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GEBETE

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Danksagung nach der heiligen Beichte

3.8.2008
P. Gaudentius

Ablaß- und Bruderschaftsbuch für katholische Christen und zugleich
Vollständiges Handbuch für die Mitglieder des Dritten Ordens des heiligen Franziskus.
Getreu und nach authentischen Quellen bearbeitet von P. Gaudentius, Ex-Generaldefinitor des Franziskanerordens.
Sechste, neu bearbeitete und vermehrte Auflage.
Verlag von Fel. Rauch, Innsbruck, 1899.
Vorreden zu den ersten vier Auflagen, Kaltern, 1866, 1869, 1872, 1878
Vorrede zur fünften Auflage, Rom, 1888. Vorrede zur sechsten Auflage, Bozen, 1899. - S. 529 - 533.

Danksagung nach der heiligen Beicht.

Unendlich barmherziger Gott, gütigster Vater! Wie bist Du so gut gegen mich, Dein böses Kind.

Alles hast Du mir wieder verziehen, was ich gegen Dich gefehlt habe, mir neue Gnade, neuen Muth, neue Stärke verliehen, neue Lehren und Anleitungen zu einem frommen Leben mir durch Deinen Diener gegeben. Wie kann ich Dir für solche Liebe genugsam danken?

Durchdrungen von Dankbarkeit sinke ich vor Dir nieder auf meine Kniee, und lobe und preise Dich dafür aus meinem ganzen Herzen. Ich bitte auch alle Kreaturen, alle Engel und Heiligen und die gebenedeiteste Menschheit Jesu Christi selbst, Dich mit mir und für mich zu loben und zu benedeien; denn ich sündige Kreatur bin unfähig, Dich für diese große Gnade nach Genüge zu lobpreisen. -

Wie gering ist die Buße, die mir der Priester auferlegt hat! Meine Sünden hätten eine weit größere verdient. Ich will sie darum mit der größtmöglichen Andacht, Reue und Demuth verrichten, gleichsam wie mit dem Munde und dem Herzen Jesu selbst; denn es gibt kein so kräftiges und heiliges Gebet, als eben das Bußgebet, weil es nämlich seine Kraft und sein Verdienst unmittelbar noch vom Verdienste des göttlichen Heilandes, vom heiligen Sakramente hat.

Ich will darum auch mein Bußgebet ganz nur in Vereinigung mit dem Bußgeiste Jesu Christi, mit seinem Gebete, mit seinem Fasten, seinen Mühen, seinen Oelbergsthränen, mit seinem Angstschweiße und Blute, mit all seinen Wunden, Schmerzen und Verdiensten und mit den Bußthränen, Bußwerken und Martern aller Heiligen verrichten. Ich will noch mehr thun, als mir auferlegt worden, ich will noch dieses N ….. und dieses N ….. üben, damit ich sicherer die Nachlassung der verdiensten Strafen erlange und mein Bußgeist weniger zweifelhaft sei.

(Hier bete deine Buße.)

Nun, liebster Gott und Vater! erneuere ich in Deiner heiligsten Gegenwart meinen ernstlichen Willen und kräftigsten Vorsatz, das Kleid meiner Seele rein zu bewahren, Deinen heiligen Geist durch meinen Leichtsinn nicht wieder zu betrüben, Deine Gnade und Dein Wohlgefallen höher zu schätzen, als alles Uebrige.

Ich will wirklich anders, wirklich besser werden als ich war; dieß wird der beste Beweis, das untrüglichste Kennzeichen sein, daß meine Reue eine vom Herzen kommende, meine Beichte eine gute gewesen. Die That und die Ausführung meiner Vorsätze und Versprechungen sollen Zeugniß ablegen von der Gründlichkeit und Tiefe meiner Angelobungen. Die Ausführung meiner Vorsätze soll alle Tage und den ganzen Tag hindurch mein Erstes, das Vorzüglichste, was mir am Herzen liegt, die wichtigste aus allen meinen Sorgen, das angelegentlichste meiner Geschäfte sein.

Wäre dieß nicht, so dürfte ich nie eine gründliche und dauernde Besserung erwarten. Ich will einmal beharrlicher werden, als ich bisher gewesen; ich will halten, was ich versprochen, und was das Blut Jesu Christi im heiligsten Sakramente soeben versiegelt hat! ich will die Mittel ernstlich und mit fortgesetzter Treue anwenden, die mir der Beichtvater an die Hand gegeben und von welchen ich weiß, daß sie mich vor neuem Falle schützen würden. . . .

Ich will insbesondere nicht mehr ruhen, bis ich mich wenigstens jede Stunde an Deine heiligste Gegenwart erinnere, Dich anbete, mich Dir auf’s Neue zum Opfer bringe, auf meinen Jesus hinblicke, um in seinem Geiste zu handeln und mich wiederholt entschließe, meinen Hauptfehler N. ….. unablässig zu bekämpfen und zu überwinden.

Ich will meine sämmtlichen Gebete mit weit größerem Eifer verrichten, und möglichst in der Gemüthssammlung und im heiligen Stillschweigen beharren, um mich nicht mit der Zunge zu verfehlen und durch eitles Reden den Eifer der Andacht und die Wärme der Liebe Gottes zu verlieren. Ich will mich hüten, dahin zu gehen, wo es viel des Geschwätzes gibt, welches so oft niederreißt, was Gebet und Beichte aufgebaut haben.

Ich will auch keinen Tag vergehen lassen, oder mich zur Ruhe begeben, ohne mehrere Selbstverleugnungen geübt und etwaige Fehler, so ich begangen, wieder gut gemacht zu haben.

Ich nehme mir ferner kräftig vor, im Umgange mit den Anderen recht liebreich, demüthig, sanftmüthig, dienstwillig und gehorsam zu sein, damit ich Keinem zum Schaden seiner Seele, sondern vielmehr Allen zur Auferbauung gereiche. Sieh’, mein Gott! so will ich. –

Aber Du weißt, wie schwach ich bin und wie so gar nichts ich aus mir selbst vermag. Darum nehme ich meine Zuflucht zu Dir, jetzt und zu aller Stunde, Dich anflehend, daß Du mir hierin helfest, weil ohne Deinen Beistand alle meine, auch kräftigsten Vorsätze, eitel sind. Die tägliche Erfahrung zeigte dieß zur Genüge. Du ließest mich auch nur deswegen so oft fallen, weil ich bisher auf mich selbst zu viel traute, so wenig an Dich mich hielt, zu selten und zu obenhin betete, Deine Hilfe nicht von ganzem Herzen, nicht oft und eifrig genug anrief.

Darum mußte ich immer auf’s Neue wieder fühlen und erfahren, daß Du vor allem mir nothwendig seiest und daß ich nie eine wahre Besserung erlangen werde, wenn ich nicht beständig im Innersten meines Gemüthes zu Dir seufze und zu jedem einzelnen Gebete, zu jedem einzelnen guten Werke, zu jeder einzelnen Selbstverleugnung, bei jeder Versuchung und jedem Leiden vorher um Deine Gnade flehe.

Deine Gnade und meine eifrige Mitwirkung müssen allezeit unzertrennlich beisammen sein, wenn wahrhaft und dauernd Gutes befördert werden soll. Laß mich diese Wahrheit nie vergessen, schreibe sie mir unauslöschlich in die Seele und erfülle mich damit so ganz, daß sie mir zu aller Zeit und in allen Uebungen und Verhältnissen lebhaft vor den Augen schwebe und mich unablässig dränge, all’ meinen Tugendfleiß mit innigstem Gebete und Seufzen des Herzens zu verbinden. Deine unendliche Barmherzigkeit verleihe mir die Gnade um der Verdienste Jesu Christi und aller Heiligen willen. Amen.

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