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12MEG2 |
Hl.
Maria von Ägypten |
Hl. Maria von Ägypten, bitte für mich! |
Die Sünderin in der Wüste
Nacherzählt und zitiert nach folgenden
empfehlenswerten Quellen:
Legende Aurea – Das Leben der Heiligen, Erich
Weidinger (Hrsg.), Pattloch Verlag Aschaffenburg, 1986, Seite 153ff.
Goldene Legende – Leben der lieben Heiligen Gottes
auf alle Tage des Jahres, nach P. Matthäus Vogel S.J., neu bearbeitet von P.
Wilhelm Auer, Capuzinerordenspriester, Köln 1904, Seite 247 – 249
Das große Buch der Heiligen, Geschichte und Legende
im Jahreslauf, Erna und Hans Melchers, Bearbeitung Carlo Melchers, Südwest
Verlag München 1980, Seite 195 – 197
Der
heilige Abt Zosimus überquerte den Jordan und zog durch die palästinensische
Wüste. Da erblickte er ein menschliches Wesen. Eine von der Sonne
schwarzgebrannte nackte Frau lief vor ihm weg.
Er
folgte ihr, bis sie stehenblieb. Sie rief ihm zu seiner Verwunderung zu:
„Abt Zosimus, was verfolgst du mich? Ich kann
mich dir nicht zuwenden, denn ich bin eine Frau und nackt.“
Auf
ihre Bitte hin reichte er ihr seinen Mantel, damit sie sich verhüllen könne.
Sie tat dies. Dann betete die Unbekannte mit ausgebreiteten Armen, wobei sie eine
Elle hoch vom Boden emporgehoben wurde. Der Abt beschwor sie, ihm zu sagen, wer
sie sei. Die Frau antwortete:
„Verzeih mir, Vater, wenn ich dir dies
sage, wirst du vor mir wie vor einer Schlange fliehen. Meine Worte werden deine
Ohren beleidigen und die Luft mit ihrem Schmutz besudeln.“
Abt
Zosimus aber gab nicht nach, und sie erzählte:
„Wisse, Bruder, ich bin in Ägypten geboren. Gegen
den Willen meiner Eltern bin ich aus dem väterlichen Haus entflohen. Mit zwölf
Jahren ging ich nach Alexandria. 17 Jahre lang führte ich ein unsittliches
Leben. Niemandem habe ich meinen Körper verweigert. Eine größere Sünderin
als mich hat es nicht gegeben. Als einmal Leute sich anschickten, eine Wallfahrt
nach Jerusalem zu unternehmen, um das heilige Kreuz anzubeten, bat ich die
Schiffsleute, mich mitzunehmen. Ich gedachte, mein schändliches Gewerbe auch
dort auszuüben. Weil ich kein Geld für die Überfahrt hatte, gab ich mich dafür
den Schiffern hin.
Als wir in Jerusalem waren, wollte ich mit den
Pilgern das Kreuz betrachten. Doch an der Tür wurde ich von einer
unsichtbaren Macht zurückgestoßen. Es gelang mir nicht, über die Schwelle
zu treten. Jedesmal wurde ich abgewiesen.
Alle anderen aber durften hinein. Durch göttliche
Erleuchtung kam mir dieser Gedanke:
„Du bist wegen deiner unzählbaren Sünden nicht wert,
den heiligen Ort zu betreten, das heilige Kreuz anzuschauen und vor Gott zu
erscheinen.“
Ich begriff: Es war meine Sündhaftigkeit, die mir
den Weg versperrte. Ich ging zu einer Stelle im Vorhof, schlug an meine
Brust, kehrte die Augen bald zum Himmel empor, bald zur Erde, und weinte
bitterlich. Viele Tränen vergoß ich und schluchzte aus tiefstem Herzen, während
mir die ganze Scheußlichkeit meines bisherigen Lebens vor Augen trat.
Als ich so jammerte und klagte, fiel mein Blick auf
einmal auf ein Bild der heiligsten Jungfrau Maria. Unter Tränen bat ich sie, mir beizustehen und zu
erlauben, die Kirche zu betreten. Ich versprach ihr, mich von meinem
schändlichen Leben abzukehren, ja von der ganzen Welt Abschied zu nehmen, in
Enthaltsamkeit zu verharren und Buße zu tun, wenn sie mir nur Barmherzigkeit
erweisen würde.
Ein Gefühl des Trostes und Vertrauens erfasste mich.
Ich wagte es erneut und trat diesmal ungehindert ins Innere der Kirche ein.
Andächtig betete ich das Kreuz an.
Als ich hinausgehen wollte, kam ein Mann auf mich zu
und gab mir drei Geldstücke. Dann hörte ich eine Stimme von irgendwoher, die
sprach:
„Geh über den Jordan, dann bist du gerettet.“
Für das Geld kaufte ich drei Brote. Dann flehte ich
zur seligsten Jungfrau um ihren mütterlichen Segen mit der demütigsten Bitte um
die Gnade, wahre und beständige Buße zu wirken. Ich ging zu jenem Fluß, wo ich
bei einer Kirche des heiligen Johannes des Täufers die ganze Nacht mit der
Erforschung und Bereuung meiner Sünden zubrachte. Am nächsten Tag beichtete ich
und empfing die heilige Kommunion.
Dann überquerte ich den Jordan und kam hierher.
Unablässig bereute ich meine Sünden, unablässig bat ich Gott um Verzeihung
dafür. Es sind jetzt 47 Jahre, dass ich hier lebe, und nie habe ich einen
Menschen gesehen. Die drei Brote, die ich bei mir hatte, wurden hart wie
Stein, aber sie genügten mir für die ganzen Jahre als Nahrung. Die Kleider,
die ich trug, sind mir am Leib verfault. Hitze und Kälte plagten mich, Hunger
und Durst. 17 Jahre noch – so lange ich in Sünden gelebt hatte - suchten
mich fleischliche Versuchungen heim, aber durch Gottes Gnade habe ich sie
schließlich alle besiegt. In der größten Heftigkeit der Versuchungen wendete
ich mich an die göttliche Mutter Maria und rief mit weinenden Augen:
„Komm mir zu Hilfe, o du Zuflucht der
Sünder! Dir verdanke ich den Anfang meiner Bekehrung.
Ach, erbitte mir auch die Beharrlichkeit!“
Die göttliche Mutter erhörte mein Gebet. Ich blieb
standhaft, wurde endlich von den Versuchungen befreit und will nun Gott dem
Herrn bis zum Ende dienen. Nun kennst du mein Leben, und ich bitte dich, für
mich zu beten.“
Da
fiel der Greis zur Erde nieder und lobte Gott in seiner Dienerin. Sie aber
flehte ihn an, für sie zu beten und sie am Tag des Abendmahls (Gründonnerstag
des kommenden Jahres) mit dem heiligen Altarssakrament zu erquicken.
Der
Abt kehrte ins Kloster zurück, und übers Jahr brachte er ihr den Leib des Herrn
zum Jordan. Mit Verwunderung sah er, wie die heilige Büßerin mit trockenem Fuße
über den Fluß ging und sich ihm näherte. Er gab ihr die heilige Wegzehrung, und
sie empfing dieselbe mit größter Andacht. Dann wandte sie ihre Hände und Augen
zum Himmel und sprach voll Freude wie der greise heilige Simeon:
„Nun, o Herr! Laß deine Dienerin im Frieden
scheiden.“
Dann
schlug sie das Kreuzzeichen und ging über das Wasser des Jordan in die Einöde
zurück. Zuvor bat sie Zosimus, in der nächsten Fastenzeit wieder an den Ort zu
kommen. Wo sie ihn zum ersten Mal gesprochen hatte.
Als
der Abt nach einem Jahr dahin kam, fand er sie tot. Es war um das Jahr 520. Bei
ihrer Leiche fand er eine Inschrift im Sand, dass sie Maria heiße und am 2.
April, am Tag nach der heiligen Kommunion verschieden wäre.
Er
wollte ein Grab ausheben, vermochte es aber nicht. Da kam ein Löwe
dahergetrottet, den bat er, ihm zu helfen. Das Tier gehorchte und grub ein
Loch. Hernach ging es davon, sanft wie ein Lamm.
Nachdem
Zosimus die heilige Büßerin bestattet hatte, kehrte er in sein Kloster zurück
und lobte den Herrn.