|
ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
www.etika.com |
|
12F3110 |
Wie Franziskus
anfing, seine Brüder in die Welt auszuschicken |
Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz
1603. Toledo
und Saragoza 1563, Konstanz 1603. Cap.
10 |
Wie der heylig Franciscus anfienge
seine Brüder inn die Welt außzuschicken / was ihnen auff der Reiß begegnet /
und wie er sie so wunderlich wider versamblet hat
Cap. 10.
Fioreto.
Zu diser Zeit gienge noch ein anderer fürnemmer Mann in den Orden / und also deß heyligen Vatters Brüder und Mitgenossen siben worden.
Solche beruefft er zu sammen / fienge an mit ihnen zu reden von dem Reich Gottes / Verachtung der Welt / von Verläugnung deß eignen Willens / und Ertödtung deß Fleischs / eröffnet ihnen sein Meynung und Fürnemmen / nemblich dass sie sich theylen / unnd gegen den vier Orten der Welt außreisen solten.
Dann weil er sich an der wenigen Zahl der Jünger / so bißher sein geringe und arme Einfalt inn dem Herren erworben / nit begnügt / begerte er in ime die gantze Gemein seiner Glaubigen zu generieren / und zu Beweinung und Schmertzen der heyligen Buß zu rueffen:
Unnd damit er solches inn das Werck richtet / befilcht er seinen liebsten Kindern / sie solten sich fertig machen zu gehen der Welt den Friden zu verkünden / und die Buß zu Verzeyhung der Sünden zu predigen / sprechend:
·
Seyt gedultig die Trübsal zu uberwinden / wachend inn dem
Gebett / seyt starck in der Arbeit / in der Red züchtig / inn dem Wandel ehrbar
/ und in den Wolthaten danckbar: Dann wann
ihr also handlet / wirdt euch das Himmelreich bereit seyn.
Als die geliebsten Discipel dise so heylige Erinnerung und Ermahnung gehört / geselten sie sich voller deß heyligen Geists und Begird / ihrem Hirten inn einem solchem Werck / zu dem Heyl der Menschen zu gehorsamen / zwen und zwen zu sammen / legten sich alle siben zu deß heyligen (sic) Füssen / welchen sie als ihren rechten Vatter ehreten / unnd begerten sein heylige Benediction.
Er aber hiesse sie auffstehen / unnd als er sie mit vätterlicher Liebe umbfangen / gibt er inen den Segen deß Vatters der Barmhertzigkeit / sagte zu jedem under ihnen dise deß Propheten Davids Wort (Psal. 54.):
Wirffe dein Anligen auf den Herren / der wirdt dich versorgen / (etc.) welche Wort er allzeit allen seinen Brüdern / wann er sie under der Gehorsame außsante / vorsagte.
Und weil er erwegen / daß er als zu einem Exempel der Welt gegeben worden / und zuvor das jenig so er andere underweisen wolte / selbst würcken müßte / nimbt er einen under den sibnen zu ihme / begert Erlaubnus von den anderen / theylen sie sich Creutzweiß / das ist / zwen gegen Auffgang / zwen gegen Niedergang / zwen gegen Mittag / und zwen gegen Mitnacht / zeucht ein jeder mit seinem Gesellen / seinem fürgenomnen Weg nach / reich und wol bekleidet mit den Gnaden Gottes / aber zerrissen im Gewand / umbgürtet / barfuß / und nit vil minder als nackend / alles zeitlichen Guts beraubt / unnd predigten durch die Welt / mehr durch die Werck als durch Wort / mit dem Exempel der Demut / Gedult / unnd Armut:
· Es mangleten ihnen auch allerley Mühseligkeiten und Betrübnussen nit / inn welchen sie an vilen Orten / unnd von vilen angefochten worden. (Anmerkung ETIKA: das Los aktiver Christen)
Und weil wir in Schrifften befinden was zweyen under ihnen widerfahren / könden wir darauß schliessen / was den andern begegnet seye.
Die Reiß gegen Niedergang (Anmerkung: Westen) / traffe den Bruder Bernardum Quintavalle. Als derselb gen Florentz mit seinem Gesellen kame / und nit wißte (weil es Nacht war) wo er herbergen solte / lägerten sie sich under das Tach eines Hauß / weil sie der Herr desselben nit beherbergen wolte / und sie wegen der ungewohnlichen unnd unbekanten Bekleidung / für heyllose Leut und Dieb hielte / daselbst bliben sie die gantze Nacht / erlitten uberauß grosse Kälte (Anmerkung: schon damals Verwirrung bezüglich s, ß und ss) / ja erfruren schier gar / weil es zu gröster Winterszeit war / lobten und dancketen Gott darneben unauffhörlich.
Deß Morgens in alle Frü gehen sie der Kirchen zu / hören daselbst die Meß / und betten andächtigklich.
Das Weib und Fraw deß Haus / da sie uber Nacht gelegen waren / befande sich auch bey diser Meß / unnd als sie selbige für diejenigen so weder sie noch ihr Haußwirth beherbergen wöllen erkent / sprache sie in ihr selbsten:
Wahrlich das seynd nit Dieb / wie sie mein Haußwirth geschetzt / sonder duncken mich heylige Leut zu seyn.
Under dessen wurden sie von menigklich wegen Ungewohnheit ihrer Bekleidung angesehen / und solches umb so vil mehr / weil einer der Umbstehenden sich zu ihnen nahet / unnd begert ihnen das Allmusen durch Gottes willen inn Gelt zu geben / sie aber nit annemmen wolten.
Dannenhero weil sie umm Christi willen wahre Arme erkent warden / erlanget der Mann und Fraw / so sie zuvor nit beherbergen wöllen / mit grossem Bitt / daß sie mit ihnen zu Hauß giengen / wurden durch sie mächtig erbawet so wol durch das Exempel ihres heyligen Lebens / als durch die heylige Wort / mit welchen sie für ihre Seelen Guts zu würcken underwisen worden: seynd also wider von ihnen gescheiden.
Es war aber dise rauhe Nacht so die da uberstanden / ein kleins gegen dem so ihnen an andern Orten begegnet / da sie von vilen geschmächt unnd gescholten / auch wegen Ungewohnheit deß Habits / und Strenge deß Lebens für Narren gehalten / unnd ubel tractiert worden / etliche verspotteten sie / etliche wurffen ihnen Kot zu / etlich zuhen sie bey den Kappen / und etliche machten ihnen die Buben mit Geschrey nachlauffen.
Welcher Verletzungen und Schmach nit allein von der Boßheit der Menschen / sonder auch von den Listen deß Teuffels / welcher sie durch dise Mittel vermeynte zu erschrecken / unnd von ihrem heyligen Fürnemmen abzutreiben / herflussen.
Aber sie / bewaffnet mit der Gnad unn Gedult Christi / litten nit allein Hunger / Frost / unnd Schmach gedultig / waren daran nie verdrüssig / sagten kein böß Wort gegen den Verfolgern / sonder hielten das Leiden der Verfolgung für ein grossen Schatz / betteten allzeit für sie.
Welches als es von vilen betrachtet / und ir heyliges Leben erkant / hätten sie grosse Rew / giengen zu ihnen als zu heyligen Leuten / unnd begerten demütigklich Verzeyhung.
Solcher Krafft ist die Tugent / ob sie wol ein Zeit veracht und undertruckt / uberwindet sie doch letstlich / und zertrittet die Welt.
S. Ant.
Da nun ein zimliche Zeit fürüber / unnd der heylige mitleidenliche Vatter seiner Kinder Abwesen nit länger erdulden möchte / kame ihne ein grosse Begird an selbige wider zu sehen: getrawete ihme aber solches / weil sie weit von einander zerstrewet waren (ohne die Hilff Gottes) nit zu wegen zu bringen. Begibt er sich derhalben zu dem Gebett / und bittet zu Gott / er wolte mit gleicher Macht unnd Gewalt / wie er die zerstreweten Israeliten zusammen gebracht / also auch seine liebsten Brüder widerumben versamblen.
Also wurde wunderlicher Weiß sein Gebett erhört / unnd in kleiner Zeit / ohne einigen Fleiß / oder menschliche Fürsichtigkeit die Brüder / wie er begert / zu sammen kommen / nit ohne Verwunderung der Brüder / einer so grossen Anschickung Gottes. Wurden alle von dem heyligen Vatter mit Freuden empfangen / fiengen an under ihnen zu reden / was ihnen begegnet / unnd was sie under den Glaubigen hätten außgericht.
Alte Chronicken.
Auff dise Weiß fiengen dise newe Apostel an sich inn dem Dienst deß Herren zu üben / und seiner heyligen Discipel Fußstapffen nachzufolgen.
Zu dieser Zeit kamen noch 4 andere ehrliche Edelleut in ihr Gesellschafft / also daß ihrer nun mehr eilff also genant waren / B. Bernard Quintavalle / B. Petrus Catanius / B. Egidius von Assisi / B. Sabadinus / B. Morico Picciolo / B. Jo. Capella / B. Philippus Longus / B. Jo. von S. Costantzo / B. Barbaro / B. Bernard von Veridante / und B. Angelus Tancredi von Riete.
Anmerkung 1: statt berüfft schreiben wir beruefft, weil leichter
verständlich, zum Beispiel für Schwaben und Tiroler; man erkennt, wie das ü
entstanden ist, auf dem u war nämlich ein kleines e (kommt uns vor)
Anmerkung: Als eine
Christin im Juli 2007 in einem Leserbrief die schamlose Mode anprangerte, antwortete
jemand: „Selten so gelacht“. Mehr dazu später in dem Fortsetzungsband „Die
kommende Gerechtigkeit“.
Franziskus-Übersicht - - - Index 1