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FRANZISKUS-CHRONIK

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Als Gast großer Herren nur sein eigenes Almosen genossen

26.11.2009

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 35, S. 136-141, Konstanz, 1603

Wie er als von grossen Herren zu Gast geladen / er doch nichts anders als was
er zu Allmusen gesamblet / genossen.
Cap. 35. S. Bonaventura. (Seite 139-141)

Dieweil dann sein Allmusen Sammlen nit aus Geitz / sonder von der Freyheit deß Geists / unnd Zuneigung umb Christi willen zu der heyligen Armut / beschahe / genoß er vil lieber das jenig so er erbettlet / unnd von einer Thür zu der anderen gesamblet / als das so ihme bey den Bancketen unnd Gastereyen der grossen Fürsten und Herren fürgestelt wurde.

Dannenhero wann er von dergleichen  Personen geladen worden / bettlet er zuvor etliches Brot / und asse dasselbig an ihren Tafflen / übte solches nit allein wegen der Armut / sonder auch seinen Brüderen ein gut Exempel dardurch zu geben.

Als er eines mals von dem Hostiensischen Cardinal (Anmerkung: höchstwahrscheinlich Ostia bei Rom) / der ihn seiner Gewohnheit nach sehr liebte / zu Gast geladen / samblet er zuvor etlich Stuck Brot / gehet darmit zu deß Cardinals Taffel / also daß es den Cardinal verschmachte / sagt aber doch nichts.

Der heylige Mann aber gabe seiner Sachen Acht / facht an das Brot in kleine Stückle zu theylen /und denen Herren so an der Taffel sassen zu reichen.

Dise empfangens andächtigklich / theyls essens alsbald / theyls umb mehrer Ehrerbietung wegen behaltens.

Da solches der Cardinal mit grossem Wolgefallen gesehen / wurd er guten Theyls wider gestillet / begibt sich gleichwol alsbald nach verrichter Malzeit sammt dem Heyligen inn die Kammer / umbfacht ihn mit den Armen / und sagt:

O du einfältiger Bruder / warumb hast du mir heut disen Spott angetan /daß als du zu meiner Taffel (welche dein unnd deiner Brüder ist) kommen / du zuvor das Allmusen gesucht?

Deme antwortet der Heylig / und spricht:

Herr vil mehr hab ich euch heut grosse und hohe Ehr erzeigt / weil daß an einer Taffel geehret ist worden der jenige / welcher ein grösser Herr ist als ihr / und ewer Herr ist. Uber das wann der Underthan das jenig verrichtet was ihme sein Herr anhefilcht / ehret er darmit seinen Herren. Unnd das noch mehr ist / hat der Herr selbsten dise Armut (die er so hoch geliebt) als er Mensch worden / zu seiner Braut wöllen haben / auff daß er durch selbige uns seine Erben bereichen / und durch Mittel der Armut deß Geists auff Erden / die Seligkeit inn den Himlen geben möchte / und ich kann nit underlassen mir ein solche Erbschafft umb einen falschen Schein der Reichthumb / wie er auch seyn möchte / und uns doch auff so kleine Zeit gelyhen / zu gewinnen / und das umb so vil desto mehr / weil ich ein Form unn Exempel meiner anderen Brüder seyn muß.

Darneben auch / weil ich gleichwol weiß daß in diser Religion seyn unnd seyn werden Brüder mit dem Namen unnd Wercken / welche von deß Herren wegen / durch das Liecht deß heyligen Geists / welcher sie würcken lernet / in grosser Demut / ihren anderen Brüdern inn der Noht dienen werden.

So weiß ich dargegen auch (und wolte Gott daß es nit wäre) daß an jetzo inn dem Orden seynd unnd noch seyn werden / deren / welche / eintweders auß Scham / oder bösen Sitten / sich nit werden ernideren wöllen das Allmusen zu samblen / oder andere Dienst zu verrichten: Derhalben muß ich ihnen inn dem Werck erzeigen was sie thun sollen / auff daß sie hernach weder in dieser noch jener Welt sich entschuldigen könden / unnd sagen / sie habens von keinem anderen der ihnens vorgethan / gesehen / und ich dardurch beschwert werde.

Derhalben weil ich mich an jetzo ewer als eines Apostolischen Herrens / und unser Protectors Taffel bey anderen fürtrefflichen hohen Stands Personen befinde / welche durch Christi Jesu willen mich nit allein freundlich berueffen und laden / sonder auch bey ihnen zu seyn jeweilen zwingen / so ist es doch deßhalber nit billich / daß ich mich schäme das Allmusen zu samblen / sonder will mir solches achten / schetzen / und halten für ein Werck der Tugent und Würdigkeit / und solches zu Gedechtnus meines Herren / welcher ob er wol allmächtig / jedoch von unsert wegen zu nicht wöllen werden: Und will daß meine Brüder / die da jetzt seynd und noch seyn werden / sollen wissen / daß ich vil mehr getröst wird / wann ich zu ihrem armen Tisch sitze / und ihr Armut sihe / dann wann ich bey disen eweren prächtlichen Taffeln / welche inn allem uberflüssig besetzt / mich befinde.

Dann das Brot des Allmusens ist ein Brot alles umb der Liebe Gottes willen geopffert und dargeben / dieweil der Bruder so es begert / erstlich sagt / Der Herr sey gelobt / und nachmals umb Gottes willen dasselbig begert.

Mit solchem hat der heylige Franciscus geendet / unnd ist der Cardinal dardurch häfftig erbawet worden / und grossen geistlichen Trost empfangen.

Ende des Kapitels

Die erste Version von Seite 136 ist fehlerhaft, wir drucken sie trotzdem nach:

Wie er als von grossen Herren zu Gast geladen / er doch nichts anders als was
er zu Allmusen gesamblet / genossen.
Cap. 35. S. Bonaventura.

Dieweil dann sein Allmusen Sammlen nit aus Geitz / sonder von der Freyheit deß Geists / unnd Zuneigung umb Christi willen zu der heyligen Armut / beschahe / genoß er vil lieber das jenig so er erbettlet / unnd von einer Thür zu der anderen gesamblet / als das so ihme bey den Bancketen unnd Gastereyen der grossen Fürsten und Herren fürgestelt wurde.

Dannenhero wann er von dergleichen  Personen geladen worden / bettlet er zuvor etliches Brot / und asse dasselbig an ihren Tafflen / übte solches nit allein wegen der Armut / sonder auch seinen Brüderen ein gut Exempel dardurch zu geben.

Als er eines mals von dem Hostiensischen Cardinal (Anmerkung: höchstwahrscheinlich Ostia bei Rom) / der ihn seiner Gewohnheit nach sehr liebte / zu Gast geladen / samblet er zuvor etlich Stuck Brot / gehet darmit zu deß Cardinals Taffel / also daß es den Cardinal verschmachte / sagt aber doch nichts.

Der heylige Mann aber gabe seiner Sachen Acht / facht an das Brot in kleine Stückle zu theylen /und denen Herren so an der Taffel sassen zu reichen.

Dise empfangens andächtigklich / theyls essens alsbald / theyls (Anmerkung: Fehler beim Druck infolge beschädigtem Papier, Sprünge)

Da solches der Cardinal gesehen / wurd er guten Theyls … O du einfältiger Bruder … warumb hast du mir heut …

 

 

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