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ETIKA |
HL. FRANZISKUS |
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12F2105 |
Franziskus besiegt Versuchungen in Schneegrube und meidet den Anblick
von Frauen |
Bonaventura: Das Große Franziskusleben, Kap. V |
Nachstehend Zitate aus dem überaus empfehlenswerten Buch:
Franziskus
- Engel des sechsten Siegels
Sein
Leben nach den Schriften des heiligen Bonaventura
Einführung,
Übersetzung, Anmerkungen P. DDR. Sophronius Clasen OFM
Dietrich-Coelde-Verlag Werl/Westf. 1962
Das Große Franziskusleben, Kap. V, Seite 291ff.
...
3. Durch strenge Zucht stand er
auf der Warte über sich selbst und wandte alle erdenkliche Mühe auf, um die
Reinheit seines inneren und äußeren Menschen zu wahren. Zu Anfang seiner Umkehr
warf er sich deshalb nicht selten zur Winterszeit in eine Grube mit Schnee
und wälzte sich darin hin und her. Dadurch wollte er den Feind in seinem
Innern völlig bezwingen und das strahlende Gewand der Reinheit vor der
glühenden Begierlichkeit schützen. Unvergleichlich leichter sei es für einen
geistlichen Menschen, sagte er, an seinem Leibe bittere Kälte als in seinem
Herzen das Feuer auch nur geringer fleischlicher Lust zu ertragen.
4. Als er aber eines Nachts bei
der Einsiedelei Satriano (13 km SSO von Montepulciano, Provinz Siena) betend in einer Zelle weilte, rief ihn der
alte Feind dreimal mit Namen:
"Franziskus,
Franziskus, Franziskus!"
Als er ihn fragte, was er wollte,
meinte dieser hinterhältig:
"Auf
der ganzen Welt gibt es keinen Sünder, dem Gott nicht verziehe, wenn er sich
bekehrt. Wer sich aber durch harte Buße zugrunde richtet, wird in Ewigkeit kein
Erbarmen finden."
Sogleich erkannte der Gottesmann
durch Offenbarung des Feindes Arglist, der ihn zu einem bequemen Leben
verleiten wollte. Denn das bewies das folgende Ereignis.
Gleich nach der Einflüsterung
dessen, der mit seinem Fauchen Kohlen entfacht, kam eine heftige Versuchung
des Fleisches über ihn. Sobald der Freund eines makellosen Lebens das gewahrte,
warf er seinen Habit ab und begann, sich mit seinem Strick heftig zu geißeln.
"Jetzt,
Bruder Esel", sagte er, "mußt du aushalten, jetzt sollst du
Schläge bekommen. Das Ordenskleid gehört dem Orden, es deutet auf ein
heiliges Leben, und kein Lüsterner darf es rauben. Wenn du jetzt noch weiter
Gelüste hast, dann wage sie nur zu zeigen!"
Von außerordentlicher Glut des
Geistes ergriffen, öffnete er weiterhin die Tür seiner Zelle, ging hinaus in
den Garten, warf seinen bereits entblößten Körper in den tiefen Schnee und
begann mit vollen Händen sieben Klumpen aus Schnee zu bilden. Dann stellte er
sich davor und sprach zu seinem äußeren Menschen also:
"Sieh,
dieser größere ist deine Gattin, diese vier sind deine beiden Söhne und
Töchter, die beiden anderen dein Knecht und deine Magd, die zum Dienste nötig
sind. Nun bekleide sie schnell, denn sie sterben vor Kälte! Dünkt dich aber die
vielfache Sorge eine zu große Last, dann diene voll Eifer dem einen
Herrn!"
Da schlich sogleich der Versucher
beschämt von dannen, und der Heilige kehrte als Sieger in seine Zelle zurück;
denn als sein Körper zur Strafe die Kälte zu spüren bekam, erlosch in seinem
Herzen die Glut der Begierde, so daß sie sich künftig nicht mehr regte.
...
5. Er belehrte aber seine Brüder,
sie müßten nicht allein die Fleischessünden meiden und das Verlangen danach
durch Abtötung in Zucht halten, sondern auch die äußeren Sinne, durch die der
Tod in die Seele eindringe, mit größter Umsicht bewachen.
Vertraulichkeit mit Frauen, Unterhaltungen mit ihnen und deren Anblick, der für viele Anlaß zur Sünde sei, befahl er,
ängstlich zu meiden; er versicherte ihnen, alles dies bringe einen schwachen
Geist zu Fall und mache sogar einen Starken oft schwach. (Anmerkung: Und da kommen vielerorts rücksichtslose Sexualpädagogen
in die Schulen und verteilen pornographische Bilder an die Kinder und verführen
sie vielleicht noch zu unzüchtigen Handlungen! Verflucht seien alle
Kinderverderber, wenn sie nicht umkehren und bereuen!)
Mit ihnen zusammensein und der
Gefahr entrinnen, sei, wenn es sich nicht um einen erprobten Mann handle, genau
so schwer, wie nach dem Wort der Schrift auf glühenden Kohlen zu wandeln, ohne
sich die Füße zu verbrennen. Er selbst hielt seine Augen so abgewandt,
um nicht so Eitles zu sehen, daß er fast keine von Angesicht kannte, wie er
einmal seinem Gefährten gestand.
Denn er
hielt es nicht für ungefährlich, ihre Wohlgestalt auf sich einwirken zu lassen,
da dies selbst die bezähmte Sinnlichkeit wieder anfachen oder den Glanz eines
reinen Geistes trüben könne.
Auch versicherte er, wer sich mit
Frauen unterhalte, handle vermessen, sofern es nicht um das Bußsakrament oder
eine kurze Unterweisung gehe, die ihrem ewigen Heile diene und dem Anstand
entspreche. ...
Anmerkung: Bonaventura berichtet vom heiligen
Benedikt Ähnliches (aaO, 4. Predigt auf den hl. Franziskus, S. 533):
So
handelte auch der heilige Benedikt, der zu Anfang seiner Bekehrung kurze Zeit
zu Fleischessünden versucht wurde und "fast schon daran dachte, die
Einsamkeit zu verlassen. Da traf ihn plötzlich ein Gnadenblick Gottes, und er
warf sich nackt in die spitzigen Dornen und die brennenden Nesseln. So
verwandelte er die Lust in Schmerzen und löschte das Feuer, das
unerlaubterweise in seinem Innern loderte". (Gregor. Magn., 2
Dialog. C. 2 (Migne PL 66, 132; BiblKirchVät 2. Reihe 2,54))
Vergleiche
Fra Tommaso da Celano: Vita di S. Francesca, Vita Seconda, II, Kapitel 81 - 87 (Ed. Porziuncola, S. Maria degli Angeli, Assisi, IV
edizione, 1982). Dort
finden wir auch in Kap. 56 die Stelle vom Himmelsthron Luzifers, den
Franziskus bekommt.
Und am Schluß desselben Kapitels
steht auf S. 297 die schöne Selbsterkenntnis des demütigen Minderbruders. Auf
die Frage "Vater, welche Meinung hast du von dir selber?" gibt
Franziskus die klassische Antwort:
"Mir
scheint, ich bin der größte der Sünder, denn wenn so viel göttliche
Barmherzigkeit einen ruchlosen Bösewicht berührt hätte, wäre dieser sicherlich
zehnmal geistlicher als ich".
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