ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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12F3140

Was Franziskus von den Predigern verlangt

26.12.2010

Relativ schwierig zu lesen

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 40, S. 151-153, Konstanz, 1603

Was für Qualiteten der heylig Franciscus an den Predigern begerte.
Cap. 40. S. Bonaventura.

Als ein wahrer Evangelischer Prediger nach dem Exempel Christi / mehr mit den Wercken / als Worten lernende / wolte er daß inn seinen Brüderen mehr die hohe Geschickligkeit dann die Fromkeit manglete / und sagte: Das Ambt und die Gnad deß Predigens ist dem allmächtigen GOtt vil mehr / als alle andere menschliche Werck angenem / sonderlich wann es mit Fleiß der wahren Liebe geübt wirdt.

Derhalben der jene Prediger hoch zu beweinen / welcher der Gottesforcht beraubt / unnd das Heyl der Seelen in seinen Predigen nit sucht / sonder allein von seines eignens Interesse unn Lobs willen den Menschen angenem zu seyn / und zu gefallen begerte.

Und vil mehr der jenige / welcher alles das jenig so er durch sein Lehr gut machte / mit dem Exempel seines ärgerlichen Lebens wider verderbte. (Anmerkung ETIKA: Wer glaubt heute noch Predigern, in deren Gesichtszüge sich die Laster des Kindesmissbrauchs oder der Homosexualität gegraben haben?)

Daher einem solchen Prediger ein jeder Bruder / wie einfältig er auch wäre / jedoch mit dem Exempel seines Lebens andere zu der Tugent reitzte / fürzuziehen / welches Esaias sagte: Donec sterilis peperit, das ist / biß daß die Unfruchtbar vil Kinder geboren / und diese so dero vil gehabt / erkrancken wirt.

Darmit anzeigende / die Unfruchtbare wäre das Brüderle / welches das Predigambt oder Lehr Gott dem allmächtigen Kinder zu geberen nit trüge / und doch an dem Tag deß letsten Gerichts sich befinden wurde / daß solches mit seinem Leben / Exempel und Gebett / so es zu Gott dem allmächtigen umb Bekehrung der Seelen verricht / inn der Kirchen Christi ohne Gleichnus / vil mehr geboren wurde haben / als die jenigen so da predigen / dann der gerechte Richter wurde solche alle seinem Verdienst zumessen / unnd ihne darumben belohnen.

Die Mutter aber (wäre der Prediger) so eusserlich vil Kinder zu haben sich erzeigte / der wurde erkrancken / dann in deme er sich jetzt rühmbte / als wanns er unnd nit Gott würckte / wurd er kein Theyl zu haben erkent werden.

Darumben die Prediger sich von der Welt Sorgen nit verführen lassen / sonder dem Gebett obligen solten / als die jenige / welche von seiner Göttlichen Maiestät sein heylig Wort den Sündern zu verkünden / außerkohren wären.

Derhalben das erst so ein wahrer Prediger thun sollte / wäre daß er sich inn innerlichem Gebett mit dem Geist Gottes speißte / nachmals dasselbig außtheylte / andern in den Predigen communicierte / und also die anderen eusserlich anreitzte / nach dem er sich zuvor innerlich bereit hätte.

Das Predigambt / wie auch die solches verrichten / waren Ehrwürdig von ihme genent /

·       dise (sagt er) seynd das Leben deß Leibs der heyligen Kirchen:

·       Dise seynd die Streiter unnd Schilt der Seelen wider die Teuffel:

·       Dise seynd die brinnenden Liechter der Welt.

Nit genugsam kann geschetzt werden / wie hoher Ehren solche /wann sie wie sie seyn sollen seynd / würdig:

Hergegen wie hoch zu beweinen / wann sie ihr Geschickligkeit umb ein zergängklichen unnd eytlen Ruhm verkauffen.

Darumben möcht er die jenigen nit leiden / welche ihr Wolberedenheit und Geschickligkeit mehr achteten / als daß sie eines so grossen Herren Diener / unnd von seiner Göttlichen Maiestät inn dem höchsten Grad seiner Christlichen Kirchen gebraucht wurden.

Daher sprach er zu solchen:

Warumben rühmet ihr euch deren / welche durch ewere Predigen zu der Buß bekehrt werden / als wann ihr die wären so sie bekehrten / weil sie doch meine einfältige Brüder bekehren.

Scholte die jenigen schlechte Prediger / welche sich ohn alle Andacht zu dem Predigen begaben / und lobet die anderen / welche zu gebürender Zeit in sich selbst giengen / sich nach den Predigen einzugen / inn den Geist deß Gebetts / unnd die Liebligkeit deß Herren zu versuchen sich ergaben / gleich wie er selbsten thate / der sich von seinen Disciplen absünderet / unnd sein Gebett zu verrichten auff die Berg gienge.

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