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ETIKA |
SEBASTIAN RIEGER |
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22REI5 |
Wo Reimmichl wirkte |
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Aus dem
Reimmichl-Hausbuch
Ernste und heitere Geschichten, Erinnerungen, mit 38 Abbildungen und Werkverzeichnis,
Tyrolia-Verlag Innsbruck-Wien, 1986, Verantwortlich für Textauswahl und
Werkverzeichnis mit Anhang: Walter Winfried Sackl, Hall in Tirol (Anmerkung: Er
folgte Dr. Hannsjörg Humer als Gestalter der Nordtiroler Ausgabe des
Reimmichl-Kalenders nach.)
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Sebastian Riegers Heimatgemeinde nennt sich St. Veit, ein freundliches
Dorf im Defereggental (Osttirol). Eine halbe Stunde unter St. Veit liegt
der Weiler Inneregg. Dort stand sein Vaterhaus, ein mittleres
Bauerngütl, wo Sebastian als ältester Sohn am 28. Mai 1867 geboren wurde.
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Das Studierstädtlein Brixen nahm den Dreizehnjährigen auf. Acht lange
Jahre fröhlichen Studentenlebens verbrachte unser Sebastian nun am Seminarium Vinzentinum.
Hier reifte das literarische Talent des begabten Knaben heran. Unter seinen
Mitschülern fanden sich eine Reihe ausgeprägter Talente, u. a. der Dichter Br.
Willram (Anton Müller) ... und Reimmichls treuer Mitarbeiter Josef Grinner.
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Nicht selten sah man ihn andächtig vor dem Marienaltar knien.
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... las er gerne Geschichten, auch Klassiker, übte sich im Gitarrespiel und
sang oder pfiff ein Liedchen dazu, stieg wohl auch ab und zu auf ein Joch oder
in eine Alm hinauf oder machte eine Muttergottes-Wallfahrt nach Obermauern
bei Virgen oder nach Maria Luschari in Kärnten. An den Dienstagen
der Ferienzeit trafen sich die Studenten des Tales meist beim Zottenwirt
in der Nähe seines Vaterhauses.
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Im Mai 1892 trat der junge Priester in die Seelsorge... zuerst als Kooperator
an die Dekanalpfarrei Stilfes bei Sterzing. Im nahegelegenen Liebfrauenwallfahtsort
Trens hatte er die Beichten der zahlreichen Wallfahrer und Hochzeitsleute
zu hören. Nur vier Monate... Er kam als Hilfspriester nach Sexten. (bis
hierher von Georg Harrasser zum 60. Geburtstag Reimmichls)
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aus Reimmichl letztem „Grüß Gott“. Ich bin als junger Student im Jahre 1884,
also vor 70 Jahren, an einem schönen Augusttag auf dem Großglockner
gewesen, und zwar auf seiner höchsten Spitze droben. Da hatte ich einen
wundervollen Ausblick auf das ganze Land Tirol... Vom Kranz der Dolomiten
angefangen, hinüber zum Ortler, zur Weißkugel, zur Wildspitze, zum Zuckerhütl,
zum Olperer, zum Hochfeiler, zur Dreiherrenspitze, zum Großvenediger und über
die Majestät des Glocknerrunds schweifte mein Blick. Vor diesem herrlichen
Bergbild faßte ich eine fast leidenschaftliche Liebe zum Land Tirol. ... einige
Bitten:
170 Erstens. Haltet an dem Tiroler Bauerntum
fest! Wenn Ihr das Bauerntum verlattert, vergattert, vergantet und
verdemokratisiert und wenn es auf diese Weise zugrunde geht, so ist das
Tirolerlandl verloren, verflogen wie ein schönes Maiwölklein am Himmel. Es
kommt nicht mehr, es gibt kein Tirol mehr.
171 Zweitens. Haltet fest an dem alten, reellen,
redlichen, biederen Tiroler Wesen, wie es vor fünfzig Jahren noch war und
zum Teil noch ist!
Drittens. Haltet felsenfest am katholischen
Glauben! Wenn man vom katholischen Glauben sprach oder schrieb, so wurde
fast immer an erster Stelle das katholische Tirol genannt. Ja, man hat ihm den Namen
„Heiliges Land Tirol“ beigelegt. Ein katholisches Land, das den Glauben
verliert, geht unrettbar zugrunde, geistig und politisch. Tirol aber darf nicht
zugrunde gehen! Für jeden Tiroler und jede Tirolerin gelte unentwegbar: Kein
Sonntag und kein Feiertag ohne heilige Messe!
Seite 172 Reimmichls
Leben und Wirken in Kurzform
1867 Sebastian Rieger
wurde am 28. Mai in St. Veit/Defereggen geboren
1880-1892 Gymnasium
Vinzentinum und Priesterseminar in Brixen
1891 Priesterweihe:
Primiz in St. Veit/Defereggen
1892 Kooperator in
Stilfes bei Maria Trens
1892-1894 Kooperator in
Sexten. Geburtsstunde der Schriftstellerei, angeregt durch den originellen
"Michl", der Anlaß zum Schriftsteller-Pseudonym Reim-Michl wurde.
1894 Geschichten im
Tiroler Volksboten: " Was der Reimmichl erzählt".
1894-1897 Kooperator in
Dölsach (1897 Ehrenbürger)
1897 Sand in Taufers.
Prälat Prof. Dr. Aemilian Schöpfer, der Gründer der Verlagsanstalt Tyrolia,
holt Reimmichl als Stellvertreter für den späteren Bischof Dr. Sigismund Waitz
als Redakteur zur Brixner Chronik und zum Tiroler Volksboten, dem
"Bötl", nach Brixen.
1897-1898 Redakteur der
"Brixner Chronik"
1898 Erste
Buchveröffentlichung "Aus den Tiroler Bergen"
1898-1914 Expositus in
Gries am Brenner (25. 4. 1905 Ehrenbürger) und "Bötl-Redakteur"
1904 Treibende Kraft
zur Gründung des Tiroler Bauernbundes. Dienstboten-Ehrung
1908 Starthilfe für den
"Tiroler Anzeiger"
1914 Expositus in
Heiligkreuz-Hall in Tirol
1916 Bau des
Reimmichl-Häuschens
1920 Tiroler Kalender,
ab 1925 Reimmichls Volkskalender (bis Jahrgang 1954 von Reimmichl redi-
giert)
1923 Päpstlicher
Geheimkämmerer (Monsignore)
1937 Ritterkreuz I.
Klasse des Osterr. Verdienstordens
1941 Goldenes
Priesterjubiläum
1945 Hilfsaktionen wie
schon nach dem 1. Weltkrieg u. a. im "Amerikanischen Familienblatt"
1947 Ehrenbürger von
Hall in Tirol
1953 Gestorben in Hall
am 2. Dezember 1953, begraben in Heiligkreuz
Was sie über Reimmichl
sagen
182 „Und er wollte
nicht nur Volkserzähler, er wollte Volkserzieher sein.“ (Dr. Karl Weingartner, Tyrolia-Altgeneraldirektor
(+ 1985))
„Reimmichl hat Bücher
geschrieben, die in Hunderttausenden hinausgegangen sind ins Tiroler Land und
hinein in jedes Tiroler Haus. Und dort hat er ganz unauffällig für ganz Tirol
gepredigt. Also kann man schon sagen „Pfarrer von Tirol“.“ (Altbischof Dr. Paul
Rusch, Zams (+ 31.3.1986)
„Reimmichl war ... bis
zu einer gewissen Grenze ein Sozialrevolutionär... Begründer des Tiroler
Bauernbundes... „ (ÖR. Eduard Wallnöfer, Landeshauptmann von Tirol)
183 „Durch Jahrzehnte
war Reimmichl der einflußreichste Mann Tirols.“ (Dr. Peter F. Kopp: Reimmichl -
Pfarrer und Kalendermann, im Schweizer Rundfunk, Juli 1982)
Reimmichl-Erinnerungszeichen
St. Veit i. D.: Tafel am Geburtshaus (Franz Walchegger,
1958); Bronzebüste am Kirchenportal (Hans Wirtenberger, 1961); Fresko am
Schulhaus (Oswald Kollreider, 1961); Reimmichlstraße (1982)
Heiligkreuz/Hall: Grab-Denkmal an der Kirchenmauer
(Südseite); Sgraffito am Reimmichl-Haus von K. Rieder mit Bronzebüste von H.
Wirtenberger, 1963; Reimmichlstraße/Reimmichlglocke;
Hall: Reimmichl-Gedenkraum im Rahmen des Haller Stadtmuseums in der Burg
Hasegg (geplant von der Stadt Hall)
lnnsbruck: Reimmichlgasse; Reimmichlbüste im
Priester-Seminar von S. Hafner
Reimmichl-Porträt
(Ölgemälde von R. Wernicke, Lienz: Reimmichlgasse; VA. Tyrolia, Exlg.
20, 1956)
Pertisau: Reimmichlblick
Reutte: Reimmichlstraße
Gries/Brenner: Erinnerungstafel am Widum (geplant für
1986)
Sexten/Südtirol: Gedenktafel am Widum (geplant für 1986)