ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

www.etika.com
22.8.2007

12F3116

Mehr Brüder; Silvester bekehrt; Morico lebt nur von Kräutern und Früchten gesund und lang

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 16. Seite 78 – 80.
Fioreto. Bonaventura.

Von Zunemmung der Brüder / von der Bekehrung Bruders Silvester / unnd wie der heylig Vatter Bruder Morico gesund gemacht / und zum Orden beklehrt hat.
Cap. 16.
Fioreto.

Als der heylige Diener Christi sambt seinen Disciplen also inn disem newen Orden gröster Strenge des Lebens / Ubung deß Gebetts / Eyffer deß Exempels / unnd der Lehr zum Heyl der Seelen wohnete / facht (vielleicht: lässt) der schöne Weingarten deß Herren newe Geschoß / wolgeschmackte Blumen / unnd liebliche Früchte der Ehr seiner Göttlichen Maiestät herfür bringen.

Dann etliche vil von dem Eyffer und Krafft der Predigen (Predigten) deß Heyligen bewegt / unnd mit der Liebe Christi entzündet / legten ihnen selbsten strenge / schwere / und ungewohnliche Bussen auff / folgten der Form / und reynem Raht deß Heyligen.

Andere nit allein durch die Andacht bewegt / sonder mit einer heyligen Begird ihme nachzufolgen entzündet / folgten nach seinen heyligen Fußstapffen / weil sie ihne als ihren Führer inn Verachtung der Eytelkeit der Welt unnd irrdischen Dingen / erwehlt / unnd also inn dem Geist und Göttlichem Wandel zunammen.

Dahero wurden ihro in kleiner Zeit so vil / daß sie durch die gantze Welt außzugen.

Under den ersten die selbiger Zeit in den Orden kamen / ist gewesen der selige Bruder Silvester / der zwölffte Discipel / unnd erste Priester so den Orden angenommen.

Diser war von Assisi / unnd seiner Bekehrung Ursach ist gewesen / daß er sich gegenwärtig befunden / als Bruder Bernhard Quintavalle / mit Raht deß heyligen Francisci / alles das seinig den Armen außgetheylt.

Und als er gesehen mit was Freygebigkeit er das Gelt den Armen geben / wachßt in ihm der Geitz / spricht zu dem heyligen Mann / er solte ihm die Stein / so er zu Erbawung der Kirchen her geben / gar bezahlen.

Disem gibt er (Franziskus) kein Antwort / greifft inn deß Quintavalles Seckel / nimbt Gelt herauß / unnd zahlt ihn / fragt ob er mehr haben wolte.

Er aber sagt von nein / sonder er sey zufriden / zeucht also mit dem Gelt zu Hauß.

Als er aber letstlich die teufflische Begird / die ihn verblendet hätte / erkent / hat er sich selbsten härtigklich darum gestrafft / und entgegen die Freygebigkeit und Eyffer deß heyligen Francisci und Bruder Bernhards gelobet.

Dannenhero so wol durch dise seiner selbsten Erkantnus / als daß ihne der allmächtige Gott allbereit erwehlt / und zu disem newen Weg der Vollkommenheit verordnet / ist ihme wenig Zeit hernach drey Nächt nach einander ein erschröcklich Gesicht auff gleiche Weiß wie hernach folgt / erschinen.

Er sahe im Schlaff die Statt Assisi mit einem erschröcklichen grossen Dracken (Drachen) umbgeben / welcher sie mit offenem Rachen zu verschlünden (Schlund!, ausgestorbenes Wort) begerte.

Unnd auß dem Mund deß heyligen Francisci sahe er ein uberauß schön Creutz von lauterem Gold anzusehn / außgehen / dessen Höhe erreichet den Himmel / und mit beyden rechten und lingkem Theyl  reichte es biß an das Eusserist der Welt / von welches klarem Glantz der vergiffte Drack entflohen.

Von dieser wunderlichen Erscheinung hat er selbiger Zeit / weil ers nit vollkommenlich geglaubt / nichts gesagt.

Als er aber hernach dise deß Heyligen Regel von der Bäbstlichen Heyligkeit confirmiert / die Verharrung inn der Heyligkeit deß Lebens und Lehr gesehen / ist er dem heyligen Mann zugangen / und ihme diese Vision so er gehabt angezeigt:

Unn nach dem er all sein zeitlich Gut den Armen geben / verbleibt er bey ihme / und lebt so heyligklich / und grosser Observantz deß Ordens / daß an ihme wol erfült worden / was er zuvor gesehen hatte.

S. Bonaventura.

Zu dieser Zeit war ein geistlicher deß Ordens der Creutziger mit Namen Morico / dieser lage inn einem Spital nit weit von Assisi kranck / an dessen Gesundheit hätte menigklich verzagt / der hatte all sein Hoffnung auff Gott gesetzt / unnd von deß Vertrawen wegen so er zu dem heyligen Francisco truge / schicket er ihm ein Botten / laßt ihn ansprechen / er wölle Gott für ihn bitten.

Welches Begeren der heylige Mann Statt gethan / und alsbald er gebettet / nimbt er Mollen von einem Brot / dunckts in die Lampen so vor unser Frawen Bild branne / machts zu samen wie ein Latwergen / gibt’s zweyen Brüdern / schickt ihms / unnd sagt:

Bringet diese Arzney unserem Bruder Morico / dann darmit wirdt der allmächtig Gott ihme nit allein völlige Gesundheit deß Leibs / sonder auch der Seelen mittheylen / daß er sein Diener inn diser unser Religion seyn wirt.

Also begibt es sich: Dann alsbald er diese Artzney nit von weltlichen Artzten / sonder von dem heyligen Geist zugericht / empfangen / wirdt er von stundan gesund / unnd hat ihme uber das so grosse Krafft und Stärcke an Seel und Leib geben / daß er bald hernach in Orden gangen / und einen Habitum gleich wie ein Bettler mit vilen Flecken angetragen / und an blossem Leib ein Bantzerhömmt angehabt / unnd also vil Jar gelebt /

·        kein Brot gessen /

·        kein Wein getruncken /

·        noch nichts Warmes versucht /

·        sonder allein Kräuter und Frücht genossen /

·        bey solcher grossen Abstinentz nie erkrancket /

sonder sich allzeit gesund unnd starck disen Orden zu tragen befunden.

Dannenhero der allmächtig Gott nach seinem Ableiben durch ihne vil Wunderzeichen gewürckt.

Franziskus-Übersicht