ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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19.8.2007

12F3113

Offenbarung an Franziskus über seinen Orden

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 13. S. Bonaventura

Wie der heylig Franciscus wider gen Assisi kam /
und wie ihme von Gott geoffenbart daß sein Orden zum Heyl der Seelen der Glaubigen eingesetzt worden.
Cap. 13. - S. Bonaventura

Alsbald Franciscus von der Bäbstlichen Heyligkeit (Anmerkung ETIKA: die Unsitte, trotz des Verbotes durch Jesus den Papst einen heiligen Vater zu nennen, ist also schon im Mittelalter gang und gäbe gewesen) dise so hoch begerte Confirmation erlangt) / wirdt er behertzt / zeucht von Rom / unnd begibt sich seinem Thal bey Spoleti zu / damit er daselbst mit Verkündung deß Evangelij den Anfang machte / handlete under Wegen ohn Underlaß mit den Brüdern / auff was Weiß sie auff das vollkommnist ihr allbereit angenomne Profession halten möchten.

In welchem Gespräch als sie ein Weil fortgangen / und müd wurden / ruheten sie an einem einöden Ort / nit weniger gekränckt von dem Hunger / als von der Müde / weil sie nichts bey ihnen hatten / damit sie sich laben / unnd erfrischen möchten / hätten auch kein Hoffnung was durch menschliche Hilff zu wegen zu bringen.

Der allmächtig Gott aber / welcher wahrhafftig ist / und seinen Glaubigen nichts ermanglen laßt / versicht sie selbster.

Dann alsbald erscheinet vor ihnen ein Mann mit Brot beladen / welcher als er solches den Armen außgetheylt / inn Angesicht ihrer verschwunden / unnd von niemandt mehr gesehen worden.

Darauß als sie erkanten daß dise Wohlthat ihnen von der Hand Gottes erfolget / sie mächtig getröst / ihnen stet und unwiderrüfflich fürgenommen sich von keinerley Mangel der Underhaltung / oder anderer Noht unnd Trübsal nimmermehr von diser ihrer fürgenomnen strengen unnd hohen Armut abwendig machen zu lassen.

Mit disem Eyffer und gutem Fürnemmen gehen sie durch das Thal Spoleti / redten under einander ob es besser wäre / zu ihrer selbsten Seelen Heyl inn der Wüste zu wohnen / oder aber zu Erbawung deß Nächsten bey der Conversation der Menschen zu verbleiben.

Von welchem als er mit seinen Disciplen lang tractiert / und aber ein solche wichtige Resolution nit auff sich allein laden wöllen / unnd ihme selbsten nit vertrawete begert er durch Mittel deß Gebetts / daß er dessen möchte von dem Herren berichtet werden / in welchem er durch den Schein deß himlischen Liechts erleuchtet worden / daß er von Gott gesant worden / auff daß er sich befleissen solte / ihme vil Seelen zu gewinnen / gleich wie der Teuffel sich arbeitet zu entziehen (so geschrieben, unverständlich) / unnd in den Abgrund der Höllen zu führen.

Darauff setzt er ihme für sambt seinen Brüderen / vilen zu Gutem bey der Welt / und nit von deß Eignen wegen inn der Wildnus zu wohnen.

Haben sich darauff sammetlich nit weit von Assisi in ein öd Hauß zu samen gethan / und daselbst ihrer Regel gemäß inn grosser Armut gelebt (Anmerkung: schon damals eine willkürliche Schreibung der s: deß, Hauß, gross) / begerten vil mehr mit dem Brot der Zehern (Tränen) / als deß weltlichen Trosts sich zu erhalten / lagen stets ohn Underlaß dem Gebett ob / meists in der Betrachtung / weil sie selbiger Zeit keine Bücher oder Breviaria, darmit sie die Horas Canonicas (Gebete zu den Stunden: Morgengrauen, 6 h, 9 h, 12 h, 15 h, 18 h, abends vor dem Schlafengehen) verrichten köndten / hatten.

In welchem Abgang aber der Bücher / lerneten sie das schöniste Buch deß Lebens Christi / betrachtend dasselbig / wie sie ihrer heyliger Vatter (Anm.: leider auch hier) underwise / und unauffhörlich das Creutz Christi predigte Tag und Nacht.

Als sie aber letstlich bey ihme starck angehalten / er solte ihnen ein Form zu betten fürgeben / sagt er ihnen die Wort deß Herren :

Wann ihr betten wöllet / sprechendt / Vatter unser der du bist in den Himlen / etc.

Unnd darauff:

Wir betten dich an / O Herr Jesu Christe / unser Herr und Gott / hie / und in allen Kirchen der Welt / wir loben dich / wir ehren dich / dann mit deinem heyligen Creutz hast du erlöset die Welt.

Er underwise sie auch / Gott den Herren in allen seinen Creaturen zu ehren und zu loben / solten gegen den Priestern ehrerbietig seyn / einfältig glauben / wahrhafftig die Wahrheit deß Glaubens bekennen / wie sie die heylige Catholische Römische Kirch bekente unnd haltete / und die Discipel höreten ihn / und verwunderten sich seiner Geschickligkeit.

Vor allen Kirchen / und Crucifixen / die sie auch von weitem sahen / fielen sie auff die Knie / und verricheten ihr Gebett / wie sie der Heylig underricht hätte.

(Anmerkung: Sollte der Schreiber noch ein diese statt dise oder ein sollte statt solte übersehen haben, so bittet er darum, dies nachzusehen. Der Computer schreibt diese Wörter stur und eigenmächtig immer falsch, obwohl das Rechtschreibprogramm ausgeschaltet ist. Eine Unverschämtheit der Hersteller.)

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