ETIKA

MÄRTYRER

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Tapferer hl. König Edmund

20.11.2016

Aus dem Buch von Alban Stolz: Legende, Wintermonat, Herder Verlag Freiburg, 1860, 20. November, S. 156-163

Auch dieser war ein Fürst (wie am Vortag die hl. Elisabeth von Thüringen, Tochter des Königs von Ungarn) und gelangte dennoch zur Heiligkeit. Denn wenn der Heiland auch gesagt hat, es sei leichter, daß ein Kameel durch ein Nadelöhr eingehe, als ein Reicher in´s Himmelreich, so sezte er hinzu: „Bei Gott ist kein Ding unmöglich“ – und die Gefahr des Reich- und Vornehmseins wird bei manchen Hochgestellten unschädlich gemacht durch schweres Kreuz.

Der h. Edmund war König in einem Theil von England, zu einer Zeit, wo das ganze Reich verschiedene Herren hatte (870 n. Chr. G.). Sein Aeußeres zeigte königliche Würde, und doch war er dabei sehr sanft und gütig gegen Jedermann und zeigte nicht den geringsten Hochmuth. Schon als Knabe hatte er sich ernstlich bemüht, in allen Beziehungen tugendhaft zu werden. Als Fürst hielt er mit Klugheit, Kraft und Gerechtigkeit die Schlechten im Zaume; hingegen war er gegen Arme sehr freigebig, den Wittwen und Waisen aber ein wahrer Vater. Aber auf die Krone seiner guten Werke sollte noch das Kreuz gesezt werden.

Was kann es für einen wahren Landesvater Schmerzlicheres geben, als wenn Land und Leute in größtes Elend gerathen? er fühlt gleichsam vieltausendfach, was sonst der Unterthan nur für sich und seine Familie empfindet. Aus Dänemark und Norwegen kamen gewaltige Haufen von Seeräubern, unter ihren Anführern Inguar und Hubba, und überfielen auch das Land des h. Edmund. Es war wildes Heidenvolk, das die ärgsten Grausamkeiten verübte; sie zündeten die Ortschaften an, tödteten die Kinder vor den Augen ihrer Mütter, mißbrauchten Weiber und Jungfrauen und mordeten Alt und Jung aus lauter Mordlust, und raubten, was sie davon tragen konnten. Insbesondere legte es Inguar darauf an, in der überfallenen Gegend möglichst viele Männer zu tödten, damit sie nicht das Kriegsheer des Königs Edmund verstärken könnten.

Hierauf schickte er einen Boten an den König und rückte selbst langsam vor mit seiner Kriegsschaar. Der Abgesandte hatte den Auftrag, folgender Weise den König anzureden:

„Unser zu Land und Wasser furchtbarer Herr Inguar, der unüberwindliche König, welcher verschiedene Länder mit Waffengewalt sich unterworfen hat, ist mit vielen Schiffen am Ufer dieses Gebietes gelandet, um hier zu überwintern. Und darum meldet und befiehlt er, daß du deine väterliche Erbschaft und Reichthümer mit ihm theilest. Wolltest du aber seine auf zahlloses Kriegsvolk gestüzte Macht verachten, so wirst du der Würde, des Reiches und des Lebens für verlustig erklärt. Wer bist du denn, daß du frech es wagen solltest, einer solchen Großmacht zu widersprechen? Selbst der Meeressturm ist unseren Schiffen botmäßig, und bringt sie nicht ab von der eingehaltenen Richtung; ihnen hat weder der ungeheuerste Donnerschlag noch zahllose Blitzstrahlen etwas geschadet, weil die Elemente ihnen günstig sind. Unterwirf dich daher mit den Deinigen diesem größten Herrscher, dem sogar die Elemente dienen; den Unterwürfigen weiß er gnädig zu schonen, hingegen die Stolzen niederzuwerfen.“

Der heilige König seufzte in tiefer Bekümmerniß des Herzens über diese Rede, und berieth sich mit einem seiner Bischöfe, welcher sein vertrautester Rathgeber war, was er dem Uebermächtigen antworten solle. Da nun der Bischof aus Besorgniß für das Leben des Königs ermahnte, den Forderungen sich zu fügen, blickte der König mit gesenktem Haupte zur Erde und sagte eine Weile nichts; endlich schaute er auf und sprach:

„Wohin ist es mit uns gekommen? Der eingedrungene Barbar droht mit gezücktem Schwerte den Bewohnern unseres Reiches; ich will gern das Leben lassen, wenn nur meine Unterthanen gerettet werden.“ –

Der Bischof erwiderte:

„Wie kannst du an Rettung der Untergebenen denken, da das feindliche Schwert in der Hauptstadt fast Niemanden verschont hat? Nachdem ein großer Theil der Deinigen schon gemordet ist und du keine genügende Kriegsmacht hast, bleibt für dich, geliebtester König, nichts übrig, als Flucht oder freiwillige Unterwerfung, sonst wirst du den grausamen Henkern in die Hände fallen.“ –

Darauf antwortete der gottselige König:

„Das ist eben meines Herzens Wunsch, daß ich meine geliebten Treuen, welcher der blutdürstige Seeräuber mit Kinder und Frauen gemordet hat, nicht überlebe. Wie magst du mir zureden, daß ich meine Ehre durch die Flucht beflecke, indem ich meine Unterthanen ihrem Schicksal überlasse? Ich habe es stets für schön gehalten für´s Vaterland zu sterben, soll ich mich jetzt mich selbst in Schmach bringen, da mir wegen des Verlustes meiner Lieben das Leben selbst entleidet ist? Dreifach gesalbt, in der Taufe, in der Firmung und bei der Krönung, steht mein Entschluß fest, keinem andern Joche meinen Nacken zu beugen, als dem Joch des göttlichen Dienstes. Ich habe gelobt vor den Großen meines Reiches, daß ich keinem andern Herrn dienen, sondern nur unter Christus leben und regieren werde.“

Dann wandte sich der König zu dem Gesandten des gottlosen Inguar und sprach:

„Noch feucht vom Blute der Meinigen, hättest du die Todesstrafe verdient; doch dem Beispiele meines Christus gemäß und da ich gerne bereit bin für seinen Namen, wenn es sein muß, durch eure Waffen zu fallen, so will ich meine reinen Hände nicht beflecken. Deßhalb mache dich eilig auf den Weg und bringe deinem Herrn diese Antwort: Vollkommen, Sohn des Teufels, ahmst du deinem Vater nach, der aufgeschwollen von Hochmuth aus dem Himmel gestürzt, durch seine Lüge das menschliche Geschlecht zu verwirren strebt und die Meisten seiner Strafe theilhaftig macht. Du, sein besonderer Anhänger, vermagst mich weder mit Drohungen zu schrecken, noch mit Schmeichelreden zu betrügen. Du wirst mich wehrlos finden; die Schätze und Reichthümer, welche bisher die gütige Gottheit mir verliehen, mag deine unersättliche Habsucht rauben und verbrauchen; wenn du aber auch diesen hinfälligen Leib wie zerbrechliches Gefäß zerstörest, so wird dennoch die wahre Freiheit der Seele auch nicht einen Augenblick sich dir unterwerfen. Du willst mich locken mit der Hoffnung ferner zu regieren, nachdem die Meinigen getödtet sind, wie wenn ich eine so grimmige Begierde hätte zu regieren, selbst über leere ausgeplünderte Häuser. Mag deine ruchlose Grausamkeit fortfahren, nach den Unterthanen jetzt auch den König zu ergreifen, zu mißhandeln, in´s Gesicht zu schlagen und zulezt zu erwürgen. Der König der Könige wird erbarmend solches sehen und mich, wie ich hoffe, im ewigen Leben mit ihm regieren lassen. Wisse also, daß aus Liebe zum zeitlichen Leben der christliche König Edmund sich niemals unterwerfen wird einem heidnischen Anführer, wenn derselbe nicht unsere Religion annimmt.“

Kaum hatte der heilige Mann diese Worte vollendet und war der feindliche Bote zum Haus hinaus, so rückte schon Inguar heran. Als ihm der abgesandte Soldat umständlich berichten wollte, hieß ihn der Führer es kurz machen und befahl sodann seiner Kriegsschaar, sogleich den Aufenthaltsort des Königs zu umzingeln. Da wurde nun der h. König Edmund im Palast ergriffen, gefesselt und vor den gottlosen König Inguar geführt, wie einst Christus vor den Statthalter Pilatus; er wünschte selbst in die Fußstapfen dessen zu treten, der für uns als Opfer geschlachtet worden. Geknebelt, wurde er in mannigfacher Weise verhöhnt und mit Stöcken geschlagen, endlich an einen Baum gebunden und auf das Grausamste gegeißelt, während er unaufhörlich mit lauter Stimme Christus anrief. Darüber wurden die Heiden so wüthend, daß sie seinen Leib als Zielscheibe brauchten und zahllose Pfeile auf ihn schossen; auf diese Weise wurden auf die Wunden stets neue Wunden eingestochen, und er starrte ganz von Geschossen, wie ein Igel von Stacheln, und glich auf diese Weise dem berühmten Märtyrer Sebastian. Da der schlechte Inguar sah, daß Edmund dennoch diesen Henkern sich nicht botmäßig zeigte, sondern fortwährend Christus anrief, so befahl er dem Scharfrichter, ihm den Kopf abzuhauen. Dieser riß den zerfleischten halbtodten König, welchem kaum noch Lebenswärme inwohnte, rasch vom blutigen Baumstamme hinweg und hieß ihn das Haupt aufrecht halten. So stand er sanftmüthig da, wie ein aus der Heerde erlesenes Opferlamm, bereit dieß Leben mit einem besseren zu vertauschen, und wurde jetzt schon innerlich erfreut durch eine himmlische Erscheinung. Indem er Gott dankte und betete, trennte der Scharfrichter mit einem einzigen Hieb sein Haupt vom Leibe.

Auf diese Weise wurde Edmund, das Gott wohlgefällige Opfer, mit der Siegespalme und Krone der Gerechtigkeit, als König und Martyrer in die Gemeinschaft des himmlischen Heeres aufgenommen am 20. November. Die Barbaren wütheten aber mit unmenschlicher Grausamkeit gegen die Christen, zerstörten die Kirchen und Klöster und mordeten alle Priester und Ordensmänner. In einem Frauenkloster schnitten sich alle Nonnen auf Anrathen der Abtissin die Nase und Oberlippe ab, um dem abscheulichen Kriegsvolk selber ein Abscheu zu werden und dadurch vor Schlimmerem bewahrt zu bleiben, als ihnen der Tod war, den sie auch alle durch das Schwert fanden.

Hier siehst du, wie ein ruchloser Heide mit seinen wilden Horden ein christliches Land mit Feuer und Schwert verwüstet, die Diener Gottes hinschlachtet, einen heiligmäßigen König grausam zu todt martert. Nirgends aber habe ich gelesen, daß dem grausamen Inguar selbst auch ein Unheil widerfahren wäre, im Gegentheil prahlte er noch, daß sogar die Elemente auf dem Meere ihm stets günstig seien. Solche Beispiele findet man aber in der Weltgeschichte zahllos viele, daß gottlosen Menschen ihre Unternehmungen nach Wunsch gelungen sind, während Recht und Gerechtigkeit unterdrückt wird. So sehen wir auch gegenwärtig, da ich dieses schreibe, einen König in Italien alle Treue und Gerechtigkeit mit Füßen treten, Lüge und Gewalt anwenden, um andern Fürsten und dem Papste selbst ihren Länderbesitz zu rauben – und bisher hat er nichts als Glück gehabt, und wer weiß, ob ihm nicht noch all´ seine Pläne gelingen. – Ist es denn nicht Gott, der die Welt regiert? Wo ist nun die Gerechtigkeit und Allmacht Gottes, wenn das Böse triumphiert und das Gute unterliegt?

Darauf gibt das Christenthum eine ganz bestimmte klare Antwort, nämlich: Diese Erde und dieses irdische Leben ist nicht der Ort und die Zeit der Vergeltung, sondern die Prüfung und Uebung. Gerade aber dieß ist eine Prüfung und großes Verdienst, wenn der Christ auf Erden mitten in Ungerechtigkeit und Unterdrückung dennoch festhält im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Würde die Tugend schon in diesem Leben auf Belohnung sicher zählen können, und das Laster unfehlbar hier schon seine Strafe bekommen, so würde zulezt das Gute gethan und das Böse unterlassen werden nur aus gemeinem Eigennutz, und würde dadurch die Tugend ihre Schönheit und ihren Werth verlieren. Die Weltordnung Gottes läßt zwar, um den schwachen Glauben zu stärken oder um zu warnen, auch öfters in diesem Leben schon einen Theil der Vergeltung eintreten – im Allgemeinen aber ist erst das lezte Gericht und die Ewigkeit die Zeit der vollen Ausgleichung und Vergeltung. Darum muß sich Jeder gedulden, die Zeit ist kurz, und bald kommt die lange Ewigkeit. Der ruchlose Inguar und der heilige Edmund haben jetzt schon tausend Jahre lang, Jeder was er verdient hat.

Anmerkung ETIKA: Im Angesicht des Bösen. Wo ist da die Barmherzigkeit des Papstes Franziskus (heute geht sein Jahr der Barmherzigkeit zu Ende)? Die Barmherzigkeit ist nur die halbe Wahrheit.

 

 

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