ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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9.9.2003 – 10.7.2007

12F3107

Franziskus verfasst den Anfang seiner Regel

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. Cap. 7. S. Bonaventura.

Von der anderen Berueffung zu dem Stand der Evangelischen Vollkommenheit /
 und zu was Zeiten er den Anfang seiner Regel geben hat.
Cap. 7.
S. Bonaventura

Als der fromme Diener Gottes zu seiner Wohnung die Kirchen der Mutter Christi erwehlt / und in strengem unauffhörlichem Gebett / daß sie sein Fürsprecherin und Fürbitterin seyn wolte / verharret / ward sein Gebett so kräfftig / daß inn ihme durch das Verdienst der seligisten Jungkfrawen / der Geist der Wahrheit / unnd evangelischen Armut erwachsen / von welchem / als er eines Tags mit grosser Andacht die Meß der Apostel höret / in welchem Evangelio Christus Jesus inen die Form deß Evangelischen Lebens fürgibt / als er sie inn die Welt zu predigen außgesandt / sprechend:

 

Nit habend bey euch weder Gold / Silber / oder Gelt / noch Zehrsäck weil ihr wandlet / keine Schuch / oder doppelte Kleider / unnd kein Stab in der Hand / und wo ihr eingehet grüssend sagende / Der Frid deß Herren seye inn disem Hauß /

 

ward er mit ubernatürlichen Freuden umbfangen / sprache mit heller Stimm:

 

Das ist das welches ich suche / das ist das so ich mit innbrünstigem Hertzen begere /

 

wirt zu gleich so reichlich mit dem Geist Gottes erfült / daß er ihn nit allein mit der Begird unn Verwilligung / sonder auch mit dem Werck und That selber zu diser Form unnd Regel zu leben transformiert hat.

 

Dann alsbald zeucht er ab die Schuch / thut den Stecken und Zehrsack von sich / wirfft das Gelt so ihme von dem empfangnen Allmusen uberbliben hinwegk / unnd vergnügte (Anm.: begnügte, die Bedeutung mancher Wörter hat sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt) sich mit einem eintzigen Rock: Laßt auch von ihm die Gürtel / unnd nimbt ein Strick umb sich / gedenckt allein mit grossem Fleiß / wie er sich vollkommenlich dem Apostolischen Leben köndte vergleichen.

 

In diser Evangelischen Lehr / in dißem Werck / und in disem Tag / welcher war in dem Jar deß Herren da man zählt / 1208. in dem Monat October / an S. Lucas Tag satzte der heylige Mann den Anfang der Regel der Minderen Brüder- / inn dem 27. Jar seines Alters / als zwey Jar seiner Bekehrung vergangen / inn dem 12. Jar deß Pabstthumbs Innocentij des dritten / ein Werck wahrhafftig geordnet von dem heyligen Geist / durch das Evangelium Christi / und nit von weltlicher Erfindung.

 

Ob sich gleichwol Gott der allmächtig dises Mittels seines getrewesten Knechts / zu einem Auffrichter und Erbawer eines so herrlichen Gebäus gebrauchen wolte / welcher als ein kunstreicher Architectus disen seinen Orden mit so uberflüssigen Zehern / und eyffrigistem Gebett / mit den Wercken der Barmhertzigkeit / der Buß / und Eyffer zu Gott fundiert / biß so lang der heylige Geist ihme verlyhen das Fundament der Apostel und Propheten (Epheser ij.) / welches ist der höchste und vesteste Egkstein Christus Jesus / in welchem diß gantze gemachte Gebäw auffwachßt in ein heyligen Tempel Gottes: auff disen Egkstein hat diser Heylig sein Orden nit inn das Stro viler eyteler Titlen / grossen schönen zeitlichen Gütern / und das Kot diser Welt gesetzt / sonder mit geleutertem Gold / welches ist der Evangelische Geist / und mit köstlichen Edelgesteinen / welches da seynd die Apostolische Räht / erbawen / durch welche er sie von der Stärcke der Wind / Wasser / und Ungewitter der Feinden versicheret.

 

Von der Zeit an fienge er an auß Göttlicher Eingebung unnd Inspiration dem Helias sich zu vergleichen / eyfferig zu seyn in der Wahrheit / inn der Glori deß Herren / und inn dem Heyl des Nächsten / bewegte vil zu dem Weg der Vollkommenheit / und ermahnte menigklich zu Gedult / seine Wort wären nit mehr eytel oder lächerig / aber voll der Krafft des heyligen Geists / welche dermassen das Hertz der Zuhörenden durchtrangen / unnd so grosser Krafft waren / daß sie die Zuhörer von ihren Sünden abschreckten / unnd zu Buß bewegten / die Hertzen der Verstockten erweichten / und auff dise Weiß die Bösen bekehrte / und die Frommen auff dem Weg deß Heyls stärckte.

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