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ETIKA D12 |
Girolamo Savonarola |
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GS960309 |
Rom, tue Buße! |
23.11.2003 |
Gieb dir Mühe, soviel
du willst, Rom, du wirst dieses Feuer nicht löschen und wenn du es löschen
wirst, wird ein anderes und stärkeres kommen und sich bis Rom erstrecken, ob es
auch jetzt noch verborgen ist. (Savonarola 9.3.1496)
Aus der 21. Predigt am Dienstag nach dem 3. Fastensonntag
über Amos 6, 8ff.
Aus:
Hieronymus
Savonarola.
Ausgewählte Predigten.
Mit einer
einleitenden Monographie in deutscher Übersetzung herausgegeben von Wilh. von
Langsdorff, Pastor in Rittmitz. Leipzig. Druck und Verlag von Fr.
Richter. 1890. S. 93f.
und
aus der stellenweise identischen Übersetzung in:
Hieronymus Savonarola.
Nach Originalurkunden und größtentheils ungedruckten Schriften.
Von F. T.Perrens.
Eine von der französischen Akademie gekrönte Preisschrift.
Nach der zweiten Auflage des französischen Originals übersetzt von Dr. Joh.
Friedrich Schröder.
Braunschweig, Verlag der Schulbuchhandlung. 1858. Seite 608 -
610.
O Italien! O Rom! Ich werde dich in die Hände von Leuten geben,
welche dich von Grund aus umkehren. Ich werde in deiner Mitte den Samen der
Pest ausstreuen, einer Pest, so schrecklich, daß nur Wenige ihr widerstehen
werden. Ich werde nach Italien und nach Rom Männer voll wilder Leidenschaften
führen, grausame Männer, hungrig wie Löwen und Bären, und es wird so viele
Todte geben, daß Jeder sich entsetzen wird. Glaubet dem, dessen Mund zu euch
spricht, es wird keine Hände mehr geben, sie zu begraben.
Quod si relicti
fuerint decem viri in domo una, et ipsi morientur. Et tollet eum propinquus suus, et comburet
eum ut efferat ossa de domo, et dicet ei qui in penetralibus domus est: Numquid
ad hoc est penes te? Et respondebit. Finis est.
(Amos 6,9) Das heißt: wenn ihrer in einem Hause Zehn sind, so
werden (sollen) sie sterben, sie werden verbrannt werden und man wird nicht
nöthig haben, für ihr Begräbnis zu sorgen.
Wenn diese Geißel über euch kommt, wird es in den Häusern so viele
Todte geben, daß man auf den Straßen rufen wird:
werfet die Leichname heraus!
Man wird sie auf Wagen und Pferde legen, sie zu Bergen
aufschichten und verbrennen.
In der Stadt wird man nichts mehr vernehmen als das Trauerwort: (andere
Übersetzung: Wieder Andere werden auf den Wegen rufen):
wer hat Todte? wer hat Todte? Alle,
welche Todte haben, sollen sie vor die Thür schaffen!
Dann werden eine Menge Menschen auf der Schwelle ihrer Wohnungen
erscheinen und der Eine wird sagen: Da ist mein Sohn! Andere wieder: da ist
mein Mann; da ist mein Bruder! Und man wird weite, furchtbare Gruben machen, um
die Leichname unter die Erde zu bringen. Dann werden dieselben Leute wiederum
die Straßen durcheilen und schreien: giebts hier keine Todte mehr? hat Jemand
noch Todte? -
Und die Reihen der Bürger werden sich lichten, so daß kaum noch
einige Wenige übrig bleiben. In den Gassen wird das Gras wachsen und die
Heerstraßen werden zu Gehölzen und Wäldern werden. Italien wird sich mit
Barbaren (rohen Fremdlingen) füllen. Endlich aber wird diese Geißel aufhören;
einige Gute und einige Schlechte werden sie überleben.
Italien, wie oft sind dir diese Trübsale vorherverkündigt worden!
Ich habe dich im Namen Gottes ermahnt, Buße zu thun; Rom, ich habe dir
gesagt: thue Buße! Mailand, Venedig, ich habe dir gesagt, thue Buße! Ich habe
es allen Weisen der Welt gesagt: es giebt kein anderes Mittel als Buße allein!
Aber ihr wollt nicht glauben, wollt nicht auf mich hören; ihr spottet über alle
solche Mahnungen.
Darum spricht der Herr:
Ich verabscheue euren Hochmut und hasse eure Wohnungen; sie sollen
verbrannt und der Erde gleichgemacht werden; ihr sollt zur Hölle fahren.
Italien, du willst nicht glauben: Ach, sagst du, Amos sprach so für seine Zeit
und nicht für die unsrige! Und ich wiederhole euch, daß die Worte des Amos zu
unserer Zeit in Erfüllung gehen werden, genau so, wie ich es euch verkündigt
habe. Denn vernehmt es wohl: wie Amos damals den Auftrag hatte, diese Dinge zu
verkündigen, so ist es mir jetzt geworden. Ich spreche wie er; mit voller
Bestimmtheit und mit Beistand derselben Erleuchtung, die ihm zu Theil geworden
war, weissage ich euch jetzt das Unglück. Aber ihr wollt nicht glauben, ihr
wollt nicht begreifen.
...
Mach, was du willst, Florenz, - mach dir ein Wahngebilde, bilde
dir ein, was du willst: ich versichere dich, du wirst dieses Werk nicht von der
Erde vertilgen können, es wird auch dann weitergehen, wenn ich todt sein werde,
denn es ist Christi Werk*. -
Geh, schreib es nach Rom, was dieser Bruder sagt:
Gieb dir Mühe, soviel du willst, Rom, du wirst dieses Feuer nicht
löschen und wenn du es löschen wirst, wird ein anderes und stärkeres kommen und
sich bis Rom erstrecken, ob es auch jetzt noch verborgen ist. Die Bischöfe wird es ergreifen, die Prälaten und Cardinäle, daß es
selbst Cardinäle geben wird, die diese Wahrheit vertheidigen. Schreibe, daß ich
alle Weisen von Florenz, von Rom und von ganz Italien einlade, über diese
Weisheit zu disputieren und wenn sie mich und, die mit mir sind, überwinden, so
bin ich es zufrieden zu weichen und auch, wenn nöthig, zu sterben. -
Mein Heiland, zu dir wende ich mich, du
bist die Wahrheit und wolltest sterben für die Wahrheit, sterbend hast du
gesiegt! Nun denn, so bin auch ich bereit für deine Wahrheit zu sterben. -
Du weißt, Herr, daß ich nicht aus mir
selbst rede, auch nicht auf mich vertraue, dein ist das Werk und es wird
weitergehen, zum Siege. Hier bin ich, mein Heiland, du starbst für mich, und
ich will gern auch für dich sterben.
(Hier Anmerkung des Nachschreibers Wilhelm von Langsdorff, S. 94:
Hier wandte sich der Prediger so vom Eifer und vom Geist ergriffen zum Bilde
des Gekreuzigten, daß er das Volk in solche Gluth hinriß, daß alle mit lauter
Stimme riefen: "Barmherzigkeit!" und "Es lebe unser König Jesus
Christus!"
(Aus der 21. Predigt
am Dienstag nach dem 3. Fastensonntag über Amos 6,8ff.)
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Diese Gnade erflehen wir auch für unser
Werk, die Fortsetzung des Werks Savonarolas im Internet unter http://www.etika.com .