ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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25.11.2000 – 20.8.2007

12F3114

Der feurige Wagen

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 14. S. Bonaventura.

Von einem wunderlichen Gesicht eines feurigen Wagens /
auff welchem der heylig Franciscus seinen Brüdern erschinen.
Cap. 14.
S. Bonaventura

Dises arme deß heyligen Manns Collegium war nahent bey einem Ort genant Rivotorto / inn einem armen so kleinen Häußle / daß sie schwerlich nahent bey einander sitzend sich erhalten möchten / von dannen gienge der Liebhaber der Armut auß zu predigen die Buß und Verachtung der Welt / erstlich mit dem Werck / nacher mit den Worten.

 

Eines mals eines Sambstags Abends gehet er mit einem seiner Gesellen der Statt Assisi zu / willens folgigen Sonntag deselbst zu predigen / wie er gewohnt war / begibt sich bey der Thumbkirchen under ein Hütten daselbst uber Nacht zu bleiben / und als er umb die Mittenacht inn innbrünstigem Gebett war / erscheinet alsbald seiner armen Gesellschaft ein feuriger Wagen mit wunderlichen Schein / gehet zu der Thür ihres kleinen Häußleins / darinnen etlich betteten / etlich schlieffen / hinein / und dreymal  in dem Häußle herumb / in der Mitte dessen sasse der heylige Franciscus / ob ihme ein Wolcken / welche wie die Sonnen leuchtet / mit welchem Schein die Finsternus erleuchtet / unnd die jenigen so geschlaffen / von dem Getümmel desselben erwachten / unnd wurden ihre Leiber dermassen erleuchtet / daß deß einen Gewissen alsbald dem andern geoffenbaret worden (weil sies augenscheinlich in dem Hertzen sahen), daß der heylige Franciscus  in dem Geist gegenwärtig wäre / ob er gleichwol mit dem Leib abwesend / und durch ubernatürliche Krafft von ihnen auff dem feurigen scheinenden Wagen gesehen wurde / damit er ihnen zu verstehen gebe / auff daß sie wie die wahren Israeliter (4. Reg. 2.) / ime nachfolgen solten / und gleich wie ein anderer Helias von Gott ihr Wagen und Wegweiser gemacht worden:

 

Und ist zu glauben, daß der allmächtig Gott durch das Gebett deß heyligen Manns bewegt / disen seinen geringen Dienern die Augen eröffnet / damit sie sein Allmächtigkeit sehen möchten / wie er vor alten Zeiten gethan hat (4. Reg. 6.) / da er deß Helisei Knecht die Augen auffgethan / auff dz er den Berg voller Kriegsvolck brinnender Wägen unnd Englen / welche zu der Hut deß Propheten da waren sehen möchte.

 

Also alsbald der Heylige wider zu inen gelangt  / hat er angefangen ihre Hertzen zu penetrieren / unnd wegen der wunderlichen Erscheinung unnd Vision  zu trösten / auch vil  newe Sachen wegen Zunemmung deß Ordens  zu entdecken / und vil andere Sachen / so menschlichen Verstand ubertraffen / fürzutragen.

 

Dannenhero die Brüder erkant / daß der heylige Geist wahrhafftigklich herab gestigen / und also vollkommenlich in ihrem heyligen Vatter Francisco wohnen / daß seinem Leben und Lehr nachzufolgen / inen und allen Glaubigen / der sicherist Weg wäre die ewige Seligkeit zu erlangen.

 

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