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FRANZISKUS-CHRONIK

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12F3148

Franziskus sendet seine Brüder in die Christenheit aus und legt Provinzen fest

9.9.2011
2 Teile

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 48, S. 171-174, Konstanz, 1603

Wie der heylige Franciscus fortfuhre seine Brüder inn die Christenheit außzusenden / unnd die Provintzen außzutheylen.
Cap. 48. Alte Cronicken.

ALs in dem 1217. Jar das general Capitel zu Assisi gehalten worden / seynd wegen der Menge der Brüder / die Provintzen hie unnd jenhalb deß Gebirgs durch die gantze Christenheit außgetheylt / hernach die Provincial Ministri sambt ihren Gesellen erwehlt / unnd ein jeder an sein Ort geschickt worden.

Unnd dieweil selbiger Zeit in Hispania nit wenig Ketzer sich befanden / schickt er etliche seiner Brüder dahin / under welchen die Brüder Zacharias unnd Gualterus inn Portugal kommen / dise (weil sie als ein newes Ding) daselbst ubel gehalten worden / liessen sie selbe wegen deß ungewohnten Habits / Underschid der Sprachen / unnd weil sies für Ketzer hielten / ninderst (Anmerkung: heute noch in Südtirol gebräuchlich) underkommen / müßten derhalben ihre Zuflucht bey gemelter Königin Frawen Vracha suchen / durch welcher Hilff sie den Stand und Orden zu Coymbria Guimaranes / Alanquer / unnd Lisabona bekommen / wie inn dem uberigen ihres Lebens hernach inn dem sechsten Buch angezeigt wirdt.

Die anderen wurden noch ubler tractiert (sic) unnd gehalten / wolte niemandts ihr Lehr / Exempel / und Leben / weil sie ihnen unbekant / annemmen / vertriben sie allenthalber als die jene / welche ihres Stands und Wesens nit gnugsamen Schein von der Bäbstlichen Heyligkeit auffzuzeigen hätten.

Kehrten derhalben wider zu dem heyligen Francisco / der gehet alsbald zu dem Ostiensischen Cardinal / welcher nach dem Absterben deß Sabinensischen Cardinals / so ir erster Protector gewesen / gleichwol nit nach der Form deß Ordens / wie es seyn solte / sonder als ein Bruder desselben / und von dem heyligen Francisco / von der Bäbstlichen Heyligkeit fürgeschlagen und begert / ir Schirmherr worden / wird von demselben ihr Heyligkeit praesentiert / facht daselbsten inn Beyseyn deß Collegij der Cardinälen ein so schöne Sermon zu Lob der Evangelischen Vollkommenheit (deren er und seine Brüder Verkünder wären) mit so hohem Eyffer / und Geschickligkeit an fürzuhalten / daß er dz gantze Collegium sammt gedachter Bäbstlichen Heyligkeit inn grosse Verwunderung / unnd seines Ordens Liebe unnd Anmutung gebracht / unnd ihme alle Gnad und Wolthaten versprochen worden / also daß sich selig der jenig schetzte / welcher nach vollendtem Consistorio einen derselben Brüder bey ihme haben möchte: unnd ließ inen ihr Heyligkeit die Patenten nachfolgenden Innhalts machen.

Honorius Bischoff ein Diener der Diener Gottes / wünschet unseren geliebten Brüderen / Ertzbischoffen / und Bischoffen / etc. Demnach unser geliebter Sohn Bruder Franciscus von Assisi / sambt seinen Gesellen der Religion der Minderen /(nach Verachtung der Zergängligkeiten diser Welt) den / Weg unnd Leben der Vollkommenheit (so billich durch dise unsere Kirchen approbiert) erwehlt / und in vil Provintzen nach dem Exempel unn nachfolgung der Apostlen / das Wort Gottes außzusäen sich begeben / befehlen und bitten wir euch inn Krafft der heyligen Obedientz mit disen unseren Apostolischen Brieffen / daß wann einer oder mehr der ihrigen zu euch kommen / ihr dieselben für Glaubige und Catholische auffnemmet / unnd zu Ehrerbietung Gottes /(dessen wahre Diener sie seynd) und Unserer / ihnen verhifflichen seyet / und inn ewerem Befelch / Schutz unnd Schirm haltet / Datum etc.

Dise gesagte Brieff seynd zu Ehr Gottes allmächtigen / und Heyl der Seelen von dem Protectore und anderen Cardinälen authentisiert worden.

Von zweyen anderen Apostolischen
Brieffen / von gedachtem Babst gegeben.

IN dem 4. Jar seines Babstthumbs schicket er ein anders / nachfolgenden Innhalts.

Honorius ein Diener der Diener Gottes / wünschet unseren geliebten Ertzbischoffen / Bischoffen / Ebten / Priorn / unnd anderen Praelaten der Kirchen deß Königreichs Franckreich / unseren Gruß unnd Apostolischen Segen.

Demnach wir euch vor disem / wegen unserer geliebter Kinder der Minderen Brüder / daß ihr sie euch befohlen seyn lasset / zugeschriben / so seynd wir doch berichtet / daß etliche under euch / welche das Gewissen noch ärgert / ihnen inn ihren Bisthumben noch kein Underschlauff zu vergonnen gesunnen: Dieweil dann wahrhafftig in ihnen einiges zu verargkwohnen / oder zu verschlagen nit ist / dessen wir genugsame Gewißheit tragen / unnd darumben ihnen unsere zuvor außgangene Brieff / zu Hinnemmung alles Zweiffels genugsam gewesen seyn solten.

Seytemal aber dises wider unser Verhoffen nit gefolget / derhalben so bezeugen wir hiemit abermalen / daß wir den Orden der Minderen Brüder für approbiert halten / und erkennen die Brüder desselbigen Ordens für Catholische Religiosen / Gottsförchtig / unnd eines heyligen Lebens: Ermahnen darauff euch mit disem unserem Brieff / und wöllen daß ihr gesagte Mindere Brüder in eweren Bisthumben auffnemmet / und euch wol befohlen seyn lasset / von wegen der Ehr Gottes / unn unserer. Geben zu Viterbo den 28. Mey / in dem 4. unseres Babstthumbs.

Inn jetztgedachtem Jar wurden von ihr Heyligkeit andere Brieff gleichen Innhabs / zu Gutem gedachter Religion außgefertiget / welche wie die Histori meldet / in dem Convent zu Paris gefunden werden.

In Originalschreibweise

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