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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3114 |
Der feurige Wagen |
Der Cronicken der
Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 14.
S. Bonaventura. |
Von einem wunderlichen Gesicht eines feurigen Wagens
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auff welchem der heylig Franciscus seinen Brüdern erschinen.
Cap. 14.
S. Bonaventura
Dises arme deß heyligen Manns Collegium war
nahent bey einem Ort genant Rivotorto / inn einem
armen so kleinen Häußle / daß sie schwerlich nahent bey einander sitzend sich
erhalten möchten / von
dannen gienge der Liebhaber der Armut auß zu predigen die Buß und Verachtung
der Welt / erstlich mit dem Werck / nacher mit den Worten.
Eines
mals eines Sambstags Abends gehet er mit einem seiner Gesellen der Statt Assisi
zu / willens folgigen Sonntag deselbst zu predigen / wie er gewohnt war /
begibt sich bey der Thumbkirchen under ein Hütten daselbst uber Nacht zu
bleiben / und als er umb die Mittenacht inn innbrünstigem Gebett war / erscheinet alsbald seiner armen Gesellschaft ein feuriger
Wagen mit wunderlichen Schein / gehet zu der Thür ihres kleinen Häußleins / darinnen
etlich betteten / etlich schlieffen / hinein / und dreymal in dem Häußle herumb / in der Mitte dessen
sasse der heylige Franciscus / ob ihme ein Wolcken / welche wie die Sonnen
leuchtet / mit welchem Schein die Finsternus erleuchtet / unnd die jenigen so
geschlaffen / von dem Getümmel desselben erwachten / unnd wurden ihre Leiber
dermassen erleuchtet / daß deß einen Gewissen alsbald dem andern geoffenbaret
worden (weil sies augenscheinlich in dem Hertzen sahen), daß der heylige Franciscus
in dem Geist gegenwärtig wäre / ob er gleichwol mit dem Leib abwesend / und durch
ubernatürliche Krafft von ihnen auff dem feurigen scheinenden Wagen gesehen
wurde / damit er ihnen zu verstehen gebe / auff daß sie wie die wahren
Israeliter (4. Reg. 2.) / ime nachfolgen solten / und gleich wie ein anderer
Helias von Gott ihr Wagen und Wegweiser gemacht worden:
Und ist zu glauben, daß der allmächtig Gott
durch das Gebett deß heyligen Manns bewegt / disen seinen geringen Dienern die
Augen eröffnet / damit
sie sein Allmächtigkeit sehen möchten / wie er vor alten Zeiten gethan hat (4. Reg. 6.) / da er deß Helisei Knecht die Augen auffgethan / auff dz er
den Berg voller Kriegsvolck brinnender Wägen unnd Englen / welche zu der Hut
deß Propheten da waren sehen möchte.
Also alsbald der Heylige wider zu inen
gelangt / hat er angefangen ihre Hertzen
zu penetrieren / unnd wegen der wunderlichen Erscheinung unnd Vision zu trösten / auch vil newe Sachen wegen Zunemmung deß Ordens zu entdecken / und vil andere Sachen / so
menschlichen Verstand ubertraffen / fürzutragen.
Dannenhero die Brüder erkant / daß der
heylige Geist wahrhafftigklich herab gestigen / und also vollkommenlich in
ihrem heyligen Vatter Francisco wohnen / daß seinem Leben und Lehr nachzufolgen
/ inen und allen Glaubigen / der sicherist Weg wäre die ewige Seligkeit zu erlangen.