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ETIKA 022 |
Peter Rosegger |
www.etika.com |
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22ROSP12 |
Unendlicher
Fonds des Guten |
Es
muß in der Welt ein unendlicher Fonds des Guten und
Tüchtigen vorhanden sein, daß sie trotz alles Bösen und Niederträchtigen nicht
aus dem Gleichgewicht kommt.
Es
ist im späteren Leben für den Menschen nicht so sehr Intelligenz und Talent
maßgebend als vielmehr Sammlung, Fleiß und
Beständigkeit; und diese kraftgebenden Eigenschaften gedeihen in Enge
und Armut besser als
dort, wo allerlei Mittel zu Spiel und Zerstreuung täglich hundert Eindrücke,
Wünsche und Leidenschaften aufwecken.
De
Fleißigen, die Sparsamen, sie werden auch ordentlich ausgelacht, aber wer
zuletzt lacht, das sind die Sparsamen, weil sie mitten im allgemeinen
Niedergang bestehen bleiben und sogar in die Höhe kommen. Denn im ganzen spielt
die Weltordnung immer noch korrekt, daß Fleiß, Sparsamkeit und schlichte
Redlichkeit gesegnet ist, während das Gegenteilige einen immer fortzeugenden Fluch in sich trägt und das Geschlecht, das ihm huldigt, moralisch und physisch
zugrunde richtet.
Wichtig
ist die Wahl eines Berufes; wer nicht am rechten Platz ist, der kann sich nicht
helfen. Man soll die Kinder schon in ihren Spielen darauf hin beobachten, nach
welcher Seite ihre Fähigkeiten hinneigen.
Bildung
haben, nenne ich die Fähigkeit besitzen, jedes Ding von seinen verschiedenen
Seiten verstehend betrachten zu können.
Was
es auch Großes und Unsterbliches zu erstreben gibt: Den Mitmenschen Freude zu
machen ist doch das Beste, was man auf dieser Welt tun kann.
Mit
keiner andern Kraft obsiegt der Mensch im Leben so gründlich, als mit der
Ergebung in unabweislichem Leide. Die Sache wird fast so, als litte der Kranke
aus freier Wahl, wie zu einer scharfen Seelenkur, um sich zu reinigen und zu
erhöhen.
In
Zeiten seelischer Zerschlagenheit ist, nach alten Erfahrungen, körperliche Arbeit eine wahre Trösterin. Sie
verscheucht uns die peinigenden Gedanken, sie hebt uns in jene Wirklichkeit,
die mit ihren Naturgesetzen alle Wesen gleich behandelt, sie ermüdet uns zu
körperlicher Rast, in der die Nerven zur Ruhe kommen.
Der
Arzt hat keinen stärkeren Bundesgenossen, um Krankheiten zu heilen, als eben
die mutige Seele des Kranken. Ist sie nicht an
sich mutig, so muß er sie mutig machen.
Es
gibt ein Sterben, das heißt ein Verwandeln, aber es gibt kein Totsein, kann
keins geben, für den, dessen Wesen im Geiste ist.
...
Und so möchte es wohl sein, daß die Person in einem späteren Leben die Folgen
eines früheren empfindet und zu tragen hat. Vervollkommnet
sich ein Wesen in diesem Leben, so tritt es eben vollkommener in ein nächstes
über; erniedrigt es sich hier, so wird es dort
als niedrige Art wiedergeboren. Dieser Glaube dürfte recht sehr
verstimmend wirken bei niedertrachtenden Kreaturen,
ist aber wunderbar beseeligend für den, der sich bestrebt, reiner und besser zu
werden ...
Jeder
einzelne Mensch muß seine angeborenen Fähigkeiten besonders ausbilden,
dann wird er sich in der Allgemeinheit am besten verwerten.
Der
Bauernstolz muß wieder geweckt werden! Wer sich selbst aufgibt, der ist
aufgegeben - auch der Bauer.
Zur
Selbsterziehung, zur Stärkung des Willens, des Charakters, zur Ebenmäßigkeit
der Weltanschauung, zur Wertschätzung des Daseins ist ein zeitweiliges
Kranksein weit gedeihlicher als beständige Gesundheit, die eigentlich nur
banale und selbstsüchtige Menschen macht.
Unser
Ziel sei der Friede des Herzens.
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empfehlen: Das große Rosegger Hausbuch, herausgegeben von Hubert
Lendl unter Mitarbeit von Marianne Bernhard und Friedrich Vogel, L. Staackmann
Verlag München, und alle anderen Bücher von Peter Rosegger