeblichen Geheimdiensttätigkeit. Frau
Hofrat Stadlmayer hat sich von solchen "dummen" (ihre eigenen Worte)
Unterstellungen nie beeindrucken lassen. Leider hat jener Journalist, der am
meisten über den Fall und mich veröffentlicht hat, diesem böswilligen Gerücht
die nötige Publizität verschafft. ...
Ebenso
falsch ist die Annahme, ich würde den Täter decken. Ich kenne ihn nicht, weshalb ich ihn auch gar nie
decken könnte. Dergleichen würde ich auch nie tun. Entsprechend falsch ist
auch die Annahme, ich würde erpreßt werden. Dergleichen schlimme
Erfahrungen sind mir zum Glück in meinem Leben erspart geblieben.
Vielmehr
wurde ich in der Verhaftungsnacht genötigt, in der ich aus gesundheitlichen
Gründen leider nicht Herr der Lage war. (In gewisser Weise genötigt wurde ich
nur noch 1989. Christian Waldner hatte mich als Landesjugendsekretär der SVP
designiert, sollte er zum Landesjugendreferent gewählt werden. Ich wurde zu
einem Treffen in das Wohnzimmer seines Elternhauses geladen. Dort verlangten
einige Funktionäre meine Zusage, daß ich während meiner Amtszeit keine
Initiativen gegen die Abtreibung starte. Das Faustpfand war deren Stimmrechte
bei der Landesjugendreferentenwahl, die
Christian brauchte. Ich stimmte zu! Ganz habe ich mich zwar nicht an diese
"Abmachung" gehalten, sondern in Redebeiträgen für Christian sehr
wohl das Thema angesprochen, ebenso im Taschenkalender auf die Bewegung für das
Leben und deren Beratungsstelle hingewiesen. Tatsächlich habe ich aber keinen einzigen
Vorstoß innerhalb der JG-Gremien unternommen. Das liegt mir heute noch auf dem
Magen, wie ich es insgesamt heute für fatal halte, daß ich in die Politik
eingestiegen bin.)“
(Es folgen
private Dinge, die wir auf Wunsch des Verfassers natürlich weglassen.)
„Insgesamt
muß ich sagen, daß ich kein Vertrauen mehr in die Justiz habe. Dieses Vertrauen
wird mir auch ein erhoffter Freispruch bei einem Wiederaufnahmeverfahren nicht
zurückgeben können. Zuviel mußte ich in den nun schon vier Haft Jahren und bald
sechs Jahren Rechtskampf sehen. Irdische Justiz kann für sich bestenfalls in
Anspruch nehmen, ein notwendiges Übel zu sein. ...“
Peter
Paul Rainer, Tolmezzo, den 7. Jänner 2003
Wir
bitten Gott, in diesem mysteriösen Fall die Wahrheit zu dem Zeitpunkt zu
offenbaren, der ihm am günstigsten erscheint. Von Schuldigen und Unschuldigen
wollen wir gar nicht reden – vielleicht gibt es gar keine. (9.1.2003)
Vorstehender Satz, unter dem unmittelbaren Eindruck des erhaltenen Briefes
geschrieben, mag auf einige Geschichten Chestertons von Pater Brown zutreffen.
Vielleicht endet der Fall gar auf diese Weise, vielleicht aber mit einer
anderen Überraschung. Es wäre zu simpel, alles den Geheimdiensten in die Schuhe
zu schieben. Meist geht es in Morden um elementare Dinge: Leidenschaft und
derartiges oder Geld oder Machtgier. In verwickelten Mordfällen wird
üblicherweise gelogen, dass sich die Balken biegen. Man denke nur an Agatha
Christies „Mord im Orient-Express“. In ihrem Roman „Mord auf dem Golfplatz“
lesen wir gerade die Erkenntnis von Detektiv Hercule Poirot:
„Wir tappen im dunkeln. Hundert widersprechende
Einzelheiten verwirren und bedrängen uns – das ist gut. Das ist ausgezeichnet!
Aus dem Chaos entsteht Ordnung. Aber wenn du gleich zum Beginn Ordnung findest
– eh bien, sei auf der Hut! Dann ist es – wie soll ich sagen – gefehlt! Der
große Verbrecher ist unkompliziert –
aber die wenigsten Verbrecher sind groß! Bei den Bemühungen, ihre Spuren zu
verwischen, verraten sie sich meistens selbst.“ (Agatha Christie: Mord auf dem
Golfplatz – Murder on the Links – Goldmann Verlag München, Rote Krimi, 1984, S.
88)
Irgendwann
kommt die Wahrheit auf, und die Belogenen werden Rechenschaft verlangen.
Jedenfalls sieht man, dass hinter allem Bösen der Vater der Lüge steckt. (10.1.2003)