ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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Von der geistlichen Freude

29.3.2009

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 26, S. 113-117, 1603. Fioreto.

Von der geistlichen Freud die er in den Brüdern haben wollte.
Cap. 26.

Er hätte grosse Sorg, dass seine Brüder inn dem Gebett / Verrichtung der Gottsdienst / und leiblichen Ubungen / allezeit ein geistliche Freud wider das Gifft der Trägheit und Melancoley hätten.

Und zu einem Zeichen daß sie ein Wohnung Christi wären / liebet er sonderlich disen Fried und Fröligkeit deß Geists in inen / unn bezeuget / daß solche Fröligkeit deß Geists allerley Sorten deß Betrugs unnd Versuchung deß Teuffels zu wider wäre / und sagte / wann der Diener Gottes sich bemühete / in ihme selbsten innerlich und eusserlich die Freud / welche (als von ihrem wahren Ursprung) von dem Glantz der Seelen entspringt / unnd von der Krafft deß Gebetts herfleußt / zu erhalten / wurden ihme die Feind nit schaden mögen / sonder sprechen / weil diser inn seinen Betrübnussen und Anfechtungen so frölich / was könden wir für Mittel gebrauchen ihme Ubels zuzufügen?

Der Teuffel wann er den Diener Gottes mit diser geistlichen Fröligkeit unbewaffnet befindet / hoffet er ihme auch den Geschmack deß Gebetts / und aller seiner anderen guten Wercken / inn sonderheit die Reynigkeit der Seelen zu entziehen / dieweil er wol weißt mit was für Künsten und Versuchungen er beschädigen / unnd wegk nemmen kan den Friden deß Gemüts / unnd guten Willens deß wahren Dieners Christi.

Aber wenig wirdt die abscheuliche Bestia verrichten / wann die Seel sich befleissen wirt / inn Krafft deß Gebetts solche Traurigkeit von sich zu jagen / welches dann als ein lieblichister Geschmack / wol die Krafft hat disen erschröcklichen Dracken von sich zu vertreiben.

Wann aber das Hertz traurig und beschwert ist / alsdann jubiliert und erfrewet sich der Feind / dann alsdann gar leichtlich ersteckt (erstickt) er dasselb inn der Traurigkeit und Verzweifflung / oder bewegt es sich inn die weltlichen Uppigkeiten zu begeben.

Derwegen bemühete sich der heylige Mann gar sehr / die Fröligkeit deß Hertzens zu erhalten / welche dann ist das wahre Oel der geistlichen Salbung / mit welchem der heylige Geist die jenigen / so er heyliget / salbet / und der gefährlichen Kranckheit der Trägheit und geistlichem Verdruß zu Hilff kommet.

Dann alsbald der heylige Vatter solche in ihme auffzugehen vermerckte / luffe er von stundan dem Gebett / als einem sonderlichem und sicherstem Mittel einer so schädlichen Kranckheit / zu / richte auch solches allen seinen Brüderen / sagende:

Wann ihr euch betrübt befindet / eylet alsbald zu dem Gebett / neiget euch vor Gott / unn sprechet: Redde mihi Domine laetitiam salutaris tui, gib mir O Herr / wider (wieder) diese Gnad / so du zuvor meiner Seelen mitgetheylt hast / disen Geschmack und Freud / die sie inn deinem Dienst unnd Gnad empfunden hat / unnd erhalte mich inn derselben / auff daß ich nit zu Grund gehe.

Also / sagt er / verharrez so lang biß ihr erhört / und euch die vorige Freud wider (wieder) kommet:

Dann wann die Seele sich durch die Traurigkeit wirdt abwenden lassen / wirdt inn ihr das Laster der Babilonischen Zerrittung auffgehen / welches das Hertz verrostet / und mit Trauren erfült / wann es mit den Zehern (Zähren, Tränen) nit abgewäschen wirt.

Wisset dz diese Freud / so von einem reynen unnd mit Gott versöhntem Gewissen / durch das Gebett herkombt / eine der fürtrefflichsten Gaben so der Mensch erlangen kan / seye / und derhalben fleissig zu bewahren / bemühet euch alle solche zu erlangen / weil ich sie für mich und euch alle inner- und eusserlich zu der Glori deß Herren liebe / unnd zu mehrer Schmach deß Feinds wünsche / diser allein sammt seinem Anhang hat Ursach zu trauren / und wir entgegen umb so vil mehr uns inn dem Herren zu erfrewen.

Ich weiß daß die Teuffel mir wegen der sondern Gnaden so mir der Herr erzeigt / neidig seynd / unn solche schwerlich gedulden mögen / weil sie aber sehen daß sie mir nit schaden mögen / wenden sie sich gegen meinen Gesellen / wann sie aber daselbst auch nichts außrichten / werden sie sich / Gott Lob / auch darvon machen müssen.

Derhalben wann sie mich jeweilen mit Trägheit und Traurigkeit deß Gemüts anfechten / und versuchen / unnd ich mich zu Betrachtung der Freud meiner Brüder begibe / wird ich von stundan erlediget.

Aber allhie ist wol zu mercken / daß man nit darfür halten oder glauben solle / daß diser heylige Mann (als ein wahre Form der Zucht) wolte / dz sich ein ungebürliche Freud inn den Worten oder leichtfertigem Gelächter erzeigte / weil selbiges nit das jenig / wie etlich meynen / welches die wahren Diener Christi haben sollen / sonder nur ein offen Zeichen geringen Verstands ist.

Derhalben in einer Ermahnung / so er den Brüdern gethan / erklärt er inen die Freud der wahren Diener Gottes / und saget:

Dieser Ordensmann mag sich selig schetzen / welcher sein Freud nit in anderm als in den Wercken / und Sprüchen der Liebe hat / unnd durch welches Lehr unnd Exempel die Menschen Gott den allmächtigen zu loben / zu lieben / unnd zu ehren geladen werden.

Unnd entgegen wehe dem Religiosen / welcher sich in unnützem Geschwätz / mit welchem er die Menschen zu dem Gelächter verursacht / erfrewet / dann an solchem wirt der Spruch des Apostels erfült (Iac. 1.): Daß sein Religion eytel und unfruchtbar seye / also daß er durch die geistliche Freud den Eyffer / die Gedancken / die Bereitung / unnd Geschmack deß Willens / deß Leibs / welche bereit seyn alles Guts zu würcken / verstanden / von welchem Eyffer und Freud die Menschen vil malen mehr aufferbawet werden / dann durch die Werck selbst so sie sehen / wie gut sie auch seyen / wann sie geduncket daß solche unwillig geschehen / dann solche in den guten Wercken ein Trägheit und Unlust deß Willens / ein Faulkeit (wieder ein Setzfehler?) deß Leibs erzeigen / dardurch sie mehr zerstören / dann aufferbawen.

Damit aber die geistliche Freud nit ein Schein einer Eytelkeit hätte / liebte der Heylige inn ihme selbsten unnd den andern / ein feine Gravitet / als der welcher wol wißte / unnd erfahren hätte / daß ein solche Gravitet ein starcke Maur wäre wider die Pfeil deß Teuffels / dann ein Seel so derselbigen beraubt / verbleibet schmach und eytel / gleich wie ein unbewaffneter Mann under vilen seinen Feinden / die ihne alle umb das Leben zu bringen begeren.

 

 

 

 

Hinter salutaris tui steht tatsächlich ein Komma.

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