ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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10.10.2013

12F31100A

Franziskus prophezeit Nikolaus III. das Papsttum

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 100A, S. 324-326

Wie der heylig Vatter Franciscus dem Babst Nicolao dem Dritten / das Babsthumm prophezeyt / weil er noch ein Kind geweßt.
Cap. 100A. Alte Cronicken.

MAtthaeus Ruvidus ein Römischer Edelmann / war dem heyligen Francisco gar vertrawt / daß er auch hernach den Habitum der dritten Regel angethan.

Als dieser ihne eines mals zu Rom zu Gast gehalten / und ihme seinen Sohn Johannem Gaetanum / welcher hernach Babst Nicolaus der Dritt worden / noch als einen kleinen Knaben fürstellet / auff daß er die Benediction von ihme empfahen solte / nimbt ihn der heylige Vatter gar lieblich an die Arm / umbfacht unnd küsset ihn / unnd facht an mit grossem Verwunderen unnd Zeheren deß anwesenden Vatters / ihme sein Religion zu befehlen / unnd offentlich zu sagen / dises Kind  wurde gleichwol kein Ordensmann mit der Kutten / aber wol mit dem Gemüt / ein fürnemmer Herr in dieser Welt / und grosser Schützer und Schirmer seiner Religion sein.

Eben mit disem Herren hat der heylige Vatter einen seiner Bossen der Demut geübet / wegen der eussersten Liebe so er zu der heyligen Armut truge. Dann als er von ihme zu Gast geladen / unnd aber dahin als er nit anheimsch kommen / und von etlichen Dienern / die vilen Armen die Speiß austheylten / nit erkant worden / empfacht er gleichfals das Allmusen / setzt sich in dem Hoff nider / und facht mit ihnen an zu essen.

Als nun der Herr Matthaeus zu Hauß kame / unnd ihne also mitten under den Armen fande / setzt er sich zu ihme nider / und wolte auch mit den Armen sambt ihme alldorten essen / unnd sagte: Vatter weil ihr mit mir nit habt wöllen das Frümal essen / so will ich allhie mit euch zu Mittag essen.

Bruder Johannes Bonellus / ein vollkomner Ordensmann / hatte in der Provintz in dem Kloster zu Arle / da er Minister war / ein provincial Capitel / inn welchem der heylige Antonius von Padua uber den Tittel deß heyligen Creutzes prediget / da begibt es sich / daß ein Bruder Monaldus genant /  ein feiner Religios /  unnd exemplarischer Priester / ob der Thür deß Capitels den heyligen Franciscum inn den Lüfften / mit außgespanten Händen und Füssen an einem Creutz sahe / unnd also außgereckter allen Brüderen / in dem er die rechte Hand ab dem Creutz lediget / weil der heylige Antonius gedachten Tittel gar herrlich außleget / die Benediction geben.

Dannenhero ware die geistliche Erquickung / so die anderen alle innerlich empfunden / so groß / daß obwohl Bruder Monaldus allein den heyligen Vatter gegenwärtig sahe / sie doch alle der Gnaden theylhafftig warden / also daß wann einem je an deß Bruders Monaldi Fürgeben hätte wöllen zweifflen / müßte er doch selbiges (von dessen wegen so er in seinem Hertzen empfunde) für glaubwürdig und wahr halten.

Wie dann durch vil andere dergleichen Erscheinungen / welche durch Verwilligung Gottes der Heylige thate / geschahe / in welchen der Herr erzeigen wolte / wie nahend die Seel (wann sie sein Gnad zu empfahen begere) dem Göttlichen Liecht der ewigen Weißheit seye / durch welches Communion sie sich von der Welt erhebt / unnd Gott vereiniget / machet die Demütigen unnd Armen deß Geists zu Propheten / und offenbaret ihnen seine allerhöchste Geheimnussen / wie wir lesen / daß er dem David / dem fürnembsten der Propheten geoffenbart / hernach dem heyligen Petro / und allen anderen Apostlen / nach dem Wort des Evangelii / da er sagt (Ioan. 16.):

Ich hab euch noch vil zu sagen / aber ihr köndts jetzt nit tragen: wann aber jener der Geist der Wahrheit kommen wirdt / derselbig wirdt euch lehren allle Wahrheit: unnd zu disen unseren letsten Zeiten seinem demütigen unn einfältigen Diener Francisco.

(Anmerkung ETIKA: Damals war noch keine Rede davon, dass die Wahrheit nicht absolut sei wie Papst Franziskus meint, sondern es heißt: „er wird euch lehren alle Wahrheit“.)

Dannenhero gleich wie er die Apostel / so der weltlichen Kunst nach einfältige / ungeschickte Leut waren / erwehlt / und sie gar herrlich in der Lehr durch die Göttliche Werck gemacht / und den Hirten David / auff daß er die Schaff der auß Egypten gepflantzten Synagog weidet / erkieset / unnd den Fischer S. Peter / auff daß er die Netz der heyligen Kirchen / mit der Menge der glaubigen Christen erfüllet / beruffen.

Also auch den Kauffmann / den heyligen Franciscum erfordert / auff daß er uns disen so kostlichen Stein deß Evangelischen Lebens lernete erhandlen unnd kauffen / und alles unser Vermügen verkauffen / und von seiner Liebe wegen den Armen außspenden / auff daß sein Kirchen durch so vil erlößte Seelen / unnd solches heylige Mittel möchte bereichet werden.

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