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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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Mehr Brüder; Silvester
bekehrt; Morico lebt nur von Kräutern und Früchten gesund und lang |
Der Cronicken der
Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 16.
Seite 78 – 80. |
Von Zunemmung der Brüder / von der Bekehrung Bruders
Silvester / unnd wie der heylig Vatter Bruder Morico gesund gemacht / und zum
Orden beklehrt hat.
Cap. 16.
Fioreto.
Als der
heylige Diener Christi sambt seinen Disciplen also inn disem newen
Orden gröster Strenge des Lebens / Ubung deß
Gebetts / Eyffer deß Exempels / unnd der Lehr zum Heyl der Seelen wohnete /
facht (vielleicht: lässt) der schöne
Weingarten deß Herren newe Geschoß / wolgeschmackte Blumen / unnd liebliche
Früchte der Ehr seiner Göttlichen Maiestät herfür bringen.
Dann etliche
vil von dem Eyffer und Krafft der Predigen (Predigten)
deß Heyligen bewegt / unnd mit der Liebe Christi entzündet / legten ihnen
selbsten strenge / schwere / und ungewohnliche Bussen auff / folgten der Form / und reynem Raht deß Heyligen.
Andere nit
allein durch die Andacht bewegt / sonder mit einer heyligen Begird ihme
nachzufolgen entzündet / folgten nach seinen heyligen Fußstapffen / weil sie
ihne als ihren Führer inn Verachtung der Eytelkeit der Welt unnd irrdischen
Dingen / erwehlt / unnd also inn dem Geist und Göttlichem Wandel zunammen.
Dahero wurden
ihro in kleiner Zeit so vil / daß sie durch die gantze Welt außzugen.
Under den
ersten die selbiger Zeit in den Orden kamen / ist gewesen der selige Bruder
Silvester / der zwölffte Discipel / unnd erste
Priester so den Orden angenommen.
Diser war von
Assisi / unnd seiner Bekehrung Ursach ist gewesen / daß er sich gegenwärtig
befunden / als Bruder Bernhard Quintavalle / mit
Raht deß heyligen Francisci / alles das seinig den Armen außgetheylt.
Und als er
gesehen mit was Freygebigkeit er das Gelt den Armen geben / wachßt in ihm der Geitz / spricht zu dem heyligen Mann / er solte ihm die Stein / so er zu
Erbawung der Kirchen her geben / gar bezahlen.
Disem gibt er (Franziskus) kein Antwort / greifft inn
deß Quintavalles Seckel / nimbt Gelt herauß / unnd zahlt ihn / fragt ob er mehr
haben wolte.
Er aber sagt
von nein / sonder er sey zufriden / zeucht also mit dem Gelt zu Hauß.
Als er aber
letstlich die teufflische Begird / die ihn verblendet hätte / erkent / hat er sich selbsten härtigklich darum gestrafft / und
entgegen die Freygebigkeit und Eyffer deß heyligen Francisci und Bruder
Bernhards gelobet.
Dannenhero so
wol durch dise seiner selbsten Erkantnus / als daß ihne der allmächtige Gott
allbereit erwehlt / und zu disem newen Weg der Vollkommenheit verordnet / ist
ihme wenig Zeit hernach drey Nächt nach einander ein erschröcklich
Gesicht auff gleiche Weiß wie hernach folgt /
erschinen.
Er sahe im
Schlaff die Statt Assisi mit einem erschröcklichen grossen Dracken (Drachen) umbgeben / welcher sie mit offenem Rachen zu
verschlünden (Schlund!, ausgestorbenes
Wort) begerte.
Unnd auß dem
Mund deß heyligen Francisci sahe er ein uberauß schön Creutz von lauterem Gold
anzusehn / außgehen / dessen Höhe erreichet den Himmel / und mit beyden rechten
und lingkem Theyl reichte es biß an das
Eusserist der Welt / von welches klarem Glantz der vergiffte Drack entflohen.
Von dieser wunderlichen
Erscheinung hat er selbiger Zeit / weil ers nit vollkommenlich geglaubt /
nichts gesagt.
Als er aber
hernach dise deß Heyligen Regel von der Bäbstlichen Heyligkeit confirmiert /
die Verharrung inn der Heyligkeit deß Lebens und Lehr gesehen / ist er dem
heyligen Mann zugangen / und ihme diese Vision so er gehabt angezeigt:
Unn nach dem
er all sein zeitlich Gut den Armen geben / verbleibt er bey ihme / und lebt so
heyligklich / und grosser Observantz deß Ordens / daß an ihme wol erfült worden
/ was er zuvor gesehen hatte.
S. Bonaventura.
Zu dieser Zeit
war ein geistlicher deß Ordens der Creutziger mit Namen Morico / dieser lage inn einem Spital nit weit von Assisi
kranck / an dessen Gesundheit hätte menigklich verzagt /
der hatte all sein Hoffnung auff Gott gesetzt / unnd von deß Vertrawen wegen so
er zu dem heyligen Francisco truge / schicket er ihm ein Botten / laßt ihn ansprechen
/ er wölle Gott für ihn bitten.
Welches
Begeren der heylige Mann Statt gethan / und alsbald er gebettet / nimbt er
Mollen von einem Brot / dunckts in die Lampen so vor unser Frawen Bild branne /
machts zu samen wie ein Latwergen / gibt’s zweyen Brüdern / schickt ihms / unnd
sagt:
Bringet diese Arzney unserem
Bruder Morico / dann darmit wirdt der allmächtig Gott ihme nit allein völlige
Gesundheit deß Leibs / sonder auch der Seelen
mittheylen / daß er sein Diener inn diser unser Religion seyn wirt.
Also begibt es
sich: Dann alsbald er diese Artzney nit von weltlichen Artzten / sonder von dem
heyligen Geist zugericht / empfangen / wirdt er von stundan gesund / unnd hat
ihme uber das so grosse Krafft und Stärcke an Seel und Leib geben / daß er bald
hernach in Orden gangen / und einen Habitum gleich wie ein Bettler mit vilen
Flecken angetragen / und an blossem Leib ein Bantzerhömmt angehabt / unnd also vil Jar gelebt /
·
kein Brot gessen /
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kein Wein getruncken /
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noch nichts Warmes versucht /
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sonder allein Kräuter und Frücht genossen
/
·
bey solcher grossen Abstinentz nie
erkrancket /
sonder sich
allzeit gesund unnd starck disen Orden zu tragen befunden.
Dannenhero der
allmächtig Gott nach seinem Ableiben durch ihne vil Wunderzeichen gewürckt.