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16.7.2001 – auch UNIX

12HI6

Hl. Hieronymus

 

S. C. Lorit: Verzeiht, ich bin Dalmatier
Verlag Neue Stadt München, 1966. Übersetzung Dr. E. Gauhe, München

Italienische Originalausgabe: "perdonami, Signore, perchè sono dalmata"

 

hl. Hieronymus (340 - 30.9.420), Eremit, Mönch, Pilger, Schriftsteller, Epistelschreiber, Übersetzer der Heiligen Schrift ins Lateinische (Vulgata), Kirchenvater

Der Mönch in der Wüste Chalkis

In der Einsamkeit überfüllt ihn mit wüstenden Anläufen der Dämon des Fleisches

 

S. 45 Unter den Höhlen wählt Hieronymus die am wenigsten feuchte, damit seine Bücher nicht schimmeln. Aber bald stellt er fest, daß auch die Wüste ihre Ablenkungen hat: sie ist von aufsässigen Mönchen und abscheulichen Skorpionen bevölkert. ... Ruhelos jagen sie die unebenen Wände der Höhle hinauf und hinunter und über den erdigen Boden ...

 

S. 46 ... er schreibt einen Brief an Heliodor, um ihn herzulocken: "... Warum, Heliodor, willst du, der du über der Welt stehst, ihr Sklave sein? Wie lange noch willst du dich vom

S. 47  Dunkel der Häuser bedrücken lassen, wie lange noch soll dich der Kerker der stickigen Städte gefangenhalten? ..."

 

Aber Heliodor kommt nicht. Und in der Einsamkeit ... überfällt ihn mit wütenden Anläufen der Dämon des Fleisches. Hieronymus ist ein außergewöhnlich sinnlicher Mensch: er hat das heiße Barbarenblut seines dalmatinischen Volksschlages ...

 

Wenn er nachts, mit einem Sack umgürtet, auf dem nackten Boden liegt, den Kopf auf das Polster seiner struppigen Haare gebettet und neben sich die brennende Öllampe, um die Skorpione im Auge behalten zu können, dann wirft seine Phantasie alle Fesseln ab: die Schatten, die im Flackerschein des Öllämpchens über die unebenen Höhlenwände tanzen, erscheinen ihm wie unzüchtige Silhouetten der römischen Mädchen aus der Zeit seiner Jugendtorheiten. Er fühlt, wie die Glut in seinem Körper sich steigert, er windet und krümmt sich, weint, schreit zu Gott, springt schließlich auf, zerschlägt sich die Brust mit einem spitzen Stein und flüchtet blutend aus der Höhle - er haßt sie, diese grauenhafte Höhle, die mit den unkeuschen Trugbildern im Bund steht. Über Sandhügel und felsige Abhänge schleppt er sich mühsam dahin, sucht sich die tiefsten und dunkelsten Schluchten, wo die tanzenden Schatten ihn nicht

S. 48 mehr umgaukeln, und verkriecht sich, um unter Weinen und Klagen zu beten. ...

 

... Brief ...:

"Ach, wie oft wähnte ich mich in dieser endlosen, glühenden Einöde wieder inmitten der Wonnen von Rom. Ich saß ganz allein, in der Seele nur Bitternis. Meine Glieder waren entstellt, mit grobem Sacktuch bekleidet, und mit meiner ausgedörrten, schuppig gewordenen Haut, von der Sonne fast schwarz gebrannt, sah ich aus wie ein äthiopischer Neger. Ich vergoß viele Tränen,, und wenn mich der Schlaf übermannte und mein armer, abgemagerter Körper umsank, zerbrach ich mir auf dem nackten Boden fast die kaum noch zusammenhaltenden Knochen. Von Speise und Trank will ich schweigen; sogar die Kranken trinken hier in der Wüste nur kaltes Wasser, und etwas Gekochtes zu essen, gilt als Unmäßigkeit...

 

Ich aber, der ich mich aus Furcht vor der Hölle zu einem solchen Kerker verurteilt hatte, in dem nur Skorpione und wilde Tiere meine Gefährten waren, ich ließ mich von den Flügeln der Phantasie in die früheren Zeiten zurücktragen, mitten unter die Tänze der Mädchen von Rom.

Mein Gesicht war ausgemergelt vom langen Fasten, die Glieder halb starr, aber in meinem Geist brannte ein Wirbel unreiner Leidenschaften. Ohnmächtig und hilflos warf ich mich dann zu den Füßen Jesu, benetzte sie mit meinen Tränen und trocknete sie mit meinen Haaren und versuchte, das rebellische Fleisch durch wochenlanges Fasten zu besiegen. Ich schäme mich nicht, meine Schwäche einzugestehen...

 

Ich erinnere mich, daß ich oft Tag und Nacht stöhnte und schrie und mir die Brust schlug, bis Gott, der Herr über alle Stürme, in meinem Herzen wieder Ruhe einkehren ließ.

 

(Anmerkung etika.com: Was sollen da wir sagen, die wir gerade von der Messe in P. zurückkehren, wo sich vor dem Kircheneingang ein junges, zu gut gewachsenes Mädchen mit tiefem Dekolleté postierte, so daß die Andacht in Sekundenschnelle dem Abscheu wich? Wie sollen wir Mode-, TV- und Internet-Geschädigten in dieser Endzeit zurechtkommen, wenn wir auf Schritt und Tritt von diesen furchtbaren Dämonen belästigt werden? Sind wir heute doch erbärmliche Wichte im Vergleich zu jenen mächtigen Kämpfern des Christentums wie Hieronymus und Antonius.)

 

Sogar vor meiner

S. 49 Höhle hatte ich Angst, war sie doch die Mitwisserin meiner Versuchungen. Zornig über mich selbst (Anm.: die Lektorin in P. hatte gegen alle christlich-asketische Tradition die dreiste Fürbitte vorgetragen: "Laß nicht zu, daß wir uns selbst verachten", wo doch Luis von Granada betont hat, daß die heilige Selbstverachtung der Baum ist, auf dem alle Tugenden wachsen) , drang ich allein noch weiter in die Wüste vor, und wenn ich irgendein dunkles Tal, einen steilen Berg oder schroff aufragenden Felsen entdeckte, erwählte ich mir sogleich diesen Ort, um dort zu beten und meinen elenden Körper wie in einem Gefängnis zu verbergen. ...

 

Und Gott ist mein Zeuge: nachdem ich viele Tränen vergossen und die Augen unablässig zum Himmel gerichtet hatte, glaubte ich mich dann bisweilen unter die Heerscharen der Engel versetzt ..."

... der laute Jubelgesang nach siegreichem Kampf mit dem Dämon.

 

S. 141 "... wir können aber nicht zugleich den Kelch des Herrn und den Kelch der Dämonen trinken!" (Brief XXII an Eustochia, Rom, 383-384)

 

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