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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3133 |
Franziskus
wollte Armut in allen Sachen |
Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 33, S. 132-134, 1603, Fioreto |
Wie er wolte daß inn seinen unnd der Brüder Sachen die Armut sonderlich erschine.
Cap. 33
- Fioreto
Es begerte der wahre Arm Christi / daß
die heylige Armut in allen seinen Sachen erschine / und wann jeweilen
einen inn dem eusserlichen Habitu ärmer als
sich sahe / begerte er solchen
zu ubertreffen / unnd ware sein Fleiß in solchem so groß / und sein Willen / daß er under den Armen der ärmiste seyn möchte / so starck fundiert / daß er / damit
er von keinem inn der Armut uberwunden
/ mit der gantzen Welt seligklich
gestritten hätte.
Eines mals als ihme under
Wegs ein armer / unnd
schier gar nackender Mann begegnet / spricht er mit weinenden Augen zu
seinem Gesellen:
Die
Armut dises armseligen Menschen macht uns hoch zu
Spott / dann wir andere / haben die Armut für unsern höchsten Reichthumb erwehlt / und ich sihe doch daß sie inn disem mehr als inn uns erscheinet / und umb so vil mehr ist es ein
Spott / weil man nun mehr durch die gantze Welt sagt
/ Franciscus unn die seinigen / haben die heylige Armut
zu irem Gesellen / Frawen /
zeitlichen und geistlichen Wollust erwehlt / und
Gott und der Welt versprochen.
Mit disen und dergleichen Worten suchte der heylige
Mann / daß seine Brüder ihrer Armut wegen sich hoch schetzen / und in allem so sie antrugen / oder thäten das der Armut nit gleich sahe / sich schämen solten / so vil daß er auch nit wolte / daß sie dem Abend
einig Gemüß oder Speiß für
den anderen Morgen bereiten solten / wie Christus in
dem Evangelio lehret / da er sagt (Matt. 6):
Sorget nit für morgen / dann der morgig Tag wirdt
für sich selbst sorgen.
Wolte auch daß sie ihr Nahrung
anders nit als von Tag zu Tag suchten / welches
hernach lange Zeit an vilen Orten der Religion steiff gehalten worden.
Es pflegte
der Diener Christi zu sagen / wann die
Brüder vor der Armut fliehen werden / so wirdt die
Welt vor ihnen fliehen / werden das Allmusen
suchen / aber nit finden / wann sie aber mein heyligiste Armut als ihr liebste Mutter umbfangen
/ so wirdt die Welt sie erhalten / ernehren / unnd sie als die jenigen welche zu ihrem Heyl gesandt worden / erkennen:
Sonderlich aber ist dises zwischen der Welt unn Brüdern der Bundt / daß sie derselben gut Exempel / unnd
entgegen der Welt ihnen die nohtwendige Nahrung geben
solten. Dannenhero wann sie
in dem das sie zu thun verbunden / nit ein gut Exempel werden geben / mag die Welt billicher Weiß ihnen die Underhaltung und gewohnlich Allmusen versagen.
Der
Bischoff von Assisi sagt eines Tags zu dem heyligen
Francisco / dises sein fürgenommen
Leben dauchte in gar zu rauch / müheselig / und schwer
/ weil sie nichts zu leben hätten. Deme antwort der Heylig / und spricht:
Herr
wann wir zeitliche Hab unnd Güter besitzten
/ wäre von nöhten daß wir darzu Wehr und
Waffen solche zu beschützen auch haben müßten. Dannenhero wurden Zanck / vilerley Geschefft / eigne Liebe
/ und mehr andere Verhinderung die Liebe Gottes / und sonderlich deß Nächsten zu erlangen / entspringen: Darummen
halten wir für besser / nichts nit in disem unserem Leben zu besitzen / dadurch wir / durch Würckung deß Herren / von menigklich geliebt und erhalten werden.
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