ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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4.9.2003 – 10.7.2007

12F3106

Franziskus erneuert drei Kirchen – Symbole für die drei Heere Christi

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. Cap. 6. S. Bonaventura.

Wie von dem heyligen Francisco drey Kirchen vernewert worden.
Cap. 6.
S. Bonaventura:

Es war diser fürtrefflich unnd heylige Mann also vest in der Einfalt der Liebe Christi fundiert / daß als er sich erinnerte dessen so ihme so wunderbarlich durch den Gecreutzigten / nemblich daß er sein Kirchen solte ernewern / anbefohlen / und nit anderst dann daß es auff gedachte S. Damiani Kirchen deutete / verstunde / macht er sich alsbald wider auff Assisi zu / unnd was er mit dem auß den Kauffmanns Gütern erlößtem Gelt nit könden verrichten / gedachte er durch das Allmusen zu wegen zu bringen / welches ihm auch fort gangen.

Dann als er inn der Statt (inn welcher er allbereit für ein Diener Christi erkant) das Allmusen sammlete / bekame er von den Freunden und Verwanten Gelt unn andere Materi genug / darmit er gedachte Kirchen erbawen möchte.

Gesellet sich derhalben zu dem Priester / der inn selbiger den Gottsdienst verrichtete / und gabe der Ernewerung / weil ihme Werckmeister unnd Arbeiter zu solcher Arbeit nit mangleten / einen Anfang.

Neben allem dem bemühete er selbst sich unauffhörlich / damit sein schwacher Leib / so allbereit durch vil Abstinentz und Fasten gar ermärglet / mit der Burde der Stein so er truge noch mehr underthänig gemacht  und gedemütiget wurde.

Hat also mit dere Hilff Gottes / unnd auß Andacht der Glaubigen sich so vil geübt / daß er die mehr gemelt Kirche widerumb erbawen.

Inn welcher Zeit der Priester / der in alle Zeit inn so strenger Arbeit / bey so herrlichem Werck sahe / ihme allezeit was auff hielte / damit er sich mit selben reficieren und wider erquicken möchte.

Es wolte aber der Diener Gottes solches auch nit länger gedulden / wolte selbst dienen / unnd nit von andern bedient werden. Sprach sich selbst an:

Wo wilt du Francisce allzeit ein Priester finden der dir diene? Ist das der Weg der Armut die du suchest?

Entschlusse sich daß er weder von dem Priester noch andern wolte gedient werden / un derhalben wann es Essens Zeit war / name er ein Schüssele / gienge mit anderen Armen zu den Häuseren / begerte umb Gottes willen das Allmusen / und was er bekam / asse er bey ihnen mit Freuden.

Und ob ihne gleichwol solches an dem Anfang gar hart ankam / so wurde es ihme doch in dem Fortschreiten so süß und lieblich / also daß er nacher zu seinen Mitbrüdern offt gesagt / er hätte mit so grossem Gusto und Lust nie nit gessen / als eben derselbigen Zeit.

Darauß erfolgt / daß als er auff ein Zeit mit einem fürnemmen Praelaten zu Gast asse / wolte er nichts versuchen oder essen / als was er gehörter Massen erbettlet hätte.

Da nun der Heylige die Erbawung diser deß heyligen Damiani Kirchen verfertiget / richtete er sich an ein andere deß heyligen Petri Kirchen / welcher was weiter von der Statt als die erste gelegen / und durch gleiche Mittel unnd Weg brachte er selbige auch widerumb auff.

Wie er solches vollendet / begibt er sich auff Porticella (welches nahend bey Assisi ist) da dann ein andere Kirchen so der Mutter Gottes zu Ehren geweycht / aber gar öd / und niemands der sich selbiger annam / sich befande / allda wegen der sonderen Andacht / so er gegen der seligsten Himmelkönigin truge / fienge er an zu wohnen / und zu gedencken / wie er solche wider erbawen möchte.

Unnd weil er vilmal alldorten durch die heylige Engel / nach dem Namen der Kirchen / die bey S. Maria der Englen genant war / heimgesucht worden / hat er sich desto lieber daselbst auffgehalten / und disen Ort vor allen andern geliebt / darumben daß er inn selbem demütig angefangen / mannlich gestritten / und seligist geendet hat.

Inn disem Ort hat er durch Göttliche Offenbarung den Anfang der Regel der Mindern Brüder gemacht / und geschahe solches nit ohne sonderbar Mysterium unnd Geheimnus / sonder auß Anordnung der Göttlichen Fürsichtigkeit / von welcher er in allen seinen Wercken underwisen unnd gubernirt war.

Auff solche Weiß hat diser Diener Christi drey Kirchen / nemmlichen S. Damians / S. Peters / und S. Mariae der Englen / zuvor ehe daß er den Orden angefangen / und das Evangelium geprediget / erbawen / welches theyls darumb daß er von disen zergängklichen zu den unzergängklichen / von den nidern zu den höhern Sachen mit Ordnung auffstige: theyls auch / damit ime das jenig so er würcken solte / zuvor durch Würckung der empfindtlichen Mysterien eröffnet wurde / geschehen / damit (gleich den dreyen Kirchen / so von ime ernewert worden ) er sich erinnerte / daß die Kirchen Christi durch ihne auff dreyerley Weiß / nemblich / der Form / Regel / und Lehr so er geben / renoviert und erbawen werden müßte: wie wir dann klärlich sehen inn den dreyen Heeren Christi / welches da seynd drei Orden deß H. Francisci / die er der Welt eingesetzt / erfült seyn worden.

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