ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

www.etika.com

12F3146

Dominikus und Franziskus erlangen Gnade für die Sünder von 1216

21.6.2011
mit Verweis auf Savonarola bei den Anmerkungen

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 46, S. 167-169, Konstanz, 1603

Wie die heylige Franciscus unnd Dominicus das erst mal einander gesehen.
Cap. 46.

In dem Jar deß Herren 1215, als das groß und erst Lateranensisch Concilium zu Zeiten Babsts Innocentij gehalten worden / ist der heylige Vatter Dominicus in Gesellschaft Falconis deß Bischoffen zu Tolosa gen Rom kommen / von der Bäbstlichen Heyligkeit die Confirmation deß Prediger Ordens / so er selbiger Zeit einzusetzen willens / zu erlangen.

Welches als der Babst durch Göttliche Offenbarung erfahren / und der grossen Wohlthaten / welche durch diese newe Religion der Kirchen Gottes widerfahren solten / underrichtet / wolte er / alsbald er den heyligen Dominicum gesehen / weiter von ihme nichts hören / sondern befahle / er solte alsbald wider nacher Tolosa reisen / unnd mit seinen Brüderen Handlung pflegen / und mit gemeiner Einwilligung ein Regel erwehlen /welche von der heyligen Kirchen approbirt / unnd under dero Tittel confirmiert (sic) möchte werden.

Der heylige Mann begibt sich auff gehabten Befelch wider nacher Tolosa / rueffet (Anmerkung: eigentlich geschrieben wie Brüderen, mit u und kleinem e darüber, aber als „rüffet“ schwerer verständlich) mit seinen 16. Brüderen die Hilff Gottes an / erwehlen die Regel deß heyligen Augustini / under dem Tittel und Namen der Prediger.

Kombt das Jar hernach 1216. (als Honorius der Dritt dem Innocentio nachgefolgt) wider gen Rom / begert von dem newen Babst die gesagte Confirmation / durch ein Bullam / unnd Apostolischem Gewalt / inn solcher Religion Profeß zu thun / unnd etliche andere Ordnungen / die sie nohtwendig zu seyn gedunckten / anzustellen.

Als er nun all sein Begeren erlangt / und nachfolgende Nacht in dem Gebett ware / sahe er unsern Herren Christum zu der Rechten deß Vatters stehen / unnd wider die Sünder mit grimmigem / zornigem / und erschröcklichem Angesicht drey Speer inn die Welt abschiessen:

·       Das erst die Hoffärtigen zu ernidrigen:

·       Das ander die erfülte Glider der Geitzigen zu erlären: (Anmerkung ETIKA: die mit Gütern angefüllten Geizigen zu leeren?)

·       Das dritt die fleischliche Menschen zu tödten.

Und als solchen Zorn niemandts als die heyligiste Jungkfraw sein Mutter / stillen köndte / sahe er selbige gütigiste Königin die Füß ihres geliebten Sohns zu umbfahen / unnd zu bitten / er sollte denen / welche er mit seinem kostbarlichsten Blut erlöset / verzeyhen /  und seine so strenge Gerechtigkeit durch sein unendtliche Barmhertzigkeit milteren. Dero gab der Sohn Antwort:

Secht ihr nit Mutter / wie hoch sie mich beleydigen? Wie kann mein heyligiste Gerechtigkeit so vil Ubels ungestrafft lassen?

Auff dises antwort die Mutter / unnd sagt:

Ihr wisset Sohn welches der Weg ist die Sünder zu euch zu bekehren / nemmet wahr hie seynd ewere getrewe Diener / zeiget auff ihne Dominicum unnd Franciscum / die werdet ihr könden inn die Welt senden / unnd ewer Wort verkünden lassen / auff daß sie sich zu euch ihrem Schöpffer kehren / unnd nit verloren werden.

Darauff sich der Herr befridigen lassen. *

Als nun der heylige Dominicus erwacht / behielt er starck inn dem Gemüt die Gestalt seines Gesellens / den er zuvor nie erkant hätte / findet folgenden Tag (durch Göttliche Anordnung) den heyligen Franciscum / (so selber Zeit zu Rom inn S. Peters Kirchen wohnete) erkent ihn den Warzeichen nach / so er inn dem Gesicht gehabt / von stundan / umbfacht (umfängt) ihn mit sonderlicher Liebe / unnd spricht:

Wir werden Gesellen seyn / und werden inn unserem heyligen Fürnemmen vereiniget wandlen / und wider uns kein Mensch oder böser Geist nichts vermögen /

und erzehlt im das Gesicht. Dahero nach langem gehabten Gespräch wurden sie beyde in Gott mit gleichem Willen / Hertzen / und Geist vereiniget / und befahlen solches auch ihren Disciplen. **

Diese Vision ist durch den heyligen Franciscum / deme ers allein vertrawet / den Religiosen deß heyligen Dominici geoffenbaret worden.

 

Anmerkungen:

* Diese Szene „Die h. h. Franziskus u. Dominikus erlangen durch Mariens Fürbitte Gnade für die sündige Welt“ ist im Kreuzgang des Bozner Franziskanerklosters dargestellt.

** Wurde von ihnen nicht immer zur Kenntnis genommen, wenn wir daran erinnern dürfen, wie die Franziskaner fleißig mitgeholfen haben, in Florenz den Dominikaner Girolamo Savonarola auf den Scheiterhaufen zu bringen. Wir zitieren zum Beispiel:

„Als eine ihm (Savonarola) feindlich gesinnte Signoria gewählt ward, die, vom Papst gedrängt und bedroht, ihn am 17. März 1498 ersuchte, das Predigen einzustellen, hielt er am folgenden Tag noch eine Predigt mit dem Bewußtsein, daß es seine letzte sei (XIII). Noch einmal redete er zum Volk bei der Feuerprobe auf dem Marktplatz. Von den Franciscanern, nicht von ihm provozirt, sollte dieselbe die Wahrheit seiner Lehre oder der Behauptungen seiner Gegner erweisen, indem je ein Franciscaner und ein Dominicaner zwischen brennenden Holzstößen hindurchging. Sein Schüler Domenico war voll Begeisterung bereit, – die Franciscaner aber wollten nun nicht und suchten die Sache nun durch nichtige Dispute über Formalitäten hinzuziehen, bis am Abend ein Befehl der Signoria – das Nachhausegehen befahl.

Die Enttäuschung des wundergierigen Volkes machte sich in einer grenzenlosen Wuth Luft, die sich über dem unschuldigen Haupte Savonarola´s entlud. Das Kloster ward gestürmt, Savonarola ward in den Kerker geschleppt und, ohne daß man bei aller Mühe einen Scheingrund fand, vom geistlichen und weltlichen Gericht zum Feuertod verurtheilt. In den schweren Tagen vor seinem Tode hat er im Kerker jene herrlichen, gebetsartigen Medittionen über den 51. Und 31. Psalm geschrieben, die unseren Luther bewogen, ihn als evangelischen Glaubenshelden zu „canonisiren“. Ruhig und ergeben, nachdem er mit den gleichzeitig verurtheilten Brüdern Domenico und Silvester das Abendmahl genossen, beschritt er den Scheiterhaufen, dem Bischof, der in seiner Verwirrung sagte: „Ich scheide dich von der streitenden und triumphirenden Kirche!“ antwortend: „Von der streitenden, nicht der triumphirenden, denn das kannst du nicht!“ …“
(Hieronymus Savonarola. Ausgewählte Predigten. Mit einer einleitenden Monographie in deutscher Uebersetzung herausgegeben von Wilh. von Langsdorff, Pastor in Rittmitz. Leipzuig. Verlag von Fr. Richter. 1890. Seite XIV f.)

Gesamtübersicht Savonarola

Vergleiche bezüglich Abendmahl: „Die Marquise … bat um das Abendmahl. Es wurde ihr aber abgeschlagen, es wird niemals Verbrechern gereicht, die zur Todesstrafe verurteilt sind.“ (François Gayot de Pitaval: Geschichte der Marquise von Brinvillier, 1734. In: Kriminalgeschichten aus drei Jahrhunderten, Reclam Verlag Stuttgart, 1978, S. 38)

In Originalschreibweise

 Franziskus-Übersicht - - - Index 1