ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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2.12.2008

12F3133

Franziskus wollte Armut in allen Sachen

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 33, S. 132-134, 1603, Fioreto

Wie er wolte daß inn seinen unnd der Brüder Sachen die Armut sonderlich erschine.
Cap. 33 - Fioreto

Es begerte der wahre Arm Christi / daß die heylige Armut in allen seinen Sachen erschine / und wann jeweilen einen inn dem eusserlichen Habitu ärmer als sich sahe / begerte er solchen zu ubertreffen / unnd ware sein Fleiß in solchem so groß / und sein Willen / daß er under den Armen der ärmiste seyn möchte / so starck fundiert / daß er / damit er von keinem inn der Armut uberwunden / mit der gantzen Welt seligklich gestritten hätte.

Eines mals als ihme under Wegs ein armer / unnd schier gar nackender Mann begegnet / spricht er mit weinenden Augen zu seinem Gesellen:

Die Armut dises armseligen Menschen macht uns hoch zu Spott / dann wir andere / haben die Armut für unsern höchsten Reichthumb erwehlt / und ich sihe doch daß sie inn disem mehr als inn uns erscheinet / und umb so vil mehr  ist es ein Spott / weil man nun mehr durch die gantze Welt sagt / Franciscus unn die seinigen / haben die heylige Armut zu irem Gesellen / Frawen / zeitlichen und geistlichen Wollust erwehlt / und Gott und der Welt versprochen.

Mit disen und dergleichen Worten suchte der heylige Mann / daß seine Brüder ihrer Armut wegen sich hoch schetzen / und in allem so sie antrugen / oder thäten das der Armut nit gleich sahe / sich schämen solten / so vil daß er auch nit wolte /  daß sie dem Abend einig Gemüß oder Speiß für den anderen Morgen bereiten solten / wie Christus in dem Evangelio lehret / da er sagt (Matt. 6):

Sorget nit für morgen / dann der morgig Tag wirdt für sich selbst sorgen.

Wolte auch daß sie ihr Nahrung anders nit als von Tag zu Tag suchten / welches hernach lange Zeit an vilen Orten der Religion steiff gehalten worden.

Es pflegte der Diener Christi zu sagen / wann die Brüder vor der Armut fliehen werden / so wirdt die Welt vor ihnen fliehen / werden das Allmusen suchen / aber nit finden / wann sie aber mein heyligiste Armut als ihr liebste Mutter umbfangen / so wirdt die Welt sie erhalten / ernehren / unnd sie als die jenigen welche zu ihrem Heyl gesandt worden / erkennen: Sonderlich aber ist dises zwischen der Welt unn Brüdern der Bundt / daß sie derselben gut Exempel / unnd entgegen der Welt ihnen die nohtwendige Nahrung geben solten. Dannenhero wann sie in dem das sie zu thun verbunden / nit ein gut Exempel werden geben / mag die Welt billicher Weiß ihnen die Underhaltung und gewohnlich Allmusen versagen.

Der Bischoff von Assisi sagt eines Tags zu dem heyligen Francisco / dises sein fürgenommen Leben dauchte in gar zu rauch / müheselig / und schwer / weil sie nichts zu leben hätten. Deme antwort der Heylig / und spricht:

Herr wann wir zeitliche Hab unnd Güter besitzten / wäre von nöhten daß wir darzu Wehr und Waffen solche zu beschützen auch haben müßten. Dannenhero wurden Zanck / vilerley Geschefft / eigne Liebe / und mehr andere Verhinderung die Liebe Gottes / und sonderlich deß Nächsten zu erlangen / entspringen: Darummen halten wir für besser / nichts nit in disem unserem Leben zu besitzen / dadurch wir / durch Würckung deß Herren / von menigklich geliebt und erhalten werden.

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