ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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25.8.2007

12F3117

Leo. Maseus. Wilhelmus ersetzt Johansen Capella. Ruffinus. Pacificus sieht Tau an der Stirn des Franziskus. Juniperus

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 17. Seite 81 - 83

Wie Bruder Leo und Pacificus in S. Francisci Orden getretten.
Cap. 17.

Nach disem ist Bruder Leo / so hernach deß heyligen Francisci Beychtvatter worden / in den Orden getretten / inn welchem under andern Tugenten und Gnaden fürnemblich ein englische Einfalt / so von dem heyligen Francisco sonderlich gelobt war / erschine / von welcher wegen er dem Heyligen gar vertrawt / unnd allen seinen Geheimnussen gegenwärtig war.

Dannenhero er ihne offtermals Bruder Thierle / oder Bruder Schläffle (Druckfehler, vielleicht Schäffle?) nennet.

Zugleich trat in den Orden Bruder Maseus (italienisch Masseo) von Marignan / ein berühmbter Hoffmann / und seines Verstands halber von der Welt hoch geehrter Mann / welcher von dem Herren die Gnad erlangt / daß er durch seine heylige Wort vil Nutz und Erbawung bey der Welt geschaffen hat.

Dessen wegen dann ihn der heylig Franciscus vilmal mit sich zu einem Gesellen genommen / damit weil er die jenigen so ihne suchten / dermassen durch sein Conversation auff halten köndte / er an Verrichtung seines Gebetts nit verhindert wurde.

Bruder Wilhelmus auß Engelland kame auch inn den Orden / und war eines so heyligen Lebens / daß er verdiente in die Zahl der ersten zwölff Jüngern deß Heyligen / an statt Bruder Johansen Capella gezehlt zu werden / welcher einer der ersten zwölffen gewesen / weil er aber der erst inn Ubertrettung deß Ordens / sonderlich den Habit belangend / worden / ward er von dem Herren mit dem Außsatz geschlagen:

Und nach dem er diese Straff nit gedultig / als von der Hand deß Herren kommende / wie er thun solte / erkant / ward er so ungedultig unnd wütig / daß er sich von deren Orden begeben / und wie Judas selbst erhenckt hat.

Weil dann durch disen Knecht der Verdamnus die Gstell erledigt (vielleicht: die Stelle wieder frei war) / ist an seiner Statt diser Bruder Wilhelmus angenommen worden / ein Mann solcher Vollkommenheit / daß nach seinem Absterben der allmächtig Gott durch vil fürtreffliche Wunderzeichen erzeigt / wie hoch ihme die Verdienst eines solchen seines getrewen Dieners angenemm gewesen.

(Das bisherige ohne Quellenangabe, jetzt geht es weiter mit)

S. Bonaventura.

Bruder Ruffinus von Assisi / ein sehr Edler / und nahendt Befreundter der heyligen Clarae / ward dieser Zeit durch die Conversation / Leben unnd Lehr deß heyligen Francisci erbawt / bekehrt sich / und nimt disen Orden an / diser so wie ein Jungkfraw eingengen / verharret also durch die Gnad Gottes darinnen allzeit reyn unnd keusch / ward in den Betrachtungen gar hoch.

Nach solchem gehet Bruder Pacificus auff nachfolgende Weiß inn den Orden : Er war ein hochberühmter Poet / unnd Keyser Fridrichen dem Andern (Friedrich II. von Hohenstaufen) sehr angenem / der ihne auch mit eigner Hand mit Lauren bekrönt / unnd den Tittel eines Fürstens der Poeten gegeben hatte.

Dieweil nun die Verdienst der Tugenten deß heyligen Francisci täglich wüchsen / unnd der lieblichiste Geschmack seines heyligen Lebens uberal sich ausbereitet / waren vil durch solche sonderliche Krafft geladen / die Präsentz und Gestalt dessen an dem Hoff deß Keysers so hoch gerühmbten / und für einen so hohen Verachter der Welt (mit menigklichs Verwunden) (wohl: jedermanns Verwundern) gelobten Manns / zu sehen und zu erkennen (Anmerkung: eine der großen Schwächen des Deutschen, dass das Zeitwort oder Verb nachgestellt wird).

Under disen allen kombt Bruder Pacificum / welcher damalen ein grosser Poet und Hoffmann deß Keysers war / sonderliche Begird an / ine zu sehen und hören / macht sich mit grosser Begird den Heyligen anzutreffen / auff den Weg / findet ihn (als er zum wenigsten verhoffte) in der Marck (in den Marken, italienische Region) in dem Dorff S. Severin predigend /  da sicht er wunderlicher Weiß den heyligen Mann mit zweyen scheinenden Creutzweiß gezognen Schwertern becreutziget / von welcher Gesicht er ihn / ob er ihn gleichwol zuvor nit gesehen / alsbald erkennet / also mit einem starcken Fürnemmen durch Gott sein Leben und Profession zu enderen erleucht / die Welt zu verlassen / mit dem Heyligen sich zu vereinigen / und durch die Lehr deß heyligen Francisci / welche als ein durchtringend Schwert deß heyligen Geists zu seinem Mund außgienge / underricht.

Nach dem er der Welt und derselben Eytelkeiten abgesagt / begibt er sich von stundan zu dem heyligen Francisco / mit stetem und vestem Fürsatz ihme nachzufolgen.

Als der Heylig solches gesehen / und durch den Geist Gottes sein Conversation und Bekehrung wahrhafftig / und von der Unruh der Welt zu der Ruh unnd Friden Christi gericht  zu seyn / erkent / hat er ihme den Namen Pacificus gegeben.

Diser als er inn dem Dienst Gottes verharrete /verdient er / daß ime noch ein ander mal der heylig Franciscus mit einem grossen Tau, (welches ein Griechischer Buchstaben in der Form eines Creutzes ist) an der Stirnen mit solcher Fürtrefflichheit der Farben bezeichnet / gezeiget worden.

Zu diser Zeit ist Bruder Juniperus auch in Orden gangen / ein Mann grosser Demut und Gedult / wie hernach in seinem Leben zu sehen wirdt seyn.

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