ETIKA

Pastor Wilhelm Busch

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Rezension von „Jesus unser Schicksal“ – Warum lässt Gott das alles zu?

1.4.2014
= 91GR5

 

Wilhelm Busch: Gesù nostro destino. Ed. SOLI DEO GLORIA, Piacenza. 8. edizione italiana 2011. 300 Seiten. (Abkürzungen: it plus Seitenzahl)

Wilhelm Busch: Jesus unser Schicksal. Gekürzte Ausgabe. Aussaat-Verlag, Neukirchener Verlagsgesellschaft, Neukirchen-Vluyn, 2. Auflage 2008. 128 Seiten. (dt plus Seitenangabe)

Ein Christ, der die Botschaft Jesu ungeschminkt und ungekürzt verkündet – wo findet man den heute? Einer, der es getan hat, ist der evangelische Pastor Wilhelm Busch (27.3.1897 – 20.6.1966). Sein Buch „Jesus unser Schicksal“ spricht den Menschen unmittelbar an und gehört unserer Ansicht nach in jedes Haus. Zwar enthält es ein paar theologische Irrtümer, aber diese bewegen sich innerhalb der 5-Prozent-Grenze. Bei vielen heutigen theologischen Werken, ob katholisch oder protestantisch, überschreiten die Irrtümer hingegen die 50-Prozent-Hürde.

Buschs Verdienst ist es, dass er die notwendige Umkehr zu Jesus in den Mittelpunkt stellt und andrerseits der Hölle ihren gebührenden Platz einräumt, während die modernen Theologen und die Päpste der jüngsten Zeit das Thema ewige Verdammnis völlig verwässert haben. Indem Busch seinen Zuhörern mit der Hölle droht, erschüttert er sie, bringt sie zur Umkehr und zum Glauben an Jesus Christus. Einträchtig gedeihen Gottesliebe und Gottesfurcht. Deshalb nimmt etika.com den Evangelisten in die Liste der Gerechten und Heiligen auf und setzt damit einen neuen ökumenischen Akzent.

Es folgen ein paar typische Zitate, teils mit Anmerkungen, wobei zu erwähnen ist, dass die Texte in deutsch und italienisch nicht immer identisch sind.

it53: Ernst fällt seine Warnung vor der weitverbreiteten Meinung aus: „“Jesus? Und wer ist das? Interessiert mich nicht. Ich habe keine Zeit.“ Busch: „So setzt die Welt, ohne Jesus, ihren Weg fort Richtung Hölle.“ (rückübersetzt)

it82 Auf dem Holzweg ist Pastor Busch jedoch, als er einem vierjährigen Mädchen verbietet, ein auswendig gelerntes Gebet vorzutragen; beten bedeute, mit Jesus direkt zu sprechen, meint er.

it101: „Unsere Vorstellungen von Gott sind verweichlicht, infantil, dumm und schnulzig. Gott ist nicht der „alte“, der „gute Gott“, wie sich viele einbilden. … Und wo steht in der Bibel …, dass er der „gute Gott“ ist? Vielmehr steht geschrieben, daß er ein „schrecklicher“, „eifersüchtiger“, „verborgener“ Gott ist.“ (rückübersetzt, Papst Franziskus besonders ans Herz gelegt)

it102: „In den Heiligen Schriften lesen wir oft, dass die Intelligenz mit der Gottesfurcht beginnt.“ (rückübersetzt)

it121: „Jesus vergibt die Schuld. Kein Priester, kein Pastor, nicht einmal ein Engel kann die Sünden vergeben.“ (rückübersetzt) Mit diesem Satz widerspricht Busch der Bibel, denn Jesus sagt: Matthäus 16,18 Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. 19 Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein. Frage an Busch: Wozu soll der evangelische Christ denn zum Pastor gehen und eine förmliche Beichte ablegen, wie sie zum Beispiel im Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902 vorformuliert ist (abgedruckt in dem Gebetbuch: „Wirke Wunder Gott!, Pilgerschritte“ von Rainer Lechner, BoD, 2014, S. 36)? Also kommt dem Pfarrer doch eine Mittlerrolle zu!

it153: „Wer den Heiland nicht will, den Gott gesandt hat zur Rettung der Sünder, hat das Recht, ihn zurückzuweisen; wer Richtung Hölle wandern will, hat das Recht dazu. Gott zwingt niemanden, er zwingt euch nicht, nur muss klar sein, dass ihr die Konsequenzen zu tragen habt. …Ihr könnt das Friedensangebot ablehnen, das Gott euch in der Person Jesu gemacht hat, aber dann müsst ihr die ganze Ewigkeit hindurch ohne den Frieden mit Gott leben. Und das ist die Hölle.“ (rückübersetzt)

it208: „Uns allen fehlt die Furcht, dass wir in die Hölle kommen könnten.“ (rückübersetzt)

it210: „Der ganze Westen ist erkrankt, nicht nur physisch, nicht nur an Krebs und allen anderen möglichen Krankheiten, sondern auch geistig.“ (rückübersetzt)

it212: „Bei den Kirchenbesuchern kommen auf einen Mann zehn Frauen. Wo sind die Männer geblieben? Ich versichere euch, dass sie sich zugrunderichten, noch bevor sie in der Hölle landen.“ (rückübersetzt)

it267: „Im Augenblick der Rückkehr (Jesu) werden wir alle Herrschaftssysteme ausprobiert haben: absolute und konstitutionelle Monarchie, Präsidential- und Volksdemokratie, Diktatur und was weiß ich noch alles, und wir werden uns klar werden, dass keines dieser Systeme ideal ist – vale gran che).“ (rückübersetzt)

dt32: Total falsch liegt Pastor Busch, wenn er behauptet: „Oben ist der Himmel, unten ist die Erde. Das ist dummes Zeug. Solch ein Weltbild hat die Bibel gar nicht.“ Warum betet Jesus denn: Vater unser, der du bist im Himmel? Warum betet er nicht: „Vater unser, von allen Seiten umgibst du mich“, wie Busch meint? Johannes 3,31 Der von oben her kommt, ist über allen. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, der ist über allen.

dt40 Noch ein unverzeihlicher Lapsus. Busch: „Ich bin überzeugt, daß es eine Hölle gibt. Die ist aber sicher nicht so, wie es auf den vielen Bildern dargestellt wird, dass da der Teufel die Seelen röstet oder ähnlich dummes Zeug.“ Allen, die Buschs Ansicht huldigen, empfehlen wir unsere Höllenkapitel von P. Martin von Cochem (in etika.com, 9) sowie den Roman „Jedem nach seinen Taten“ von Rainer Lechner (BoD 2013). Dann gehen ihnen die Augen auf.

Einen der Höhepunkte in Buschs Buch finden wir auf den 94-96 der italienischen Ausgabe, nicht hingegen in der gekürzten deutschen Ausgabe.

Da gibt der Prediger eine alte Erzählung über die Wege Gottes wieder (die wir vielleicht einmal in Ehmigs „Neuen Gleichnissen“ aufstöbern werden). Hier eine Zusammenfassung der Lösung der Frage „Warum lässt Gott dies alles zu?“.

Ein alter Mann murrte ständig über die Wege Gottes. Bis ihm im Traum ein Bote Gottes erschien, der ihn aufforderte, ihn auf einer Reise zu begleiten, um die Wege Gottes kennenzulernen. Sie besuchten einen Mann, der ein Fest veranstaltete, weil er sich mit seinem schlimmsten Widersacher versöhnt hatte. Als Zeichen der Freundschaft hatte ihm dieser einen goldenen Kelch geschickt. Doch der Bote nahm dem Mann den Kelch weg. Der Alte erzürnte sich.

Sie kamen in ein anderes Haus. Ein Geizhals zeigte sich ungehalten über den Besuch, da er ihm nur Unkosten verursachte; da schenkte ihm der Bote Gottes den goldenen Kelch. Der Alte murrte.

Dann trafen sie einen armen, traurigen Mann, der es trotz aller Bemühungen zu nichts gebracht hatte, weil er ständig vom Pech verfolgt wurde. „Gott wird dir helfen“, sagte der Bote zu ihm und zog weiter. Der Alte murrte wieder.

Sie gelangten schließlich zu einem finsteren Mann, der aber seinen kleinen Sohn zärtlich liebte. Dieser sagte beim Abschied, er könne die Gäste nicht selbst begleiten, dies werde sein Söhnchen tun. „Aber habt acht auf ihn!“ „Gott wird ihn schützen“, antwortete der Bote Gottes. Aber auf einer Brücke gab er dem Kleinen einen Stoß, so dass er ins Wasser fiel. „Teufel, scheinheiliger!“, schrie der Alte, „das sind nicht die Wege Gottes!“

Da verwandelte sich der Bote in einen in himmlischem Glanz strahlenden Engel und sprach zu dem Alten: „Höre! Der Kelch war vergiftet, dem guten Mann habe ich das Leben gerettet, der Geizige hingegen hat sich seinen Tod getrunken. Der Arme wird einen Schatz finden beim Wiederaufbau seines Hauses, so wird sein Elend ein Ende haben. Der Mann, dessen Sohn ich ins Wasser gestoßen habe, war ein großer Sünder, und das Kind, das er aufzog, wäre ein großer Mörder geworden. Der Verlust des Sohnes führt den Vater zur Reue und Umkehr, während es dem Kind gut geht, dort, wo es sich jetzt befindet. Jetzt hast du einiges sehen dürfen von der Gerechtigkeit und Weisheit Gottes. Gib Ihm in Zukunft die Ehre für sein geheimnisvolles Wirken.“ (rückübersetzt)

Pastor Wilhelm Busch, der in Essen und halb Europa als eine Art Volksmissionar wirkte, verstand es mit zahlreichen Beispielen, die Wahrheit der Bibel packend darzustellen. Auch Katholiken können von dem Buch profitieren.

Wo sind heute die Pfarrer, die so handeln wie Busch? Auf Seite it80 lesen wir (rückübersetzt):

„Ich kenne einen Mann, der seine Frau verrät. Einmal ging ich zu ihm und sagte ihm: „Sie leben im Ehebruch, machen Ihre Frau unglücklich und werden in der Hölle enden.““

R. L., etika.com

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