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FRANZISKUS-CHRONIK

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Dominikus und Franziskus lehnen Prälaturen ab

30.7.2011

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 47, S. 169-171, Konstanz, 1603

Wie dise beyde Heyligen das ander mal einander sahen / unnd wie sie die Praelaturen
so ihnen und ihren Brüderen angetragen / abgeschlagen.
Cap. 47. S. Bonaventura. S. Ant.

ZUm anderen mal kamen dise zwey Liechter / so von dem Allmächtigen zu Erleuchtung der Welt gesant / zu Rom bey dem Ostiensischen Cardinal zu samen / der sagte wegen grossen Eyffers der Aufferbawung der Kirchen Gottes zu ihnen.

S. Ant. In der ersten Kirchen waren die Praelaten arm / und lebten ohne einigen hohen Stand der Eytelkeit / regierten die Herd deß Herren in Liebe und Demut / und nit inn Begird der zeitlichen und zergängklichen Dingen / dahero bin ich der Meinung / die Kirchen wurde in ihren alten Stand kommen / wann wir auß ewern Brüdern Bischoff und Praelaten erwehlten / dann durch ihr Lehr / gutes Exempel deß Lebens / unnd Verachtung der Welt / wurden sie die Praelaten der ersten Kirchen repraesentieren / oder auff das wenigist fürstelicher und nutzlicher seyn als wir / die stets under den Eytelkeiten der Welt leben / sie aber inn der Arm- unnd Demut erzogen werden. Derhalben hätte ich auff dise meyne Meinung und Gutachten gern ewer Erklärung.

Als der Cardinal solches geredt / erstehet under beyden ein Zwytracht / welcher ihne erstens beantworten solte / doch letstlich erhalt der heylig Franciscus / als der fürnembste in der Demut / daß der heylig Dominicus durch Krafft der Gehorsame dem Cardinal antwortet / unn sagte:

In eine(n,m) genugsamen und hohen Stand seynd die Prediger / wann sie es erkennen werden: Derhalben so starck ich bin / wird ich nimmer bewilligen / daß meine Brüder zu höherem Stand unnd Würde auffsteigen.

Nach disem stehet der heylige Franciscus auff / sagt mit sonderem Geist:

Darumben nennen sich meine Brüder die Minderen / auff daß sie ihnen nit fürnemmen / jemalen inn diser Welt groß / vil weniger hoch gemacht zu werden / sonder auff daß ihr Namen ihren Beruff auch anzeige / welcher ist sich allzeit zu ernideren / und den Fußstapffen der Demut Christi nachzufolgen / auff daß sie dardurch verdienen inn der anderen Welt zu der Heyligen Schar erhebt unnd erhöcht zu werden. Derhalben wann ihr begert daß sie inn der Kirchen Gottes früchten sollen / so erhaltend sie in der Niderigkeit / da sie jetzt seynd / ja wann sie schon anders begeren wurden / so laßt ihnens nit zu.

Der Cardinal der von disen beyden Antworten wol erbawet verbliben / gibt den Heyligen den Abschid. Als sie nun fortzugen / begert der heylige Dominicus mit starcke (n/m) Anhalten von dem heyligen Francisco den Strick / mit deme er umbgürtet ware. Dieser weigeret sich dessen ein Weil auß Demut / doch letstlich laßt er ihm den werden. Der umbgürtet sich alsbald under dem Habitu darmit / unnd scheiden damit von einander: und sagt der heylige Dominicus gegen menigklich:

Inn Wahrheit sag ich euch / alle andere Ordensleut und Religiosen solten das Leben dises heyligen Manns ansehen / unnd demselben nachfolgen / also groß ist sein Vollkommenheit / und der wahre Weg / welchen er Christo nachzufolgen fürnimbt.

In Originalschreibweise

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