ETIKA 022

Iwan Turgenjew

www.etika.com

22TURI22

Mumù und die lebende Reliquie

1.3.2007. Dank an M. F.

Anmerkungen zu:
Ivan Turgenev: Mumù e altri racconti.
Traduzione di Tommaso Landolfi. Adelphi Edizioni, Milano, 1997

Es sind traurige Geschichten. Wir erkennen jedoch einen höheren Sinn in allen dreien. Sie enthüllen die Wahrheit, enthalten eine verborgene Botschaft, vermögen einen Christen nicht in Depressionen zu stürzen.

Il Prato di Bežin – Die Wiese von Bežin (aus: Erinnerungen eines Jägers, Memorie di un cacciatore, 1851)

Die erste Erzählung kündet vom tiefen russischen Volksglauben. Die Gespräche der Kinder über übersinnliche Geschehnisse überschreiten manchmal die Grenze zum Aberglauben. Aber es gibt sie tatsächlich: böse Geister wie den Waldgeist lešij, den Fluch als Folge schwerer Sünde und den Antichrist, hier Triška genannt. Der Wassergeist vodjanoj ruft Pavel, den mutigsten der Buben, der keine Angst vor dem Wolf hat. Warum sollte Pavluša später nach seinem Unfall nicht in den himmlischen Frieden eingegangen sein? Hat er sich doch in diesem Leben bewährt und ein besseres verdient.

La Reliquia vivente – Die lebende Reliquie (1874)

Die rührende Geschichte einer Heiligen, die Frohsinn zeigt im tiefsten Leid. Einer der Gründe ihrer Ergebung in Gottes Willen und ihres grenzenlosen Vertrauens in ihren Schöpfer:

„Ein gesunder Mensch kann sehr leicht sündigen; von mir hat sich indessen auch die Sünde entfernt.“

Es gibt Leute, denen es schlimmer geht, meint die völlig Gelähmte. Solche, die keinen Zufluchtsort haben, die blind oder taub sind. Sie hingegen sieht gut und hört alles, alles. Auch sie wird erlöst.

Mumù (1854)

Die dritte Erzählung weckt das Gerechtigkeitsgefühl und den Zorn auf die Herrin, die Mumùs Tod will. Jeder Leser wird davor gewarnt, sich so zu verhalten wie die Herrin und Mitmenschen und Tieren aus Gleichgültigkeit oder Bosheit Leid anzutun.

Der taubstumme Gerasim wird gezwungen, das Böse zu tun, aber geht nicht mit in den Tod, sondern lebt weiter und erfüllt seine Pflicht. Auch ein Heiliger. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass ihm in den himmlischen Gefilden Mumù entgegen rennt.

Als Christen entdecken wir überall eine tiefere Bedeutung, die nicht entmutigt, sondern ermutigt, es besser zu machen, besser zu werden, besser zu sein.

PersonenIndex 2