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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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Franziskus verzichtet
auf sein Erbteil und zieht seine Kleider aus |
Der Cronicken der
Minderen Brüder, Konstanz 1603. Cap. 4. S. Bonaventura. |
Wie der Diener
Christi Franciscus seinem Vattern nit
allein sein Erb ubergeben / sonder auch die Kleider biß an das Hembt außgezogen / und inn Beyseyn deß Bischoffen von Assisi
zugestelt.
Weil dann der Vatter
deß seligen Francisci an
allen disen gegen dem Sohn geübten Verfolgungen nit zu friden / fienge er an ihne der zeitlichen
Güter halber auch anzufechten / begerte er solte sich durch ein Verschreibung / seines vätterlichen Erbtheyls verzeihen
/ führte ihne für den Bischoff / begerte
(in Ansehen daß er nach sein als Vatters
Todt nit allein das seinig / sonder auch der Brüder Gut alles möchte den Armen
geben) er solte solches in das Werck
richten.
Franciscus als ein gehorsamer Sohn
/ unnd wahrer Liebhaber der Armut / erschine nit allein mit frölichem Hertzen vor dem Bischoff / sonder ohne weitere
Anzehrung deß Begerens / frey gutwillig machte er ime
alsbald den Verzig.
Und das noch mehr ist / zoge alsbald in Beyseyn deß Bischoffs und anderer / alle seine Kleider biß an das Hemmet ab / gedachte an den gütigen Christum /
welcher nackend an dem Creutz von unsertwegen gehangen / bandts
zu samen in ein Büntel /
kehrt sich zum Vatter / gab ihms
/ und sprach: Vatter bißher
hab ich euch gleichwol in diser
Welt mein Vatter genent /
jetzt aber kann ich getröst sagen / Vatter unser der du bist in den Himlen
/ deme hab ich allen meinen Schatz zu verhüten geben
/ unnd inn ihne allen Trost meines Erbtheyls
gesetzt.
Als der Bischoff dises Spectackel / unnd den armen Franciscum also biß an das Hemmet nackend sahe /
verwundert er sich eines Theyls / daß
der Vatter den Sohn also bloß ohne Mitleiden und
Erbarmung sehen möchte / anderes Theyls daß der Sohn sich mit so grossem Eyffer unnd uberflüssiger
Gedult erzeigte / zum höchsten / achtete Franciscum einen wahren Diener Christi zu seyn.
Stehet auff
/ ummfacht in freundtlich /
unn bedeckt in als ein mitleidiger Hirt mit seinem
eignen Mantel / befilcht den Dienern sie solten ihme Kleidung herfür tragen / welche als sie eines Taglöhners alten Rock
brachten / und Franciscus von ihnen empfangen / begert
er ein Scher / zerschneidet ihn also / daß er einem
Mann (so gleichsam Creutz weiß außgespannen) recht ware / welche That wahrlich hoch
zu verwundern / und zu betrachten / wie die Welt ( so ein wahrer Diener deß Teuffels unseres Erbfeindts
ist) die jenigen / so Christo mit Eyffer
zu dienen begeren / verfolge / also daß sie nackend und bloß von derselben verlassen werden.
Darauß wir dann wol
abnemmen mögen / wie hoch es von nöhten
den Frommen seye / den weltlichen Gütern nit nachzutrachten oder zu begeren
/ noch der Welt Widerwertigkeiten zu förchten / der
Welt Last ablegen / das süsseste Joch deß Herren auffnemmen / unnd letstlichen gleichsam wider
die Natur die irrdischen (sic) Vatter / Mutter unn
Freund verlassen / damit wir Burger und Innwohner deß ewigen Vatterlands mögen
gemacht werden.
Auff dise Weiß ist der getrewe Diener deß höchsten
Königs von seinem Vatter nackend verlassen worden /
damit er dem nackenden gecreutzigten Christo / der in
liebte / nachfolgete / und also bewaffnet mit dem
Creutz / sein Seel dem Baum deß
Lebens befehlend / sich möchte durch Krafft derselbigen von dem wütenden Meer diser Welt befridigen unnd versicheren.
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