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ETIKA |
NACHFOLGE
CHRISTI |
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10I408 |
Sich Christus
hingeben |
Regensburg 1880. IV, 8, S. 364 - 367 |
Des ehrwürdigen Thomas von Kempis vier
Bücher von der Nachfolge Christi. Aus dem Lateinischen übersetzt von P.
Benedikt Niedermayer, Bennediktiner von Weltenburg. Regensburg 1880. IV, 8
Von der Nothwendigkeit,
sich vollkommen Christo hinzugeben,
wie sich Christus vollkommen für uns hingegeben hat.
Diese Hingabe ist:
I. unsere
heiligste Pflicht und
II. unser größter Nutzen.
Der Herr.
I . Gleichwie ich am Kreuze mit
ausgespannten Armen und entblößtem Körper für deine Sünden Gott dem Vater mich
selbst freiwillig hingeopfert habe, so dass an mir Nichts übrig blieb, was
nicht vollständig in das Opfer der göttlichen Versöhnung übergegangen wäre: so musst
auch du täglich bei der heiligen Messe freiwillig und mit der innigsten
Andacht dich selbst mit allen deinen Kräften und Neigungen zu einem reinen und
heiligen Opfer mir darbringen. -
Was fordere ich denn mehr von dir,
als das Bemühen, gänzlich und unbedingt dich mir zu eigen zu geben? –
Alles,
was du mir außer dir selbst gibst, achte ich für Nichts; denn nicht deine Gabe
suche ich, sondern dich.
(Anmerkung
ETIKA : Für aufmerksame Leser hier schon vage vorweg die in unserem Hauptwerk „Christliche
Einheit jetzt!“ vorgeschlagene Lösung des unseligen Streites der Konfessionen
um den Messopfer-Charakter des Gottesdienstes: Evangelische Christen: Erkennt, dass
die Eucharistie-Dankfeier zugleich ein Gottesdienst mit Opfer ist, das heißt
wir empfangen beim Abendmahl die Gnade Gottes, opfern uns aber selbst auf im Dienst
an Gott, wie hier in der konfessionsübergreifenden Nachfolge Christi ausgeführt
wird.)
II . Gleichwie es zu deiner Beseligung
nicht genügen würde, wenn ich dir alles Andere, nur mich selbst nicht gäbe;
so kann es hinwiederum mir nicht wohlgefallen, wenn du auch alles andere mir
gibst, nur dich selbst nicht. –
Opfere dich mir und gib dich
gänzlich für Gott hin, und
es wird dein Opfer angenehm sein. –
Siehe, ich habe mich vollständig
dem Vater für dich aufgeopfert, habe mein Fleisch und Blut vollständig zur
Speise hingegeben, auf dass ich so ganz dein wäre und du allzeit ganz mein
verbliebest. –
So lange du aber noch
an dem eigenen Willen hängst
und dich nicht aus freiem Antriebe nach meinem Willen zum Opfer bringst, bleibt
dein Opfer ein unvollkommenes und wird die Vereinigung zwischen uns nur eine
unvollständige sein. –
Willst du also Geistesfreiheit und
Gnade erlangen, so muß allen deinen Werken die freiwillige Aufopferung deiner
selbst in die Vaterhand Gottes vorangehen. –
Weil aber so wenige Menschen es
verstehen, ganz und gar sich selbst zu verleugnen, darum werden auch so Wenige wahrhaft
erleuchtet und innerlich frei. –
Unumstößlich bleibt mein Ausspruch:
„Wer
nicht Allem entsagt, kann mein Jünger nicht sein.“
Willst du also mein Jünger sein, so
opfere mir dich selbst mit allen deinen Neigungen auf.
Betrachtung.
... Jesus Christus hat nicht
nur seinen heiligen Leib geopfert ..., sondern auch seine heilige Seele, alle
seine Leiden, seine Neigungen, all´ sein Wollen und seinen Todeskampf, und jene
Verlassenheit Gott aufgeopfert, die seinem Herzen den Ruf des tiefsten
Seelenschmerzes entriß: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“
(Matth. 27, 47.)
In diesem Zustande vertrat er
die ganze, zum Sterben verurtheilte Menschheit, denn in Wahrheit ward der
Mensch vom Tode getroffen bis in die geheimsten Tiefen seines Wesens. Dann war „Alles
vollbracht“ (Joh. 19, 30.) – die Strafe und die Erlösung.
... So oft daher der Priester
zum Altare schreitet, um nach göttlicher Vorschrift das unbeschreibliche Opfer
zu erneuern, müssen sie sich aufopfern, wie Jesus Christus sich selbst
aufgeopfert hat. Ihr Opfer, mit dem seinigen eng vereint, muß wie das Seine
ohne Rückhalt sein; denn auch wir sind an das Kreuz geheftet und mit
Jesus Christus und in Jesus Christus leiden wir für uns, für unsere Brüder, für
die Lebenden, die Todten (Toten), für die ganze große menschliche Familie.
Dies hat den heiligen Paulus zu
jenem merkwürdigen Worte veranlasst:
„Ich freue mich meiner Leiden
für euch, und ersetze in meinem Fleische, was an dem Leiden Christi für seinen
Lein noch mangelt, der da ist die Kirche.“ (Coloss. I, 24.)
Gewiß nicht, als ob das Leiden
des Erlösers nicht übermäßig genügt hätte, um „die Sünde von der Welt hinweg zu
nehmen,“ (Joh. I, 29.) und der Gerechtigkeit Gottes genug zu thun, sondern weil
ein Jeder von uns es in sich erneuern soll.
·
Da wir
aber „Glieder eines einzigen Leibes sind, des Leibes Christi,“ (I. Cor. 12, 27.)
so leidet er Alles, was wir leiden, mit uns , so dass unsere Leiden gleichsam
ein Theil von seinem eigenen Leiden werden.
O
mein Jesus! Ich opfere
mich mit dir, ich opfere mich gänzlich und ohne Rückhalt, hier bin ich auf
deinem Altare;
“Herr, hier brenne, hier schneide, verschone mich nur in Ewigkeit!“
Vollende das Opfer, zerstöre
Alles in mir, was dem verurtheilten Menschen angehört, was dir missfällt.
„Nimm mich ganz mir, gib mich
ganz zu eigen dir,“ verzehre im Feuer der Leiden alle meine irdischen
Wünsche, diese Neigungen, diesen Willen, diese
Sinne, die mich verwirren, diesen Leib
der Sünde, dann werde ich die Augen auf dein Kreuz heften und
ausrufen:
„Alles
ist vollbracht!“ -
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(Nebensächliche
Anmerkung ETIKA: Vor dem erweiterten Infinitiv mit zu fügen wir ein Komma ein,
um das von der Rechtschreibreform verursachte Durcheinander nicht noch größer
werden zu lassen. Die Jungen kennen sich sonst überhaupt nicht mehr aus.)