|
ETIKA |
SELIGE
JUNGFRAUEN |
www.etika.com |
|
12MMO51 |
Maria von Mörl - |
Unter Mitarbeit von H.
H. Paul Kirchler. Quellen: Don Antonio Riccardi,
Joseph von Görres; Clemens von Brentano u. a.; Ignaz Grandi: Maria von Mörl,
Die Stigmatisierte aus Kaltern in Südtirol, Parvis Verlag Hauteville, 1977.
Redaktion: Rainer Lechner |

Maria von Mörl in der ruhigen Ekstase, Gemälde von
Fried. Wasmann, Innsbruck, Museum
Geboren zu Kaltern am 15. Oktober 1812, wuchs sie in
Unschuld und allbekannter Frömmigkeit heran, und schon von frühester Jugend an
war das Gebet, der innere Umgang mit Gott und die oftmalige heilige Kommunion
stets ihre größte Freude. Vom Oktober des Jahres 1830, ihrem 18. Geburtsjahre,
bis zum Jahr 1833 prüfte sie Gott mit ungewöhnlichen Leiden, die er ihr aber
zugleich mit der Gabe der Ekstase und des beschauenden Gebetes belohnte.
Am 5. Februar 1834 beschenkte sie der Herr mit den heiligen Wundmalen. Im Jahre
1841 erhielt sie eine abgesonderte Wohnung im Tertiarinnen-Kloster des heiligen
Vaters Franciscus, und hier lebte sie nun über 27 Jahre in ekstatischer
Betrachtung der Geheimnisse des Lebens und Leidens Jesu Christi und seiner
allerseligsten Mutter Maria, im Gebete der Fürbitte für allgemeine und
besondere Anliegen und im Wohlthun gegen zahllose Arme. Seit Mitte September
des Jahres 1867 stets von großen geistigen und körperlichen Schmerzen heimgesucht,
nahm endlich der göttliche Bräutigam diese seine reine und vielgeprüfte Braut
nach Empfang der heiligen Sterbesakramente zu sich am 11. Januar 1868, um, wie
wir hoffen, im Himmel das Fürbitte-Gebet fortzusetzen, das sie auf Erden so
eifrig geübt.
"Mein Geliebter ist mein, und ich bin
sein." (Hohel. 2,16)
Maria
von Mörl war die Tochter eines Landmannes aus der alten deutschstämmigen
Familie Mörl von Pfalzen zu Mühlen und Sichelburg. Die Mutter Maria Sölva —
ihre Familie stammte vom Deutsch-Nonsberg und hieß einst Waldner — war eine
fromme, weise, barmherzige Frau. Von Geburt an war Maria ein zartes und feines
Kind. Was sie auszeichnete, waren große Verständigkeit und Geschicklichkeit in
allen Verrichtungen, dabei eine echte Bereitschaft, den Armen und Kranken zu
helfen.
Maria
hatte acht Geschwister. Davon wählten drei den Ordensstand. Eine Schwester
wurde Dominikanerin in Lienz/Osttirol, eine andere Ursulinenchorfrau in
Klagenfurt und ein Bruder Kapuzinerpater.
Vor
Liebe glühend
"Als
sie mit zehn Jahren das erstemal zur heiligen Kommunion zugelassen wurde,
erschien sie mit den Gefühlen so hohen Glaubens und so inniger Liebe, daß sie,
sobald sie die heilige Hostie empfangen hatte, ohnmächtig zusammensank.
So
oft sie konnte, trat sie zum Tische des Herrn, und dieses war für sie immer ein
Freudentag. Nachdem sie so ihren Geliebten im Herzen umfangen hatte, brachte
sie, vor Liebe glühend, eine oder zwei Stunden im Gebete so versenkt und so
unbeweglich in der Kirche zu, daß man sie endlich rütteln mußte, um sie zu sich
zu rufen und nach Hause zu bringen. Dann aber zog sie sich alsbald in ihr
Zimmer zurück und verlangte sodann den ganzen Tag nichts mehr, weder Speise
noch Trank, noch irgend sonst etwas anderes, indem sie ganz, wie einst Maria
von Bethanien, zu den Füßen Jesu beschäftigt war." (Don Antonio Riccardi)
In
der Krankheit Zuflucht zu Gott
Von
ihrem fünften Lebensjahr an kränkelte sie oft und viel. Obwohl viele und
darunter sehr geschickte Ärzte sie behandelten, wurden doch ihre Leiden im
Verlaufe der Jahre immer schlimmer. Alle angewandten Mittel wollten keine Hilfe
bringen: mehrmals fand sie sich am Rande des Grabes. Sie genas aber immer
wieder zu leidlicher Gesundheit, ohne daß der Keim des Übels erstickt worden
wäre. Sie gab sich nun noch eifriger ihren Andachtsübungen hin.
Seit
ihrem dreizehnten Jahre war P. Johann Capistran Soyer, ein frommer, durch
Leiden vielgeprüfter Franziskaner, ihr Beichtvater und zugleich eine Stütze
ihrer Familie. Er nahm sie in den Dritten Orden des hl. Franz von Assisi auf.
Getrieben vom Hl. Geist, legte die Schülerin Jesu das Gelübde immerwährender
Jungfräulichkeit ab. Nach der Lehre des Völkerapostels Paulus ist das der
kürzere Weg zum Himmelreich.
Man
sandte Maria über das Gebirge, nach Cles auf dem Nonsberg, damit sie dort das
Italienische erlerne. Sie blieb daselbst dreiviertel Jahr. 1827 starb die
Mutter. Neun aufzuziehende Kinder, wovon das jüngste erst zehn Tage alt war,
blieben dem Vater, der außerstande war, dem Haushalt vorzustehen, zurück, und
so mußte denn Maria, das zweitälteste Kind, heimkehren und die Last auf ihre
Schultern nehmen. Sie tat es mit Freudigkeit, wurde dadurch aber auch noch in
sich gekehrter.
"Sie
stand um zwei Uhr nach Mitternacht auf, getrieben, ihre Andacht und ihr Gebet
ihrem Schöpfer darzubringen. Oft eilte sie auch auf den ersten Glockenschlag
oder noch früher zur Kirche, und wenn sie bisweilen die Pforte verschlossen
fand, so kniete sie vor der heiligen Schwelle nieder und wandte sich sogleich
voll Eifer zum Gebet..." (Riccardi)
Sie
sieht Jesus und die Engel
"Das
Altarsgeheimnis ist und bleibt immer der Hauptmagnet, von dem die gute Maria
angezogen wird. Sie sieht Christus in diesem Geheimnisse unter den lebendigsten
Bildern, sowohl, wenn sie selbst selbes empfängt, als auch, wenn es wie immer
zur Anbetung vorgestellt wird. Von Weihnachten z. B. bis Maria Reinigung sieht
sie Christum in der Hostie als ein kleines Knäblein, dann bis zur Fasten als
Jüngling, von da bis Ostern am Kreuze hangend, und diese Vorstellung ist
überhaupt die gewöhnliche..." In diesem Sakrament findet die gute Maria
ihre Freude und Wonne.
Sie
sieht auch, wie die Engel die Gebete und guten Werke der Christen vor Gottes
Angesicht bringen. Übrigens wird ihr in diesem Geheimnisse die unendliche Liebe
Jesu zu uns Menschen vorgestellt: seine Sanftmut, Langmut, Geduld; hingegen
unsere Undankbarkeit, Lauigkeit usw., und dafür wird sie nach Kräften
angehalten, zu beten und abzubitten." (Kurzer schlichter Lebensumriß des
berühmt gewordenen Fräuleins Maria von Mörl zu Kaltern 1837)
...
bis auf den Grund ihrer Seele
Joseph
von Görres liefert eine genaue Beschreibung der Kaltererin: "Sie ist
mittlerer Größe, in allen Gliedern zart gebaut. Infolge der spärlichen Nahrung,
die sie zu sich nimmt —von Zeit zu Zeit, wenn sie das Bedürfnis dazu fühlt oder
der Beichtvater es gebietet, einige Traubenbeeren, irgend ein anderes Obst,
auch wohl eine Brotkrume und dergleichen, was sich eben vorfindet — ist sie
natürlich abgemagert...
Der
Ausdruck ihres obgleich dunklen Auges ist fröhliche, unbefangene Kindheit. Klar
wie es ist, kann man durch dasselbe bis zum innersten Grunde ihrer Seele
schauen und überzeugt sich bald, daß nirgendwo im ganzen Umkreis sich ein
dunkler Winkel findet, in dem sich irgend ein Arg verstecken könnte. Nichts
Trübes, Kopfhängerisches, Überspanntes ist in ihrem ganzen Wesen zu entdecken,
keine sentimentale verschwommene Weichlichkeit, keine heuchlerische Grimasse,
noch auch eine Spur irgend eines versteckten Hochmutes, überall nichts als der
Ausdruck heiterer fröhlicher, unbefangener, in Einfalt und Schuldlosigkeit
bewahrter Jugend, die sich ohne Bedenken dem Scherze hingibt, weil ein
einwohnender sicherer Takt jeden Schein von Unschicklichkeit abzuweisen
weiß."
Tauben
und Lamm
Besonders
liebte sie Blumen, Bilder und Vögel. Vöglein mußten ihr das Lob Gottes singen
helfen; drei Täublein, die ihr von ihrer Schwester Johanna geschenkt wurden,
galten ihr als Sinnbild der Allerheiligsten Dreifaltigkeit; und als einmal ein
kleines Mädchen mit einem weißen Lamm in ihre Kammer trat, kam auf einmal die
Ekstase über sie, während ihre mit dem Wundmal bezeichnete Hand noch auf dem
Kopf des mit Blumen bekränzten Lammes ruhte. (Prantauer/Grandi).
Während
der Prozession am Fronleichnamsfest 1833 waren einige Personen bei Maria im
Zimmer. Seit Fasching war sie immer krank und lag entkräftet da. Auf einmal
richtete sich die todschwache Jungfrau mit Blitzesschnelle empor, fiel im Bett
auf die Knie und blieb in dieser Haltung während der Prozession mit fest
gefalteten Händen und immer wechselnder Neigung des Körpers ganz in Richtung
des feierlichen Umzuges. In sich gekehrt, verweilte sie betend. Nichts hörte
sie von den Böllern vor dem Haus und von der Musik. Dies wurde von den
anwesenden Personen sogleich an allen Orten erzählt, und eine Menge von
Menschen strömte herbei, um, wie sie sagten, die lebendige Heilige zu sehen.
Ungeheurer
Zulauf
Mit
Kreuz und Fahnen machten sich die Gemeinden nacheinander auf und wallfahrteten
nach Kaltern, und der Zulauf wurde ungeheuer. Vom Ende des Monats Juli bis zum
15. September jenes Jahres mögen wohl 40.000 Menschen und darüber aus allen
Ständen sich zu ihr hingedrängt haben, um die für die Außenwelt, bei scheinbar
geöffneten Sinnen, völlig Verschlossene und bloß innerlich Betende und
Betrachtende zu sehen und sich an dem unbeschreiblichen und ergreifenden
Anblicke zu erbauen.
Inneres
Sehvermögen
Mit
der Ekstase bildete sich auch ihr inneres Sehvermögen schärfer und schärfer
aus. Die Jungfrau, die übrigens einen Bußgürtel trug, sah in die Zukunft, wußte
vom Los abgeschiedener Seelen.
Während
der Wandlung pflegte sich die Ekstatische tief zu verbeugen zum Zeichen der
Ehrfurcht und der Anbetung. Wie konnte sie aber den Augenblick der hl. Wandlung
als Kranke im Elternhaus erraten?
Zwei
Männer nahmen eine Uhr, um die Zeit der Wandlung und der Verneigung der
Jungfrau festzuhalten. Der eine Mann war in der Kirche, der andere am Bett der
Hochbegnadeten. Nach dem gemeinsamen Vergleich der Uhren ergab sich, daß Maria
ein geheimnisvolles Wissen vom Geschehen bei der hl. Handlung hatte.
Die
schwebende Jungfrau
Joseph
von Mörl, der Bruder der Ekstatischen, wurde Kapuziner; mit dem Ordensnamen
hieß er P. Hyazinth. Als er am 15. Mai 1833 das erste hl. Meßopfer in der
Franziskanerkirche feierte, nahm Maria vom Elternhaus im Geist ganz an der
festlichen Eucharistie teil. Vom Geist des Jubels und der Freude ergriffen,
geriet sie in einen schwebenden Zustand. Es war ein flugähnliches Erheben, bei
welchem die sonst durchaus Gelähmte mit Federkraft und Leichtigkeit, ohne
Stütze oder menschliche Hilfe emporgerissen erschien.
Die
elementar hervorbrechende Freude hatte den ganzen Menschen erfaßt. Es war ein
lautes und jubelndes Frohlocken über Gottes Heilstaten in der Geschichte, ein
Preis an den Vater des Himmels und der Erde, der die Geheimnisse des Himmels
den Kleinen und Demütigen offenbart.
Als
der Augenblick der Wandlung kam, breitete sie im überwallenden Andachtsgefühl
ihre Arme aus. Beim Öffnen der Hände nahmen die Anwesenden erstaunt und
betroffen zum ersten Male den blutigen Eindruck der Nägelwunden wahr. In der
größten Entzückung, ganz aufgerichtet auf dem Bett, war die hochbegnadete
Jungfrau den ganzen Tag mit offenen Armen wahrzunehmen.
Könnte
Hysterie ein solches Schweben hervorrufen? Die Rationalisten meinen, mit einem
tiefen Einatmen der Luft in die Lunge könnte ein Schweben verursacht werden.
Für den Maria-von-Mörl-Forscher Paul Kirchler, der an diesem Beitrag
mitgearbeitet hat, war es ein Eingriff des Hl. Geistes oder eines Engels.
Die
Sehnsucht der Braut ist das Verweilen beim Bräutigam und der Dialog mit ihm.
Der H. H. Bischof von Trient, der sel. Johannes Nepomuk Tschiderer, beschloß
mit der Gemeinde von Kaltern, an der Sakristei der Kirche der Tertiarschwestern
einen Anbau zu errichten, der als Zimmer für Maria Mörl diente. Im Sendboten
des göttlichen Herzens Jesu steht im Jahre 1868, Nr. 3, zu lesen: "Im
Jahre 1841 erhielt sie eine abgesonderte Wohnung, und hier lebte sie nun 27
Jahre in ekstatischer Betrachtung der Geheimnisse des Lebens und Leidens Jesu
Christi und seiner allerseligsten Mutter Maria, im Gebete der Fürbitte für
allgemeine und besondere Anliegen und im Wohltun gegen zahllose Kranke."
Gekrönte
Häupter
Von
weit her kamen einfache wie vornehme Menschen, darunter Gelehrte, Bischöfe,
Fürsten, die Erzherzogin Sophie und die Kaiserin Maria-Anna von Österreich, die
Königin Maria-Adelaide von Sardinien.
Der
Maler Melchior Paul von Deschwanden aus der Schweiz besuchte die Magd Gottes im
Juli 1847 und war ehrlich begeistert von ihrem Charakter und ihren Tugenden. Er
verfaßte folgende Zeilen:
"Maria von Mörl lebt mehr in einem Zustand der
Verklärung;
ragt hinüber in die Ewigkeit;
wohnt und wandelt in der Nähe Gottes;
das Göttliche teilt sich ihr mit und prägt sich in ihrer ganzen Haltung
besonders in ihren Gesichtszügen so auffallend aus,
daß man sie für ein Wesen höherer Art zu halten versucht,
sich in ihrer Nähe in eine überirdische Sphäre versetzt fühlt,
und mit Wonne bei ihr weilet...
... sie erhebt uns über Zeit und Welt hinaus,
lehrt uns diese Welt verachten und eine neue, himmlische, verklärte
aufzusuchen."
Den
guten Baum erkennen wir an den guten Früchten. Das Leben der tugendreichen
Maria v. Mörl hatte erfreuliche Auswirkungen auf die Menschen vieler Stände und
Nationen Europas. Daran hatten nicht zuletzt zwei Schriftsteller der Romantik,
Joseph Görres und Clemens von Brentano, mit ihren Berichten Anteil. Zahlreiche
Geschichten liefern Beweise für die segensreiche Wirkung der Ekstatischen von
Kaltern.
Sehr
viele Besucher gingen getröstet aus ihrem Zimmer. Viele fanden bei ihr Rat in
den Lebensproblemen. Als charismatische Fürsprecherin war die Jungfrau weitum
bekannt. Manche kehrten auch von weit zurück, um ihr zu danken. Besonders zu
Herzen gehend war der Anblick der Leidensmagd an den Freitagen, an denen sie im
wahren Sinn des Wortes das Leiden und Sterben Jesu mit Leib und Seele durch die
Gnade Gottes vergegenwärtigte. Viele Besucher sanken in die Knie, weinten,
bekehrten sich und verlangten dann das Bußsakrament oder übten Werke der
Barmherzigkeit.
Kampf
und Sieg
Ignaz
Grandi schildert in seinem Buch auch die dämonischen Plagen, denen Maria von
Mörl ausgesetzt war und die nach einem Exorzismus größtenteils aufhörten.
Letzte, mit Selbstzweifeln verbundene Anfechtungen stürmten dann noch einmal
ein Vierteljahr vor ihrem Tod auf die arme Dulderin ein, die seit 1832 — außer
gegenüber ihren Beichtvätern und geistlichen Vorgesetzten — stumm blieb.
Ab
8. September 1867 hatte Maria Mörl einen längeren, aufregenden Kampf
auszustehen, und in dieser Zeit aß und trank sie nichts. Sie sah eine
Christenverfolgung. "Ferner sah sie zu ihrem größten Schmerze, wie die christlichen
Lehrer und Lehrerinnen von den Schulen entfernt und diese geschlossen werden,
die Religiösen beiderlei Geschlechtes überall vertrieben und die Kirchen,
Klöster und Güter mit Gewalt geraubt werden, und sie behauptete fest, daß nun
auch hier, in Kaltern, keine Franziskaner und keine Klosterfrauen mehr seien.
Ihr bitterster Schmerz war noch, wie sie sah, daß die Teufel und ihr Anhang das
Hlst. Sakrament aus den Kirchen genommen und es geschändet haben, wie Kirchen
und Heiligtümer zerstört wurden...
Ihr
Antlitz war voll Trauer, meist ganz blaß, die Lippen blau, Zunge und Gaumen
ganz vertrocknet und immer gleich aufgeregt...
(Im
Verlauf der zweiten Oktoberhälfte) konnte sie wieder mehr und ruhiger zu Gott
um Hilfe beten. Es verschwanden alle Angstbilder, dann sah sie wieder Jesus im
Hlst. Sakrament, und da rief sie den ganzen Tag bald knieend im Bette, bald
außerhalb demselben: Hochgelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sakrament
usw., und alle, die auf ihr Zimmer kamen, mußten niederknien und ebenfalls
anbeten.
Endlich
kam sie in einen ungewöhnlichen Zustand von Fröhlichkeit und Freude. Überall
hörte sie Freudengesänge und Triumphgeläute und sie sang selbst den ganzen Tag
über in ihrer kindlichen frohen Weise: Gott sei gedankt, die Kirche hat gesiegt!
Und alle, die zu ihr kamen, fragte sie: ,Hört ihr nicht die Glocken läuten?
Vernehmt ihr nicht den Triumph der Kirche?’" (P. Simon Prantauer)
Versenkung
in das Geheimnis Christi
Mystik
ist das Erlebnis des Überirdischen und Ewigen. Die Seele wird so in Staunen
versetzt, daß sie ganz außer sich zu sein scheint. Das Leben der Maria Mörl war
gesteigert auf Christus bezogen. Mit den stundenlangen Ekstasen, in denen sie
das Geheimnis Jesu Christi verkostete und in den unzähligen Visionen Einblick
bekam in die Geheimnisse des Himmelreiches, in der nachgewiesenen
Stigmatisation vom Februar 1834 erlebt sie sich mit und in Christus. Die
Wundmale erinnern sie bei Tag und in vielen Stunden der Nacht an das bittere
Leiden und Sterben des Herrn.
Mit
dem hl. Mystiker Paulus konnte sie sprechen: "Mit Christus bin ich
gekreuzigt; nunmehr lebe nicht mehr ich, Christus lebt in mir." (Gal.
2,20) Durch Jahrzehnte erlebte sie an den Freitagen den geheimnisvollen Tod
Christi, aber auch das Auferstandensein mit ihm. "Ich will mich allein des
Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt
ist und ich der Welt." (Gal 6,14)
Vertieft,
verinnerlicht und erhöht wurde die Christusmystik durch das selbstgewählte
Wohnungnehmen in der Kirche im anbau auf der Sakristei. Die Jungfrau von
Kaltern erlebt sich als ein Wesen, das dieser sinnlichen, sündigen Welt
enthoben ist und bereits der verklärten Welt angehört. In Christus ist sie Kind
Gottes; in ihm ist sie sich der Auferstehung gewiß. Ihr Denken, ihr Wünschen,
ihr Beten und Leiden, ihr Wohltun im Fürbittgebet und Almosengeben, ihr
Hinausschauen auf die Fluten des Ewigen erweist sie als christliche Mystikerin.