ETIKA D12FA

FRANZISKUS-CHRONIK

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12.7.2003

12F3129

Wie der hl. Franziskus den Ungehorsam bestraft

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 29, S. 122ff., 1603, S. Bonaventura

Von etlichen Fällen der Ungehorsame / die der H. Mann gestrafft.
Cap.29

Dem heyligen Vatter Francisco ward ein Bruder fürgestelt / welcher seinem Praelaten nit gehorsamen wöllen / auff daß er von ihme seinem Verdienst nach gestrafft wurde.

Als nun der gütige Vatter durch scheinbare Zeichen erkennet / daß der Bruder grosse Rew hätte / und mit Demut sein Schuld bekente / gedacht er solchem zu verzeyhen.

Auff daß aber solche ringe Verzeyhung nit ein Ursach wäre andere zu der Sünd zu reitzen / befilcht er ihme die Kappen abzuziehen / und inn das Feur zu werffen / damit alle sehen solten mit was Disciplin er die Ungehorsame begeret zu straffen.

Als aber die Kappen ein gute Weil unverletzt in dem Feuer gelegen / heisset ers herauß nemmen / und dem Bruder / welcher ihne demütig darumb bat / wider zustellen / und ward solche Kappen ohne einiges Zeichen deß Feurs von allen Brüderen mit sonderem Verwunderen gesehen.

Also hat der allmächtig Gott inn einem Wunderzeichen / zweyerley seiner Göttlichen Maiestät Wolgefallen / als nemblich die Krafft deß heyligen Vatters / und den Verdienst der wahren Buß erzeigen wöllen.

Ein ander mal begibt es sich / als der heylige Vatter einem andern Bruder anbefohlen / er solte Sorg zu einem außßätzigen Menschen haben / und ihme fleissig mit grosser Liebe pflegen.

Der Bruder wolte nit gehen / gehorsamet nit / wirdt von dem Heyligen / ob ers verrichtet / gefragt / er aber von Nein geantwortet / sagt der heylig Mann: Ich habe vermeynt under meiner Gehorsame Leut / so der Welt abgestorben / zu haben / so leben sie aber nach derselben / darumben so gehet ihr andere Brüder / fahet disen Ungehorsamen / und vergrabt ihn lebendig.

Die Brüder gehen / theyls machten die Gruben / theyls führten den Ungehorsamen ihne zu vergraben. Diser folget mit grosser Verstockung deß Gemüts / unnd als seiner Sinnen beraubt / weil er durch sein Ungehorsame inn den Gewalt deß Teuffels gefallen / ihnen nach / und springt selberst in die Gruben / und spricht den Brüdern zu: Scharret nur behend zu. Die Brüder thatens.

Als er aber kaum halb bedeckt / und der Teuffel durch die Verdienst deß Heyligen von ihme gewichen / facht er an bitterlich zu weinen / und zu sprechen: Der Teuffel welcher mir das Hertz verstocket / ist eben jetzt von mir gewichen / aber fahret nur fort / und bedecket mich / dann ich bin nit allein dises / sonder eines ärgeren Todts werth.

Als die Brüder solches höreten / weineten sie sambt ihme / etliche luffen dem heyligen Vatter zu / unnd erzehlten ihme die Wort unnd Rew deß Bruders / der verordnet sie solten ihne außgraben / und zu ime bringen.

Als er kommen spricht er zu ihm: Erwehle dir ein Hauß / welches dir zu einer Wohnung gefalt / und inn welchem du mögest getröst werden / dann daselbsten solst du auß Gehorsame verbleiben.

Da der Bruder das gehört / antwortet er mit uberflüssigen Zeheren: Nit also gütigster Vatter / sonder den höchsten Trost so ihr mir geben köndt / ist daß ihr die erste Penitentz exequiert. Durch welche Wort der H. Mann gemiltert / ihme den heyligen Segen geben.

Diser Gestalt hat er durch solche Exempel angezeiget / daß die Straff der Religion solte seyn durch die Buß / und Verbesserung deß Sünders / welcher wann sich bekehrt / der Straff nit mehr bedarff / sondern vil mehr nottürfftig ist deß vätterlichen Trosts: Wie uns Christus der Herr mit diser schönen Gleichnus deß verlornen Sohns lehret / welcher als er uber seine Mißhandlung Rew hätte / unnd den Vatter umb Verzeyhung bate / von ihme alsbald an den Arm genommen / unnd mit grossem Frolocken inn das Hauß geführt worden.

Damit hat der Leser auch eines der Geheimnisse der etika.com-Seiten aufgedeckt. Der Leser wird fast genauso geschockt wie der Mann, den Franziskus lebendig begraben ließ, doch dient alles dem Zweck der Bekehrung, der Buße und dem Heil der Seelen.

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