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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3123 |
Von der Wachsamkeit,
die er wegen der Empfindlichkeit einübt |
11.2.2009 |
Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 23, S. 104ff.,
1603, S. Bonaventura. Fioreto. Hier. 9.
Von der Wacht und Hut so er lernet
zu haben wegen der Empfindligkeit
Nit allein lernet diser heylige Mann wie die Laster
des Fleisches sollten getödtet / unnd
die tödtlichen Begirden gezämbt werden / sonder underwise
auch mit was sonderer Auffmerckung
man sich vor den eusserlichen Empfindtligkeiten
(Anm.: diesmal mit t) (durch welche
der Todt zu der Seelen eingehet) bewahren solte / auff daß man desto vester den unaußsprechlichen
Schatz der Reynigkeit (welcher in einem so schlechten
irdinen Geschirr gesetzt ist) versicheren
möchte:
Dessenwegen ermahnet er die
Brüder mit sonderem Fleiß / und verbotte ihnen die Conversation und Gemeinsamkeit der
Weiber / weil selbige mehrmalen vilen zu dem Fall
Ursache gebe / und bestätiget / daß durch dergleichen
Sachen der müde Mensch fiele / und der Starck geschwächt wurde / unnd dieweil der Mensch nit allerdings
vollkommen wäre / fiele es ihme so schwer sich inn dergleichen Sachen unbefleckt zu erhalten / als schwer es wäre barfuß auf glühenden Kolen zu gehen / unnd sich nit zu brennen.
Zu disem End schluge der heylige Mann seine Sinn sonderlich die Augen / dermassen von Beschawung
der Eytelkeiten der Welt ab / dz
wie er selbst sagt / er wenig Weibsbilder von Angesicht erkente
: sagte solches darumb / weil er nit
für sicher achtete / die Fürbildung desselbigen Bilds
/ welches das kleine Füncklein der Empfindligkeit / so durch die Eschen der Buß getödt / groß machen kan / inn die Gedechtnus
zu führen / oder dergleichen zu lassen / welches hernach die Reynigkeit und Glantz der
keuschen Seelen verma(i)ligen
und beflecken köndte.
Darumben es dann kein Wunder
/ daß er zu einer solchen Schöne der Ehrbarkeit
kommen / weil er der Empfindtligkeit so grossen Krieg geführt / also daß wol scheinte / daß er ein vollkomnen Gewalt und
Sig uber das Fleisch
erlanget hätte / und mit seinen Augen wie ein anderer Job (Hiob 31. Anm: wie ein zweiter Hiob) gelitten
/ daß sie nit allein ab den
gefährlichen / sonder auch den eytelen Sachen ein Abscheuhen hätten.
In sonderheit lernet er / es gebürte
einem Bruder oder Ordensmann nit die Wort unnd Gespräch der Weiber / durch welche das Gemüt deß Tugenthafften weibisch und schwach wirt
/ anzuhören / name doch auß
die Beycht / und Außgebung
geistlicher unnd dem Heyl der Seelen nohtwendiger Räht.
Was kan doch immer (sprach er) ein Bruder für ein Geschefft haben mit den Weibern zu tractieren
/ allein wann er sie beycht zu hören beruefft wirt / mit ihnen von der
Buß zu handlen / oder einen
guten Raht zu dero Seelen
Heyl zu geben?
Wann sich der Mensch
wol versichert / verwahret er sich desto mehr vor dem
Feind / welcher wann er inn einem einigen Har Theyl kan haben / von stundan ein grossen Balcken darauß machet.
Darumben liebet der heylige Vatter / nach dem Fundament der heyligen
Armut / und Demut / an seinen Brüdern inn sonderheit die Ehrbarkeit
der Augen / gabe ihnen / auff
daß sie solche allzeit
züchtig und ehrbar führten / diese Gleichnus.
Es was (sic) ein mächtiger unn
gerechter König / der schickte zwen seiner edlen Knaben einen nach dem
anderen ein Bottschafft bey
der Königin seiner Ehegemahel zu verrichten.
Der erste kombt zeiget sein Verrichtung seinem König einfältigklich an / dann er als ein züchtiger Jüngling trawet ihme nit
die Königin anzusehen.
Der andere kombt gleichfals / richtet sein Bottschafft auß / facht an die
Schöne der Königin zu loben / unnd sagt: Wahrhafftig Herr die Königin ist das schönist
unn freundtlichst Weibsbild
auff Erden / möcht euch derhalben
wol selig achten / weil ihr ein so herrliche Fraw zu einem Gemahel habet.
Als der König das
hört / spricht er: Wie bist du heylloser Mensch so
keck gewesen / deine Augen unverschambter Weiß auff mein Gemahel zu werffen / du hast ohne Zweiffel
das jenig / so du eigentlich besichtiget / begert zu erlangen.
Laßt derhalben
von stundan den ersten Knaben holen / fragt ihne wie ime sein Gemahel gefiele.
Er gibt Antwort /
und sagt: Herr mir gefalt sie sehr wol / weil sie willigklich das jenig / so ich ihr von ewert
wegen angezeigt / angehört hat.
Auff diese bescheidne Antwort spricht der König wider: Hast du ihr
Gestalt nit betrachtet / meynst
du es mangle disem schönen Angesicht nichts?
Der Knab antwort: Das gebürt euch Herr zu
erkennen / mein Befelch ist gewesen die Bottschafft so ihr mir auffgeladen
/ außzurichten / unnd auch
die Antwort widerumb zu bringen.
Da das der König
höret / sprach er: Du der du mit den Augen bist ehrbar gewesen / ist glaublich daß du an dem Leib noch keuscher seyest
/ darumben solst du bey mir in meiner Kammer seyn / unnd ober alle andere geliebt werden. Aber disen Unehrbaren und Unverschambten thut von stundan von dannen /
schickt ihn hinwegk / auff daß er nit noch Ublers begehe.
Auf solche Weiß / sprach der heylig
Vatter / sollen wir wann wir ein Weibsbild ansehen / gedencken
/ diese Königin seye des Herrn Christi Braut / unnd wir der erste edel Knab.
Der Gestalt erzeigt
er mit dem Leben unnd Lehr augenscheinlich die Jungkfräwliche Reynigkeit / inn welcher der allmächtig Gott ihne
allzeit mitten under der Welt erhalten / und er so wol verwahret hat / dardurch er
verdient / daß ihme von dem
Herren inn sein reyn und jungkfräwlich Fleisch / die Malzeichen seiner heyligste Wunden eingetruckt werden.
Uber das obwol Bruder Leo
dises alles / als der sein Beychtvatter
war / erkante / ward er nicht desto minder begirig solches vergwißt zu
werden / begeret derhalben
solches von dem Herren / und wirt durch Göttliche
Offenbarung gewehrt.
Dann er sahe alsbald im Geist den heyligen
Vatter auff einem hohen Berg / in einem schönen
lustigen Garten / mit Rosen unnd Gilgen umbgeben / unnd ward ihme eröffnet / daß dieser so er auff dem Berg gesehen / der heylige
Vatter (Anm.: Franziskus) wäre / so inn den Himlen und er die jenigen / welche nit allein mit
dem Leib / sonder auch Gemüt wahre Jungkfrawen wären
/ allbereit gezehlt worden.
Anmerkung ETIKA: Man beachte den Unterschied zwischen
der damaligen und der jetzigen Kirche.
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