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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F30 |
Der Cronicken der
Minderen Brüder, Konstanz 1603/1604 |
Erstmals publiziert in
ETIKA am 21.1.1999, am 8.6.2007 ergänzt, neue Schrift |
Ein ewiges Vergelt`s Gott an den früheren
Präsidenten des Tierschutzvereins (ENPA) Bozen, Günter Tscholl,
der dieses Buch in London entdeckt und uns nach gemeinsamen Aktionen geschenkt
hat.
An
Christenlichsten König auß Portugal
Anfang fehlt (jemand hat Seiten
herausgerissen)
… Göttliche Maiestät den heyligen Franciscum ausser Italia zu nemmen /
und zu einem Haubt der Religion setzen wöllen: Also wolte sie auch den heyligen
Antonium ihme zu einem Mitgehilffen / zu Erbawung der Religion / ausser
Portugal erkiesen.
Unnd
obwol der heylige Franciscus seine Jünger ausser Italia die Marter zu Maroco zu
empfahen außgesant / so ware doch denselben anbefohlen nacher Portugal zu zu ziehen / unnd daselbsten
sich zu Schiff zu begeben / als der
jenige / welcher durch Eingebung deß heyligen Geists allbereit wißte und
erkante die vätterliche Liebe / so die Könige unnd Fürsten auß Portugal zu
diser seiner Religion haben unnd tragen wurden.
Dannenhero dise Königreich
verdienet zu empfahen / unnd inn soch zu schliessen die heyligen Reliquien
unserer fünffen zu Maroco gemarterten Brüder: ein erste Frucht deß Ordens der
Minderen / welche noch heutigs Tags mit grosser Ehrerbietungin dem berühmbten
Kloster deß heyligen Creutzes / S. Augustin Ordens / so von E. Maiest.
Reformiert und ernewert ist / behalten werden.
Von diser Affection unnd Andacht /
so besagter unser Orden in den Königen in Portugal spürte / wuchsen die
Begirden in unseren alten Vätteren / der Landen Castilien/Franckreich/und
Italien / zu kommen und zu wohnen inn disen Königreichen / und solches von
wegen der grossen Gnaden und Gelegenheiten / so alle die mit allerley Tugenten
gezierte Männer / in denselben so wol von der Gütigkeit der Fürsten / als
derselben Völcker empfiengen / also daß allezeit in disem Königreich Portugal
heylige Religiosen / unnd wahre Discipel unnd Jünger deß heyligen Francisci /
und Erhalter der Evangelischen Vollkommenheit gefunden worden / durch welcher
Gebett / Exempel / Verdienst / und Bearbeitung der allmächtig Gott zu einer
Widergeltung disen Königreichen vilerley Gnaden ertheylet.
Also haben sich ihrer allein
gebraucht die Könige auß Portugal / inn Eroberung der Stätt: in Affrica / da
sie Klöster erbawen / iun Erfindung der Inslen / dahin sie gleichfals Klöster
gestifftet / auff der Seiten bey Guinea / unnd inn Bekehrung der Mohren zu dem
heyligen Catholischen Glauben / unnd allein wurden durch E. Maiest. Herrn
Vattern / den König Emmanuel erwehlet die Religiosen deß heyligen Francisci /
zu einer so schweren Erfindung und Erhaltung der Indien / in welchen zu dem
Dienst Christi / unnd derselben Völcker vil Blut gedachter unserer Brüder
vergossen worden / zu welchem Werk E. Maiest. sich gleichfals gemelter Brüder
gebraucht hat / und noch gebrauchet / dann dieweil sie kein zeitlich Interesse
praetendieren könden / seynd sie allein geflissen zu erhalten den Glauben / und
die Ehr Gottes / und E. Maiestät in denselben so weit entlegnen / und wegen
ihrer Laster / so widerwärtigen Landen / nach dem Gesatz Gottes zu befürderen.
Bruder
Marx von Lißbona an den Leser.
Es ist (freundtlicher Leser) die
Zahl der Bücher / so zu disen unseren Zeiten mit Reynigkeit der Lehr / und
Zierligkeiten der Sprachen an den Tag gegeben werden / also groß / daß sie
vilen Ursach geben / sich von Lesung derselben abzuhalten / welche sie doch
mehr zu Erbawung und Nutz der Seelen / dann auß Fürwitz lesen solten.
Dann obwolen alle gute unn wahre
Lehr hoch und werth gehalten werden solle / als ein Erhaltung der Seelen /
deren Speis die verständtliche Erkantnus der Wahrheit ist / so solle dennochter
der bescheidne unnd Christenliche Leser sein Auffmercken haben / wie
underschidliche Frücht auß einem Buch mehr als dem andern gezogen mögen werden
/ auff daß er sein Zeit mit mehrerer Frucht zubringen / unnd seine Gedanken
bearbeiten möge.
Unnd zugleich wie die Bücher an
der Zahl wachsen / also daß er auß jedem derselben sein Nutz ziehen könde:
Seytemal es der Billigkeit gar ungemäß / daß wir also verblendt unnd
unbesint seynd / (ob wir wol ab einem vergifften Thier / so wir sehen / ein
Abscheuhen und Grausen tragen) uns doch mit grosser Belustigung und
Wolgefallen zu Lesung der Geschrifften / sie seyen gleich ketzerisch / oder den
guten Sitten widerwärtig / und zu den Lasteren unnd Eytelkeiten anreitzlich /
begeben / welches dann wahrlich anders nichts ist / dann ein Gifft / so unsere Seelen inficieret / unn uns durch
ein Ubel (welches je länger je mehr zunimbt / und letstlich unheylbar wirdt)
inficieren unnd beflecken lassen / allein dieweil ihr Gethön
lieblich / und unserem Gelusten unnd unehrbaren Zuneigungen gleichförmig sich
erzeiget / gleich als ob nit gewohnlich das Gifft mit was Liebligkeit bedeckt /
bereitet und gegeben wirdet.
Derohalben wann der fleissige
Christ begert ein Ordnung zu halten / inn deme was er zu lesen vorhabens /
(seytemal an dem ihm gelegen) so solle er wissen / und steiff halten / daß nach
der Lehr deß Glaubens / unnd Lesung der heyligen Geschrifft / ihme nichts mehr verhilfflichen seyn wirdt / zu
Erlangung der Tugenten / und Widerstrebung der Laster / als die stete und
vilfältige Lesung der Bekehrung unnd Leben der heyligen Diener Gottes
/ seytemal diß ein natürliche Sach ist / daß zu Angreiffung eines schweren unnd
gefahrlichen Dings / der Mensch vil mehr durch das Exempel / dann Anmahnungen /
wie die auch seyen / bewegt unnd angetriben wirdt.
Daß dem also seye / so wurde keiner
befunden werden / welcher sich entschliessen möchte / die Tugenten der Armut /
Demut / die Reynigkeit / das Fasten / und andere Werck der Buß frölich
anzunemmen und zu umbfahren / wann er nit zuvor sehe / daß solche andere nit
allein eusserlich mit Worten / sondern wahrhafftig unnd wesentlich mit den
Wercken angenommen hätten: Unn nicht von anderm wegen hat Christus Jesus selbst
in Person kommen wöllen / allein uns den Weg des Heyls / unnd seines heyligen
Willens persönlich mit dem Exempel zu erzeigen / seytemal nit genug waren die
Exempel und Ermahnungen seiner getrewen Diener / noch die Gesatz / so er uns
anfangs gegeben / uns von den bösen Wegen abzuziehen / unnd auff die seinen zu
weisen.
Dannenhero / als Christus der Herr
disen Weg zu gehen anfienge / vil mehr als zuvor gesehen wurden / die solchen
giengen / und ihme mit höchstem Fleiß / allein von seiner Liebe wegen / biß in
den Todt dieneten.
Derohalben die heylige Kirchen /
welche wol weißt / was grosser Glori deß Herren / unnd Frucht der Menschen auß
der Gedechtnus deß Leidens Christi / unn seiner Heyligen entspringet / uns
solche täglich in den Göttlichen Embteren / bey den Opffern und Fastägen vor
Augen stellet / auff dass uns nit verdrüssig werde / der jenigen / so wir loben
/ unnd welcher Gedechtnus wir halten / Fußstapffen nachzufolgen / unnd uns nit
mühlich zu seyn geduncke / die jenige Strassen zu wandlen / welche allein uns
zu dem ewigen Leben führen.
Dannenhero (andächtiger Leser)
magst du wol gedencken / wie hoch sich Christus / uns zu Gutem / seiner
Außerwehlten gebrauche / darumben wir (wie der heylig Johannes sagt) Mitwürcker seynd in dem Heyl der Seelen.
Unnd daher wirdt letstlich erkant /
wie vil wir wahrhafftigklich schuldig seyen seinen heyligen Dieneren / welche
so hoch in Ubung der Tugenten sich bearbeitet / dass sie uns den Weg eröffnet /
solche zu suchen / und zu erlangen / und mit dem Exempel uns underrichtet /
welches der gute Weg seye / unnd mit was Stärcke und Geschickligkeit wir die
wahre Glori erlangen möchten.
Die Alten / in ihrem natürlichen
Liecht / bearbeiteten sich alles mit müglichisten Fleiß / inn dem Exempel ihrer
fürtrefflichen Vorelteren sich zu üben / unnd zu reitzen / gebrauchten sich
derselben als der Sporen / sich darmit zu den Tugenten anzutreiben / auff dass
sie niemalen feyreten / die Schuldigkeit unnd Ehr dem Vatterland zu erzeigen /
inn massen / dass die Milch / mit
welcher ihre Kinder inn den Schulen erzogen wurden / die Erzehlung der ritterlichen Thaten ihrer Vorelteren ware / damit
durch Mittel derselben Exempel / die Jugent zu der Tugent sich affectionierten
/ und zu einer Begird der Glori sich entzündten / ob die gleichwol mehr eytel
als wahr ware.
Und solches mit solchem Eyffer und
Kräfften / dass noch biß auff heutigen Tag vil der Christen / demselbigen
Gebrauch nach / ihre Kinder die Zeit ihrer Jugent / in Gedechtnus der Thaten
derselbigen alten Griechen und Lateiner verzehren lassen / und wolte Gott /
dass nit vil derselben ihr ganzes Leben in denselben Studien vollbrechten / und
vil mehr dem Homero / Virgilio / oder
Cideroni / dan Christo affectioniert wären.
O grosse Unwürde der Christen /
wahrlichen ewigen Schmach und Straff würdig / seytemal sie Nachfolger der abgöttischen Heyden werden / welche gleich wie sie
deß Glaubens und wahren Liechts / so die Hertzen der Christen erleuchten /
mangleten:
Also ire Tugent nit wahr / sonder
eytel unnd scheinend ware / unnd ob sie wol selbiger Zeit den Menschen was
weniges Liechts / und geringe Erkantnus / der Tugenten mehr mit den Worten /
als den Wercken gaben / so waren die doch an dem hellen Tag deß wahren Liechts
Christi Jesu / der höchsten Vollkommenheit unnd Wahrheit verduncklet / unnd
gegen den wahren Christen nichts nit geachtet / welche von dem Liecht deß
Glaubens erleuchtet / die Welt / und dero Weisen erkennen / urtheylen / und
verdammen könden.
Dann (wie der Apostel Paulus sagt)
der geistliche Mann erkennet / und kann alles urtheylen.
Herentgegen die Heyden / so sich mit sonderer
Wolredenheit weiß zu seyn achteten / zu Thoren gemacht wurden / dieweil sie
ihnen selbsten / und den Creaturen das
jenig zueigneten / welches allein Gott gebürte.
Die jenigen aber / welcher Gedancken
und Vertrawen in der Göttlichen Weißheit unnd Willen mehr / als inn der
weltlichen gesetzt / vil mehr die
himlische als irdische Philosophey zu erlangen begerten / diese / sag ich /
allein werden in den Himmel steigen / daher ihro Weißheit kommen ist / werden
nit könden irren / dieweil sie von der ewigen Weißheit regiert / und wirt ihnen
under den Menschen die Glori nit ermanglen / ob sie die wol gescheucht / sonder
vil namhaffter und herrlicher als der Heyden / inn dem Stand der Natur gegeben
werden.
Dann zu allem dem / dass das Alter
seine ehrgeitigen unnd ruhmgirigen Vorderen geehrte / so ehret doch vil mehr ohne Gleichnus / die heylige Mutter der Kirchen unsere glorificierte Heyligen
unabläßlich inn den Predigten / und hohen Festen / unnd haltet für gewiß /
dass sie in den Himlen / in der Betrachtung ihres Herren und Erlösers /
glorwürdigklichen leben und regieren / inn massen / dass die wahren Diener
Gottes selig seynd under den Englen / und geehret under den Menschen / als die jenige / die da wahrlich groß und
aller Ehren würdig seyend:
Allenthalben werden denen die
Altäre geweyhet / unnd die Kirchen erbawen / ihre Bildnus und Beiner geehret /
ihre Wort und Werck gelobet / und geprediget / ihre Seelen in den Himlen
glorificieret / da sie mit uberflüssiger Glori ansehen unnd betrachten die Wunderzeichen unnd herrliche
Werck / so der allmächtige Gott durch sie gewürcket hat / auff welche Weis
der allmächtig Gott seine Außerwehlten
belohnet / welche nit eusserlich / sonder wahrhafftig tugentreich seynd und
heilig / und standhafftig ihrem Erlöser den versprochnen Glauben unn Treue
halten.
Wann ist doch jemalen under den
alten Heyden ein solche Standhafftigkeit / Glauben, Mässigkeit /
Sanfftmütigkeit / Barmhertzigkeit / Gerechtigkeit / Stärcke / unnd Dapfferkeit
erfunden und gesehen worden? die durch keinerley Weis der Betroungen / oder
Bitt der Tyrannen jemalen von der Gehorsame Gottes abgeführt / und durch keine
Verheissungen bewegt / noch mit keinerley Weis
der Wollusten unnd Schmeichlereyen mögen bezwungen werden?
Sonder allezeit standhafft unnd
starck inn der Wahrheit / die scharpffen erschröcklichen Peinigungen / noch den
Todt selbsten durch dieselbigen nit geachtet / und geförchtet / und allezeit unüberwindtlich und
unbeweglich inn der wahren Tugent / Gottesforcht / und Gottesdienst verbliben /
den Verfolgeren und Peinigeren nit Rach oder Ubels / sonder Verzeyhung und
alles Gutes gewünschet / und für sie
gebettet / welches zwar nit allein bey ihrem Todt sich erzeigte / sonder bey ihrem Leben sich auch allerley
Tugenten erwisen / allda etliche inn der steiffen Reynigkeit der
jungkfräwlichen Beständigkeit / (das
Fleisch mit grosser Mühe dem Geist underwerffende / auff dass sie auf Erden
mehr ein englisch dann menschlich Leben führende / in den Himlen die ewige
Glori erlangen möchten) andere in Verlassung der Königreichen / Landen und
Würden / andere in Außtheylung ihres Vermögens den Armen / ihr Zeit verzehrten
/ vil mehr die Liebe Gottes / und deß Nächsten / und höchste Armut / dann alles Zeitliche
achtende / damit sie von aller
Behelligung der irdischen Sachen entlediget / die ewigen desto ringer erlangen
möchten / und inn Summa / wo sie erkanten / dass es die Ehr / Glori / unnd
Dienst Gottes / betraffe / die eussersten Straffen / unnd ihr Leib und Leben
nit spareten.
Dannenhero sie der Göttlichen
Maiestät so angenem waren / dass sie
ihnen den Gewalt gegeben / die Krancken zu heylen / die Teuffel außzutreyben / die Todten zu
erwecken / die zukünfftigen Sachen zu prophetizieren / die Göttlichen
Geheimnussen zu verstehen unnd außzulegen / und letstlichen solche Sachen zu vollbringen / welche allein ihro
Allmacht verrichten möchten.
Confundiere sich derhalben die Macht der Königen / Fürsten / und aller
Gewaltigen / so
wol der newen als der alten / seytemal die durch unsere Arme und Ellende / inn
der Macht / Ehr / und Geschickligkeit uberwunden werden.
Erstumme unnd confundiere sich die Schärpffe der Philosophen / seytemal die jenigen / welche
wahrhafftigklich inn Gott glauben / das höchster Gut finden werden.
Setze dir (O Leser / bitt ich durch
die Liebe / die du deinem Erlöser schuldig bist) für die Augen die Glori unnd
ewige Reichthumb / welche der geringiste Diener Gottes in dem glückseligisten
Reich der Himlen haben wirdt / sihe dann eben mit disen Augen an alles das gut
auff Erden ist / so wirdt dir doch solches alles gegen dem diser Brüder nichts
nit / ja gar verdrüßlich seyn.
Dann wann (wie Cicero inn dem Traum Scipionis schreibt) alle die Reich der Welt
gegen der Sonnen und Mon klein / und gleichsam nicht zu achtend seynd / wie vil
geringer werden dise seyn gegen dem empirischen Himmel / dem glückseligen
Vatterland unserer Heyligen / allda (nach dem heyligen Paulo) allbereit unsere
heylige Conversation ist.
So ist demnach nit unbillich / dass
dise Historien der Leben der Heyligen / mehr als alles anders fleissig gelesen
werden / seytemal auß denselben gelernet wirt / wie die ewigen Güter / so wir
wegen der Verheissung Gottes verhoffen / zu erlangen seyen / dann zu disem End
unser Erschaffer allezeit mit frischem Exempel seiner Heyligen / sein Kirchen ernewert und
zieret / auff dass die schwachen Christen mit hertzlicher
Bedienung derselben / ihr Heyl
vollkommenlich zu würcken die Stärcke unn Krafft erlangen.
Dannenhero er inn denselben der Welt
fürstellet die Tugent deß Glaubens / das Leben seines eingebornen Sohnes
Christi Jesu / unnd mit demselben das Leben unnd Thaten seiner Heyligen.
Er will dass da seyen Clericken und
Religiosen der heyligen Hieronymi /
Augustini / Benedicti / Bernhardi / Dominici / Francisci / und anderer /
auff dass wir allezeit inn denen sein Leben und Leiden vor Augen haben.
Dieweil dann ein so heylige Lesung eines solchen Gewins ist
/magst du dir wol einbilden / (O Leser) wie wol angelegt seye die Zeit / Papir
/ und Arbeit / in Beschreibung der Cronicken der jenigen / welche wahrhafftige Nachfolger und Darsteller gewesen seynd
deß Lebens unsers Erlösers und Heylands
Christi Jesu / unnd wie wol angelegt werde seyn die Zeit von den jenigen /
welche in diser Lesung ihre Augen und Sinn gebrauchen werden / nit allein zu
Erlernung deß Lebens der Religiosen / welche solche zu seyn begeren / sonder
auch zu Lernung / wie das Leben und Sitten der wahren Christen / wann sie
solche mit dem Werck zu seyn begeren / angerichtet werden solle.
Dieweil dann das Reich der Himlen durch die Waffen und Schlachten sich muß gewinnen
/ welches ein Werck der streitbaren
Helden ist, unnd ein solcher Gewalt nit an menschliche Creaturen / (nach
dem Apostel) sonder wider die bösen /
listigen / gewaltigen / und starcken Geister anzulegen ist / und du solche
zu erkennen begerest / so wirst du allda ihre Frechheit eröffnet / ihre Betrüg geoffenbaret / ihre Waffen
entdeckt / und ihre Anläuff und Stürm ab unnd zu rugk getriben befinden.
Wann du dann zu ritterlichen
Ubungen geneigt / wirst du allhie gewaltige
Thaten der Diener Christi wider die Teuffel befinden:
Erfrewet du dich der Würden / wirst
du allhie sehen / wie hoch die wahren
Freund Gottes in den Himlen und auff Erden geehret / unnd von der Höll geförchtet werden:
Belustigest du dich der
Geschickligkeit und Weißheit / wirst du von denen lernen die wahre Erkantnus
der Betrüg und Listen der Welt / unnd vor allem die wahre Weißheit / welche da ist die Erkantnus Gottes und sein selbsten.
Bist du dem würcklichen oder
betrachtlichen Leben ergeben / wirst du allhie ein grosse Erfahrenheit finden
der moralischen Tugenten / und ubermenschlichen Betrachtungen der Göttlichen
Vereinbarung und Gemeinschafft:
Und in Summa / wann du dich einen
wahren Christen / wie du seyn sollest / achtest / wirst du allda / als in
zweyen Tafflen / klarlich dir fürgebildet sehen / was ein Christ seye /unnd was
für Heyl der wahre Christ haben solle. / nemblichen in der Lehr / unnd inn dem
Exempel der Heyligen / beyde zu dem Heyl
nutzlich / also dass du zu allen deinen Begirden und Nothwendigkeiten gebürende
Mittel finden wirdest / inn Betrachtung deß Lebens und Exempels der Minderen
Brüder / sonderbarer Diener Christi / ich verstande durch die Minderen Brüder / die Jünger deß heyligen Vatters Francisci /
und deren heyligen Vätter / die ihme nachgefolget haben / welche der fürnembste
Theyl dieser unserer Histori seynd, seytemal dieselben uns die Observantz
unserer Profession zeigen / uns straffen / und schamtot machen / wegen unserer
Ubertrettung unn Hinlässigkeit / wie dann nit weniger Nutz schaffen werden
andere Ordensleut / seytemal wir Religiosen / so vil das Wesen der Profession
anlangt / als eins seynd.
Ein jeder anderer Christ wirdt
gleichfals Nutz darauß schöpffen / wann er sich zu Empfahung desselben
bearbeiten wirdt / wie sie dann sammetlich von Gott Gnaden und Gaben empfahen /
durch die grosse Verdienst seiner heyligen Francisci / Antonii / unnd anderer /
doch dass sie allezeit sambt ihnen die Liebe GOTTES / unnd deß Nächsten suchen.
Derohalben seynd zu loben unsere
Vätter / und ewigen Dancks würdig / welche so wol die Gedechtnus solcher
glorifizierten Heyligen / mit einem solchen Eyffer zum Heyl der Seelen erhalten
haben / unangesehen daß sie sich nit beflissen zierliche Wort / wie die
Fürwitzigen / zu gebrauchen / sonder betrachtet / der andächtige Leser wurde
die Blumen verlassen / unn allein zu Samblung der Früchten sich begeben. Wöllen
derhalben dise ihre Bücher / darauß wir dise Histori gezogen / hieunden
anmelden.
Vorred / inn
welcher erklärt wirdt die Intention unnd Meynung deß heyligen Geists / inn
Einsatzung deß Ordens der Minderen Bruder.
... Der heylige Johannes Evangelist
unnd Prophet aber / hat noch vil augenscheinlicher in seiner Offenbarung die
Zeit / und den Stand deß heyligen Francisci / unn seiner Discipel angedeutet /
da er sagt:
Und ich sahe / daß er das sechste
Sigel auffthät / und sihe da ward ein grosses Erdbidem / und die Sonn ward
schwartz wie ein häriner Sack / und der Mon ward gantz wie Blut / und die Sternen
deß Himmels fielen von dem Himmel auff die Erden : und darnach sahe ich vier
Engel stehen auff den vier Egken der Erden / die hielten die vier Wind der
Erden auff / daß kein Wind uber die Erden bliese oder wehet / noch uber das
Meer / noch uber einigen Baum / unnd sahe einen anderen Engel auffsteigen von
der Sonnen Auffgang / der hätte das Zeichen deß lebendigen Gottes / und schrye
mit grosser Stimm zu den vier Englen / welchen geben ist zu beschädigen die
Erden und das Meer / und er sprach: Ir solt kein Schaden thun weder der Erden /
noch dem Meer / noch den Bäumen / biß daß wir bezeichnen die Knecht unsers
Gottes an ihren Stirnen.
Dise Prophezey hat der heylige
Bonaventura (wie Ubertinus bezeuget) geprediget in einem Provincial Capitel zu
Paris / als ob die allbereit inn der Person deß heyligen Francisci erfüllet
wäre / und daran gehencket / daß er durch Göttliche Offenbarung gewiß wäre /
daß der heylige Johannes in disem Baß die Augen auff den heyligen Franciscum /
unnd sein heylige Versamblung gerichtet hätte / welches auch bezeuget Bruder
Johannes von Parma / so ein heyliger Religios / unnd wegen Vile der
Wunderzeichen / so der Herr durch ihne gewürcket / gar scheinbar gewesen.
Dessen aber zu mehrerem Verstand
ist zu mercken / daß in disen siben Erscheinungen deß heyligen Johannis inn
der Offenbarung / die siben Alter und Ständ der Kirchen bedeutet werden.
1.
Das
erste Alter war von der Erschaffung desselben / durch Christum Jesum /
und seine Apostel in dem Judenthumb / unnd hat angefangen von seiner Predig an
/ biß auff die Marter der Apostlen / figuriert die erste Vision / von den siben
Kirchen in dem ersten und anderen Capitel.
2.
Das
ander Alter war von der Bestetigung deß Glaubens durch das Blut der Martyrer
/ so durch die gantze Welt von den Abgötteren und Heyden vergossen warde /
welches da anfienge bey der Verfolgung Neronis / figuriert in der
anderen Vision der siben Sigel / in dem fünfften Capitel.
3.
Das
dritte Alter war von der Lehr / inn welcher die Geheimnussen des Glaubens
erleutert / und die Ketzereyen confundiert worden / so da hat angefangen
zu den Zeiten des Keysers Constantini / welcher das Nicenisch Concilium wider
die Ketzerey Arrij versamblen lassen / figuriert durch die dritte Vision der
siben Pusaunen / in dem sibenten Capitel.
4.
Das
vierte Alter war von dem einsamen unnd Einsidler Leben / inn großer
Räuhe deß Lebens / und Betrachtung deß Gemüts / biß auff die Zeit des heyligen
Antonij / figuriert inn der vierten Vision von dem Weib mit der Sonne bedeckt
/ inn dem zwölften Capitel.
5.
Das
fünffte Alter war / als die Kirchen an zeitlichen Güteren anfienge
zuzunemmen / so wol die Münch als die Clericken / welches geschahe zu den
Zeiten Keyser Carls des Grossen / figuriert durch die fünffte Vision der
siben guldenen Geschirr / in dem fünffzehenden Capitel.
6.
Das
sechste Alter war die Vernewerung deß Evangelischen Lebens / und Streits
wider die Secten deß Antechrists / beschehen durch die freywilligen Armen / so
inn disem Leben nichts nit besitzen / und hat angefangen an dem Seraphischen
Vatter Francisco / dem Anfänger der Minderen Brüder / figuriert in der Vision
deß mächtigen und schändtlichen Weibs Babil, wie inn dem 17. Capitel der
Offenbarung zu sehen.
7.
Das
sibende Alter wirdt hernachseyn in einer wunderlichen Ruh unnd Niessung der
Glori / so auff Erden kommen solle / und in kurtzem in Vollkommenheit langen
wirdt / in der gemeinen Aufferstehung aller Heyligen Gottes / und wirdt ihren
Anfang haben inn dem Todt / zuvor ehe daß Christus zu richten kommen wirdt /
figuriert inn dem zweintzigsten Capitel der Offenbarung / wann letstlich der
Drack verurtheylt / und die Außerwehlten geheyliget werden.
-
1.
Also
daß in dem ersten Alter gegrunet die Vollkommenheit der Praelatur / und
hirtliche Sorg der Kirchen / so da waren die heyligen Apostel.
2.
Inn
dem anderen grunete der Stand der Martyrer / mit dem Streit und Triumph der
Ritter Christi.
3.
In
dem dritten grunete die Stimm der Prediger und Pusaunen und Verkünder der
Göttlichen Weißheit.
4.
In
dem vierten grunete die Heyligkeit und Zier deß betrachtlichen Lebens inn denen
/ welche auff Erden ein englisch unnd himmlisch Leben
geführt haben.
5.
In
dem fünfften grünete der Eyffer der Gerechtigkeit inn den eyfferigen und
gerechten Stiffteren der geistlichen Ständen.
6.
In
dem sechsten / der Stand der Nachfolgung Christi / inn den wahren Nachfolgeren
deß Evangelischen Lebens / reformiert in der Kirchen.
7.
In
dem sibenden hernach wirt grunen der Geschmacken der Glori / welchen der Herr
seinen Außerwehlten wirdt communicieren / wegen der außgestandenen Trübsal inn
disem Leben / so vil der gegenwärtig Stand zu geben / und seiner Maiestät
gefällig seyn wirdt. Dise Ständ und Alter hatte der Herr verordnet / nach
Notturfft der heyligen Kirchen / wider die Teuffel seine Feind / und böse Leut
dessen Nachfolger / welche sambt ihnen den Krieg wider sein heylige Kirchen
führen wurden / er aber nichts desto weniger durch Christum Jesum / zu mehrer
Glori seiner Außerwehlten solche erhalten wolte / seytemal niemandt gekrönet
solle werden / dann der da dapffer gestritten.
-
1.
Und
also ward der erste Stand wider die fleischlichen Ceremonien / unnd Verstand
der Juden.
2.
Der
andere wider die Abgötterey der Heyden.
3.
Der
dritte wider die Arianer / und andere Ketzer.
4.
Der
vierte wider die fleischlich unn verkehrte Machumetanische Sect.
5.
Der
fünffte wider den Unlust der bösen Christen / so auff das höchst gestigen.
6.
Der
sechste wider das pestilentzische Gifft deß Antechrists.
7.
Der
sibende wider das Heer der Teuffel / unnd ihrer Nachfolger / welche inn selben
letsten Zeiten die Kirchen mehr als nie anfechten werden. Müssen derhalben
wissen / daß obwol die obgedachte Ständ also von einander underscheiden / und
daß jedwedere seine besondere Eigenschafften hat / daß nichts desto weniger
einer deß anderen Qualitet und Eigenschafft theylhafftig / unnd auff was Weis
mit einander vermischet werden / dann allezeit inn der heyligen Kirchen gewesen
/ und seyn werden Praelaten / Martyrer / und Beychtiger / alle Eyfferer / unnd
wahre Nachfolger Christi deß Herren. ...
Privilegium
König Philipsen / auff die Hispanische Translation / auß der Portugalesischen
Sprach.
Wir Philips / von GOTTES Gnaden
König zu Castilien / Leon / Arragon / beyder Sicilien / zu Hierusalem /
Nauarren / Granaten / Toledo / Valentzen / Galitien / Majoricken / Seviglien /
Sardinien / Cardova / Corsicken / Giaem / der Algarven / Algeriza und
Gibelterra / Hertzog zu Meyland / Graff zu Flanderen / und Tyrol / etc. ...
Derohalben bewilligen wir hiermit /
unnd erlauben / daß jedweder diser unserer Reich Buchtrucker / dises Buch /
ohne Verwürckung einiger Straff / trucken / aber wann es getruckt / nit
verkauffen möge / es seye denn zuvor gedachten unseren Rähten fürgetragen / und
von denselbigen gegen den Original / so durch unseren Rahtschreiber Franciscen
de Castello underschriben / und verfertiget / geleich befunden worden. Gleicher
Weis vergunnen und zulassen wir / daß sie solches inn gesetztem Werth
verkauffen mögen / bey denen Straffen / so in der Prematick / oder unseren
Reichs Ordnungen begriffen. Geben zu Toledo / den 10. Februarij / Anno 1563.
Johannes
Vasquez.
Der Licentiat Vacca di Castro.
Der Licentiat Arrieta.
Der Doctor Diego della Gasea.
Der Licentiat Pedrosa.
Ich Peter di Marol / der Catholischen Königklichen Maiestät Cantzler / habe diß
auff dero Befelch / mit Bewilligung deß Rahts schreiben lassen.
Deducatorisch
Schreiben der Castiglianischen Traduction.
Dem Hochwürdigsten und
Hochgebornen Herren Ferdinanden von Arragon / von GOTTES Gnaden Ertzbischoffen
zu Saragoza.
Von dem Wolgebornen Herrn Artal von Arragon / Graffen zu Sestago / Religiosen
deß dritten Ordens deß heyligen Francisci.
... dann ich anders darzu nichts /
als das geringe Talent / so mir der Herr gegeben / angelegt habe / mit welchem
ich mich bearbeitet / dise Histori der Welt / sonderlich disen unseren
Königreichen zu offenbaren / auff daß in denselben die Andacht wüchse / unn die
Gottlosen confundiert wurden.
E. Fürst. Gn.
Diener
Der Graff von Sestago.
Summarischer
Auszug / was in jedem diser zehen Bücher / begriffen ist.
In den ersten dreyen wirdt erzehlt
das Leben / die Werck / Todt / und Wunderzeichen deß heyligen Vatters Francisci
/ und ist der erste Theyl.
In dem vierten buch wirdt gedacht
die Marter etwellicher seiner Discipel und Jünger.
Inn dem fünfften / die Werck und
Wunderzeichen deß heyligen Antonij von Lißbona / genant von Padua.
In dem sechsten / das Leben viler
anderer Discipel deß heyligen Vatters Francisci.
In dem sibenden / das exemplarische
Leben deß heyligen Bruders Egidij / seines dritten Discipels.
In dem achten / das Leben der
heyligen Clara / und der Anfang ihres Ordens.
In dem neunten / die Einsetzung der
Regel und Ordens der Büsser / genant der dritte Orden deß heyligen Vatters
Francisci.
Inn dem zehenden und letsten wird
gehandlet von allerley Sachen / so sich zugetragen / die wol zu mercken /
welche sich zu den ersten Zeiten gedachter Religion deß heyligen Francisco
begeben.
Der
Cronicken der
Minderen Brüder / Das ander Buch.
In welchem folget das Leben / Absterben / unnd Wunderzeichen deß
Seraphischen Vatters Francisci.
Auß der Spannischen Sprach in die
Italianische verkehrt durch M. Horatium Diolam Bolognesern: Und an jetzo in
Teutsche Sprach gebracht / Durch
Den Edlen / Gestrengen Herren Carl
Kurtzen von Senfftnaw / Röm. Key.
Maiest. etc. Raht / etc.
Getruckt zu Costantz am Bodensee /
bey Nicolao Kalt.
M.DC.III.
Anmerkung: Dieser dumme Computer korrigiert oft Stellen nachträglich
von sich aus, so dass wir den Text vielleicht nicht hundertprozentig im
Original wiedergeben. Zum Beispiel fügt er in „dise“ ein e ein, so dass dann
„diese“ steht, oder bei „wolte“ fügt er ein zweites l ein. Übrigens wird
meistens „unnd“, manchmal aber auch „und“ geschrieben, ebenso „irer“ und
„ihrer“ usw. . Wir müssen höllisch aufpassen, um den Text unverfälscht zu
übermitteln, müssen aber andererseits unsere kranken Augen schonen.