ETIKA

SELIGE JUNGFRAUEN

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28.4.2003 – 20.1.2013

12MMO51

Maria von Mörl -
Die ekstatische Christusmystikerin von Kaltern (1812 - 1868)

Unter Mitarbeit von H. H. Paul Kirchler. Quellen: Don Antonio Riccardi, Joseph von Görres; Clemens von Brentano u. a.; Ignaz Grandi: Maria von Mörl, Die Stigmatisierte aus Kaltern in Südtirol, Parvis Verlag Hauteville, 1977. Redaktion: Rainer Lechner

Maria von Mörl in der ruhigen Ekstase, Gemälde von Fried. Wasmann, Innsbruck, Museum

Geboren zu Kaltern am 15. Oktober 1812, wuchs sie in Unschuld und allbekannter Frömmigkeit heran, und schon von frühester Jugend an war das Gebet, der innere Umgang mit Gott und die oftmalige heilige Kommunion stets ihre größte Freude. Vom Oktober des Jahres 1830, ihrem 18. Geburtsjahre, bis zum Jahr 1833 prüfte sie Gott mit ungewöhnlichen Leiden, die er ihr aber zugleich mit der Gabe der Ekstase und des beschauenden Gebetes belohnte.
Am 5. Februar 1834 beschenkte sie der Herr mit den heiligen Wundmalen. Im Jahre 1841 erhielt sie eine abgesonderte Wohnung im Tertiarinnen-Kloster des heiligen Vaters Franciscus, und hier lebte sie nun über 27 Jahre in ekstatischer Betrachtung der Geheimnisse des Lebens und Leidens Jesu Christi und seiner allerseligsten Mutter Maria, im Gebete der Fürbitte für allgemeine und besondere Anliegen und im Wohlthun gegen zahllose Arme. Seit Mitte September des Jahres 1867 stets von großen geistigen und körperlichen Schmerzen heimgesucht, nahm endlich der göttliche Bräutigam diese seine reine und vielgeprüfte Braut nach Empfang der heiligen Sterbesakramente zu sich am 11. Januar 1868, um, wie wir hoffen, im Himmel das Fürbitte-Gebet fortzusetzen, das sie auf Erden so eifrig geübt.

"Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein." (Hohel. 2,16)

Maria von Mörl war die Tochter eines Landmannes aus der alten deutschstämmigen Familie Mörl von Pfalzen zu Mühlen und Sichelburg. Die Mutter Maria Sölva — ihre Familie stammte vom Deutsch-Nonsberg und hieß einst Waldner — war eine fromme, weise, barmherzige Frau. Von Geburt an war Maria ein zartes und feines Kind. Was sie auszeichnete, waren große Verständigkeit und Geschicklichkeit in allen Verrichtungen, dabei eine echte Bereitschaft, den Armen und Kranken zu helfen.

Maria hatte acht Geschwister. Davon wählten drei den Ordensstand. Eine Schwester wurde Dominikanerin in Lienz/Osttirol, eine andere Ursulinenchorfrau in Klagenfurt und ein Bruder Kapuzinerpater.

Vor Liebe glühend

"Als sie mit zehn Jahren das erstemal zur heiligen Kommunion zugelassen wurde, erschien sie mit den Gefühlen so hohen Glaubens und so inniger Liebe, daß sie, sobald sie die heilige Hostie empfangen hatte, ohnmächtig zusammensank.

So oft sie konnte, trat sie zum Tische des Herrn, und dieses war für sie immer ein Freudentag. Nachdem sie so ihren Geliebten im Herzen umfangen hatte, brachte sie, vor Liebe glühend, eine oder zwei Stunden im Gebete so versenkt und so unbeweglich in der Kirche zu, daß man sie endlich rütteln mußte, um sie zu sich zu rufen und nach Hause zu bringen. Dann aber zog sie sich alsbald in ihr Zimmer zurück und verlangte sodann den ganzen Tag nichts mehr, weder Speise noch Trank, noch irgend sonst etwas anderes, indem sie ganz, wie einst Maria von Bethanien, zu den Füßen Jesu beschäftigt war." (Don Antonio Riccardi)

In der Krankheit Zuflucht zu Gott

Von ihrem fünften Lebensjahr an kränkelte sie oft und viel. Obwohl viele und darunter sehr geschickte Ärzte sie behandelten, wurden doch ihre Leiden im Verlaufe der Jahre immer schlimmer. Alle angewandten Mittel wollten keine Hilfe bringen: mehrmals fand sie sich am Rande des Grabes. Sie genas aber immer wieder zu leidlicher Gesundheit, ohne daß der Keim des Übels erstickt worden wäre. Sie gab sich nun noch eifriger ihren Andachtsübungen hin.

Seit ihrem dreizehnten Jahre war P. Johann Capistran Soyer, ein frommer, durch Leiden vielgeprüfter Franziskaner, ihr Beichtvater und zugleich eine Stütze ihrer Familie. Er nahm sie in den Dritten Orden des hl. Franz von Assisi auf. Getrieben vom Hl. Geist, legte die Schülerin Jesu das Gelübde immerwährender Jungfräulichkeit ab. Nach der Lehre des Völkerapostels Paulus ist das der kürzere Weg zum Himmelreich.

Man sandte Maria über das Gebirge, nach Cles auf dem Nonsberg, damit sie dort das Italienische erlerne. Sie blieb daselbst dreiviertel Jahr. 1827 starb die Mutter. Neun aufzuziehende Kinder, wovon das jüngste erst zehn Tage alt war, blieben dem Vater, der außerstande war, dem Haushalt vorzustehen, zurück, und so mußte denn Maria, das zweitälteste Kind, heimkehren und die Last auf ihre Schultern nehmen. Sie tat es mit Freudigkeit, wurde dadurch aber auch noch in sich gekehrter.

"Sie stand um zwei Uhr nach Mitternacht auf, getrieben, ihre Andacht und ihr Gebet ihrem Schöpfer darzubringen. Oft eilte sie auch auf den ersten Glockenschlag oder noch früher zur Kirche, und wenn sie bisweilen die Pforte verschlossen fand, so kniete sie vor der heiligen Schwelle nieder und wandte sich sogleich voll Eifer zum Gebet..." (Riccardi)

Sie sieht Jesus und die Engel

"Das Altarsgeheimnis ist und bleibt immer der Hauptmagnet, von dem die gute Maria angezogen wird. Sie sieht Christus in diesem Geheimnisse unter den lebendigsten Bildern, sowohl, wenn sie selbst selbes empfängt, als auch, wenn es wie immer zur Anbetung vorgestellt wird. Von Weihnachten z. B. bis Maria Reinigung sieht sie Christum in der Hostie als ein kleines Knäblein, dann bis zur Fasten als Jüngling, von da bis Ostern am Kreuze hangend, und diese Vorstellung ist überhaupt die gewöhnliche..." In diesem Sakrament findet die gute Maria ihre Freude und Wonne.

Sie sieht auch, wie die Engel die Gebete und guten Werke der Christen vor Gottes Angesicht bringen. Übrigens wird ihr in diesem Geheimnisse die unendliche Liebe Jesu zu uns Menschen vorgestellt: seine Sanftmut, Langmut, Geduld; hingegen unsere Undankbarkeit, Lauigkeit usw., und dafür wird sie nach Kräften angehalten, zu beten und abzubitten." (Kurzer schlichter Lebensumriß des berühmt gewordenen Fräuleins Maria von Mörl zu Kaltern 1837)

... bis auf den Grund ihrer Seele

Joseph von Görres liefert eine genaue Beschreibung der Kaltererin: "Sie ist mittlerer Größe, in allen Gliedern zart gebaut. Infolge der spärlichen Nahrung, die sie zu sich nimmt —von Zeit zu Zeit, wenn sie das Bedürfnis dazu fühlt oder der Beichtvater es gebietet, einige Traubenbeeren, irgend ein anderes Obst, auch wohl eine Brotkrume und dergleichen, was sich eben vorfindet — ist sie natürlich abgemagert...

Der Ausdruck ihres obgleich dunklen Auges ist fröhliche, unbefangene Kindheit. Klar wie es ist, kann man durch dasselbe bis zum innersten Grunde ihrer Seele schauen und überzeugt sich bald, daß nirgendwo im ganzen Umkreis sich ein dunkler Winkel findet, in dem sich irgend ein Arg verstecken könnte. Nichts Trübes, Kopfhängerisches, Überspanntes ist in ihrem ganzen Wesen zu entdecken, keine sentimentale verschwommene Weichlichkeit, keine heuchlerische Grimasse, noch auch eine Spur irgend eines versteckten Hochmutes, überall nichts als der Ausdruck heiterer fröhlicher, unbefangener, in Einfalt und Schuldlosigkeit bewahrter Jugend, die sich ohne Bedenken dem Scherze hingibt, weil ein einwohnender sicherer Takt jeden Schein von Unschicklichkeit abzuweisen weiß."

Tauben und Lamm

Besonders liebte sie Blumen, Bilder und Vögel. Vöglein mußten ihr das Lob Gottes singen helfen; drei Täublein, die ihr von ihrer Schwester Johanna geschenkt wurden, galten ihr als Sinnbild der Allerheiligsten Dreifaltigkeit; und als einmal ein kleines Mädchen mit einem weißen Lamm in ihre Kammer trat, kam auf einmal die Ekstase über sie, während ihre mit dem Wundmal bezeichnete Hand noch auf dem Kopf des mit Blumen bekränzten Lammes ruhte. (Prantauer/Grandi).

Während der Prozession am Fronleichnamsfest 1833 waren einige Personen bei Maria im Zimmer. Seit Fasching war sie immer krank und lag entkräftet da. Auf einmal richtete sich die todschwache Jungfrau mit Blitzesschnelle empor, fiel im Bett auf die Knie und blieb in dieser Haltung während der Prozession mit fest gefalteten Händen und immer wechselnder Neigung des Körpers ganz in Richtung des feierlichen Umzuges. In sich gekehrt, verweilte sie betend. Nichts hörte sie von den Böllern vor dem Haus und von der Musik. Dies wurde von den anwesenden Personen sogleich an allen Orten erzählt, und eine Menge von Menschen strömte herbei, um, wie sie sagten, die lebendige Heilige zu sehen.

Ungeheurer Zulauf

Mit Kreuz und Fahnen machten sich die Gemeinden nacheinander auf und wallfahrteten nach Kaltern, und der Zulauf wurde ungeheuer. Vom Ende des Monats Juli bis zum 15. September jenes Jahres mögen wohl 40.000 Menschen und darüber aus allen Ständen sich zu ihr hingedrängt haben, um die für die Außenwelt, bei scheinbar geöffneten Sinnen, völlig Verschlossene und bloß innerlich Betende und Betrachtende zu sehen und sich an dem unbeschreiblichen und ergreifenden Anblicke zu erbauen.

Inneres Sehvermögen

Mit der Ekstase bildete sich auch ihr inneres Sehvermögen schärfer und schärfer aus. Die Jungfrau, die übrigens einen Bußgürtel trug, sah in die Zukunft, wußte vom Los abgeschiedener Seelen.

Während der Wandlung pflegte sich die Ekstatische tief zu verbeugen zum Zeichen der Ehrfurcht und der Anbetung. Wie konnte sie aber den Augenblick der hl. Wandlung als Kranke im Elternhaus erraten?

Zwei Männer nahmen eine Uhr, um die Zeit der Wandlung und der Verneigung der Jungfrau festzuhalten. Der eine Mann war in der Kirche, der andere am Bett der Hochbegnadeten. Nach dem gemeinsamen Vergleich der Uhren ergab sich, daß Maria ein geheimnisvolles Wissen vom Geschehen bei der hl. Handlung hatte.

Die schwebende Jungfrau

Joseph von Mörl, der Bruder der Ekstatischen, wurde Kapuziner; mit dem Ordensnamen hieß er P. Hyazinth. Als er am 15. Mai 1833 das erste hl. Meßopfer in der Franziskanerkirche feierte, nahm Maria vom Elternhaus im Geist ganz an der festlichen Eucharistie teil. Vom Geist des Jubels und der Freude ergriffen, geriet sie in einen schwebenden Zustand. Es war ein flugähnliches Erheben, bei welchem die sonst durchaus Gelähmte mit Federkraft und Leichtigkeit, ohne Stütze oder menschliche Hilfe emporgerissen erschien.

Die elementar hervorbrechende Freude hatte den ganzen Menschen erfaßt. Es war ein lautes und jubelndes Frohlocken über Gottes Heilstaten in der Geschichte, ein Preis an den Vater des Himmels und der Erde, der die Geheimnisse des Himmels den Kleinen und Demütigen offenbart.

Als der Augenblick der Wandlung kam, breitete sie im überwallenden Andachtsgefühl ihre Arme aus. Beim Öffnen der Hände nahmen die Anwesenden erstaunt und betroffen zum ersten Male den blutigen Eindruck der Nägelwunden wahr. In der größten Entzückung, ganz aufgerichtet auf dem Bett, war die hochbegnadete Jungfrau den ganzen Tag mit offenen Armen wahrzunehmen.

Könnte Hysterie ein solches Schweben hervorrufen? Die Rationalisten meinen, mit einem tiefen Einatmen der Luft in die Lunge könnte ein Schweben verursacht werden. Für den Maria-von-Mörl-Forscher Paul Kirchler, der an diesem Beitrag mitgearbeitet hat, war es ein Eingriff des Hl. Geistes oder eines Engels.

Die Sehnsucht der Braut ist das Verweilen beim Bräutigam und der Dialog mit ihm. Der H. H. Bischof von Trient, der sel. Johannes Nepomuk Tschiderer, beschloß mit der Gemeinde von Kaltern, an der Sakristei der Kirche der Tertiarschwestern einen Anbau zu errichten, der als Zimmer für Maria Mörl diente. Im Sendboten des göttlichen Herzens Jesu steht im Jahre 1868, Nr. 3, zu lesen: "Im Jahre 1841 erhielt sie eine abgesonderte Wohnung, und hier lebte sie nun 27 Jahre in ekstatischer Betrachtung der Geheimnisse des Lebens und Leidens Jesu Christi und seiner allerseligsten Mutter Maria, im Gebete der Fürbitte für allgemeine und besondere Anliegen und im Wohltun gegen zahllose Kranke."

Gekrönte Häupter

Von weit her kamen einfache wie vornehme Menschen, darunter Gelehrte, Bischöfe, Fürsten, die Erzherzogin Sophie und die Kaiserin Maria-Anna von Österreich, die Königin Maria-Adelaide von Sardinien.

Der Maler Melchior Paul von Deschwanden aus der Schweiz besuchte die Magd Gottes im Juli 1847 und war ehrlich begeistert von ihrem Charakter und ihren Tugenden. Er verfaßte folgende Zeilen:

"Maria von Mörl lebt mehr in einem Zustand der Verklärung;
ragt hinüber in die Ewigkeit;
wohnt und wandelt in der Nähe Gottes;
das Göttliche teilt sich ihr mit und prägt sich in ihrer ganzen Haltung
besonders in ihren Gesichtszügen so auffallend aus,
daß man sie für ein Wesen höherer Art zu halten versucht,
sich in ihrer Nähe in eine überirdische Sphäre versetzt fühlt,
und mit Wonne bei ihr weilet...
... sie erhebt uns über Zeit und Welt hinaus,
lehrt uns diese Welt verachten und eine neue, himmlische, verklärte aufzusuchen."

Den guten Baum erkennen wir an den guten Früchten. Das Leben der tugendreichen Maria v. Mörl hatte erfreuliche Auswirkungen auf die Menschen vieler Stände und Nationen Europas. Daran hatten nicht zuletzt zwei Schriftsteller der Romantik, Joseph Görres und Clemens von Brentano, mit ihren Berichten Anteil. Zahlreiche Geschichten liefern Beweise für die segensreiche Wirkung der Ekstatischen von Kaltern.

Sehr viele Besucher gingen getröstet aus ihrem Zimmer. Viele fanden bei ihr Rat in den Lebensproblemen. Als charismatische Fürsprecherin war die Jungfrau weitum bekannt. Manche kehrten auch von weit zurück, um ihr zu danken. Besonders zu Herzen gehend war der Anblick der Leidensmagd an den Freitagen, an denen sie im wahren Sinn des Wortes das Leiden und Sterben Jesu mit Leib und Seele durch die Gnade Gottes vergegenwärtigte. Viele Besucher sanken in die Knie, weinten, bekehrten sich und verlangten dann das Bußsakrament oder übten Werke der Barmherzigkeit.

Kampf und Sieg

Ignaz Grandi schildert in seinem Buch auch die dämonischen Plagen, denen Maria von Mörl ausgesetzt war und die nach einem Exorzismus größtenteils aufhörten. Letzte, mit Selbstzweifeln verbundene Anfechtungen stürmten dann noch einmal ein Vierteljahr vor ihrem Tod auf die arme Dulderin ein, die seit 1832 — außer gegenüber ihren Beichtvätern und geistlichen Vorgesetzten — stumm blieb.

Ab 8. September 1867 hatte Maria Mörl einen längeren, aufregenden Kampf auszustehen, und in dieser Zeit aß und trank sie nichts. Sie sah eine Christenverfolgung. "Ferner sah sie zu ihrem größten Schmerze, wie die christlichen Lehrer und Lehrerinnen von den Schulen entfernt und diese geschlossen werden, die Religiösen beiderlei Geschlechtes überall vertrieben und die Kirchen, Klöster und Güter mit Gewalt geraubt werden, und sie behauptete fest, daß nun auch hier, in Kaltern, keine Franziskaner und keine Klosterfrauen mehr seien. Ihr bitterster Schmerz war noch, wie sie sah, daß die Teufel und ihr Anhang das Hlst. Sakrament aus den Kirchen genommen und es geschändet haben, wie Kirchen und Heiligtümer zerstört wurden...

Ihr Antlitz war voll Trauer, meist ganz blaß, die Lippen blau, Zunge und Gaumen ganz vertrocknet und immer gleich aufgeregt...

(Im Verlauf der zweiten Oktoberhälfte) konnte sie wieder mehr und ruhiger zu Gott um Hilfe beten. Es verschwanden alle Angstbilder, dann sah sie wieder Jesus im Hlst. Sakrament, und da rief sie den ganzen Tag bald knieend im Bette, bald außerhalb demselben: Hochgelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sakrament usw., und alle, die auf ihr Zimmer kamen, mußten niederknien und ebenfalls anbeten.

Endlich kam sie in einen ungewöhnlichen Zustand von Fröhlichkeit und Freude. Überall hörte sie Freudengesänge und Triumphgeläute und sie sang selbst den ganzen Tag über in ihrer kindlichen frohen Weise: Gott sei gedankt, die Kirche hat gesiegt! Und alle, die zu ihr kamen, fragte sie: ,Hört ihr nicht die Glocken läuten? Vernehmt ihr nicht den Triumph der Kirche?’" (P. Simon Prantauer)

Versenkung in das Geheimnis Christi

Mystik ist das Erlebnis des Überirdischen und Ewigen. Die Seele wird so in Staunen versetzt, daß sie ganz außer sich zu sein scheint. Das Leben der Maria Mörl war gesteigert auf Christus bezogen. Mit den stundenlangen Ekstasen, in denen sie das Geheimnis Jesu Christi verkostete und in den unzähligen Visionen Einblick bekam in die Geheimnisse des Himmelreiches, in der nachgewiesenen Stigmatisation vom Februar 1834 erlebt sie sich mit und in Christus. Die Wundmale erinnern sie bei Tag und in vielen Stunden der Nacht an das bittere Leiden und Sterben des Herrn.

Mit dem hl. Mystiker Paulus konnte sie sprechen: "Mit Christus bin ich gekreuzigt; nunmehr lebe nicht mehr ich, Christus lebt in mir." (Gal. 2,20) Durch Jahrzehnte erlebte sie an den Freitagen den geheimnisvollen Tod Christi, aber auch das Auferstandensein mit ihm. "Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt." (Gal 6,14)

Vertieft, verinnerlicht und erhöht wurde die Christusmystik durch das selbstgewählte Wohnungnehmen in der Kirche im anbau auf der Sakristei. Die Jungfrau von Kaltern erlebt sich als ein Wesen, das dieser sinnlichen, sündigen Welt enthoben ist und bereits der verklärten Welt angehört. In Christus ist sie Kind Gottes; in ihm ist sie sich der Auferstehung gewiß. Ihr Denken, ihr Wünschen, ihr Beten und Leiden, ihr Wohltun im Fürbittgebet und Almosengeben, ihr Hinausschauen auf die Fluten des Ewigen erweist sie als christliche Mystikerin.

Vor Seligsprechungsprozess

Wolfgang Jochberger berichtet am 16.10.2012 in den „Dolomiten“ auf S. 25, Überetsch/Unterland: „Heute vor 200 Jahren ist Maria von Mörl (1812 bis 1869), Ekstatikerin und Stigmitasierte aus Kaltern, geboren. ,Nun ist es uns gelungen, einen Postulator für den Seligsprechungsprozess zu gewinnen´, sagt Arnold von Stefenelli, Gründer und Vorsitzender des Maria-von-Mörl-Kreises. Es ist dies P. Gottfried Egger OFM aus der Schweiz. Er wurde als solcher am 4.10.2012 vom Bozner Diözesanbischof Ivo Muser bestätigt.“

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