ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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Dem Geschwätz feind

22.3.2009

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 25, S. 111-113, 1603, S. Bonaventura. Fioreto.

Wie er dem Außrichten und uberigem Geschwätz so feind / und solches reprehendiert hat.
Cap. 25.

Dieweil auß dem vergifften Baum deß Müssiggangs / die schädliche Frucht deß Schwetzens entspringt / waren die Schwetzer gar höchlich von dem heyligen Mann geschohen (Anm.: gescholten?) / unn uber alle andere lasterhaffte Leut geflohen / saget selbige hätten das tödtlichiste Gifft an den Spitzen ihrer Zungen / mit welchem sie die Gegenwärtigen und Abwesenden vergiffteten.

Dahero als er eines mals vernommen / daß ein Bruder deß anderen Thun und Lassen verleumbdet / spricht er zu Bruder Petern Catanio mit heller Stimm diese Wort:

Uneinigkeit / Uneinigkeit facht an in unser Religion einzugehen / unnd wann nit bald diese Ehrabschneider mit der Ruten der Disciplin abgestrafft / und diese stinckende Mäuler gestillet werden / wirt bald bald der süsse Geschmack der Guten stinckend unnd faul werden. Sihe auff / sihe auff / und wann du nach fleissiger Examinierung den Bruder unschuldig findest / straffe den Verleumbder mit schwerer Züchtigung / damit er andern ein Exempel seye / dann also will ich daß alle Ministri unn Guardianen wachtsam seyen / auff daß diese vergifftige Sucht deß Schwetzens inn unser Religion nit einwurtze.

Vil malen zu disem Proposito (Anm.: Zweck) sagte er / daß welcher seinem Bruder sein Ehr und guten Namen abschnitte / der sollte deß Ordens Habits beraubt / und nit würdig die Augen gen Himmel zu heben geschetzt werden / so lang biß er nach allem seinem Vermögen / seinem Bruder die abgeschnitte Ehr wider geben und zugestelt hätte.

Uber das sagt er / die Greuligkeit der Ehrabschneider wäre grösser als der Mörder / so vil das Gesatz Christi belanget / welches sich in der Liebe erfült / und uns verbindet vil mehr der Seelen dann deß Leibs Heyl unnd Wolfart zu suchen.

Dessenwegen dann die Brüder zu selbiger heyliger Zeit / als die Gehorsamen / und die ihres heyligen Vatters Willen vollbringen wolten / sich auff das eusserist so müglich darvor hüteten.

Dann was ist das Verleumbden anders / /sprach der heylige Vatter) dann diese heylige Religion unser wahre Mutter mit Gall / Unehr / und Verrähterey zu erfüllen. Solche seynd von dem Geschlechts Chams / dann wie selbiger die Scham deß Vatters entdeckt / also entdecken diese die Mängel ihres Prälatens und Ordens / darummen verdienen sie die Verfluchung deß Herren. Diese seynd diejenigen / welche wie die Schwein in dem Kot umbwülen / unnd begeren ihre Brüder zu verkleineren / und ihnen selbsten (als welche in ihrem Gewissen unreyn) gleich zu machen / ihr Ambt ist / wie der Hund beissen und bellen stets / unnd thun sich von dem Orden / von ihrem Prälaten / und der Gehorsame beklagen.

Die Stimm des Verleumbders ist dise: Mir manglet Vollkommenheit deß Lebens / und wahrer Geschickligkeit / ich kan nit gelangen zu Versuchung deß Herren Liebligkeit / darummen finde ich kein Ort bey Gott / noch Ruh oder Rast bey den Menschen /ich weiß was ich thun will / ich will under den Außerwehlten Uneinigkeit anrichten / und bey den Gewaltigen Gnad erwerben / darumb weil ich weiß daß mein Praelat ein Mann ist / welcher auch dergleichen (wie ich) jeder weilen übet / O du Armseliger du lebest allbereit von menschlichem Fleisch / und weil du dein Nahrung nit anderstwo suchen wilst / nagest du schon das Eingeweid deren welche Gott seligklich leben.

Solche begeren gerecht zu scheinen / und nit zu seyn / klagen anderer Laster an / und begeren die irigen nit zu besseren: Loben allein die / von welchen sie gelobt zu werden / oder was anders zu erlangen verhoffen: loben auch dieselbigen nit allein / sie wissen dann es komme ihnen zu Ohren / und werden deshalber von ihnen auch gelobt werden.

Auff diese Weiß bemühet sich der heylige Vatter sehr das Ubel einer so boßhafftigen Zungen zu erwehren / auff daß die Evangelische Stille under seinen Brüderen erhalten wurde. Daher kame / daß er allezeit die unnützen Wort vermitten (Anm.: vermieden) haben wollte / als die jenige / umb welche man an dem letsten Gericht müßte Rechenschafft geben / unnd die Straff darumben empfangen. Uber das / wann er einen dergleichen ohne Gefer (?) antraffe / straffet er ihn ernstlich.

Er affirmieret seinen Brüdern / das Silentium wäre ein heylige Guardi und Erhaltung der Reynigkeit deß Hertzens / welches nit ein kleine Tugent wäre : und welche man nit so ring schetzen solte / dann das Evangelium sage / Das Leben und der Todt stehe in der Macht und Gewalt der Zungen. (Matt. 12.)

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