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FRANZISKUS-CHRONIK

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Franziskus begibt sich nach Marokko, um die Märtyrerkrone zu empfangen

15.5.2011

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 45, S. 163-167, Konstanz, 1603

Wie sich der heylig Mann nach Maroco die Marterkron zu empfahen begeben.
Cap. 45.
S. Ant.

Dieweil aber der heylige Mann inn Soriam nit kommen mögen / und die Begird umm Christi willen gemartert zu werden nit nachliesse / begibt er sich in dem 1214. Jar sambt den Bruederen Bernharden und Maseo auff Hispaniam zu / nacher Maroco / hoffende daselbsten Gelegenheit zu erlangen zu der Mohren König inn Maroco / Mirancolino genant / zu kommen / und ihme den Glauben Christi Jesu zu verkünden.

Dahin stunde sein Begird so starck / unnd wandlet / unangesehen seiner Kranck- und Schwachheit / so schnell / daß er allezeit den anderen vorgieng / daß sie gleich gedunckte er fluge.

Als er nun in Hispaniam gelangt / namen bey ihme die Kranckheiten so starck zu / daß sie ihn mit Mühe gen S. Jacob in Galitiam brachten: Daselbsten legt er sich für den Altar / und verrichtet sein Gebett / under welchem ihme von Gott anbefohlen wider in Italiam zu wenden / dann daselbsten wurden ime vil Ort gezeigt werden / darinn er sein so groß Haußgesind underbringen möchte / sein Widerreiß wäre dahin gar nohtwendig / auff daß er die junge Geschoß seines außkohrnen Weingartens befestigen und stärcken möchte.

Auff diser seiner Reiß kombt der heylig Franciscus in das Königreich Portugal / in die Statt Gnimaranes / inn welcher er / wie das Geschrey gehet / den Sohn seines Haußwirts / der in beherbergt / von Todten aufferweckt.

Besucht hernach die Königin Frawen Vrara / Königs Alphonsi deß anderen (Anmerkung: Alfons II.) Ehegemahel /die ihne mit sonderer Andacht und Reverentz auffname / und sie von ihme vollkommenlich getröst warde.

Nachmalen als er seiner Reiß nachzoge / unn zwischen den Stätten Nonis unn Orgogno in vorgedachter S. Jacobs Provintz an einen Fluß kame / so er (weil er angeloffen) nit bassieren möchte / und kein ander Mittel (dieweil daselbsten kein Wohnung oder Volck / von dem man den Furt deß Wassers erfahren köndte / verhanden) wißte / begabe er sich sambt den Bruederen zum Gebett / begerten von dem Herren in disem ihrem Anligen sein Hilff.

Darauff alsbald dieweil sie noch im Gebett waren / ungefahrlich ein junger Gesell auß der Statt Nonis zu ihne kame / der erbarmet sich ihrer / tröstet sie / und sagte / er wollte mit seinen Rossen / die er mit Thuch beladen das Wasser bassieren / an dem Gstad abladen / wider herüber kommen / und sie hinüber führen / das thät er / führt sie mit ihm gen Orgogno / losiert sie in ein Hauß / so er zu Ablegung seiner Güter daselbst hätte / unnd erzeigte ihnen alle mügliche Liebe.

Dannenher als der Heylige abschide / und ihme darumben danckete / sagt er:

Der Herr gebe dir den Lohn / welchen er seinen Gerechten zu geben pfleget /

und zeucht darvon.

Ein wunderliche Sach / daß eben dasselbig Jar der Jüngling als er von Rom unn Besuchung der heyligen Apostlen Petri und Pauli wider kame / unnd für ein sondere Gnad von dem Herren begerte / er solte ihne von disem Leben / ehe und zuvor er deß Verdiensts solcher heyligen Indulgentz und Ablas so er daselbst empfangen / beraubt wurde / nemmen / er (wie hernach folget) durch das Fürbitt deß heyligen Francisci erhört / unn auff seiner Bilgerfahrt gestorben. (P. Anmerkung: D. w. s. d. S. i. d. M. a.; b. R. F. M.)

Als nun der Vatter deß Sohns Todt durch seine Freund berichtet / ließ er nach grosser Beweinung die gewohnliche Exequien zum Heyl der Seelen halten / bey welcher Endung sich in selbiger Statt Nonis / darauß der Abgestorbne geboren / biß in die dreissig der Mindern Brueder (da doch selbiges Volck solcher nit so vil in der Welt zu seyn vermeynten) erzeigt / unnd inn der Procession der Kirchen zugangen / mit einer solchen Melodey und kläglichen Liebligkeit singend / daß alle die jenige so sich allda befanden / gleichsam verzuckt wurden.

Dannenhero nach verrichtem Gottsdienst die Befreundten alle dieselben Brueder zu Gast geladen / die auch erschinen. Als das Essen fürüber / zohen sie wider darvon / wurden ein gut Weil von dem Volck begleitet / welches als es wider zu Hauß kommen / die Taffel daran die Brueder gesessen / noch allerdings bereit / und alle Speisen gantz und unangegriffen / als ob niemands da gewesen / gefunden. Da lauffen derwegen ihre vil eylends den Bruederen nach / zu sehen unnd zu erfahren wo sie hin giengen / und wer sie wären / köndten aber nichts von ihnen erkundigen.

Alsbald erkanten sie wahrhafftigklich / dises die Widergeltung der Gutthaten zu seyn / so der Abgestorbne dem heyligen Francisco unnd seinen Gesellen erzeigte / als er sie zu Orgogno zu Herberg auffgenommen / trugen derhalben hinfüro jederzeit grosse Affection / Liebe / und Zuneigung zu dem Orden.

Eben auff selbiger Reiß zwischen Barcolona und Ghirona / nahend bey S. Celoni / als seiner Gesellen einen sehr hungeret / unnd in ein Weingarten Trauben zu essen gegangen / wirdt er von dem Weingartner ersehen / der eylet hinzu / nimbt ihm den Mantel / der laßts mit Gedult geschehen / der Gartner aber wolt ihme solchen / wie hoch ihn auch der heylige Franciscus bate / nit wider geben / sonder tragt ihn für den Herren: Disen kann der heylige Mann so wol bitten / daß er im nit allein den Mantel wider gibt / sonder sie auch zu Gast ladet / bey welcher Malzeit der heylige Vatter sich dermassen erzeiget / daß als der Haußwirth höchlich durch seine Wort und Lehr erbawet / sich zu einem ewigen Wirth der Brueder / so daselbsten fürüber ziehen wurden / anerbotten.

Darauff sagt der heylige Mann zu Widergeltung der empfangnen Wolthaten und Anerbietens / nimm ich euch zu einem Bruder deß Ordens. Der Haußwirth verharrete stets hernach den Bruedern die versprochne Liebe zu erzeigen.

Nach vilen Jaren aber als er gestorben / unnd ihme von den Befreundten die gewohnlichen Begengknussen gehalten wurden / und vil Priester darbey waren / fiengen sie an zu brumlen / und zu sagen / die Minderen Brüder erschinen an jetzo gar fein bey dem Absterben ihres so andächtigen getrewen Bruders / welcher ihnen bey seinen Lebzeiten so vil Gut- und Wohltaten erwisen.

Weil sie noch reden / erscheinen in der Kirchen 22. der Minderen Brüder / singen mit grosser Liebligkeit die Psalmen Davids / mitler Weilen richtet man ihnen das Essen zu. Als aber der Gottsdienst verrichtet / werden sie nit mehr gesehen. Das Volck aber lobete Gott / der also reichlich die Wolthäter seiner wahren Diener gar biß nach dem Todt belohnet / und entschliessen sich hinfüro die Brüder auß gemeinem Seckel zu beherbergen / zu erhalten / und denen alle Notturfft zu ertheylen.

Als er hernach Frankreich passiert / und zu Mompolier in einem Spital prediget / sagt er auß prophetischem Geist / allda wurde bald ein Kloster der Minderen Brueder erbawet werden / so bald hernach geschehen / und noch  dieser Zeit in schöner Verrichtung deß Diensts Gottes gesehen wirdt.

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