ETIKA 022

Peter Rosegger

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9.1.2003

22ROSP12

Unendlicher Fonds des Guten

Vom selben Verfasser 22ROSP11, 68B6 

Es muß in der Welt ein unendlicher Fonds des Guten und Tüchtigen vorhanden sein, daß sie trotz alles Bösen und Niederträchtigen nicht aus dem Gleichgewicht kommt.

Es ist im späteren Leben für den Menschen nicht so sehr Intelligenz und Talent maßgebend als vielmehr Sammlung, Fleiß und Beständigkeit; und diese kraftgebenden Eigenschaften gedeihen in Enge und Armut besser als dort, wo allerlei Mittel zu Spiel und Zerstreuung täglich hundert Eindrücke, Wünsche und Leidenschaften aufwecken.

De Fleißigen, die Sparsamen, sie werden auch ordentlich ausgelacht, aber wer zuletzt lacht, das sind die Sparsamen, weil sie mitten im allgemeinen Niedergang bestehen bleiben und sogar in die Höhe kommen. Denn im ganzen spielt die Weltordnung immer noch korrekt, daß Fleiß, Sparsamkeit und schlichte Redlichkeit gesegnet ist, während das Gegenteilige einen immer fortzeugenden Fluch in sich trägt und das Geschlecht, das ihm huldigt, moralisch und physisch zugrunde richtet.

Wichtig ist die Wahl eines Berufes; wer nicht am rechten Platz ist, der kann sich nicht helfen. Man soll die Kinder schon in ihren Spielen darauf hin beobachten, nach welcher Seite ihre Fähigkeiten hinneigen.

Bildung haben, nenne ich die Fähigkeit besitzen, jedes Ding von seinen verschiedenen Seiten verstehend betrachten zu können.

Was es auch Großes und Unsterbliches zu erstreben gibt: Den Mitmenschen Freude zu machen ist doch das Beste, was man auf dieser Welt tun kann.

Mit keiner andern Kraft obsiegt der Mensch im Leben so gründlich, als mit der Ergebung in unabweislichem Leide. Die Sache wird fast so, als litte der Kranke aus freier Wahl, wie zu einer scharfen Seelenkur, um sich zu reinigen und zu erhöhen.

In Zeiten seelischer Zerschlagenheit ist, nach alten Erfahrungen, körperliche Arbeit eine wahre Trösterin. Sie verscheucht uns die peinigenden Gedanken, sie hebt uns in jene Wirklichkeit, die mit ihren Naturgesetzen alle Wesen gleich behandelt, sie ermüdet uns zu körperlicher Rast, in der die Nerven zur Ruhe kommen.

Der Arzt hat keinen stärkeren Bundesgenossen, um Krankheiten zu heilen, als eben die mutige Seele des Kranken. Ist sie nicht an sich mutig, so muß er sie mutig machen.

Es gibt ein Sterben, das heißt ein Verwandeln, aber es gibt kein Totsein, kann keins geben, für den, dessen Wesen im Geiste ist.

... Und so möchte es wohl sein, daß die Person in einem späteren Leben die Folgen eines früheren empfindet und zu tragen hat. Vervollkommnet sich ein Wesen in diesem Leben, so tritt es eben vollkommener in ein nächstes über; erniedrigt es sich hier, so wird es dort als niedrige Art wiedergeboren. Dieser Glaube dürfte recht sehr verstimmend wirken bei niedertrachtenden Kreaturen, ist aber wunderbar beseeligend für den, der sich bestrebt, reiner und besser zu werden ...

Jeder einzelne Mensch muß seine angeborenen Fähigkeiten besonders ausbilden, dann wird er sich in der Allgemeinheit am besten verwerten.

Der Bauernstolz muß wieder geweckt werden! Wer sich selbst aufgibt, der ist aufgegeben - auch der Bauer.

Zur Selbsterziehung, zur Stärkung des Willens, des Charakters, zur Ebenmäßigkeit der Weltanschauung, zur Wertschätzung des Daseins ist ein zeitweiliges Kranksein weit gedeihlicher als beständige Gesundheit, die eigentlich nur banale und selbstsüchtige Menschen macht.

Unser Ziel sei der Friede des Herzens.


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