ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK 1603/04

www.etika.com

12F3111

Von der Regel des Franziskus

16.8.2007 – 21.12.2011

Text von 1603 jetzt komplett und korrigiert – Eine Fundgrube für Ordensleute, Theologen und Germanisten
Die in den 100 Tagen vor dem 12.12.2011 am meisten gelesene ETIKA-Seite mit über 3000 page hits.

Der Cronicken der mindern Brüder, Konstanz 1603. Das erst Buch

Von der Regel die S. Franciscus gemacht hat.
Cap. 11.

Als der heylige Franciscus sahe daß sich die Zahl der Brüder nahend der Apostel Anzahl vergleichte / begab er sich die Form und Regel deß Lebens so sie halten solten zu beschreiben / inn welcher er zu einem Fundament / die Observantz deß Evangelij gesetzt / disen ordnete er etliche Sachen zu / welche ihne inn Gemeinschafft und Versamblung zu leben nothwendig zu seyn gedunckten / damit die Fürsteher dieser seiner Regel / inn nichtem der Meynung Christi / weder inn den Gebotten / noch inn den Rähten zu wider wären / welche Regel so gleichwol hernach durch den Heyligen gemehrt worden / ist diese wie hie unden zu sehen ist.

Regel deß H. Vatters S. Francisci.
Inn dem Namen deß Vatters / Sohns / unnd heyligen Geists.
Monumentum.

Diß ist das Leben / welches der Bruder Franciscus an Babst Innocentium den Dritten zu bewilligen begert hat / welches er auch mit leiblicher Stimm bewilliget / ime und seinen jetzigen unnd nachfolgenden Brüdern confirmiert / muß also jetziger B. Franciscus / unnd jeder nachfolgender dieser Religion Obrister / jetzt gedachtem Babst und allen desselben nachfolgenden Gehorsame und Reverentz versprechen und leisten.

Von der Form der Regel / so durch den heyligen Vatter Franciscum eingesetzt / unnd von der Bäbstlichen Heyligkeit Innocentio dem Dritten confirmiert worden.
Von den dreyen fürnembsten Gelübten / der Keuschheit / Gehorsame / und Armut.
Cap. 1.

Das Leben und Regel der Mindern Brüder ist / daß sie keusch / under der heyligen Gehorsame / ohne einiges Eigenthumblichs leben / unnd der Lehr Christi welche also sagt / nachfolgen:

Matth. 19. Wilt du vollkommen seyn / so gehe hin verkauffe was du hast / unnd gibs den Armen / so wirst du ein Schatz im Himmel haben / und komm und folge mir nach. Und widerumb:

Luc. 9. So jemandt mir nachfolgen will / der verläugne sich selbst / unnd nemme sein Creutz auff sich / und folge mir nach. Unnd abermal:

Luc. 14. So jemandt zu mir kombt / und hasset nit seinen Vatter / Mutter / Weib / Kinder / Brüder / Schwestern / auch darzu sein eigene Seel / der kann nit mein Jünger seyn.

Kommentar ETIKA: Wo sind die Mönche, wo die Franziskaner, die das erfüllen, was Jesus und Franziskus verlangen? Wenn sie nicht einmal ihren Körper hassen, sondern „annehmen“ (ein Teufelswort – wir setzen dagegen „überwinden“, „sich selbst besiegen“!) und dies noch andere lehren!

Unnd wer nit trägt sein Creutz / unnd folget mir nach / der kan nit mein Jünger seyn. Unnd wider:

So einer von meinet wegen wirdt verlassen Vatter / Mutter / Brüder / Schwestern / Weib / Kind / und all sein zeitlich Gut / wirdt ers hundertfältig wider empfahen / und das ewig Leben besitzen.

Von der Weiß die Brüder anzunemmen /
selbigen die Ordenskleider anzulegen /
unnd Gestalt der Kleidung der Mindern Brüder.
Cap. 2.

Wann sich einer durch Göttliche Einsprechung wirdt entschliessen / in diese Religion einzutretten / der solle gütigklich von dem Obristen der Brüder auffgenommen werden.

Und wann er ihne beständig auff seinem Fürnemmen befindt / zu seinem Provincial schicken: mitler Weil sollen sich die Brüder hüten / sich seiner weltlichen Geschefften mit nichten anzunemmen.

Wann er nun zu dem Provincial gelangt (welcher ihne freundtlich empfahen solle) und von ime seinen Willen und die Ursach / die ihne inn disen Orden zu gehen bewegt / wol examiniert / solle er ihme mit sonderm Fleiß die Weiß zu leben der Brüder anmelden.

Wann solches geschehen / solle er ihne mit allerley starcken Erinnerungen ermahnen / (wann er kein andere Verhinderung habe) ehe daß er sein Leben disponiere / zuvor alles sein zeitlich Hab und Gut zu verkauffen / und den Armen / wann es ihne also für gut ansicht / außzutheylen.

Es sollen sich aber die Brüder unnd ihre Fürsteher sonderlich wol hüten / daß weil sie mit solchem Werck ummgehen / ihne nit bereden / oder bewegen / es seye durch was Mittel unnd Weg es möchte geschehen / ihnen oder dem Kloster Gelt zu geben: oder auch solches durch andere nit beschehen lassen.

Wann unnd aber / das Kloster oder die Brüder was mangelbar wären so er hätte / unnd auß sein selbst eignem Willen ihnen geben wolte / mögen sie selbiges annemmen / doch anderer Gestalt nit als ob ers andern Armen durch Gottes willen Allmusen Weiß gebe / doch daß es nit Gelt seye.

Wann er nun dises verricht / das seinig den Armen außgetheylt / oder was ihm Gott inspiriert / vollbracht / unn wider inn das Kloster kombt / soll ihme der Guardian den Probier Habit geben / welcher ein Jar wehret / nemblich zwen Röck ohne Kappen / die Niderkleid unnd den Kaparon biß auff die Gürtel.

Wann das Jar der Probierung verflossen / soll man ihne Profeß thun lassen / nach welchem ihme nit mehr erlaubt in ein andern Orden sich zu begeben / und der Bäbstlichen Heyligkeit Gebotten ungehorsamb zu seyn. Und ob sich einer befinden wurde, welcher seine zeitliche Güter nit möchte durch Gottes willen außtheylen / unnd dessen billiche Ursach hätte / dem ist genug daß ers verlasse.

Es ist auch nit zugelassen / daß einer inn disen Orden wider die Satzung unnd Form der Christlichen Kirchen auffgenommen werde. Alle die jenigen welche die Gehorsame verloben / sollen nohtwendigklich haben ein Rock mit einer Kappen / und noch ein ohne Kappen / ein Strick ummzugürten / und die Niderkleid.

Alle Brüder sollen sich mit gar schlechtem Thuch bekleiden / wann selbige an einem oder andern Ort zerrissen / mit Sackzwilch oder anderen schlechten Bletzen flicken. Dann der Herr sagt in dem Evangelio (Matt. 10.):

Die so prächtlich bekleidet daher tretten / seynd an der Füsten (Fürsten) Höffen. Darumben ob sie gleichwol für Gleißner geacht und gehalten werden / sollen sie doch das jenig was sie zu der Ehr Gottes / unnd ihrer Seelen Heyl verbunden / nit underlassen / und die Köstligkeit der Kleidung in diser Welt nit suchen / auff daß sie die herrlichen nacher inn dem Himmel finden mögen.

Von den Göttlichen Embtern und Fasten.
Cap 3.

Und dieweil der Herr an einem Ort spricht (Matt. 17.):

Diese Art der Teuffel wirdt nit außgetriben dann durch Betten und Fasten: und an einem andern (Matt. 11.): Wann ir fastet so thut nit wie die Gleißner / etc.

So sollen die Brüder welche Priester seynd / die Göttlichen Embter halten / und Gott / wie Priester zu thun schuldig / loben / auch für die Abgestorbnen betten / und was gewohnlich ist verrichten.

Und uber das für die Gebresten und Hinlässigkeit der Brüder alle Tag das Miserere sambt einem Vatter unser / für die abgestorbnen Brüder täglich das De profundis, unnd ein Pater noster sprechen.

Sie mögen auch Bücher haben / damit sie ir Officium verrichten und betten könden.

Den Leyen Brüdern so lesen könden / seye erlaubt den Psalmisten zu haben / die aber nit lesen könden / sollen kein Buch haben / sonder täglich das Credo mit 25. Pater noster und dem Gloria Patri sagen. Unnd dises seye für ihr Metten. Für die Laudes 5. Pater noster, zu der Prim das Credo mit 7. Pater noster und dem Gloria, und diß auch zu der Tertz / Sechst / unn Non. Zu der Vesper das Credo mit zwölff Pater noster: zu der Complet das Credo mit 7. Pater noster und dem Gloria Patri. Für die Abgestorbenen täglich 7. Pater noster mit dem Requiem aeternam: und für die Mängel unnd Versaumnus der Brüder alle Tag 3. Pater noster sprechen.

Alle sambt so wol Priester als Leyen / sollen verbunden seyn zu fasten von aller Heyligen Tag an biß auff die Weyhenacht / und nach der heyligen drey König Tag (da Christus hat angefangen zu fasten) biß auf Ostern. Zu anderen Zeiten seynd sie diser Regel nach / außgenommen den Freytag / nit verbunden zu fasten. Es seye ihnen (sic) auch vergunt von allen Speisen so inen gegeben werden zu essen / nach Erlaubnus deß Evangelij / unnd Verordnung der Christlichen Kirchen.

Wie sich die Ministri inn Underrichtung der Brüder zu ihrer Gehorsame verhalten sollen.
Cap. 4.

IN dem Namen Gottes / Alle die Brüder so zu Ministris erwehlt worden / unnd der anderen Knecht seynd / sollen die Brüder in ihre Klöster verordnen / da sie gut gedunckt daß sie bleiben mögen / sie offt besuchen / und zu Haltung ihrer Profession / Verheissung und Gelübts ermahnen / unnd geistlich zwingen / damit sie demselben Statt thun.

Die anderen alle meine geliebste Brüder / sollen ihnen mit Demut und Fleiß inn allem was zu ihrem Heyl gehört / und diser Regel nit zu wider ist / gehorsamen: auch dermassen under einander leben / da sie dem Willen und Gebott deß Herren nit zu wider handlen / welcher sagt (Matth. 7.):

Alles das ihr wöllet daß euch die Leut thun sollen / das thut ihnen auch.

Es sollen auch die Ministri unnd Diener dises so Christus sagt (Matt. 20.) wol zu Gemüt führen:

Deß Menschen Sohn ist nit kommen daß er ihm dienen lasse / sonder daß er diene.

Also weil ihnen die Seelen der andern Brüder anbefohlen / sollen sie mit sonderem Fleiß Acht geben / daß keine durch ihre Vorlässigkeit / oder böses Exempel zu Grund gehe / dann sie umm selbige der Göttlichen Maiestät an dem Tag deß letsten Gerichts Antwort zu geben schuldig und verbunden seynd.

Von der brüderlichen Straff inn den Ubertretungen / und daß sie sich nit ärgern sollen / unnd kein Gewalt uber nichts Eigenthumblichs haben.
Cap. 5.

Ihr Ministri, habt fleissige Sorge uber ewere unnd der Brüder Seelen / dann es ist ein erschröckliche Sach in die Händ deß lebendigen erzürneten Gottes zu fallen.

Wann ewer einer den Brüdern was anbefehlen wurde / so diser Regel / Leben / unnd dem Gewissen zu wider / der solle wissen daß sie zu demselben (wann es schon nit vollbracht wirdt) nit verbunden.

Alle die Brüder die under dem Ministro ihrem Diener seynd / sollen mit sonderm Fleiß auff alle seine Handlungen / und Werck Acht haben / und wann sie einen derselben vermercken / daß er nach dem Fleisch / unnd nit dem Geist / und diser unserer Regel nach procediert / unnd nach der ersten Ermahnung und Straff sich nit bekehrt / soll er dem Vatter General diser Bruderschafft auff dz zu Pfingsten gehalten Capitel ohne alle Hinderung und Verwiderung zugeschickt werden.

Und ob sich under den Brüdern einer befunde / welcher dem Geist / und diser unser Profession nach nit leben wolte / den sollen die andern Brüder / inn welcher Gemein er ist / ermahnen / erinneren / und mit aller Demütigkeit biß auff das dritte mal straffen.

Wann er aber sich nit bessert / sollen sie solches auff das beldest so müglich den Ministro zu wissen thun / oder ihme solchen zusenden / damit er gegen demselben das jenig / was er von Gott möchte inspiriert werden / fürnemmen möge.

Es sollen sich auch alle die Brüder so wol die Ministri, Diener / unnd andere wol hüten / damit sie sich ab anderer Sünden und bösem Exempel nit betrüben / oder ärgern / dann dises sucht der Teuffel / daß er durch die Sünd deß einen ihren vil verdamme / sonder sollen sich geistlicher Weiß befleissen ihme zu helffen / weil der Gesund deß Artzets (sic) nit / sonder der Krancke bedürfftig ist.

Es ist allen Brüdern und Ministris dises Ordens gebotten / daß sie keine Güter / Herrschafften / oder Eigenthumb haben sollen / dann wie der Herr sagt (Matth. 11.): / Die Fürsten der Völcker herrschen uber sie / etc. solches solle sonderlich under uns observiert werden / und welcher begert der grösser zu seyn / seye wie der kleiner / und aller der andern Knecht.

Es solle kein Bruder dem andern rauch oder hart zusprechen / oder Böses thun / sonder je einer dem anderen zu seinen Diensten gehorsamen: Dann dises ist die heylig und wahre Gehorsame unsers Herren Jesu Christi.

Und sollen alle Brüder / was Standts sie auch seyen / wissen / daß wann sie von den Gebotten Gottes sich absündern / unnd ungehorsam seyn (Psal. 18.) / werden sie / so lang sie darinnen verharren / wie der Prophet sagt / von ihr Sünd wegen verflucht seyn.

Wann sie aber in den Gebotten Gottes (wie sie verlobt) unnd Observantz ihrer Evangelischen Profession verharren / werden sie der Benedeyung Gottes vergwißt.

(Anmerkung ETIKA: Wir glauben nicht, dass dies nur für die Angehörigen der Orden des hl. Franziskus gilt. Sicherlich schwebt über den Geistlichen aller Konfessionen dieses Damoklesschwert, wenn sie sich von den Geboten Gottes absondern.)

Von der Zuflucht die die Brüder zu den Ministris haben sollen /
unnd daß sich kein Bruder einen Prior nennen lassen solle.
Cap. 6.

Wann die Brüder an denen Orten / dahin sie auß Gehorsame verordnet / dises unser Leben nit vollbringen mögen / sollen sie sich auf das ehest so müglich / zu ihrem Provincial verfügen / und ihme ir Anligen entdecken / welcher Minister ihnen durch alle Mittel / wie er einer solchen Beschwernus entladen zu werden begerte / zu Hilff kommen solle.

Keiner nenne sich einen Prior / sonder alle in gemein Brüder / wäsche einer dem andern (so offt es die Notturfft erfordert) die Füß / auff daß die Demut stets bey euch geübt werde.

Von der Weiß zu dienen / das Hauß zu versehen /
gebürlichen Ubungen die zu gemeiner Wolfahrt dienen /
und daß die Brüder kein Kloster oder Kirchen haben sollen die ihr eigen seyen.
Cap. 7.

Es sollen alle die Brüder /an was Orten sie seyen / und andern dienen / kein Namen weder eines Kämmerlings / Kellers / oder Haußmeisters / noch auch kein Ambt in dem Hauß darinn sie seynd / annemmen / damit sie kein Ergernus / oder ihren Seelen Schaden geberen / sonder die geringsten / unnd allen anderen so inn dem Hauß wohnen / nachgesetzt unnd underthänig zu seyn begeren:

und sollen sich die Brüder / welche tauglich seyn sich zu bemühen / und providieren / inn der Kunst und Ubung so sie könden / bearbeiten / doch daß solches ihrer Seelen Heyl nit zu wider seye / dieweil der Prophet sagt (Psal. 127.):

Du wirst dich nehren deiner Händ Arbeit / selig bist du / es wirdt dir wol gehen.

Und der Apostel spricht (Thess. 4.):

Wer nit arbeitet / der isset nit.

Unnd ein jeder solle die Kunst oder Arbeit die er kan / mit Liebe gebrauchen und mögen für ihre Handarbeit allerley Notturfft so inen von nöhten / empfahen / doch daß es nit Gelt seye.

Und wann ihnen was nottürfftigklichs manglet / mögen sie solches Allmusen Weiß / wie andere Armen / erbettlen.

Es seye ihnen auch erlaubt / daß sie mögen Instrument unnd allerley Werckzeug zu ihrer Kunst dienlich haben / doch sollen sich alle Brüder befleissen /  daß sie ire Kunst zu guten Wercken üben / dann es ist geschriben (Hier.):

Der Mensch solle allzeit etwas Gutes würcken / damit wann der böß Feind ihne zu versuchen kombt / er ihne mit guten Geschefften beladen finde.

Unnd an einem andern Ort wirdt gesagt (Prov. 21.):

Der Müssiggang ist der Seelen tödtlicher Feind.

Unnd darumben sollen die wahren Diener Christi allzeit sich inn dem Gebett / oder anderem guten Werck üben.

Die Brüder sollen sich hüten / wo sie wohnen / inn Einödinen oder andern Orten / daß sie ihnen kein Ort zueignend oder vor anderen als ihr Eigenthumb beschirmen wöllen.

Und wann es sich begebe / daß zu ihnen käme ein Freund / Dieb / oder Mörder / sollen sie ihne freundtlich auffnemmen / und wo sie mit ihren Wohnungen nahendt bey einander seyn / sie die Liebe einander zu besuchen / unnd geistlich zu ehren / ohne einige widerstellige Weiß üben / frölich in dem Herren / und wol zu friden leben / unnd sich innen und aussen freundtlich und züchtig erzeigen.

(Anmerkung der Apostel der letzten Zeiten AIHS: Diese Regel setzen wir für die Christenverfolgung der Endzeit außer Kraft. Das heißt wenn die Leute des Antichrist kommen, um Christen zu verschleppen oder zu töten, dann wäre es Selbstmord, sie freundlich aufzunehmen und sich von ihnen töten zu lassen. Selbstmord ist verboten. Vernünftig ist es, mit Gebet oder List ihr Vorhaben zu vereiteln oder zu fliehen. Wer aber unbedingt als Märtyrer sterben will, dem sei es unbenommen, sich für den Glauben aufzuopfern.)

Wie die Brüderen Gelt zu nemmen verbotten /
und man sie darumb straffen solle.
Cap. 8.

Der Herr hat den Apostlen befohlen (Luc. 12.):

Sehet zu und hütet euch vor allem Geitz / unnd ewer Gemüt zu setzen in dises Leben / und sorgfältig zu seyn / zu begeren die Sachen diser Welt:

Darumb so seye kein Bruder / er wohne gleich wo er wölle / oder reise / oder was Ursach es immer seyn möchte / der Gelt haben köndte auff einiger Weiß / ders auch vil weniger für Belohnung seiner Arbeit nemmen köndte.

In Summa es solle kein Bruder / es seye in was Mangel es immer könde / kein Gelt haben / außgenommen inn eussersten Noht der krancken Brüder / dann wir sollen das Gelt nit höher dann Stein und Dorn achten / damit weil wir unsere Güter in diser Welt verlassen unnd ubergeben / umb ein so geringes nit verlieren das ewige Leben.

Unnd wann wir auch jemalen Gelt finden wurden / sollen wirs anderst nit als Kot achten / dann es ist alles was in der Welt ist / nur ein zergängkliche Eytelkeit.

Unnd wann es sich begebe / (das doch nit geschehen solle) daß ein Bruder ausserhalb der gesagten Noht der krancken Brüder Gelt empfienge / der solle von den andern Brüdern für einen Dieb / unn falschen Ordensmann der ein Seckel habe / wann er nit wahre Buß thut / gehalten werden.

Gleich so wenig sollen die Brüder kein Gelt empfahen / oder zu empfahen verschaffen / oder begeren lassen durch andere Personen / es seye auff was Weiß es möge geschehen. Sie sollen auch mit denen nit wandlen / so das begeren.

Aber andere Dienst so unser Region und Ordnung nit zu wider / mögen sie mit dem Segen deß Herren in den Häusern / und andern Orten dahin sie wandlen / gar wol verrichten / und allein für die Außsätzigen / welche sie inn grosser Armut zu seyn wissen / das Allmusen sammlen.

Doch hüten sie sich vor dem Gelt / und gleichfalls daß sie umm kein unnohtwendige Begird unbillichen Gewins in der Welt samblen.

Von der Weiß das Allmusen zu begeren /
und der Nahrung.
Cap. 9.

Alle die Brüder sollen sich nach der Armut und Demut Christi Jesu bemühen / und erinneren / daß der Welt nichts nohtwendig ist / als (wie der Apostel sagt) (Tim. 6.) Die Nahrung / und Kleidung / und dessen sollen wir uns begnügen / und nichts anders begeren.

Wir sollen uns auch erfrewen / wann wir mit schlechten / armen unnd von der Welt verachten Leuten conversieren (Anmerkung: Franziskus wusste noch nichts von politisch Ausgegrenzten, nämlich Extremisten aller Lager, wir erinnern an Äußerungen des evangelischen Pfarrers Wolfgang Borowsky in seinem Buch: „Christus und die Welt des Antichristen“, Aglasterhausen 1984) / sonderlich mit Krancken / Außsätzigen / und Bettlern.

Und wann es die Noht erfordern wirdt / daß wir bey den Häusern das Allmusen samblen / sollen wir ohne Forcht unnd Scham solches thun / gedenckende daß der allmächtig lebendig Sohn Gottes sein Angesicht als ein harten Stein hat dargereicht / den Schlägen und Verschmähung diser Welt / sich auch nit geschämet ein Bettler und Frömbdling zu seyn / unnd von dem Allmusen zu leben / wie auch die seligste Jungkfraw sein Mutter.

Und obwol die Menschen sie werden rauch anfahren / und das Allmusen versagen / sollen sie dannocht Gott loben / unnd für selbige betten / dann von der Schmach so sie von denselben empfahen / wirt ihnen vor Christo grosse Ehr bewisen und erzeigt werden / und sollen wissen / daß der Spott und Schmach / so ihnen beschehen / nit ihnen sonder denen / die solche bewisen / zugerechnet und zugemessen werden.

Daß auch das Allmusen ein Gerechtigkeit unnd Rent oder Gült ist / welche den Armen zugehört / und von Christo Jesu denselben verdient / erlangt / unnd verlassen worden.

Die Brüder auch so sich inn Samblung deß Allmusens bemühen / werden grossen Lohn neben deme daß sie Ursach seyn / daß die jenige so geben / auch vil verdienen / erwerben:

Dann alles das jenig / so die Menschen in diser Welt würcken / wirt in nichts verschlossen / allein das Allmusen und Werck der Liebe werden von Gott mit dem ewigen Lohn belohnet werden.

Sicherlich klage ein Bruderr dem andern sein Anligen / damit daß er von ihme möge mit Worten getröst / und nach Mügligkeit mit dem Werck ergetzt werden.

Und ein jeder liebe und ernehre seinen Bruder / wie ein Mutter ernehret und liebet ihre eigne Kinder / inn denen Sachen darzu ihme Gott Gnad gibt / daß er ihme helffen kann.

Diser so nit isset / soll den der isset nit verachten / und diser so isset / soll den der nit isset nit in höherer Würde achten (Rom. 4. Mar. 2.) / wann die Noht vorhanden / mögen die Brüder wo sie seyen / von allem dem so menschlicher Nahrung ist / essen / wie der Herr von dem David sagt / daß er das Brot asse / welches niemandts als den Priestern zu essen vergont war.

Die Brüder erinneren sich dessen / so der Herr sagt:

Hütet euch / daß ihr ewere Hertzen nit beschweret mit uberflüssigem Essen unnd Trincken / damit euch der Schlaff alsdann nit uberfalle / und daß die Faulkeit (sic) darnach nit verursache / daß ihr an dem letsten Tag begriffen werdet mit den Stricken deß Todts / welcher ob er gleichwol auff alle Lebendige wirdt fallen / wirdt er doch underschidliche Würckung / nach dem er die Seel beschaffen findet / haben / nemblich zu dem Leben oder Todt / und beyde ewig.

Aber in dem Fall der augenscheinlichen Noht / sollen die Brüder alles das jenig handlen / so ihnen nottürfftig ist / wie sie der Herr zum besten und erweisen wirt (sic = so geschrieben) / dann die Noht hat kein Gesatz.

Von der Weiß den krancken Brüdern zu dienen.
Cap. 10.

AN allen Orten da ein Bruder erkrancken wurde / sollen die Brüder ihn nit allein nit lassen (sic) / sonder sich vergleichen / damit einer oder mehr / nach dem es die Noht erfordert / ihme dienen unn pflegen / gleicher Weiß als sie wolten daß ihnen gepflegen und gedient werden solte.

Und auff dem Fall daß kein Bruder vorhanden / sollen sie umb ein andere mitleidenliche Person trachten / welche ihme dienen und außwarten (sic) möge.

Den krancken Bruder bitte ich / daß er in allem was ihm begegnet / Gott Danck sage / unnd wie ihne der Herr haben will / es sey lebendig oder todt / gesund oder kranck / sich darein ergebe:

Denn alle die so der allmächtig Gott zu dem ewigen Leben verordnet / die underweßt (sic) er mit der Ruten seiner Züchtigung / Kranckheit / mit dem Geist der Angst / und Trübsal / wie er inn der Offenbarung an dem 3. Capittel sagt:

Die ich liebe / die züchtige und straffe ich.

(Anmerkung ETIKA: Obige Sätze sollten sich Alle in ihren Kalender schreiben und auswendig lernen, besonders jene Geistlichen, die behaupten, Gott strafe niemanden. Und wenn sie nicht von ihm gezüchtigt werden, so ist es ein Zeichen, dass sie nicht von Gott geliebt werden, weshalb sie wie jener Mönch in Ehmigs Kapitel Krankheit trauern und weinen sollten.)

Und wann der Kranck sich wirt betrüben / unnd sich ungedultig gegen Gott / oder den Brüdern erzeigen / oder wann er mit uberflüssiger Begird wirdt begeren die Artzneyen zu nemmen / und seinen Leib / welcher so kurtz zu leben unn der Seelen Feind ist / uber die Maß von der Kranckheit erledigt zu werden / solle nit geacht werden / daß solches auß guten Ursachen herfliesse / sonder für ein fleischlichen / weil nit scheint daß er in der Zahl der Diener Christi seye / gehalten werden / weil er vil mehr den Leib als die Seel liebet / und von desselben wegen mehr begert fürzunemmen / als den Artzt zu Eroberung der Gesundtheit gut zu seyn bedunckt.

Daß die Brüder einander sollen lieben /
keiner den andern schmähen / und wider einander murren.

Cap. 11

HUeten sich die Brüder einander fälschlich anzuklagen / oder zu verkleinern / auch under einander oder mit andern zänckisch zu seyn.

Sie sollen mit Stille ihre Ubung inn der Genad deß Herren verrichten / kein Krieg under ihnen / noch mit andern haben / sonder die ersten sich zu erkennen / und zu sprechen seyn (Luc. 17.) /

Wir seynd unnütze Knecht. Sollen allzeit mit Demut antworten / unnd sich vor Zorn hüten: (Matt. 5.) Dann alle die so gegen dem Nächsten Zorn tragen / seynd schuldig an dem Gericht deß Herren / unnd welcher seinen Nächsten verachtet (Anmerkung ETIKA: es kommt wohl darauf an, wen und warum; darf man etwa Kinderschänder und ihre perversen Artgenossen, Massenmörder und dergleichen nicht verachten, was auch dem Schutz der Gesellschaft, der Schwachen und der Christenheit dient?) / der wirdt zu dem höllischen Feur verurtheylt.

Darumben sollen sie sich under einander / wie uns der Herr lehrt / lieben / da er sagt:

Diß ist mein Gebott / daß ihr einander liebet / wie ich euch geliebt hab.

Und dise wahre Liebe sollen sie nach dem Apostel erzeigen / in Worten / Wercken / unnd inn der Wahrheit.

Sie sollen niemandts fluchen (Anmerkung ETIKA: Franziskus verfluchte selbst z. B. ein Schwein) / nit murmeln /niemandts ubel nachreden / dann es ist geschriben:

Die Murmler und Flücher seynd abscheulich vor Gott.

Sie sollen züchtig seyn / mit jederman freundtlich / niemandt urtheylen (Anmerkung ETIKA: Serienmörder frei zirkulieren lassen, damit sie weitere Frauen und Kinder umbringen?) / oder verdammen: und wie der Herr spricht (Mar. 7.):

Sehend nit auff die kleine Sünd anderer / sonder habt Acht auff die ewern in Bitterkeit und Rew ewerer Seelen.

Sollen sich bemühen einzugehen durch die enge Thür / denn der Herr sagt (Matth. 7.):

Schmal ist der Weg / und eng die Thür / durch welche man eingehet inn das ewige Leben / und wenig seynd deren die den finden und gehen.

(Anmerkung AIHS: Andere nicht schmähen, nicht murren usw.: leicht gesagt, aber in der jetzigen Apostasie? Wir erinnern an die unvermeidliche Spaltung im katalanischen Kloster Montserrat. Wie sollen Kinder Gottes mit Söhnen Satans in Frieden leben? Das wäre doch Selbstaufgabe und Aufgabe des Glaubens. Die Apostel der letzten Zeiten erklären hiermit, dass diese Regeln nur für den Umgang mit Menschen gelten, die sich nicht als Raubtiere aufführen oder perversen Neigungen nachgehen (s. auch Kap. 13). Die heutige Gesellschaft steht wegen ihrer Gottlosigkeit und Unmoral am Abgrund. Selbstmord ist verboten, der Schutz Unschuldiger vor Verbrechern hat Vorrang vor der Toleranz, der Verrat an Glauben und Moral führt in die Hölle.)

Wie sich die Brüder sollen vor Anschauung und Conversation der Weiber hüten.
Cap. 12.

An allen Orten da die Brüder seynd / sollen sie sich hüten vor unkeuschem Anschauen / und böser Conservation der Weiber / wann es die Noht erfordert / soll keiner sich understehen eintzig (Anmerkung: allein) mit einem Weib zu reden / außgenommen die Priester / die mögen ehrbarlich in Auffgebung einer Buß / oder Ertheylung guter geistlicher Räht mit denen conversieren / auff keine Weiß solle durch einigen der Brüder kein Weibsbild zu der Obedientz auffgenommen werden / sondern sie zur Bußwürckung / wo es inen an dem annemblichsten seyn möchte / ermahnen und weisen. Lasset uns mit sonderm Fleiß alle wol in solchem behutsam seyn / dann der Herr spricht:

Welcher ein Weib ansicht sie zu begeren / der hat inn dem Hertzen schon mit ihr gesündiget.

Es ist uns auch nit erlaubt das jenig anzusehen / so wir nit dörffen begeren.

Von der Straff der Brüder / so sich fleischlich versündigen wurden.
Cap. 13.

Wann ein Bruder durch Anstifftung deß Teuffels fleischlich wurde sündigen / der solle deß Habits / welchen er durch sein Schuld und Unlauterkeit verunreynt / gantz und gar beraubt / und von der Religion verstossen / und an andere Ort seiner Sünden halber Buß zu thun / gewisen werden.

Wie sich die Brüder in dem Umbreisen in der Welt sollen verhalten.
Cap. 14.

Wann die Brüder durch die Welt reisen / sollen sie kein Provision / Zehrsack / Seckel / Gelt / oder Stecken mit sich tragen / und in allen Häusern da sie eingehen / sprechen: Der Frid seye in disem Hauß. (Matt. 10.)

Und wo sie auffgenommen werden / ruhen / essen / und trincken / was ihnen fürgetragen wirt (Matt. 5. Luc. 6.) / sich wann sie mit Worten / oder Wercken angefochten / dessen nit betrüben / und wann ihnen ein Backenstreich auff die ein Seiten geben / die ander auch darbieten: Und wann einer sie wolte außziehen / sichs nit verwideren / und wann ers genommen / nit mehr begeren / sonder gedencken / dises alles begegne ihnen von der grossen Hand deß Herren.

Daß die Brüder nit reiten sollen.
Cap. 15

Ich befilch allen meinen Brüdern / so wol den Priestern als Leyen / daß wann sie durch die Welt reisen / oder an andern Orten still ligen / sie weder für sich selbsten / oder andere kein Thier haben zu reiten : Es seye inen auch verbotten das Reiten / allein es geschehe auß Ursach der Kranckheit / oder augenscheinlichen Notturfft.

Von denen welche zu den Moren und Unglaubigen wandlen werden.
Cap. 16

Der Herr sagt (Matt. 10.): Sihe ich sende euch wie die Schaff under die Wölff / darumben seynd klug wie die Schlangen / und einfältig wie die Tauben.

Dannenher wann ein Bruder mit Göttlicher Eingebung berürt / sich under die Moren unnd Unglaubigen zu begeben Lust hätte / solle er solches ohne Vorwissen unnd Bewilligung seines Obristen nit fürnemmen / doch solle der Obriste wann er den Bruder taugenlich andern Frucht zu bringen / und ihme selbst Heyl zu erwerben / erkent / ihme sein Vorhaben nit abschlagen (alles mit der Hilff Gottes verstehend) dann selbiger Obriste verbunden solle sein Rechenschafft zu geben vor Gott / wie sein Verwilligung zimlich oder unzimlich in Mittheylung oder Verwegerung (sic) dises Begerens seye gewesen.

Die Brüder so under die Unglaubigen sich begeben / mögen auff zweyerley Weiß mit ihnen conversieren. (1. Pet. 2.)

Die erste ist / daß sie mit ihnen nit contendieren / sonder nit allein ihnen / sonder allen anderen Creaturen umb der Liebe Gottes willen underthänig seyn / unn allzeit darneben sich Christen bekennen.

Die ander ist / daß sie nach dem Willen Gottes Sein Göttlich Wort predigen / auff daß sie inn sein Allmächtigkeit / Gott Vater / Sohn / unnd heyligen Geist / dreyfaltig in den Personen / und einig in dem Wesen / inn die Menschheit deß Erlösers / und der Welt Seligmachers glauben / sie zu dem Tauff und Christenlichen Leben ermahnen (Ioan. 3.): Dann welcher nit widergeboren wirt durch das Wasser und heyligen Geist / kan nit eingehen inn das Reich der Himmel.

Dises und dergleichen anders / das ihnen durch Gott eingossen wirdt / sollen sie dem unglaubigen Volck verkünden / dann der Herr sagt inn dem Evangelio (Matt. 10.) : Wer mich bekent vor den Menschen / den will ich bekennen vor meinem Vatter im Himmel / wer mich aber verläugnet vor den Menschen / den will ich auch verläugnen vor meinem Vater im Himmel.

Alle die Brüder / wo sie auch seyen / erinneren sich / daß sie ihr Seel und Leib allbereit dem höchsten Gott auffgeopffert / und daß sie selbige auff alle Weiß den sichtbaren und unsichtbaren Feinden darzugeben schuldig / weil der Herr sagt (Matt. 16. Matt 5. Ioan. 15. Matt 10. Matt. 5.):

Erinneren sie sich dessen so der Herr sagt:

Unnd diß sage ich zu euch meinen liebsten Freunden / damit ihr die jenigen / so nun den Leib umbbringen könden / nit förchtet / unnd mit ewer Gedult werdet ihr ewere Seelen gewinnen (Luc. 21. Matt. 10.) :

Und diser so biß an das End verharret / wirt selig werden.

Von den Predigern.
Cap. 17.

DIeweil daß die Evangelische Verkündung ein Speiß der Seelen ist / seye kein Brueder so vermessen / der sich deß Predigambts ohne Vorwissen und Bewilligung seiner Obrigkeit underwinde / unnd die jenige so sie erlangen / hüten sich wol / daß sie jchtes wider die Satzung unnd Ordnungen der Christlichen Catholischen Kirchen predigen.

Unn die Fürsteher haben gut Acht / daß sie nit liederlich ein oder den andern zu einigem Ambt / oder wichtigen Handel deputieren / sonder wolbedechtlich handlen.

Und darumben die Brüder / welchen das Predigen vergont / oder ein ander Werck der Gehorsame anbefohlen wirdt / sich wol hüten sollen / daß sie weder ihnen selbst / oder ihren Verdiensten / sonderlich inn dem Predigen / welches sie mehr mit Wercken als schönen Worten verrichten sollen / nichts nit zuschreiben: Unnd so offt sie von dem Predigambt genommen werden / ohne alle Widerspennigkeit dasselbig verlassen.

Darumben bitte ich (umb der Liebe Christi willen) alle Brüder / Prediger / und Fürsteher / sie seyen Priester oder Leyen / dz (Anmerkung: Abkürzung für dass und das) sie sich allzeit zu der Demütigkeit befleissen / und underthänig erzeigen / sich nit rühmen / und ein Wolgefallen tragen in einigem guten Werck / so Gott durch sie reden oder würcken möchte / seytmal solche Würckung nit ihrer / sonder GOTTES / unnd gedencken an das so Christus sagt (Luc. 15.):

Erhebendt euch nit / daß die Teuffel euch underthänig seynd / dann von dem unseren haben wir nichts als Sünd und Laster.

Und wann wir angefochten / unnd mit Kranckheiten und Betrübnus (so wol an der Seel als dem Leib beladen / alsdann sollen wir uns mit Hoffnung deß ewigen Lebens erfrewen.

Lassendt uns hüten vor Hoffart / Ehrgeitz / Klugheit der Welt / unnd Weißheit deß Fleischs / welche wöllen daß man sich der Wolberedenheit mächtig bemühe / aber wenig Guts würcke / selbe sucht nit Religion und Heyligkeit deß Geists / sonder ein eusserliche vor den Menschen gleißnerische Religion und Heyligkeit (Matt. 6.) / dann diese seynd von welchen der Herr sagt:

Wahrlich sag ich euch / sie haben ihren Lohn schon empfangen.

Der Geist deß Herren begert / daß das Fleisch solle getödt / veracht und für nicht gehalten werden / und daß es sich befleisse / demütig / gedultig / reyn / keusch / unnd dem Geist underthänig zu seyn / und vor allem wol unnd steiff eingewurtzt / seye inn der Forcht und Liebe Gottes / Vatters / Sohns / und heyligen Geists / alles Guts dem Allerhöchsten attribuieren / unnd darbey erkennen / daß wir die seinen seyend / ihme ohn Underlaß / als dem / von welchem alles unser Guts hanget und herfleußt / dancken:

Dannenhero ime allein (weil er dz wahre und höchste Gut ist) alle Glori / Ehrerbietung / und Herrligkeit gebüren.

Und darumben wann wir was sehen so wider seinen heyligisten Namen ubel geredt / oder gehandlet worden / sollen wir entgegen uns befleissen ihne zu loben / zu ehren / zu erhöhen / und Danck zu sagen / welcher gebenedeyt ist von Ewigkeit zu Ewigkeit / Amen.

Wie sich die Ministri versamblen sollen.
Cap. 18.

DEr Minister sammt allen seinen Brüdern sollen sich alle Jar auff S. Michels Tag versamblen / an einem gelegnen Ort / da man könde handlen unnd determinieren von denen Sachen / so dem Dienst Gottes / und der Religion fürstehenlich seyn / und alle die Ministri so enthalb deß Meers und Gebirgs wohnen / sollen sich alle drey Jar einmal versamblen:

Die andern Ministri sollen alle Jar zum Capittel inn die Kirchen zu S. Maria der Englen zu samen kommen / außgenommen der General ordnet es anderst / welches Ordnungen sie gehorsamen sollen.

Daß alle Brüder Catholisch leben sollen.
Cap. 19.

Alle Brüder sollen Catholisch seyn / und Catholisch leben / und wann einer in dem Glauben oder Satzungen der Catholischen Kirchen / es wäre mit Worten oder Wercken / irren / und sich nit bald emendieren wurde / der solle gentzlich von unser Religion außgeschlossen unnd verstossen werden.

Wir sollen für unsere Obristen halten alle Praelaten / Priester / und Geistlichen / inn allem deme was da gehört zu dem Heyl der Seelen / doch daß es unser Ordnung nit zu wider seye.

Von der Communion und Beycht der Brüder.
Cap. 20.

Meine lieben und von Gott gebenedeyten Brüder / so wol Priester als Leyen / sollen den Priestern unsers Ordens beychten.

Auff den Fall aber daß solches nit köndte beschehen / einen andern Catholischen tauglich und qualificierten Priester darzu erbitten / und wahren Glauben haben / daß sie durch die Buß unnd Absolution / so ihnen geben / von allen ihren Sünden erledigt seyen / und sich mit wahrem Glauben und Demut befleissen / die Buß so ihnen aufferlegt worden / zu vollbringen.

Wann aber die Gelegenheit der Priester nit vorhanden wäre / auff solchen Fall mögen sie ihren Mitleyen Brüdern beychten / wie der Apostel sagt (Iac. 5.):

Beychtend (sic) einander ewere Sünd.

Sie sollen aber darneben alle Mügligkeit nit sparen Priestern zu beychten (Matt. 16.) / dann dise allein haben von Gott den Gewalt zu lösen und zu binden.

Also gebeycht / unnd berewet / mit grosser Ehrerbietung und Demut sollen sie das hochwürdige Sacrament empfahen / gedenckende daß der Herr sagt (Ioan. 16.):

Welcher mein Fleisch isset / unnd mein Blut trinckt / wirt haben das ewig Leben.

Unnd an einem anderen Ort (Luc. 22.):

Diß solt ihr thun zu meiner Gedechtnus.

Von dem Lob Gottes / unnd Ermahnung der Christlichen Völcker zu der Buß.
Cap. 21.

Alle meine Brüder / wann sie werden erkennen / unnd sie gelegne Zeit geduncken dem Volk zu predigen / mögen sie mit dem Segen Gottes dise Wort gebrauchen:

Förchtet / liebet / ehret / allzeit lobet

und saget / Gebeneyet seyest du Gott / allmächtig / dreyfaltig / unnd einig Vatter / Sohn / und heyliger Geist / ein Erschaffer Himmels / Erden / und alles was darinnen ist /

ich bitte dich gib mir Genad / daß ich möge würcken würdige Frücht der Buß /

unnd dise Wahrheit erkennen / daß wir bald zu sterben / und im selbigen Puncto / uber Seel unnd Leib determiniert werden / ewigklich zu leben / oder zu leiden.

Sie sollen die Beleydigten zu Verzeyhung ermahnen / wie uns von Gott dem Allmächtigen verzigen worden / unnd sagen:

Wann sie nit verzeyhen / werde inen auch nit verzigen werden:

und selig seyen die jenigen / welche wol berewt sterben / dann ihrer Statt wirt seyn in den Himlen. (Matt. 18.)

Und wehe denen die inn der Unbußfertigkeit abscheiden / dann sie werden Kinder deß Teuffels / welches Werck sie geübt / unnd in das ewige Feuer verstossen werden.

Hütet euch allerliebste Brüder vor allem Bösen / und verharret in dem Guten biß an das Ende / damit euch Gott gesegne / Amen.

Von der Ermahnung so er den Brüdern gethan hat.
Cap. 22.

Franziskus-Übersicht - - - Index 1