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FRANZISKUS-CHRONIK

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Vom Eifer und Geist des hl. Franziskus beim Predigen

21.11.2010

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 39, S. 149-151, Konstanz, 1603

Von dem Eyffer und Geist deß heyligen Francisci in dem Predigen.
Cap. 39. S. Bonaventura.

Dieweil der Apostel sagt / daß die Andacht nutzlich unnd fruchtlich zu allen Sachen seye / (I. Tim. 4. Galat. 4.) ist solche Tugent disem Heyligen dermassen zugethan / und seiner Innerligkeit einverleibt gewesen / daß gleich anzusehen sie in allen Creaturen underthänig gemacht / truge derhalben inn sonderheit ein groß Mitleiden mit denen durch das rosenfarb Blut Christi Jesu erlößten Seelen / wann er dieselben schwach / und in Sünden abgestorben sahe / zu gleich als hätte er sie selbsten geboren.

Von diser Ursach wegen liebte er die Prediger und Verkünder deß Worts Gottes hoch / unnd ehret sie / weil sie allzeit etwar einen abgestorbenen Bruder dem Herren erweckten / unnd den Irrigen wider auff den rechten Weg zu weisen / und die Schwachen mit Gott zu stärcken sich beflissen.

Also mit dieser Anmutung unnd Liebe deß Nächsten angethan / prediget er nit mit zierlichen Worten oder menschlicher Weißheit / sonder inn Krafft unnd Lehr deß heyligen Geists / den Zuhöreren das Reich deß Herrn offenbarend.

Seine Predigen waren innbrünstig wie Feur / welche das Innerist deß Hertzens berürten / und die Gemüter der Zuhörer inn stete Verwunderung brachten.

Und weil das einig Gebett seine Bücher waren / und alle seine Geschickligkeit unnd Kunst inn die Krafft Gottes / unnd sein Vertrawen in denselben setzet / erhielt er von ihme sein heylige Gnad anderen zu helffen / dermassen daß seine Wort nit allein die Ohren / sonder die Hertzen der Menschen durchtrungen.

Ein einig mal hatte er auff die Predig gestudiert / als er auff Befelch ihres Protectoren deß Ostiensischen Cardinals / vor der Bäpstlichen Heyligkeit / und andern Cardinälen predigen solte / steigt auff die Kantzel / kan kein Anfang / wie hoch er sich auch bemühete / mit seinem und aller der Umbstehenden grossem Verwunderen machen / bekent daß er sich hoch mit Studieren auff dise Predig bereit / begibt sich alsbald inn das Gebett / befilcht sich mit wenig Worten dem Herren /wirfft zu rugk alle seine vorige Concept / ergibt sich gantz und gar in sein Göttliche Majestät /und facht an mit solchem Eyffer zu predigen / daß einsmals / als dise heylige Zungen gelößt / er so herrliche / hohe und nutzliche Lehr fürgetragen / daß er alle die Umbstehenden zu grosser Compunction (Zerknirschung) bewegt / und wol zu erkennen geben / dise Wort deß Herren wahr zu seyn / da er sagt: Ihr seyt nit die so da reden / sonder der Geist Gottes ists der in euch redet. (Matt. 10.)

Weil nun der heylige Vatter in dergleichen Gestalt durch das Mittel deß Gebetts / die Offenbarung der heyligen Mysterien erlangte / unnd zu vorderst alles Laster an ihme selbsten straffte / ist nit Wunder / weil er mit solcher Frucht unnd Nutz menigklichs Laster straffet / unnd mit gleichem Eyffer und Beständigkeit / hohen unnd nidern Stands / Armen und Reichen / vilen unnd wenigen prediget / daß er also die verstockten unnd verharteten Hertzen / mit grosser Frucht und Nutz zu der Buß bekehret.

Anmerkung: Wie meistens Buchstabe um Buchstabe kontrolliert. Manchmal heißt es und, öfters aber unnd.

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