ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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Wie der hl. Franziskus Bruder Ruffinus ohne Habit zu predigen ausschickt

15.11.2009

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 30, S. 124ff., Konstanz, 1603

Wie der heylig Franciscus Bruder Ruffinum in Krafft der Gehorsame ohn den Habit zu predigen außschickt /
und die Buß so er deßhalber an ihme selbsterst gewürckt.
Cap. 30. S. Bonaventura. S. Ant.

In disem nachfolgenden wirt ein wunderliche Regel zu regieren fürgeschriben / und daß der Praelat seinen Undergebnen nichts anbefehlen solte / welches er selbst nit zu verrichten begerte. Dann eines Tags als er den heyligen Ruffinum zu sich erfordert / befilcht er ihme in die Statt Assisi zu gehen / unnd dem Volck das jenig so ihme von Gott eingegossen / zu predigen.

Bruder Ruffinus entschuldiget sich / und antwortet:

Verzeychts mir Vatter / dann ihr wißt wol daß ich nit taugenlich bin zu predigen / weil ich die Gnad deß Redens nit hab / unnd einfältig unnd ein Idiot bin.

Dises sagt er gleichwol mit Demut / dann ob er wol der Welt nach ein bescheidner Ritter gewesen / nicht desto minder ward er durch die Gnad der Contemplation oder Betrachtung / welche er von Gott gehabt / dermassen inn ihme transformiert / daß er vil malen nit bey sich selbst ware / unnd redet gar wenig / und solches so ubel / daß ers mit Gewalt herauß nöhten müßte.

Als ihne aber der Heylige darumb daß er nit alsbald gehorsamet / straffet / befilcht er ihms das ander mal bey der Gehorsame / und legt ihm auff zu einer Buß / er solte ohn den Habit (Anm.: Mönchsgewand) dahin gehen.

Alsbald ohne alles Widersprechen zeucht der gehorsame Bruder Ruffinus den Habitum ab / wirfft sich ihme zu Fussen / und begert den Segen. Da er solchen empfangen / zeucht er Assisi zu / gehet zuvor sein Gebett zu verrichten in ein Kirchen / steigt auff die Kantzel / und facht an zu predigen.

Und dieweil vil Volcks zuluffe / unnd ihne also ohn den Habitum sahe / verwundert es sich solcher Newerung / und sprache eins zu dem anderen:

Dise armen Brüder führen so ein streng Leben / daß sie dardurch den Verstand verlieren.

Weil nun der Bruder also prediget / betrachtet der Heylige die willige Gehorsame deß Bruders Ruffini / und die Strenge seines Befelchs / facht an sich selbst zu straffen / und spricht:

Was ist dich ein Sohn deß Peters Bernardoni für ein Lust ankommen / weil du so ringen Herkommens bist / Bruder Ruffino / welcher der fürnembsten Ritter einer der Statt Assisi ist / zu befehlen / daß er ohn den Habit gehen solte zu predigen? Ich will dich lernen das Exempel von dir selbst zu nemmen / was du anderen befohlen hast.

Reisset also mit Grimmen den Rock von dem Leib / nimmt Bruder Leonem zu einem Gefehrten / eylet der Statt Assisi zu / und kombt in die Kirchen darinn Bruder Ruffinus prediget / ward von der Statt gleicher Weiß also nackend / sambt Bruder Ruffino / als die durch uberflüssige Abstinentz unnd Buß von den Sinnen kommen / für einen Thoren gehalten.

Bruder Ruffinus aber prediget dem zugeloffnen Volck so best er möcht / sagende:

Liebsten Brüder / sprach er / fliehet die Welt / und verlasset die Sünd / widerkehret auff die rechte Strassen / wann ihr begert der Höllen zu entfliehen / so haltet die Gebott Gottes / liebet Gott und die Nächsten / und thut Buß / dann das Reich der Himmel ist nahend / wann ihrs geniessen wöllendt. (Mat. 3. & 10.)

(Anmerkung: Dasselbe predigen wir seit 12 Jahren im Internet, und vermutlich hält man uns für dieselben einfältigen Narren. Eines Tages werden alle erkennen, daß alles, was Bruder Rufinus gesagt hat, wahr ist, aber für viele wird es dann zu spät sein, weil sie jetzt unsere Warnungen missachten.)

Inn dem er aber ohne gefer den heyligen Mann ersahe / stig er von stundan von der Kantzel / unnd gieng ihm entgegen : der heylige Vatter aber steigt alsbald hinauff / und weil die Kirchen voller Volck was / welche theyls darumb dass sie das Eusserist dises Lebens sehen möchten / theyls auß Mitleyden / unnd Andacht bewegt / theyls weil sie die vil närrisch hielten zu verlachen / fienge der heylige Franciscus durch Würckung des heyligen Geists / welcher in ime wohnet / so hohe und wunderliche Sachen von Verachtung der Welt / von nohtwendiger heyliger Buß / von williger Armut / von Begird deß Reichs der Himlen / von der Gehorsame / von Verachtung / Spott / Schmähung und Passion unsers Herren Christi Jesu / und dergleichen mehr / zu reden / und mit solchem Geist und Eyffer außzulegen / daß alle die jenige so zuvor wegen der Newerung deß Habits sie verlachet / unnd für Narren gehalten / sie alsdann mit grosser Bitterkeit weinten / und ward wegen deß Mitleidens deß Todts deß gecreutzigten Christi / unnd Forcht unnd Schrecken der Höllen die Andacht so groß / daß sie alle mit heller Stimm anfiengen zu schreyen / Misericordia, als wann es ein anderer Charfreytag wäre. (Anm.: tatsächlich ein Komma)

Da nun das Volck der Gestalt aufferbawet / und berewet (Anmerkung: du auch?) / gabe Bruder Leo / so beyder Habit mit sich getragen / jedem den seinen wider / zugen also Gott den allmächtigen umb so grosse seine Güte / daß sie durch das Mittel der heyligen Obedientz / die Victori uber sich selbsten erlangt / unnd die Verachtung der Welt erzeigt / glorificierend wider ihrem Kloster zu / köndten sich mit Mühe von dem Volck so sie zuvor für närrisch geschetzt / entledigen / achtet sich der jenige selig / welcher ihnen den Habit küssen oder anrüren möchte.

Ist also inn dem End dises Wercks wol erschinen / daß der Anfang von Gott geordnet geweßt / ob es gleichwol auff uberflüssige Weiß / als das Werck der Propheten geschehen / nit so vil wegen der Nachfolgung / als zu einem Zeichen der heyligen Gehorsame / Tödtung deß eignen Willens / unnd Verachtung der Welt / unnd dises darumb / auff daß wir wissen solten / wie so ein herrlich End der allmächtig Gott / der heyligen Gehorsame heimlich oder offentlich / wie es ihme gefällig / gebe.

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