ETIKA D12

HEILIGE

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27.10.2000

12ELT4

Elisabeth von Thüringen:
Szenen aus ihrem Leben

A. F. C. Vilmar: Die Heilige Elisabeth, Skizze aus dem christlichen Leben des dreizehnten Jahrhunderts. Bertelsmann, Gütersloh, 1895, 56 Seiten

Vergleiche Kalender

Elisabeth (1207 - 17.11.1207). Ihr mütterlicher Großvater Berthold, Graf von Andechs, war Herzog von Meran, Markgraf von Kärnten und Istrien. Oheim Berthold, Patriarch von Aquileja: "dem eine ehebrecherische That wohl nicht ohne Grund schuld gegeben wird". Ihre älteste Tante war die hl. Hedwig (Schlesien). Vater Andreas, König von Ungarn. (10)

Kasteiungen

Bisweilen schlief die Fürstin am Fuße der Lagerstätte über dem Beten ein und auf die Erinnerung ihrer Dienerinnen, daß sie dann eben so gut in ihrem Lager bleiben könne, erwiderte sie: "Kann ich auch nicht immer beten, so will ich doch mein Fleisch dadurch kasteien, daß ich die Zeit über mir die Bequemlichkeit des Bettes versage."
Der Sitte der Zeit gemäß verschonte sie sich auch nicht mit freiwilligen Geißelungen, im Anfang nur in der Fastenzeit und an Freitagen, in der Folge auch öfter des Nachts, wo sie sich aus der Kammer zu diesem Zwecke in ein kleines verborgenes Gemach begab. Hatte sie die Züchtigung bestanden, so kehrte sie mit heiterer, freundlicher Miene zurück.
Denn wie die Liebe, so gehörte auch die Freude zu dem Grundzuge ihres Wesens; zwar weinte sie oft, aber ihre Seele, die jede Unlust besiegte, lachte auch noch durch ihre Tränen hindurch: und was hätte auch ihre Freudigkeit überwinden können, da sie in jedem Schmerze, in jedem Opfer ein neues Unterpfand ihrer Teilnahme an dem seligen Opfer der göttlichen Liebe in Christo begrüßte! (21f.)

Als Bettlerin ausgestoßen
Mitten im Winter, in der Fastenzeit des Jahres 1228, wurde die fürstliche Witwe, die Königstochter, die Mutter des künftigen Landgrafen, die Wohlthäterin der Armen, als eine Bettlerin von der Wartburg ausgestoßen. Weinend ging sie mit ihren beiden treuen Dienerinnen den steilen Berg zur Stadt hinab und kein Haus öffnete sich ihr; sie blieb in einem elenden Wirtshause, wo die größte Unsauberkeit herrschte: dennoch wurde sie bald heiter in geistlicher Freude, da sie nun erst mit ihrer geliebten Herzensfreundin, der Armut, die ihrem Heiland anīs Kreuz gefolgt war, sich völlig vereint sah.

Um Mitternacht hörte sie die Betglocke in dem Franziskanerkloster, das von ihr gegründet war, dem ersten in Deutschland; da stand sie auf und ging zur Mette: dann bat sie die Klosterbrüder, ihr den Hymnus "Herr Gott, wir loben dich" zu singen.

Als man ihr von der Burg ihre Kinder brachte, wußte sie nicht, wo sie die Kleinen unterbringen, wo sie ihr Haupt hinlegen sollte. (S. 31f.)

In der Grundidee leben
Es gibt edle Geister, die in die Eigentümlichkeit jeder Lage sich zu finden, jeden dargebotenen Stoff in Wort und That sachgemäß zu behandeln wissen und so überall nicht nur zum Dienen, sondern auch zum Lenken und Regieren geschickt sind.

Es giebt aber andere, nicht minder edle Geister, die so geschaffen sind, daß alle ihre Lebenskräfte auf eine angeborene bestimmte Richtung sich konzentrieren, daß sie nur in einer Grundidee leben und diese in allem ihrem Thun, in der Art und Weise, wie sie alle Dinge ansehen und ergreifen, rein und kräftig, aber auch einseitig ausprägen, darum während ihres ganzen Lebens gegen die meisten gegebenen Verhältnisse anstoßen, nirgends völlig in eine Lage passen, wenn sie nicht eigens von ihnen und für sie gebildet ist, nach ihrem Tode aber als verklärte Lichter in dem Andenken der Nachwelt leuchten und durch ihre Aufopferung für die Idee, die in ihnen verkörpert war, die allgemeine Bewunderung und Verehrung erwerben. Zu dieser letzteren gehört die heilige Elisabeth. (30)

Franziskus
Ihr nächster Geistesverwandter lebte damals in Italien: der heilige Franziskus. In dem Jahre der Verhelichung Elisabeths (1221) war unter ihrem Schutze in Eisenach das erste Franziskanerkloster gegründet worden; ein Franziskaner, Rodinger mit Namen, wurde ihr Beichtvater und sie trat noch bei Lebzeiten ihres Gemahls in den sogenannten dritten Ordens des heiligen Franziskus ein. Dieser Orden war eben auch im Jahre 1221 entstanden, es war ein Werk der Not und des Zeitbedürfnisses. (35)

Franziskus erfuhr von dem Wandel seiner geistlichen Tochter in Thüringen... und sprach öfters von ihr mit seinem Gönner, dem Kardinal Ugolino, und dieser soll ihm einst seinen armseligen Mantel mit eignen Händen von den Schultern gerissen haben und zugleich geboten, denselben der Königstochter Elisabeth als ein Zeichen brüderlicher Anerkennung zu schicken. Die demütige Frau, die es so gut verstand, im Zeichen das Bezeichnete, in der Gabe den Geber zu erkennen, schätzte dieses Vermächtnis sehr hoch. (37)

Heirat mit Kaiser abgelehnt
Der Oheim dachte daran, die zwanzigjährige Witwe wieder zu verheiraten... Als Freier wird kein Geringerer als der Kaiser Friedrich II. genannt, der eben auch Witwer geworden und sie zur Gattin begehrte. Sie ... : "Gelübde abgelegt... und könnte ich mir nicht anders helfen, so wollte ich mir mit eigenen Händen die Nase abschneiden, daß nach dieser Verstümmelung jedermann vor mir einen Abscheu hätte." (41f.)

Ernährung
In Marburg, arm, ganz der Liebe Gottes lebend. Sie selbst genoß fast nur das einfachste Gemüse, in Wasser gekocht. Sie kochte häufig selbst und ließ sich dann, wenn die Speisen angebrannt waren, von der alten, unverträglichen Hausgenossin geduldig ausschelten. (52)

Haare
Eine Jungfrau, die sich durch ihr volles schönes Haupthaar auszeichnete... Elisabeth schnitt ohne Erbarmen ihre schönen Haare ab. (53)

Wort am dritten Tag vor ihrem Tod:
"Ich will auf das letzte strenge Gericht und auf meinen allmächtigen Richter meine ganze Andacht lenken." (55)

Auf dem Totenbett
Auf dem Totenbett, 18. November 1231, gegen Mitternacht, rief sie auf einmal: "Was würden wir thun, wenn der böse Feind käme?" und bald darauf erhob sie die Stimme und sprach mit gebietendem Tone: "Flieh, flieh!" (56)

A. F. C. Vilmar: Die Heilige Elisabeth, Skizze aus dem christlichen Leben des dreizehnten Jahrhunderts.
Bertelsmann, Gütersloh, 1895, 56 Seiten

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