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12HI6 |
Hl.
Hieronymus |
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S. C. Lorit:
Verzeiht, ich bin Dalmatier
Verlag Neue Stadt München, 1966. Übersetzung Dr. E. Gauhe, München
Italienische Originalausgabe: "perdonami, Signore,
perchè sono dalmata"
hl.
Hieronymus (340 - 30.9.420), Eremit, Mönch, Pilger, Schriftsteller, Epistelschreiber,
Übersetzer der Heiligen Schrift ins Lateinische (Vulgata), Kirchenvater
Der Mönch in der Wüste Chalkis
In der Einsamkeit überfüllt ihn mit wüstenden Anläufen der Dämon des Fleisches
S. 45 Unter den Höhlen wählt
Hieronymus die am wenigsten feuchte, damit seine Bücher nicht schimmeln. Aber
bald stellt er fest, daß auch die Wüste ihre Ablenkungen hat: sie ist von
aufsässigen Mönchen und abscheulichen Skorpionen bevölkert. ... Ruhelos jagen
sie die unebenen Wände der Höhle hinauf und hinunter und über den erdigen Boden
...
S. 46 ... er schreibt einen Brief
an Heliodor, um ihn herzulocken: "... Warum, Heliodor, willst du, der du
über der Welt stehst, ihr Sklave sein? Wie lange noch willst du dich vom
S. 47 Dunkel der Häuser bedrücken lassen, wie lange noch soll dich der
Kerker der stickigen Städte gefangenhalten? ..."
Aber Heliodor kommt nicht. Und in
der Einsamkeit ... überfällt ihn mit wütenden Anläufen der Dämon des Fleisches.
Hieronymus ist ein außergewöhnlich sinnlicher Mensch: er hat das heiße
Barbarenblut seines dalmatinischen Volksschlages ...
Wenn er nachts, mit einem Sack
umgürtet, auf dem nackten Boden liegt, den Kopf auf das Polster seiner
struppigen Haare gebettet und neben sich die brennende Öllampe, um die
Skorpione im Auge behalten zu können, dann wirft seine Phantasie alle Fesseln
ab: die Schatten, die im Flackerschein des Öllämpchens über die unebenen
Höhlenwände tanzen, erscheinen ihm wie unzüchtige Silhouetten der römischen
Mädchen aus der Zeit seiner Jugendtorheiten. Er fühlt, wie die Glut in seinem
Körper sich steigert, er windet und krümmt sich, weint, schreit zu Gott,
springt schließlich auf, zerschlägt sich die Brust mit einem spitzen Stein und
flüchtet blutend aus der Höhle - er haßt sie, diese grauenhafte Höhle, die mit
den unkeuschen Trugbildern im Bund steht. Über Sandhügel und felsige Abhänge
schleppt er sich mühsam dahin, sucht sich die tiefsten und dunkelsten
Schluchten, wo die tanzenden Schatten ihn nicht
S. 48 mehr umgaukeln, und
verkriecht sich, um unter Weinen und Klagen zu beten. ...
... Brief ...:
"Ach, wie oft wähnte ich
mich in dieser endlosen, glühenden Einöde wieder inmitten der Wonnen von Rom.
Ich saß ganz allein, in der Seele nur Bitternis. Meine Glieder waren entstellt,
mit grobem Sacktuch bekleidet, und mit meiner ausgedörrten, schuppig gewordenen
Haut, von der Sonne fast schwarz gebrannt, sah ich aus wie ein äthiopischer
Neger. Ich vergoß viele Tränen,, und wenn mich der Schlaf übermannte und mein
armer, abgemagerter Körper umsank, zerbrach ich mir auf dem nackten Boden fast
die kaum noch zusammenhaltenden Knochen. Von Speise und Trank will ich
schweigen; sogar die Kranken trinken hier in der Wüste nur kaltes Wasser, und
etwas Gekochtes zu essen, gilt als Unmäßigkeit...
Ich aber, der ich mich aus Furcht
vor der Hölle zu einem solchen Kerker verurteilt hatte, in dem nur Skorpione
und wilde Tiere meine Gefährten waren, ich ließ mich von den Flügeln der
Phantasie in die früheren Zeiten zurücktragen, mitten unter die Tänze der
Mädchen von Rom.
Mein Gesicht war ausgemergelt vom
langen Fasten, die Glieder halb starr, aber in meinem Geist brannte ein Wirbel
unreiner Leidenschaften. Ohnmächtig und hilflos warf ich mich dann zu den Füßen
Jesu, benetzte sie mit meinen Tränen und trocknete sie mit meinen Haaren und
versuchte, das rebellische Fleisch durch wochenlanges Fasten zu besiegen. Ich
schäme mich nicht, meine Schwäche einzugestehen...
Ich erinnere mich, daß ich oft
Tag und Nacht stöhnte und schrie und mir die Brust schlug, bis Gott, der Herr
über alle Stürme, in meinem Herzen wieder Ruhe einkehren ließ.
(Anmerkung etika.com: Was sollen da wir sagen, die wir gerade von der
Messe in P. zurückkehren, wo sich vor dem Kircheneingang ein junges, zu gut
gewachsenes Mädchen mit tiefem Dekolleté postierte, so daß die Andacht in
Sekundenschnelle dem Abscheu wich? Wie sollen wir Mode-, TV- und
Internet-Geschädigten in dieser Endzeit zurechtkommen, wenn wir auf Schritt und
Tritt von diesen furchtbaren Dämonen belästigt werden? Sind wir heute doch
erbärmliche Wichte im Vergleich zu jenen mächtigen Kämpfern des Christentums
wie Hieronymus und Antonius.)
Sogar vor meiner
S. 49 Höhle hatte ich Angst, war
sie doch die Mitwisserin meiner Versuchungen. Zornig über mich selbst (Anm.: die Lektorin in P. hatte gegen alle
christlich-asketische Tradition die dreiste Fürbitte vorgetragen: "Laß
nicht zu, daß wir uns selbst verachten", wo doch Luis von Granada betont
hat, daß die heilige Selbstverachtung der Baum ist, auf dem alle Tugenden
wachsen) , drang ich allein noch weiter in die Wüste vor, und wenn ich
irgendein dunkles Tal, einen steilen Berg oder schroff aufragenden Felsen
entdeckte, erwählte ich mir sogleich diesen Ort, um dort zu beten und meinen
elenden Körper wie in einem Gefängnis zu verbergen. ...
Und Gott ist mein Zeuge: nachdem
ich viele Tränen vergossen und die Augen unablässig zum Himmel gerichtet hatte,
glaubte ich mich dann bisweilen unter die Heerscharen der Engel versetzt
..."
... der laute Jubelgesang nach
siegreichem Kampf mit dem Dämon.
S. 141 "... wir können
aber nicht zugleich den Kelch des Herrn und den Kelch der Dämonen
trinken!" (Brief XXII an Eustochia,
Rom, 383-384)