ETIKA

HL. FRANZISKUS

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20.11.2002

12F2105

Franziskus besiegt Versuchungen in Schneegrube und meidet den Anblick von Frauen

Bonaventura: Das Große Franziskusleben, Kap. V

Nachstehend Zitate aus dem überaus empfehlenswerten Buch:
Franziskus - Engel des sechsten Siegels
Sein Leben nach den Schriften des heiligen Bonaventura
Einführung, Übersetzung, Anmerkungen P. DDR. Sophronius Clasen OFM

Dietrich-Coelde-Verlag Werl/Westf. 1962

Das Große Franziskusleben, Kap. V, Seite 291ff.

...

3. Durch strenge Zucht stand er auf der Warte über sich selbst und wandte alle erdenkliche Mühe auf, um die Reinheit seines inneren und äußeren Menschen zu wahren. Zu Anfang seiner Umkehr warf er sich deshalb nicht selten zur Winterszeit in eine Grube mit Schnee und wälzte sich darin hin und her. Dadurch wollte er den Feind in seinem Innern völlig bezwingen und das strahlende Gewand der Reinheit vor der glühenden Begierlichkeit schützen. Unvergleichlich leichter sei es für einen geistlichen Menschen, sagte er, an seinem Leibe bittere Kälte als in seinem Herzen das Feuer auch nur geringer fleischlicher Lust zu ertragen.

4. Als er aber eines Nachts bei der Einsiedelei Satriano (13 km SSO von Montepulciano, Provinz Siena) betend in einer Zelle weilte, rief ihn der alte Feind dreimal mit Namen:

"Franziskus, Franziskus, Franziskus!"

Als er ihn fragte, was er wollte, meinte dieser hinterhältig:

"Auf der ganzen Welt gibt es keinen Sünder, dem Gott nicht verziehe, wenn er sich bekehrt. Wer sich aber durch harte Buße zugrunde richtet, wird in Ewigkeit kein Erbarmen finden."

Sogleich erkannte der Gottesmann durch Offenbarung des Feindes Arglist, der ihn zu einem bequemen Leben verleiten wollte. Denn das bewies das folgende Ereignis.

Gleich nach der Einflüsterung dessen, der mit seinem Fauchen Kohlen entfacht, kam eine heftige Versuchung des Fleisches über ihn. Sobald der Freund eines makellosen Lebens das gewahrte, warf er seinen Habit ab und begann, sich mit seinem Strick heftig zu geißeln.

"Jetzt, Bruder Esel", sagte er, "mußt du aushalten, jetzt sollst du Schläge bekommen. Das Ordenskleid gehört dem Orden, es deutet auf ein heiliges Leben, und kein Lüsterner darf es rauben. Wenn du jetzt noch weiter Gelüste hast, dann wage sie nur zu zeigen!"

Von außerordentlicher Glut des Geistes ergriffen, öffnete er weiterhin die Tür seiner Zelle, ging hinaus in den Garten, warf seinen bereits entblößten Körper in den tiefen Schnee und begann mit vollen Händen sieben Klumpen aus Schnee zu bilden. Dann stellte er sich davor und sprach zu seinem äußeren Menschen also:

"Sieh, dieser größere ist deine Gattin, diese vier sind deine beiden Söhne und Töchter, die beiden anderen dein Knecht und deine Magd, die zum Dienste nötig sind. Nun bekleide sie schnell, denn sie sterben vor Kälte! Dünkt dich aber die vielfache Sorge eine zu große Last, dann diene voll Eifer dem einen Herrn!"

Da schlich sogleich der Versucher beschämt von dannen, und der Heilige kehrte als Sieger in seine Zelle zurück; denn als sein Körper zur Strafe die Kälte zu spüren bekam, erlosch in seinem Herzen die Glut der Begierde, so daß sie sich künftig nicht mehr regte.

...

5. Er belehrte aber seine Brüder, sie müßten nicht allein die Fleischessünden meiden und das Verlangen danach durch Abtötung in Zucht halten, sondern auch die äußeren Sinne, durch die der Tod in die Seele eindringe, mit größter Umsicht bewachen.

Vertraulichkeit mit Frauen, Unterhaltungen mit ihnen und deren Anblick, der für viele Anlaß zur Sünde sei, befahl er, ängstlich zu meiden; er versicherte ihnen, alles dies bringe einen schwachen Geist zu Fall und mache sogar einen Starken oft schwach. (Anmerkung: Und da kommen vielerorts rücksichtslose Sexualpädagogen in die Schulen und verteilen pornographische Bilder an die Kinder und verführen sie vielleicht noch zu unzüchtigen Handlungen! Verflucht seien alle Kinderverderber, wenn sie nicht umkehren und bereuen!)

Mit ihnen zusammensein und der Gefahr entrinnen, sei, wenn es sich nicht um einen erprobten Mann handle, genau so schwer, wie nach dem Wort der Schrift auf glühenden Kohlen zu wandeln, ohne sich die Füße zu verbrennen. Er selbst hielt seine Augen so abgewandt, um nicht so Eitles zu sehen, daß er fast keine von Angesicht kannte, wie er einmal seinem Gefährten gestand.

Denn er hielt es nicht für ungefährlich, ihre Wohlgestalt auf sich einwirken zu lassen, da dies selbst die bezähmte Sinnlichkeit wieder anfachen oder den Glanz eines reinen Geistes trüben könne.

Auch versicherte er, wer sich mit Frauen unterhalte, handle vermessen, sofern es nicht um das Bußsakrament oder eine kurze Unterweisung gehe, die ihrem ewigen Heile diene und dem Anstand entspreche. ...

Anmerkung: Bonaventura berichtet vom heiligen Benedikt Ähnliches (aaO, 4. Predigt auf den hl. Franziskus, S. 533):

So handelte auch der heilige Benedikt, der zu Anfang seiner Bekehrung kurze Zeit zu Fleischessünden versucht wurde und "fast schon daran dachte, die Einsamkeit zu verlassen. Da traf ihn plötzlich ein Gnadenblick Gottes, und er warf sich nackt in die spitzigen Dornen und die brennenden Nesseln. So verwandelte er die Lust in Schmerzen und löschte das Feuer, das unerlaubterweise in seinem Innern loderte". (Gregor. Magn., 2 Dialog. C. 2 (Migne PL 66, 132; BiblKirchVät 2. Reihe 2,54))

Vergleiche Fra Tommaso da Celano: Vita di S. Francesca, Vita Seconda, II, Kapitel 81 - 87 (Ed. Porziuncola, S. Maria degli Angeli, Assisi, IV edizione, 1982). Dort finden wir auch in Kap. 56 die Stelle vom Himmelsthron Luzifers, den Franziskus bekommt.

Und am Schluß desselben Kapitels steht auf S. 297 die schöne Selbsterkenntnis des demütigen Minderbruders. Auf die Frage "Vater, welche Meinung hast du von dir selber?" gibt Franziskus die klassische Antwort:

"Mir scheint, ich bin der größte der Sünder, denn wenn so viel göttliche Barmherzigkeit einen ruchlosen Bösewicht berührt hätte, wäre dieser sicherlich zehnmal geistlicher als ich".

 

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