ETIKA

PERSONEN

www.etika.com

22RAMJ1

Josef Rampold

24.11.2007

Index Personen A - Z

Josef Rampold, der große, alte Mann Südtirols,
nimmt Abschied von den Hörern des Senders Bozen – Mutiger Kämpfer für die Bewahrung der Heimat und der deutschen Sprache

Am Samstag, 31.3.2007, 8.20 h, hat sich der 82jährige Heimatkundler und frühere Chefredakteur der Tageszeitung „Dolomiten“ im RAI Sender Bozen von seinen Hörern verabschiedet, die er über 30 Jahre lang mit seiner Sendung „An Eisack, Etsch und Rienz“ begeistert hat.

Ein halbes Jahrhundert hat der in Innsbruck geborene Sterzinger im Rundfunk mitgewirkt, zuerst als Nachrichtensprecher, dann als Gestalter von Sendungen für die Schulen. Der anerkannte Bergsteiger und feinsinnige Naturbeobachter schrieb eine Reihe von Büchern, darunter mehrere Bände der Südtiroler Landeskunde sowie Wanderführer.

In der Verlagsanstalt Athesia ist er seit vielen Jahrzehnten als Lektor tätig. Nach dem Tode von „Dolomiten“-Chefredakteur Dr. Toni Ebner sen. trat er dessen Nachfolge an. Er sorgte stets für eine klare Linie bei der Verteidigung der geistigen Werte des Abendlandes sowie der Südtiroler Heimat, der Menschen wie der Landschaft. Vehement wandte sich Rampold, der in den letzten Kriegsjahren noch Soldat der Deutschen Wehrmacht war, gegen die Geschichtsklitterung, die um sich greifende Verfälschung historischer Wahrheiten. Stets betonte er, dass die Südtiroler eine deutsche Volksgruppe und nicht nur eine Sprachgruppe sind, also Teil des deutschen Volkes.

Mit unnachahmlicher Geistesschärfe und Witz geißelte er in seiner „Randbemerkung“ als „X“, aber mehr noch in seinen oft köstlichen Mitteilungen an den Lokalchef der „Dolomiten“ die modernen Fehlentwicklungen der Gesellschaft, die Umweltzerstörung, die dekadente Musik und dergleichen (Julia Unterberger wäre sicher nicht ungerupft davongekommen). Doch auch seine marxistischen beziehungsweise linksliberalen Gegner, um nur einen, Alexander Langer zu nennen, respektierten ihn.

Im Streit um den Tod von Günther Messner am Nanga Parbat 1970, bei dem Reinhold Messner ins Kreuzfeuer der Medien geriet, zog Rampold, der auch bis heute die Bergsteigerseite der „Dolomiten“ gestaltet, einen Schlussstrich. Er war es leid, seinen Landsmann, den er von Anfang an unterstützt hatte – wie übrigens auch Georg Kleemann von der „Stuttgarter Zeitung“ und andere – in der internationalen Presse zerzaust zu sehen. Wer die Bücher über die Herrligkoffer-Expedition gelesen hat (siehe „Das Phantom vom Nanga Parbat“), kann sich denken, wie es damals zugegangen war. Allerdings nicht ohne Grund, denn Unwahrheiten und Widersprüche in den Aussagen Reinhold Messners hatten Journalisten, deren Beruf es ist, nicht alles zu glauben, was man ihnen aufbindet, natürlich auf die Spur gebracht. Gemäß Rampolds Direktive haben sich die „Dolomiten“ im Gegensatz zur damaligen „FF“, die ihre Skepsis offen kundtat, bei der Berichterstattung meistens zurückgehalten und Reinhold Messner geschont, wo es ging.

Dr. Josef Rampold konnte im Sender Bozen mit Recht darauf verweisen, dass er eine „kleine, bescheidene Volkshochschule“ aufgebaut hat, mit der er den Hörern landauf, landab Wissen vermittelt hat, vor allem in Heimatkunde, seinem ureigensten Fach. Teilweise gute Volksmusik leistete ihren Beitrag zu den unterhaltenden Sendungen, ohne die Südtirol nicht mehr ist, was es war. Dasselbe gilt übrigens für das vom ORF Tirol ausgestrahlte sonntägliche Wunschkonzert von Margit Humer-Seeber. Aber wer weiß, welche Überraschungen uns im Himmel erwarten…

„Da kannst du etwas für dein Land tun und die Sprache“, hatte der Lehrer und Germanist Josef Rampold gedacht, als er seine Rundfunktätigkeit begonnen hatte. Er hat sich bemüht, durch gutes Deutsch eine Art Vorbild zu werden und die Sprache – für eine ethnische Minderheit überlebenswichtig – zu hegen, zu pflegen und zu bewahren.

„Wehmütig“ hat er nun Abschied von seinen Sendungen im Radio genommen. Seine Gesundheit sei nicht mehr die beste, vor allem die Augen spielten nicht mehr mit. Der wackere Heimatpfleger Peter Ortner gestaltet die Nachfolgesendung „Unterwegs in Alttirol“.

In der Redaktion der „Dolomiten“ und wohl im ganzen Land gilt Josef Rampold längst als lebende Legende. Wir wünschen dem edlen, mutigen, umfassend gebildeten, weitsichtigen, humorvollen Menschen, dem rastlosen Vorkämpfer für Heimat und Sprache, der seine Alterskrankheiten tapfer erträgt, einen gesegneten Lebensabend. (le, 31.3.2007, kurze Einfügung am 12.11.2007)

Nachbemerkung am 1.4.2007: Peter Ortner hatte bei seinem Einstieg am Sonntagnachmittag um 14.30 Uhr mehr Glück mit der von irgendeinem Unbekannten ausgewählten Volksmusik. Sie war erstklassig und erfrischte Herz und Gemüt. Josef Rampold hätte sich oft eine bessere verdient gehabt, aber er hatte leider keinen Einfluss darauf gehabt.

Wir hatten 2007 als Jahr der Groß-Ereignisse angekündigt. In der Tat:

Josef Rampold *1925, † 12.11.2007

Josef Rampold zählt zu den drei großen Geistern, die das Tirolertum nach dem glorreichen 19. Jahrhundert zu einer letzten Blüte gebracht haben – neben Reimmichl und Kanonikus Michael Gamper.

Inmitten des sich ausbreitenden Materialismus und des Geschwätzes der Wichtigtuer im Rampenlicht verteidigte er als einsamer Rufer die geistigen Werte dieses christlich geprägten Landes, das Heimatbewußtsein, die deutsche Sprache. Der Bergsteiger und Naturfreund war Südtirols erster Umweltschützer – das Wort „Grüner wäre eine Beleidigung für ihn gewesen. Damit verkörperte er wie das von ihm stets geförderte Bauerntum selbst ein Stück der Seele Südtirols.

Als Chefredakteur der „Dolomiten“ war er ein Warner, wagte es, gegen den Strom der Zeit zu schwimmen. Typisch für seine Einstellung war der Aphorismus von Friedrich Hebbel, den er mir einmal für meine Rubrik „Zeitlos“ schickte „angesichts der traurigen Dekadenz unseres kulturellen Lebens, in dem auch mehr und mehr eine üble Pornographie das Sagen bekommt“ (Rampold). Hebbels Spruch lautete: „Die Höhe der Kultur ist die einzige, zu der viele Schritte hinaufführen und nur ein einziger herunter.“

Josef Rampold, der große, alte Mann Südtirols, hat diesen Kulturzerfall in dem kleinen Gebirgsland eine Zeitlang aufgehalten. Möge er dafür im Himmel die Früchte seines Kampfes genießen. Wenn es einen neuen Himmel und eine neue Erde geben wird, so vielleicht auch ein jenseitiges, neues „heiliges Land Tirol“. Dort wird er wohl Ruhe haben vor seinen Feinden, die eben dieses so geschmäht und verschandelt haben. (R. L. am Tag seines Todes)

Die „Dolomiten“

berichteten am 13. November auf 14 Seiten über den Tod ihres früheren Chefredakteurs. Eine gewaltige, historische Leistung. Lokalchefin Dr. Ulrike Stubenruß hat sich mit ihren vielen Beiträgen selbst ein Denkmal gesetzt. Möge es dem Nachfolger Dr. Rampolds weiterhin gelingen, das Schiff auf christlich-sozialem und heimattreuem Kurs zu halten.

Alte Kameraden

Eine begeisternde Würdigung des Verstorbenen kam von Altdekan Noisternigg. Die Gedenkmesse im voll besetzten Bozner Dom am 14.11.2007 wurde von Bischof Wilhelm Egger zelebriert. Rund zehn Priester waren anwesend. Mit einem Gruß aus Sterzing teilte der Bürgermeister nach Abschluß der Messe auf Wunsch der Tochter Sabine mit, daß Josef Rampold am liebsten die Weise „Alte Kameraden“ gehabt hätte, daß er aber aus Rücksicht auf seine Familie darauf verzichtet habe.

Macht nichts. Das himmlische Orchester wird ihn vielleicht mit dieser Melodie begrüßen, und wenn nicht, wird er im Jenseits oft genug Gelegenheit haben, diesen und andere Märsche zu hören. Denn im Radio hört man sie kaum mehr (ausgenommen der Radetzky-Marsch, von dem man ein kleines Stückchen bei der Übertragung der SVP-Landesversammlung in Meran hörte – er wurde zu Ehren ausgerechnet des sozialistischen österreichischen Bundeskanzlers Gusenbauer, der Gastredner war, gespielt).

Und im Himmel gehen schließlich alle Wünsche in Erfüllung. Auch jene nach historischer Wahrheit und Würdigung der Vergessenen und zu Unrecht Geschmähten. Wir sind überzeugt, daß die idealistischen Frontsoldaten, die mit dem offenen Segen der katholischen und evangelischen Geistlichkeit sowie dem heimlichen des Papstes in den Krieg gegen den gottlosen Kommunismus gezogen sind, und Josef Mayr-Nusser, der den Eid auf Hitler verweigerte und dafür in den Tod gehen muste, sich prächtig verstehen werden.

Im übrigen würden auch wir den Eid auf Hitler und überhaupt jeden Menschen verweigern, denn laut Jesus sollen wir nicht schwören, sondern ja, ja oder nein, nein sagen. Also nie einen Eid leisten auf einen Menschen, der doch ein Sünder ist wie wir alle! Ja, es wäre sogar bedenklich, bei Gott aufs Vaterland oder die Republik oder die Demokratie zu schwören. Als Beispiel: Was für ein Misthaufen aus Deutschland geworden ist, sehen und hören wir doch täglich. Nichts Irdisches ist ewig. Nur einer ist gut: Gott. Er war und ist und bleibt derselbe. (24.11.2007)

Josef Rampold: Südtirol – glückliches Land der Berge -  Heilige, Selige, Gerechte