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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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Leo. Maseus. Wilhelmus
ersetzt Johansen Capella. Ruffinus. Pacificus sieht Tau an der Stirn des
Franziskus. Juniperus |
Der Cronicken der
Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 17.
Seite 81 - 83 |
Wie Bruder Leo und Pacificus in S. Francisci Orden
getretten.
Cap. 17.
Nach disem ist Bruder Leo / so hernach deß heyligen Francisci Beychtvatter worden / in den Orden getretten / inn welchem under andern Tugenten und
Gnaden fürnemblich ein englische Einfalt / so von dem
heyligen Francisco sonderlich gelobt war / erschine / von welcher wegen er dem
Heyligen gar vertrawt / unnd allen seinen Geheimnussen gegenwärtig war.
Dannenhero er ihne offtermals Bruder Thierle
/ oder Bruder Schläffle (Druckfehler, vielleicht
Schäffle?) nennet.
Zugleich trat in den Orden Bruder Maseus
(italienisch
Masseo) von Marignan / ein berühmbter Hoffmann / und
seines Verstands halber von der Welt hoch geehrter Mann / welcher von dem
Herren die Gnad erlangt / daß er durch seine heylige Wort vil Nutz und Erbawung
bey der Welt geschaffen hat.
Dessen wegen dann ihn der heylig Franciscus
vilmal mit sich zu einem Gesellen genommen / damit weil er die jenigen so ihne
suchten / dermassen durch sein Conversation auff
halten köndte / er an Verrichtung seines Gebetts nit verhindert
wurde.
Bruder Wilhelmus auß Engelland kame auch inn den
Orden / und war eines so heyligen Lebens / daß er verdiente in die Zahl der
ersten zwölff Jüngern deß Heyligen / an statt Bruder Johansen
Capella gezehlt zu werden / welcher einer der ersten
zwölffen gewesen / weil er aber der erst inn Ubertrettung deß Ordens /
sonderlich den Habit belangend / worden / ward er von dem Herren mit dem Außsatz geschlagen:
Und nach dem er diese Straff nit gedultig /
als von der Hand deß Herren kommende / wie er thun solte / erkant / ward er so ungedultig
unnd wütig / daß er sich von deren Orden begeben / und
wie Judas selbst erhenckt hat.
Weil dann durch disen Knecht
der Verdamnus die Gstell erledigt (vielleicht: die Stelle wieder frei war)
/ ist an seiner Statt diser Bruder Wilhelmus angenommen worden / ein Mann
solcher Vollkommenheit / daß nach seinem Absterben der allmächtig Gott durch
vil fürtreffliche Wunderzeichen erzeigt / wie hoch ihme die Verdienst eines
solchen seines getrewen Dieners angenemm gewesen.
(Das bisherige ohne Quellenangabe, jetzt geht es
weiter mit)
S. Bonaventura.
Bruder Ruffinus von Assisi / ein sehr
Edler / und nahendt Befreundter der heyligen Clarae / ward dieser Zeit durch die Conversation / Leben unnd Lehr deß heyligen
Francisci erbawt / bekehrt sich / und nimt disen Orden an / diser so wie ein
Jungkfraw eingengen / verharret also durch die Gnad Gottes darinnen allzeit
reyn unnd keusch / ward in den Betrachtungen gar hoch.
Nach solchem gehet Bruder
Pacificus auff nachfolgende Weiß inn den Orden : Er war ein hochberühmter Poet / unnd Keyser
Fridrichen dem Andern (Friedrich II. von Hohenstaufen) sehr angenem / der ihne auch mit eigner Hand mit Lauren bekrönt / unnd
den Tittel eines Fürstens der Poeten
gegeben hatte.
Dieweil nun die Verdienst der Tugenten deß
heyligen Francisci täglich wüchsen / unnd der lieblichiste Geschmack seines
heyligen Lebens uberal sich ausbereitet / waren vil durch solche sonderliche
Krafft geladen / die Präsentz und Gestalt dessen an dem Hoff deß Keysers so
hoch gerühmbten / und für einen so hohen Verachter der Welt (mit menigklichs
Verwunden) (wohl: jedermanns Verwundern)
gelobten Manns / zu sehen und zu erkennen (Anmerkung:
eine der großen Schwächen des Deutschen, dass das Zeitwort oder Verb
nachgestellt wird).
Under disen allen kombt Bruder Pacificum /
welcher damalen ein grosser Poet und Hoffmann deß Keysers war / sonderliche
Begird an / ine zu sehen und hören / macht sich mit grosser Begird den Heyligen
anzutreffen / auff den Weg / findet ihn (als er zum wenigsten verhoffte) in der
Marck (in den Marken, italienische Region)
in dem Dorff S. Severin predigend / da sicht er wunderlicher Weiß den heyligen
Mann mit zweyen scheinenden Creutzweiß gezognen Schwertern becreutziget / von welcher Gesicht er ihn / ob er ihn gleichwol zuvor nit gesehen / alsbald
erkennet / also mit einem starcken Fürnemmen durch Gott sein Leben und
Profession zu enderen erleucht / die Welt zu verlassen / mit dem Heyligen sich
zu vereinigen / und durch die Lehr deß heyligen Francisci / welche als ein
durchtringend Schwert deß heyligen Geists zu seinem Mund außgienge / underricht.
Nach dem er der Welt und
derselben Eytelkeiten abgesagt / begibt er sich von
stundan zu dem heyligen Francisco / mit stetem und vestem Fürsatz ihme
nachzufolgen.
Als der Heylig solches gesehen / und durch
den Geist Gottes sein Conversation und Bekehrung wahrhafftig / und von der
Unruh der Welt zu der Ruh unnd Friden Christi
gericht zu seyn / erkent / hat er ihme
den Namen Pacificus gegeben.
Diser als er inn dem Dienst Gottes verharrete
/verdient er / daß ime noch ein ander mal der heylig Franciscus mit einem
grossen Tau, (welches ein
Griechischer Buchstaben in der Form eines Creutzes ist) an der
Stirnen mit solcher Fürtrefflichheit der Farben
bezeichnet / gezeiget worden.
Zu diser Zeit ist Bruder
Juniperus auch in Orden gangen / ein Mann grosser
Demut und Gedult / wie hernach in seinem Leben zu sehen wirdt seyn.