ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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24.1.1999 – 10.7.2007

12F3104

Franziskus verzichtet auf sein Erbteil und zieht seine Kleider aus

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. Cap. 4. S. Bonaventura.

Wie der Diener Christi Franciscus seinem Vattern nit allein sein Erb ubergeben / sonder auch die Kleider biß an das Hembt außgezogen / und inn Beyseyn deß Bischoffen von Assisi zugestelt.

Weil dann der Vatter deß seligen Francisci an allen disen gegen dem Sohn geübten Verfolgungen nit zu friden / fienge er an ihne der zeitlichen Güter halber auch anzufechten / begerte er solte sich durch ein Verschreibung / seines vätterlichen Erbtheyls verzeihen / führte ihne für den Bischoff / begerte (in Ansehen daß er nach sein als Vatters Todt nit allein das seinig / sonder auch der Brüder Gut alles möchte den Armen geben) er solte solches in das Werck richten.

Franciscus als ein gehorsamer Sohn / unnd wahrer Liebhaber der Armut / erschine nit allein mit frölichem Hertzen vor dem Bischoff / sonder ohne weitere Anzehrung deß Begerens / frey gutwillig machte er ime alsbald den Verzig.

Und das noch mehr ist / zoge alsbald in Beyseyn deß Bischoffs und anderer / alle seine Kleider biß an das Hemmet ab / gedachte an den gütigen Christum / welcher nackend an dem Creutz von unsertwegen gehangen / bandts zu samen in ein Büntel / kehrt sich zum Vatter / gab ihms / und sprach: Vatter bißher hab ich euch gleichwol in diser Welt mein Vatter genent / jetzt aber kann ich getröst sagen / Vatter unser der du bist in den Himlen / deme hab ich allen meinen Schatz zu verhüten geben / unnd inn ihne allen Trost meines Erbtheyls gesetzt.

Als der Bischoff dises Spectackel / unnd den armen Franciscum also biß an das Hemmet nackend sahe / verwundert er sich eines Theyls / daß der Vatter den Sohn also bloß ohne Mitleiden und Erbarmung sehen möchte / anderes Theyls daß der Sohn sich mit so grossem Eyffer unnd uberflüssiger Gedult erzeigte / zum höchsten / achtete Franciscum einen wahren Diener Christi zu seyn.

Stehet auff / ummfacht in freundtlich / unn bedeckt in als ein mitleidiger Hirt mit seinem eignen Mantel / befilcht den Dienern sie solten ihme Kleidung herfür tragen / welche als sie eines Taglöhners alten Rock brachten / und Franciscus von ihnen empfangen / begert er ein Scher / zerschneidet ihn also / daß er einem Mann (so gleichsam Creutz weiß außgespannen) recht ware / welche That wahrlich hoch zu verwundern / und zu betrachten / wie die Welt ( so ein wahrer Diener deß Teuffels unseres Erbfeindts ist) die jenigen / so Christo mit Eyffer zu dienen begeren / verfolge / also daß sie nackend und bloß von derselben verlassen werden.

Darauß wir dann wol abnemmen mögen / wie hoch es von nöhten den Frommen seye / den weltlichen Gütern nit nachzutrachten oder zu begeren / noch der Welt Widerwertigkeiten zu förchten / der Welt Last ablegen / das süsseste Joch deß Herren auffnemmen / unnd letstlichen gleichsam wider die Natur die irrdischen (sic) Vatter / Mutter unn Freund verlassen / damit wir Burger und Innwohner deß ewigen Vatterlands mögen gemacht werden.

Auff dise Weiß ist der getrewe Diener deß höchsten Königs von seinem Vatter nackend verlassen worden / damit er dem nackenden gecreutzigten Christo / der in liebte / nachfolgete / und also bewaffnet mit dem Creutz / sein Seel dem Baum deß Lebens befehlend / sich möchte durch Krafft derselbigen von dem wütenden Meer diser Welt befridigen unnd versicheren.

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