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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3120 |
Von der Lehre und
Unterweisung des hl. Franziskus |
Der Cronicken der
Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 20.
Seite 93 - 97 |
Von der Lehr unnd Underweisung deß heyligen
Francisci.
Cap. 20.
Vil malen thäte der heylige Franciscus seinen
Kindern in Christo geistliche Ermahnungen / erinneret sie ihres Stands und
Profession / darein sie Gott so gnädigklich beruffen / und sagte:
Ihr allerliebsten Brüder / lasset uns allzeit
unsere erste Berueffung vor Augen haben / in welche wir von dem Herren mit so
grosser Barmhertzigkeit / nit allein von unser / sonder viler Heyls wegen seynd
beruffen worden.
Lasset uns derhalben durch die
Welt reisen / dieselbige ermahnen unnd lehren /
mit Worten und Exempel / damit sie uber ihre begangne Sünden Rew haben / unn
sich der Gebotten Gottes / welche sie schier in Vergeß gestelt / erinneren:
Dann weil ihr also arbeitet / möchte ihr vesten Glauben haben / daß ihr durch
Hilff deß Herren finden werdet gütige / sanfftmütige Menschen / die euch freundtlich
und mit Liebe annemmen / und ihr sie dargegen gewinnen werden.
Wann ihr aber Hoffertige / Unglaubige / die eweren Worten sich widersetzen /
antreffen werdet / leidet alles mit Gedult unnd Demut / von dessen wegen /
welcher als er von den Juden verschmächt / nit ein böß Wort widersprochen /
noch die Ubelthaten gerochen (vermutlich:
gerächt) / sonder mit grosser Liebe solches alles zu leiden / damit er für
unsere Sünden genug thun möchte / sich dargeben hat.
Wann er sie außsandte / gabe er ihnen diese heylige
Lehr.
Habet allzeit die Demut und
Ehrbarkeit in ewer Gesellschafft / unnd biß zu der dritten Stund deß Morgens haltet streng das Silentium, (ja, tatsächlich
ein Komma) und in selbiger Zeit verrichtet ewer Gebett / und bittet Gott im
Hertzen.
Alle unnütze und unfruchtbare Wort solt ihr nit brauchen / oder anhören / dann an
allen Orten so ihr wandlet / soll ewer Conversation nit weniger ehrbar und
demütig seyn / als wann ihr in ewerer Zellen da Heim wären / inn Ansehen daß an
allen Orten da wir seyn / tragen wir unser Zell mit uns / welche unser Leib /
und die Seel der Einsidler ist / so in demselben wohnet / damit er dem Herren
betten / unnd seine Wolthaten betrachten möge / und darumben wann die Seel inn dieser
Zellen nit rühig seyn kann / wirt dem Religiosen sein Zell in dem Kloster wenig
nutzen.
Lebet also / auff daß niemandt durch euch geärgert / sonder menigklich durch ewer
Sannftmütigkeit zum Friden / Gütigkeit / und Einigkeit geladen werde:
Sonderlich weil wir darumben beruffen / nemblich daß wir die
Verwundten heylen / die Irrigen auff den rechten Weg weisen / die Zerstreuten
versamblen / und mit den süssen Näglen der Forcht
Gottes verhäfften sollten.
Nach solchem erklärt er ihnen / was der Stand
der Mindern Brüder wäre / sagte:
Die Religion der Minderen Brüder
ist ein Netz, welches die grossen Fisch dem Herren fahet (fängt) / und die kleinen gehen lasset.
Und das Leben und Religion der Minderen Brüder ist ein kleine Herd / und
Meyerschafft / welche der Sohn Gottes von seinem himlischen Vatter begert hat /
daß er ihme zu disen letsten Zeiten verleyhen sollte / daß es ein Volck wäre
voller Demut / und solcher verworffner Armut / daß es von allem anderen
underschidlich / und sich ihne allein in diser Welt zu besitzen begnügte / und
der Vatter hat ihms geben.
Henget daran / der Herr hätte ihme inn einer
Revelation befohlen / daß er sie die Minderen Brüder nennen solte / dann dises
wäre das arme Volck / so er von dem Vatter begert / zu disem sagt er auß dem
Evangelio: Föcht (förcht) euch nit du
kleine Herd (Luc. 12.) / dann (denn) es ist ewers Vatters Wolgefallen
/ euch das Reich zu geben.
Und obwol solches von allen Armen im Geist
verstanden mag werden / so war es doch in sonderheit auff die Religion der
Minderen Brüder gedeutet / welche in seiner Kirchen den ersten Stand der H. Apostlen
wider verneweren solten.
Also ermahnet er sie / daß sie
ohne Forcht durch die Welt reisen / sicherlich verkünden / unnd einfältigklich
die Buß predigen solten / sich in dem Herren / der die Welt uberwunden /
trösten / welcher allzeit inn ihnen / und durch sie / durch Mittel deß heyligen
Geists / vil Seelen zu gewinnen / reden wurde.
Aber uber alles laßt uns / die
wir die Welt allbereit verlassen / sonderlich Acht haben / (sprach der heylige
Vatter) daß wir von einer schlechten Sach wegen hernach nit verlieren das Reich
der Himmeln: Darumben wiederhole ich von newem / daß ihr solches nit höher als
den Staub / den ihr mit Füssen trettet / achten.
Er berichtet sie auch / sie solten
niemandts verachten / darumben daß er unordenlich lebet / und inn der
Kleidung prächtig wäre / dann Gott wäre sein unn unser
Herr / mächtig ihne zu berueffen / und zu rechtfertigen: unnd wolte die Brüder solten
dergleichen Personen so vil Reverentz / als ihren eignen Brüdern unnd Herren
erzeigen: dann sie als vernünfftige Creaturen / weil alle eines Erschaffers
unnd Erlösers Geschöpff wären / wahrhafftig ihre Brüder / und von ihrer Hilff
wegen / so sie disem irem Leben darreichten / wahrlich ihre Herren genent möchten
werden / und wären.
Und sagt / der Minder Bruder
solle under der Welt also geschaffen seyn / daß er in allem was er sehe oder
hörte / allzeit Gott den himlischen Vatter glorificierte.
Eines Tages fragten die Brüder den heyligen
Mann /er solt sie underrichten welche Tugent den
Menschen Gott dem allmächtigen zum angenemsten machte.
Denen antwortet
er / die Armut Brüder / die Armut / die Armut. Ihr
solt gewißlich wissen / daß dises ist der sonderliche Weg zu der Vollkommenheit
/ der Stamm der Demut / auff welchem der Herr wolte den Baw der Vollkommenheit
anfangen / da er sagt: Willst du vollkommen werden / gehe unn verkauff was du
hast / etc. Dann (denn) durch diese werden
die grösten Verhinderung wegk genommen / als da seynd die Neigung und Gedancken
der zeitlichen Güter / beleitet mit der Hoffart / unnd Ehrgeitz deß Lebens /
welche von der Reichthumb gleich wie die Schaben im Thuch herwachsen.
Es hat auch der Herr die sondere
Fürtreffligkeit der Armut als ein Sitz aller andern Tugenten angezeigt / da er
spricht:
Wer mir nachfolgen will /
verlaugne sich selbst / nemme sein Creutz auff sich / unnd folge mir nach.
Und darumben solle der wahre arm
Mensch nit allein alle Liebe und Begird deß Zeitlichen / sonder auch die Liebe
sein selbsten / seiner Kunst / Weißheit / und Willens verlassen / auff daß weil
er nichts Eigens hat / inn den wunderlichen Gewalt deß Herren eingehe / unnd
sich also nackend inn seine heyligiste Arm einwerffe.
Es lobet der heylige Mann in seinem Gespräch
/ so er mit den Brüdern hielte / auch sehr die Tugent unn Krafft
deß Gebetts deß Ordenmanns / saget daß ohn dasselbig
keiner möchte in dem Dienst Gottes wachsen und verharren / und darumben reitzte
und übte er auff alle Weiß so er möchte / die Brüder zu dem Gebett an / beredt
sie / sie solten allzeit betten / sie stünden oder giengen / da heim oder daussen / inn Trübsal oder Freud / und alles mit dem
Geist zu Gott gericht verrichten / welcher an allen
Orten in uns ist / stet gegenwärtig / unnd will / daß wir
allzeit mit ihme conversieren / damit wird uns durch Hinlessigkeit nit berauben
der Heimsuchung deß Geists / wann wir solche mit gebürender Reverentz nit
annemmen.
Anmerkung ETIKA: Bei diesem Kapitel kommt uns vor, daß da ein in
Rechtschreibung schwacher Setzer schlampig gearbeitet hat.