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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3124 |
Fliehe
den Müßiggang! |
1.3.2009 |
Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 24, S. 108ff.,
1603, S. Bonaventura. Fioreto.
Wie er den Müssiggang zu
fliehen underwise.
Er underwise mit dem Exempel und Lehr / es wäre ob allen
Dingen der Müssiggang zu fliehen / als die fürnembste Ursach der bösen Gedancken / unnd ein Schänder
der Tugenten:
Erzeiget mit dem
Exempel deß Lebens / mit was für Fleiß das Fleisch /
welches inn fruchtbarer Casteyung
gar träg und widerspennig wäre / sich bearbeiten
solle / darumben nennet er den Leib allzeit ein Esel /
welcher ohne Underlaß solte
underwürffig seyn die Burde zu tragen / sich dessen nit
wideren / mit
Streichen gezüchtigt / und mit ringer Speiß erhalten werden.
Wann er einen Mussiggehenden und hin unnd wider
Schweiffenden gesehen / sagt er man soll in Bruder Muggen nennen / der Ursachen daß
er nichts Guts thäte / sonder weil er anderer gute Werck besudlete / sollte er für nichtwertig gehalten werden. (Anm: In Südtirol
gibt es noch den Hausnamen Nixwerter.)
Dannenhero auff
daß er ein gut Exempel gebe / er in dem Anfang deß Ordens allein mit grosser
Mühe seines außgearbeiten (?) Leibs / umbgangen das Allmusen zu samblen / die Nächt verbracht er mit stetem Wachen unnd
Betten: Am Tag verricht
er das Officium, dienet / unnd
prediget in den Städten und Dörffern / pfleget den Außsätzigen
/ oder säuberet und zieret die Kirchen.
Dannenhero vil
Brüder die inn den Chor taugelich
waren / von der Arbeit der anderen lebten / als der Brüder Egidij unnd Juniperi / unnd anderer die
sich inn dergleichen ringen Arbeiten übten / auff daß sie disem
so grossem deß Lebens und Seelen
Feind entfliehen möchten. Und daher kam / daß sie
für sich selbst / und die andern Allmusen genug
bekamen.
Fioreto.
Er litte nit daß seine Brüder den
weltlichen newen Zeitungen (Anm.: Nachrichten) solten Gehör geben / auff daß sie nit
(wann sie die Betrachtung und Geschmack der himlischen
verliessen) sich in den weltlichen Händlen /die sie allbereit verlassen / bemüheten.
Es was (war) keinem erlaubt das jenig so er ausser dem Kloster ungefer gehört / wider zu erzehlen
/ sonder alle die so bey ihme
waren / bemühten sich Tag unnd Nacht / in dem Lob
Gottes / darumben sie dann mehr ein englisch als menschlich Leben führten.
Auff solche Weiß in der
Arbeit und geistlichen Ubungen erhielt sich dise deß heyligen
Vatters Schul / unnd wurde einem für ein gross Sünd gerechnet / welcher in
einem anderm / als in der Consolation
deß Geists ein Ergetzligkeit
suchet.
Die Müssiggehenden so sich zu keiner Ubung richteten / sprache er /
wurden bald von dem Mund deß Herrn angespyen werden (richtig: ausgespien) / wann ihme deren einer begegnet / straffet er ihn von stund an/ als der
welches vollkommen Exempel allzeit in unablässiger Ubung
stunde (Apoc. 3.) / auff daß in seiner Schul nichts
nit von der heyligen Zeit /
so Christus der Herr geben / verlohren wurde.
Er hatte im Brauch
sich under Tags nach dem Essen mit seinen Brüderen zu besprachen / unnd
wider den Müssiggang zu üben / auff
daß sie alsdann zu der Zeit deß
Gebetts / (durch diese unfruchtbare Wort so sie da redten) die Gnad und Verdienst deß
Herren nit verluren.
Darumben zu Verhütung deß Müssiggangs verordnet er dises Gesatz / unnd befahle / daß alle Brüder so in der Conversation
unnütze Wort außgussen /schuldig seyn
solten / wann sie es selbst bekenten
/ einmal das Vatter unser zu sprechen / unnd zu dem
Anfang und End den Herrn zu loben.
Wann aber ein
anderer vor dem Schuldigen solches vername / der solte ihne seiner Ubertrettung berichten / alsdann solte
das Vatter unser / disem so ihne
gewarnet zu Gutem kommen.
Unnd wann der so
gestrafft worden / solche Straff und Buß nit wolte annemmen
/ (sagende seyn Red wär nit unnütz gewesen) ordnet der heylig
Vatter / daß er das Pater noster
solte doppliren / das ein
für den so ihne gestrafft / unnd
das andere für den welcher sein Red für unnütz
erkennen wurde.
Das Lob so sie
Anfang und End deß Vatter unsers solten
sprechen / müßte mit heller Stimm und wolbedeutlich / damit es die anderen auch hören möchten: Unnd aber einer der Brüder selber Zeit schwetzet
/ war er verbunden / für den jenigen so das Lob
verrichtet / auch ein Vatter unser zu betten.
Er wolte daß alle Brüder / wo sie inn ein Ort oder Hauß eingiengen / oder einander begegneten / GOTT loben unnd sagen solten:
Gelobet sey der Herr / oder anderen dergleichen Spruch.
Dise Ehr pflegte der heylige Franciscus GOTT dem Herren mit grosser
Innbrunst zu erzeigen / unnd begerte
/ daß alle seine Brüder in Vollbringung desselben eyfferig und begirig sen solten.
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