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ETIKA D12 |
Girolamo Savonarola |
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GS9803PA |
Wider die
Überhebung des Papstes |
21.12.2003 |
Auszüge
aus diesem wahrhaft revolutionären Text:
Rom verfolgt die Wahrheit.
Verleihe ihnen die zeitlichen Dinge,
Herr, auf diesem Rad mache sie fett, wie die Schweine für den Schlächter!
Herr, vernichte den Wald Deiner Kirche, und pflanze Bäume, die gute Frucht
bringen.
Entzünde diese Berge, tritt diese Hoffärtigen in den Staub.
Ita
persequeris illos in tempestate tua. Du wirst sie verfolgen und ängstigen in Deinem Sturm! O Italien, o Rom!
Siehest du nicht den Sturm, den
der Herr wider dich sendet?
Sie sind's nicht wert, andres zu erfahren, denn Verwirrung! Dann wird eine große
Verwirrung des Geistes sein! . . Bedecke
ihr Antlitz mit Scham, und sie werden Deinen Namen suchen. Schaffe, Herr, dass sie
sich schämen, und dass sie sich zur Buße wenden!
Doch jene, die sich nicht zu Dir bekehren, erubescant et conturbentur in
saeculum saeculi, et confundantur et pereant, sollen mit ewiger Schmach
bedeckt sein, mit ewiger Mühsal und Pein, sie sollen zu Grunde gehen und in die
Hölle kommen.
Wenn sie Dich nicht
freiwillig erkennen, so erweise Dich ihnen in Deinem Zorn, auf dass sie erkennen, Du bist der Herr und
nicht sie.
Denen, die nach hohem
Amte trachten, kündet an, dass man ihren Sitz in der Hölle bereite.
Die Züchtigung naht!
Euer Hochmut ist dem Herrn verhasst!
Ergänzung ETIKA: Damit meinen wir auch alle, die sich gegen den Willen
Gottes zur Einheit der Kirche und der ganzen Christenheit stellen..
Predigt nach dem Predigtverbot von
Papst Alexander VI. im Breve an die Signoria, die am 14.3.1498 zusammentrat und
den Beschluss auf den folgenden Tag verschob
Aus:
Hieronymus
Savonarola.
Predigten.
Ausgewählt und übersetzt von Hiltgart Schottmüller.
B. Behr´s Verlag (E. Bock) 1901. Berlin W. 35. Seite 104 – 114
Die gegen Dich in Hass entbrannt sind, haben ihr Haupt wider Dich erhoben. Ich erwog diese Worte in meinem Herzen und sprach: Gibt es denn einen Menschen, der Gott selbst hasst?
- Gewiss ist´s wohl, das niemand Gott selbst hasst, ihm missfällt nur das Walten Gottes, und die Wege des Herrn sind ihm ein Greuel.
- Gott lässt die Wahrheit verkündigen, und viele sind der Wahrheit Feind. Und also sind sie in Hochmut und Trotz wider den Herrn aufgestanden.
- Erwäge wohl, es heißt nicht: sie haben ihre Häupter erhoben, sondern, sie haben ihr Haupt erhoben. - Extulerunt caput.
– Wir reden wider solche Menschen, die Verleumdungen ausbreiten,
die doch keiner glaubt. Sie haben ihr Haupt erhoben! Welches ist das Haupt der
Kirche?
- Sie haben den Papst wider dich erhoben.
- O, willst du etwa wider den Papst reden?
– Ich? Gewiss nicht! Wenn
du ihn aber Gott gleich setzen willst, so hast du dein Haupt zu sehr
erhoben!
Die einst Übles berichteten von der römischen Kurie, die sagen jetzt, man
müsse ihr in allem Gehorsam leisten. Wenn du auch sagst, man sollte ihr in
allem gehorchen, so glaubst du doch nicht, dass man ihr im Schlechten gehorchen müsse, denn die Philosophen lehren, dass das
Schlechte nichtig ist. Es steht wohl an, dass man dem Haupte im Guten gehorche,
willst du ihm aber auch im Üblen folgen, so erhebst du dein Haupt über Gebühr.
Wenn dir dein Haupt geböte, die Ehe zu brechen, würdest du ihm dann
etwa folgen? Ja, meint jener dort, ich würde ihm folgen. Siehst du nun, dass du
dein Haupt zu hoch erhebst.
- O Frater, er ist Gott auf Erden und
Stellvertreter Christi.
Das ist wohl wahr! Doch Gott und Christus gebieten, du sollst deinen
Nächsten lieben und ihm Gutes erweisen. - Beföhle dir also der Papst, dass du
wider die christliche Liebe verstoßen sollst, und du folgtest ihm, so würdest
du dein Haupt zu hoch erheben. - Und willst du, dass der Papst mehr Gewalt habe
als Gott?
Man soll also das Gebot des Papstes nicht befolgen und braucht ihm
nicht gehorsam zu sein, wenn er etwas befiehlt, das wider Gott ist.
- Der Papst ist als Papst unfehlbar.
- Ach, glaubst du, dass
der Papst kein Mensch ist? Sündigt er, so sündigt er nicht als Papst, sondern
als Mensch, denn als solcher kann er durch falsche Eingebungen irren
und schuldig werden. Saget also, man kann dem Haupte nicht in allen Dingen
gehorchen, sondern nur in den guten. O Rom, du verfolgst das Gute, du verfolgst
die Wahrheit.
- Wie! redest du auch - solche Ketzereien?
- Ketzereien? Zeige sie mir. Ich bin's zufrieden und verfolge sie. Rom
verfolgt die Wahrheit.
Et super populum tuum malignaverunt consilium
- und sie haben bösen Rat gehalten über dein Volk;
ja, sie haben Rat gehalten. Hennen, denkt daran, dass ich Euch vor Zeiten
sagte, die Füchse werden über Euch Rat halten, und die Hennen werden die Füchse
fangen. Tut den Füchsen nochmals kund, dass sie gefangen, und dass sie die
Speise der Hennen und ihre Ratschläge zu schanden werden. Sie haben in ihrem
Rat Böses gesonnen wider jene Guten, die ein frommes Leben führen wollen, denn
ihnen ist das fromme Leben ein Greuel.
Et cogitaverunt adversus sanctos tuos - sie
haben beschlossen,
diese Guten und Gerechten zu töten oder zu verbannen und ihnen jegliches Übel zu tun. Sie
hetzen alle Menschen wider die Guten auf.
Et dicerunt: Venite et disperdamus eos de gente
(kommt, lasst uns jene
Menschen verderben) - und sie sprechen: Kommt, kommt, schaffen wir uns diese Guten vom
Halse! Hörst du, wohl? Jene
Guten kennen ihre Geheimnisse und wissen, dass du im Verborgnen trachtest,
diesen und jenen wider sie zu erregen! Sie machen Gastmähler und laden ein und
sprechen: Kommt doch mit uns! Das will soviel heißen als: Kommet mit, auf dass
Ihr den Hals brechet, helfet uns, die Mauer zu untergraben, auf dass sie über
uns zusammenfalle. Sie wird über dir einstürzen, glaube' mir nur! Sie sprechen
auch: Kommet, lasset uns töten, die uns widerstehen, und sie sagen: Disperdamus
eos und nicht eum (wir
wollen sie verderben - und nicht - ihn). Das will sagen:
Euch wollen sie verderben, und nicht der Mönch ist's, den sie meinten, und sie
sprechen:
Non memoretur nomen Israel (nenne nicht mehr den Namen Israel) ultra, idest, lasst uns jene Menschen verderben, dass man
ihren Namen nicht mehr kenne! Wäre es dir nur möglich, wie gern würdest du es tun!
Quoniam cogitaverunt unanimiter simul
adversum te (einstimmig
planen sie Böses wider Euch),
sie haben einen Bund gemacht
wider Euch! Siehe die Guten und die Gerechten. Sie können keinen Bund
machen, um etwas Gutes miteinander zu wirken. Doch wenn die Bösen sich
vereinigen zu üblem Zwecke (wennschon ein jeglicher dabei das Seine sucht), so
wenden sie alles daran, um zu ihrem Ziel zu gelangen, scheuen weder Geld noch andre
Mittel, und sie würden sich selbst dem Teufel übergeben. Und sie vermögen alles, denn die
Phantasie dient williger zum Bösen als die Guten dem Guten. Sie haben ihre
Herzen verstockt und haben geschworen, dass sie nicht glauben wollten, selbst
nicht, wenn Wunder geschähen, sondern sie würden dann sagen: Das ist des
Teufels Werk. - Sie haben beschlossen, nicht zu glauben.
Testamentum disposuerunt (sie haben ein Testament aufgesetzt). Sie sind einig geworden, alles das zu tun,
was Böses zeugen kann. Doch Ihr Guten solltet Euch vereinigen und tausendmal wünschen, Euer Leben für
Christum zu lassen. -
So sind nun alle diese Leute verstockten Herzens,
Herr, und handeln Deiner heiligen Wahrheit zuwider, und sie . sprechen: Haereditate
possideamus sanctuarium D e i - Das Heiligtum Gottes sei unser Erbteil. -
So reden diese Fürsten! - Schmettre sie zu Boden, Herr, sonst wird Dein Gesetz
vernichtet, also, dass kein Fetzen davon übrig bleibt. Dies war die Rede der
Seligen vor dem Herrn.
Nun schaue auf ein andres Wort des Psalms. Deus meus pone illos ut
rotam - stelle jene wie ein Rad.
Die Gebete der Seligen werden Gnade vor Deinem Angesichte finden, sie sprechen:
Mache sie wie ein Rad! Du weißt, dass wenn das Rad gedreht wird, es sich vorn
neigt und hinten hebt. Das bedeutet: Wenn die geistigen Dinge den Bösen
dargestellt werden, so erniedrigen sie dieselben, denn sie achten sie gering.
Doch die zeitlichen Dinge, die hintenan stehen sollten, werden von ihnen
erhoben! Verleihe
ihnen die zeitlichen Dinge, Herr, auf diesem Rade mache sie fett, wie die
Schweine für den Schlächter,
mache, dass sie verblendet werden und auf das Rad kommen. - Und wenn sie
denken, die Höhe zu ersteigen, so lass Du sie in die Tiefe sinken. . . . . .
Mache es deshalb mit ihnen wie mit dem Rade!
Et sicut stipulam ante faciem venti. Und lass
sie vergehen, wie Spreu vor dem Winde! Sende den
Sturm Deiner Kriege, den Sturm Deiner Kümmernisse, den Sturm der Pest. Sende, o Herr, Deinen Sturm über sie. . . . .
.
Herr, Du wirst sie verfolgen, sicut ignis qui comburit silvam,
wie das Feuer, das den Wald versengt. Sie sind wie Haine geworden und wie
Wälder. Stolzen Löwen und reißenden Wölfen gleichen sie! Sie sind wie listige
Füchse, die in Gehölzen und Wäldern hausen. Herr! Eile doch herbei wie ein Feuer
und vernichte den Wald Deiner Kirche, und pflanze Bäume, die gute Frucht
bringen.
Nahe, Herr, sicut flamma comburens montes, idest, wie eine Flamme,
die die Berge verzehrt. Entzünde diese Berge, tritt diese Hoffärtigen in den
Staub.
Ita persequeris illos in
tempestate tua. Du
wirst sie verfolgen und ängstigen in Deinem Sturm! O Italien, O Rom! Siehest du nicht den Sturm, den der Herr
wider dich sendet! O, wüsstet Ihr nur, wie entsetzlich dieser Sturm ist, Ihr würdet heut schon wehklagen und weinen. Du
glaubst, nun sei der Friede gekommen!
Doch ich weissage dir, Krieg, Hungersnot und
Pestilenz werden dich heimsuchen, viele Bader werden kommen.
- Sage an, Bruder, wann wird solch Unwetter uns heimsuchen?
O Herr? Bald, schon naht
es mit rasender Gewalt! - Et
in ira tua turbabis eos. Herr, Du wirst sie bedrängen und ängstigen
mit Deinem Zorn; und sie sind's nicht wert, andres zu erfahren, denn
Verwirrung! Dann wird eine große Verwirrung des Geistes sein! . .
O Herr, wird sich denn
niemand bekehren?
Ja, imple
facies eorum ignominia; et quaerent nomen tuum, Domine. Bedecke ihr Antlitz mit Scham, und sie werden
Deinen Namen suchen. Schaffe, Herr, dass sie sich schämen, und dass sie sich
zur Buße wenden!
Doch jene, die sich nicht zu Dir
bekehren, erubescant et conturbentur in saeculum saeculi, et confundantur et
pereant, sollen mit ewiger Schmach bedeckt sein, mit ewiger Mühsal und
Pein, sie sollen zu Grunde gehen und in die Hölle kommen,
et cognoscant quod nomen tibi Dominus; tu
solus altissimus in omni terra,
lass sie erkennen, dass Du der Herr bist und höher, denn alles in der Welt! Und
wenn sie Dich nicht
freiwillig erkennen, so erweise Dich ihnen in Deinem Zorn, auf dass sie erkennen, Du bist der Herr und
nicht sie. Solches ist der
Psalm, von dem ich Euch sprach, und den die Seligen sangen vor dem Thron des
Höchsten! Nun noch ein Wort! und dann sollt Ihr heimgehen. . . . .
Unser Erlöser und der Teufel sind Widersacher, denn unser Erlöser
ist das Haupt der Guten und der Teufel das Haupt der Bösen. Sie streben und
wirken also einander entgegen. Der Erlöser will die Menschen zu frommem
Leben führen, auf dass sie die Seligkeit erlangen. Der Teufel trachtet, das
fromme Leben zu verderben, auf dass sie die Seligkeit nicht erlangen. Und also
bemüht er sich mit aller Kraft, das Gute zu ersticken. Weil Gott mir also
gebeut, will ich's Euch mutig kündigen und nicht zaudern! Wehe mir, wenn ich
schweigen wollte! Diese Lehre ist nicht die meine, wie ich Euch schon so
oft gesagt. –
Da der Teufel nun sieht, dass diese Lehre das fromme Leben
einführt, hat er die Hölle erregt wider diese Lehre! Er trachtet, sie zu zerstören. Doch Christus
hat beschlossen, dass sie ganz gewisslich fortdauern soll. - Da sie nun
zweierlei Willen haben, die einander feindlich gegenüberstehen, so entbrennt
der Krieg zwischen
ihnen. Aber willst du klar
erkennen, dass diese Bösen vom Teufel besessen sind, und dass sie nicht sehen,
wie er sie täuscht, wenn sie wider diese Predigt streiten?
Tretet herzu! Was hat diese Predigt gewirkt? Sie hat vier Dinge
gewirkt, und zwar
§
zum ersten hat
sie den Glauben Christi gepredigt,
§
zum zweiten die
Einfachheit des christlichen Lebens,
§
zum dritten hat
sie die kommenden Dinge geweissagt,
§
zum vierten hat
sie für Euer Wohl und Euren Frieden gesorgt.
Ihr solltet Euch nicht wundern, wenn man uns verfolgt, weil wir den Glauben
Christi und die Einfachheit des christlichen Lebens predigen! Nein! Solche Verfolgung
sei Euch ein Zeichen, dass diese Lehre von Christo kommt! Siehe an die Zeit der
Apostel und der Märtyrer, die den Glauben und die Einfachheit predigten!
Alle mussten Verfolgung erdulden. Dies habt nun zum Zeichen, dass diese
Sache von Gott ist, und dass, wer sie verfolgt, ein Knecht des Teufels ist.
- O Bruder, du hast uns die kommenden Dinge geweissagt, anderes
verdammen wir ja nicht.
- Willst du dich überzeugen, dass auch sie von Gott kommen? Das
Kommende kann seiner Natur nach nicht verfolgt werden! Siehst du aber, dass Prophezeiungen
verfolgt werden und besonders von bösen Menschen und Satansknechten,
wie es mit diesen hier geschehen, so sei dessen gewiss: es ist ein Zeichen, dass
sie von Gott kommen. Tritt einmal näher, und siehe an all die anderen, die die
kommenden Dinge prophezeiten, et etiam, zu unsern Zeiten; woher kommt
es, dass man sie nicht verfolgte? Ich gedenke noch daran, wie ich ein Kind war
und in die Predigt ging, da hörte ich die Prediger sagen: Es wird kommen, es
wird so und so geschehen, - und
doch, keiner widersprach ihnen. Ist es nun Gott, der die zukünftigen Ereignisse den Propheten
offenbaret, und reden sie auf sein
Geheiß, so werden die Menschen
immer wider ihre Prophezeiungen sprechen.
- Non enim voluntate humana
allata est aliquando prophetia, sed Spiritu Sancto inspirati locuti sunt
sancti Dei homines. Denn nicht
aus unserm freien Willen
prophezeien wir, sondern der Heilige Geist ist's, der aus uns spricht.
Jene Prediger, die damals das Kommende geweissagt, taten es nach eignem
Dafürhalten und aus eigner Vernunft und Kraft, und deshalb widersprach man
ihnen nicht.
- Nun wirst du sagen: Für deine Prophezeiungen
verfolgt man dich doch nicht! Es steht in den Breve, die aus Rom kommen, dass
diese Lehre gut und nützlich sei und gute Frucht gebracht habe! Man stellt dir
nach, weil du Übles vom Papst geredet hast!
- Ich habe hier niemand genannt, wie kann ich da Übles vom Papst
gesprochen haben? Nur die Laster im allgemeinen habe ich getadelt, - und ich
habe die Wahrheit verkündet. - Und du weißt es wohl, schon seit sieben Jahren
predigte ich und sprach: Ich bin wie der Hagel! Bedecke sich, wer nicht will,
dass er ihn treffe! Und gedenkst du auch noch daran, dass ich dir sagte: Decke
dein Haupt mit einem Helm, nämlich bekleide dich mit der Tugend, und kein Hagelkorn wird dich treffen?
- Damals war er noch
klein, doch jetzt ist er so groß und gewaltig geworden, dass er dir den Kopf
zerschmettert, und du ihn gar nicht mehr ertragen kannst.
- Weißt du denn nicht mehr, dass ein andrer Prediger von dem Papste
Übles geredet hat, und zwar öffentlich hier auf der Kanzel in Santa
Liberata? Und es hieß, der Papst sei ein Ungläubiger und ein Verräter! Und er
sei Papst allein durch Simonie. Und doch, solchem Mann hat man nicht
nachgestellt. Wir müssen dieses enthüllen; Gott will es so! Er heißt jetzt der
Liebe und der Gute, und wir andern werden verfolgt. – Dies sei Euch ein Zeichen, dass die Worte
solches Mannes nicht von Gott kommen, und dass nicht der Eifer für des Herrn Ehre sie eingab. Siehe, hier mache ich offenbar, dass diese
Männer Söldlinge der Großen sind, die nach der Herren Beifall buhlen. Sie
wollen auch unsere
Bücher verbrennen. Verbrenne
nur ruhig auch das Buch, was ich über den Glauben schrieb. Das heißt dasselbe tun,
als wenn Ihr sprächet: Nun wollen wir dem Glauben ein Ende machen! O Mönch, was
redest du? Wir müssen frei reden, Gott will es so. Ich sage dir, in diesem
Kriege gilt's, mit scharfen Waffen einander zu bekämpfen! –
- O Bruder, weißt du, warum du außerdem verfolgt wirst? Weil du dich in
die Geschäfte des Staates gemengt hast!
– Was kümmert mich dein
Staat? Sage mir doch, was gehen mich die Ämter in deinem Staate an? Ich habe
nur das getan, was du weißt, ich habe dich ermahnt, gute Gesetze zu machen und
einen allgemeinen Frieden zu schließen! Und ich riet dir an, dass du Gerechtigkeit
üben und die Laster aus deiner Stadt vertreiben mögest! Und ich sprach: Hüte
dich vor dem Tyrannen! Ist das übel getan? Ich habe nichts anderes über
deinen Staat gesagt. – Ich harre
friedlich in meiner Zelle und begehre gar nicht, mich in deine Staatsgeschäfte
einzumengen! Also hast du keinen Grund, mich zu verdammen.
Aber weißt du, warum sie uns so verleumdet haben? Sie möchten gern den
Zaum zerbrechen, und mögen nicht die Gesetze beobachten. Sie wollen töten nach
ihrem Gelüst, und sie
trachten danach, wieder in eitel Sünde und Geilheit zu leben. Ihr wollt einen Tyrannen machen! . . .. Und doch ist's Wahrheit: Ist erst einer zum Tyrannen gemacht, so folgt
die Austreibung vieler guten Bürger. Wenn ich dir also sagte, dass du dich vor
dem Tyrannen hüten mögest, so habe ich nur zu deinem Wohl geraten. Wohlan, was
willst du damit sagen, Frater? -
Ich will dir verkünden, dass, da
ich immer recht gepredigt habe, ich auch fürderhin in rechter Weise predigen
will! Und ich gräme mich nicht, wenn sie mich verleumden und verfolgen. Oftmals
habe ich Euch schon gezeigt, dass ich Eurer Verfolgung nicht achte, denn siehe,
ich bin gewiss, dass Gott mir diese Verfolgung sendet. Ich bin zum Predigen
bereit, da ich erkannt habe, dass diese Lehre Euer wahres Heil ist. Ich
rede nicht von meiner Lehre und ich spreche solches auch nicht aus Hochmut!
Sondern ich verkünde Euch: diese Lehre ist von Christo gesandt in die Welt, auf
dass sie eine Leuchte werde der christlichen Religion. Und dessen bin ich
ebenso gewiss, als ich weiß, dass ich hier stehe! Töte den Mönch, wenn du's
begehrst! Doch diese Lehre wird bleiben, und es wird dem Herrn nicht an Werkzeugen
mangeln.
- Das glaube ich nicht!
- Lass nur! Du wirst es schon schauen! Ich sage nur, dass dieses Euer
Heil ist; aber der Herr will nicht, dass ich Euch ein Ärgernis gebe mit meiner
Predigt. Christus sagte zu den Aposteln, da die Juden ihre Lehre nicht annehmen
wollten:
Excutite pulverem de pedibus vestris, schüttelt
den Staub von Euren Füßen und eilet aus der Stadt!
Mache mit mir, was du willst, sende mich, wohin du willst, denn immer
nur trachte ich danach, diese Lehre zu verkünden. Hätte ich das Haupt schon auf
dem Holzklotz, so würde ich doch nicht schweigen ob solcher Lehre! Solches sage
ich dir von dem Nutzen dieser Predigt. Ich selbst stelle gern das Predigen ein,
wenn Gott es will! Mir gefällt mehr, mich friedlich in meiner Zelle zu
halten, denn zu predigen. Hättest du einmal erprobt, was Predigen heißt -
ich meine nicht nur die körperliche Anstrengung, sondern auch die geistige -, und wüsstest du, was es heißt, so vielem Widerstand zu trotzen, so würde
es dir nichts Kleines mehr erscheinen. . .. Viel lieber würde ich mich in
Frieden ruhen; doch nur, wenn ich an mich denke! Zu Gottes Ehre und für Euer
Heil stände ich allzeit unverzagt, wenn Ihr so wolltet, und ich würde mich auch
nicht regen noch rühren, wenn das
Schwert über mir wäre! . .
Nun haltet Euren Rat!
Und beschließt Ihr, dass ich nicht predigen soll, so will ich mich dessen
enthalten, wollt Ihr aber
meine Predigt behalten, so fahre ich fort. - Sorget Ihr nun! Ich bin gewiss,
Gott ist mit Euch, und wir sollen Pharao ertränken und müssen auf jeden Fall
das Rote Meer durchschreiten, und dieses ist die Wahrheit. Soll ich dir ein
Zeichen dafür geben, dass wir die Wahrheit predigen? Du wirst sehen, dass die
voller Mut und Kühnheit reden, die in Eurem Rate für die Wahrheit zeugen. Die
Engel werden ihre Zungen führen. Doch jene, die der Wahrheit widersprechen,
werden abgebrochen reden und mit Bosheit zwischen den Zähnen, wie die Füchse.
Sie werden sagen: Es ist ja schon wahr, - aber dennoch - trotzdem!
Und ist doch einer unter ihnen, der kühn spricht, so ist es ein Narr, den die
andern auf Kundschaft geschickt haben.
Doch denen, die nach hohem Amte trachten, kündet an, dass man
ihren Sitz in der Hölle bereite. Ihr möchtet zu den Zehn und zu den Acht gehören. - Ihr werdet bald zu
den Zehn und den Acht in der Hölle gehören auf jenen Stühlen! Sagt ihnen, dass die
Züchtigung naht! Schon früher tat ich dir kund, dass für manche jetzt ein
Sitz in der Hölle bereitet wird. Euer Hochmut ist dem Herrn verhasst!
Lasset mich Euren Ratschluss wissen, auf dass ich nicht umsonst mich mit der
Predigt abmühe.
ETIKA: Girolamo Savonarola, bitte für uns, dass Gott uns hilft, Deinen Auftrag zu vollenden!