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FRANZISKUS-CHRONIK

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12F3127

Von der brüderlichen Einigkeit

13.8.2009

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 27, S. 117-118, 1603. S. Bonaventura.

Von der brüderlichen Einigkeit so er sie lehret.
Cap. 27.

Und dieweil eine solche geistliche Freud von der Unschuld der Seelen / und einem liebhabenden Friden und Einigkeit mit Gott unnd dem Nächsten herfleusset / bemühete sich der heylig Mann zum höchsten / solche heylige Einigkeit under den Brüdern zu erhalten / auff daß die jenige / welche durch den heyligen Geist inn Versamblung und Einigkeit der Liebe geboren / inn der Schoß ihrer Mutter der heyligen Religion gleicher Weiß vereiniget wurden.

Auff daß aber seine Jünger mit einem gleichförmigen Hertzen Gott den allmächtigen lobten / und nach dem Apostel (Hebr. 12.) / mit den Frölichen sich freweten / unnd mit den Trauruigen traureten / unnd nimmer mehr einige Wurtzel der Bitterkeit deß Neids oder Haß zuliessen / solten die Obristen sich den Ringisten (Anm.: Geringsten) / die Verständigen den Einfältigen / unnd die Heimischen den Frömbden inn wahrer brüderlicher Liebe vereinigen.

Dann unser Religion (sagt er), ist ein grosse general Versamblung / inn welcher sich auß allen Theylen der Welt ein grosse Anzahl Menschen / under einer Form und Regel deß Lebens vergleichen / inn welcher die Verständigen der Gnad der Einfältigen unnd wahren Disciplen Christi / inn den Wercken der Demut sich bedienen / und also den Nutz darauß ziehen / wann sie werden sehen / daß dieselben sich mit lebiger Intention in den Göttlichen Tugenten üben / und die Lehr deß heyligen Geists willigklich anhören / sollen ein heyligen guten Neid inen gleich zu seyn tragen /unnd ihre Gemüter aller Praesumption lär erhalten / auff daß sie von dem Herren mit dem Geist der Demut / und Göttlichen Theologia mögen bereichet werden.

Her entgegen sollen die Einfältigen wol auffmercken / auff daß sie ihre Frucht mehr mit den Wercken / als in der Lehr oder Kunst würcken / die Geschickligkeit so sie inn den Gelehrten sehen / inn so vil Frucht verkehren / weil sie diese so edel und gelehrt sehen / daß sie in der Welt als die grossen Herren leben könden / und sich dennochter (Anmerkung: daher das tirolische dechter) (weil sie wahrhafftigklich die Hochheit Gottes erkent) so tieff ernideret.

Dannenher beschluß er inn dieser schönen Einigkeit wäre der wahre Frid / in dieser gleichförmigen Vereinigung der Hertzen wäre die wahre geistliche Freud / und alle die Schöne und Vollkommenheit ihrer gantzen Versamblung / mit disem allein wurden sie verdienen dem Herren angenem zu seyn / welcher gleich wie er sie geboren / und in der Gnaden immerzu erhalten / also sie hernach in der Glorie vereinigen wurde.

 

 

 

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