ETIKA

SEBASTIAN RIEGER

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14.5.2002

22REI5

Wo Reimmichl wirkte

 

Aus dem
Reimmichl-Hausbuch
Ernste und heitere Geschichten, Erinnerungen, mit 38 Abbildungen und Werkverzeichnis, Tyrolia-Verlag Innsbruck-Wien, 1986, Verantwortlich für Textauswahl und Werkverzeichnis mit Anhang: Walter Winfried Sackl, Hall in Tirol (Anmerkung: Er folgte Dr. Hannsjörg Humer als Gestalter der Nordtiroler Ausgabe des Reimmichl-Kalenders nach.)

9 Sebastian Riegers Heimatgemeinde nennt sich St. Veit, ein freundliches Dorf im Defereggental (Osttirol). Eine halbe Stunde unter St. Veit liegt der Weiler Inneregg. Dort stand sein Vaterhaus, ein mittleres Bauerngütl, wo Sebastian als ältester Sohn am 28. Mai 1867 geboren wurde.

12 Das Studierstädtlein Brixen nahm den Dreizehnjährigen auf. Acht lange Jahre fröhlichen Studentenlebens verbrachte unser Sebastian nun am Seminarium Vinzentinum. Hier reifte das literarische Talent des begabten Knaben heran. Unter seinen Mitschülern fanden sich eine Reihe ausgeprägter Talente, u. a. der Dichter Br. Willram (Anton Müller) ... und Reimmichls treuer Mitarbeiter Josef Grinner.

13 Nicht selten sah man ihn andächtig vor dem Marienaltar knien.

14 ... las er gerne Geschichten, auch Klassiker, übte sich im Gitarrespiel und sang oder pfiff ein Liedchen dazu, stieg wohl auch ab und zu auf ein Joch oder in eine Alm hinauf oder machte eine Muttergottes-Wallfahrt nach Obermauern bei Virgen oder nach Maria Luschari in Kärnten. An den Dienstagen der Ferienzeit trafen sich die Studenten des Tales meist beim Zottenwirt in der Nähe seines Vaterhauses.

16 Im Mai 1892 trat der junge Priester in die Seelsorge... zuerst als Kooperator an die Dekanalpfarrei Stilfes bei Sterzing. Im nahegelegenen Liebfrauenwallfahtsort Trens hatte er die Beichten der zahlreichen Wallfahrer und Hochzeitsleute zu hören. Nur vier Monate... Er kam als Hilfspriester nach Sexten. (bis hierher von Georg Harrasser zum 60. Geburtstag Reimmichls)

169 aus Reimmichl letztem „Grüß Gott“. Ich bin als junger Student im Jahre 1884, also vor 70 Jahren, an einem schönen Augusttag auf dem Großglockner gewesen, und zwar auf seiner höchsten Spitze droben. Da hatte ich einen wundervollen Ausblick auf das ganze Land Tirol... Vom Kranz der Dolomiten angefangen, hinüber zum Ortler, zur Weißkugel, zur Wildspitze, zum Zuckerhütl, zum Olperer, zum Hochfeiler, zur Dreiherrenspitze, zum Großvenediger und über die Majestät des Glocknerrunds schweifte mein Blick. Vor diesem herrlichen Bergbild faßte ich eine fast leidenschaftliche Liebe zum Land Tirol. ... einige Bitten:

170 Erstens. Haltet an dem Tiroler Bauerntum fest! Wenn Ihr das Bauerntum verlattert, vergattert, vergantet und verdemokratisiert und wenn es auf diese Weise zugrunde geht, so ist das Tirolerlandl verloren, verflogen wie ein schönes Maiwölklein am Himmel. Es kommt nicht mehr, es gibt kein Tirol mehr.

171 Zweitens. Haltet fest an dem alten, reellen, redlichen, biederen Tiroler Wesen, wie es vor fünfzig Jahren noch war und zum Teil noch ist!

Drittens. Haltet felsenfest am katholischen Glauben! Wenn man vom katholischen Glauben sprach oder schrieb, so wurde fast immer an erster Stelle das katholische Tirol genannt. Ja, man hat ihm den Namen „Heiliges Land Tirol“ beigelegt. Ein katholisches Land, das den Glauben verliert, geht unrettbar zugrunde, geistig und politisch. Tirol aber darf nicht zugrunde gehen! Für jeden Tiroler und jede Tirolerin gelte unentwegbar: Kein Sonntag und kein Feiertag ohne heilige Messe!

Seite 172 Reimmichls Leben und Wirken in Kurzform

 

1867 Sebastian Rieger wurde am 28. Mai in St. Veit/Defereggen geboren

1880-1892 Gymnasium Vinzentinum und Priesterseminar in Brixen

1891 Priesterweihe: Primiz in St. Veit/Defereggen

1892 Kooperator in Stilfes bei Maria Trens

1892-1894 Kooperator in Sexten. Geburtsstunde der Schriftstellerei, angeregt durch den originellen "Michl", der Anlaß zum Schriftsteller-Pseudonym Reim-Michl wurde.

1894 Geschichten im Tiroler Volksboten: " Was der Reimmichl erzählt".

1894-1897 Kooperator in Dölsach (1897 Ehrenbürger)

1897 Sand in Taufers. Prälat Prof. Dr. Aemilian Schöpfer, der Gründer der Verlagsanstalt Tyrolia, holt Reimmichl als Stellvertreter für den späteren Bischof Dr. Sigismund Waitz als Redakteur zur Brixner Chronik und zum Tiroler Volksboten, dem "Bötl", nach Brixen.

1897-1898 Redakteur der "Brixner Chronik"

1898 Erste Buchveröffentlichung "Aus den Tiroler Bergen"

1898-1914 Expositus in Gries am Brenner (25. 4. 1905 Ehrenbürger) und "Bötl-Redakteur"

1904 Treibende Kraft zur Gründung des Tiroler Bauernbundes. Dienstboten-Ehrung

1908 Starthilfe für den "Tiroler Anzeiger"

1914 Expositus in Heiligkreuz-Hall in Tirol

1916 Bau des Reimmichl-Häuschens

1920 Tiroler Kalender, ab 1925 Reimmichls Volkskalender (bis Jahrgang 1954 von Reimmichl redi-

giert)

1923 Päpstlicher Geheimkämmerer (Monsignore)

1937 Ritterkreuz I. Klasse des Osterr. Verdienstordens

1941 Goldenes Priesterjubiläum

1945 Hilfsaktionen wie schon nach dem 1. Weltkrieg u. a. im "Amerikanischen Familienblatt"

1947 Ehrenbürger von Hall in Tirol

1953 Gestorben in Hall am 2. Dezember 1953, begraben in Heiligkreuz

 

Was sie über Reimmichl sagen

182 „Und er wollte nicht nur Volkserzähler, er wollte Volkserzieher sein.“ (Dr. Karl Weingartner, Tyrolia-Altgeneraldirektor (+ 1985))

„Reimmichl hat Bücher geschrieben, die in Hunderttausenden hinausgegangen sind ins Tiroler Land und hinein in jedes Tiroler Haus. Und dort hat er ganz unauffällig für ganz Tirol gepredigt. Also kann man schon sagen „Pfarrer von Tirol“.“ (Altbischof Dr. Paul Rusch, Zams (+ 31.3.1986)

„Reimmichl war ... bis zu einer gewissen Grenze ein Sozialrevolutionär... Begründer des Tiroler Bauernbundes... „ (ÖR. Eduard Wallnöfer, Landeshauptmann von Tirol)

183 „Durch Jahrzehnte war Reimmichl der einflußreichste Mann Tirols.“ (Dr. Peter F. Kopp: Reimmichl - Pfarrer und Kalendermann, im Schweizer Rundfunk, Juli 1982)

 

Reimmichl-Erinnerungszeichen

St. Veit i. D.: Tafel am Geburtshaus (Franz Walchegger, 1958); Bronzebüste am Kirchenportal (Hans Wirtenberger, 1961); Fresko am Schulhaus (Oswald Kollreider, 1961); Reimmichlstraße (1982)

Heiligkreuz/Hall: Grab-Denkmal an der Kirchenmauer (Südseite); Sgraffito am Reimmichl-Haus von K. Rieder mit Bronzebüste von H. Wirtenberger, 1963; Reimmichlstraße/Reimmichlglocke;
Hall: Reimmichl-Gedenkraum im Rahmen des Haller Stadtmuseums in der Burg Hasegg (geplant von der Stadt Hall)

lnnsbruck: Reimmichlgasse; Reimmichlbüste im Priester-Seminar von S. Hafner

Reimmichl-Porträt (Ölgemälde von R. Wernicke, Lienz: Reimmichlgasse; VA. Tyrolia, Exlg. 20, 1956)

Pertisau: Reimmichlblick

Reutte: Reimmichlstraße

Gries/Brenner: Erinnerungstafel am Widum (geplant für 1986)

Sexten/Südtirol: Gedenktafel am Widum (geplant für 1986)

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