ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

www.etika.com

12F3149

Als Franziskus nach Frankreich ziehen wollte

3.11.2011

Bruder Silvester vertreibt die bösen Teufel aus Arezzo

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 49, S. 175-176, Konstanz, 1603

Wie der heylig Franciscus inn Franckreich ziehen wöllen.
Cap. 49.

IN einem anderen gehaltnen Capitel / in welchem die Brüder durch die Christenheit außgetheylt wurden / wendet sich der heylige Franciscus zu seinen Brüderen / unnd spricht:

Ihr allerliebste Brüder / ich erkenn mich schuldig allen Brüderen ein Form und Exempel zu geben. Derhalben weil die meinige inn allerley Provintzen außgeschickt / Hunger / Durst / unnd allerley Betrübnussen leiden / gedunckt mich nit unbillich seyn / wann ich gleichfals mich in die Weite begebe / auff daß die anderen desto leichter (weil sie mich dergleichen thun sehen) ihre Mühseligkeiten / Kummer / und Betrübnussen tragen:

Begabe sich derhalben seinem Gebrauch nach (weil er kein Bruder außziehen liesse / er müßte dann zuvor Gott den allmächtigen anrüffen / unnd umb Gnad / auff dieser seiner Reiß was Nutz zu schaffen / bitten) sambt allen den Brüderen zu dem Gebett / kombt wider zu ihnen / und sagt:

In dem Namen unseres Herren Jesu Christi / unnd seiner aller heyligisten Mutter / unnd aller außerwehlten Heyligen Gottes / erwehle ich mir das Königreich Franckreich / inn welchem ein zimlich Catholisch Volck / und der heyligen Römischen Kirchen underworffen / unnd dieweil solches ein sondere Andacht zu dem heyligen hochwürdigisten Sacrament tragt / hoffe und glaube ich bey demselben inn der Conversation hefftig getröst zu werden.

Da er solches geredt /und die Gesellen erwehlt / name er von den Brüderen den Abschid / und begabe sich auff den Weg.

Als er zu der Statt Arezzo gelangt / und weil es Nacht nit hinein kommen möchte / nam er die Herrberg inn der Vorstatt in dem Spital / daselbst höret er / daß die armen Burger in zwen Theyl zertheylt sich jämerlich ermördten / welches noch mehr bestätet / als er zu Mitternacht  under dem Gebett ein so jämerlich Geschrey unnd Getümmel deß Volcks und Waffen als ob zwey Kriegsheer mit einander streiteten / höret / erkent alsbald das Werck deß Teuffels / der sie also in Zwytracht unnd Uneinigkeit hielte / wirdt zu Erbarmung bewegt / bettet die gantze Nacht inn grossem Eyffer und Zeheren / stehet von dem Gebett auff / rüfft dem Bruder Silvester / der ein Priester unnd Mann sonderbaren Glaubens unnd Reynigkeit war / unnd sagt:

Gehe zu dem Thor dieser ellenden Statt / unnd schrey mit heller Stimm: Gelobt unnd gebenedeyt seie der Namen unseres Herren Jesu Christi / auß Befelch Gottes allmächtigen / und inn Krafft der heyligen Gehorsame befihle ich euch bösen Geisteren / die ihr dises Volck inn Uneinigkeit und Unfriden erhaltet / daß ihr alle von dieser Statt weichet.

Als Bruder Silvester solches verrichtet / flohen die Teuffel alsbald darvon / unn ward ohne alles anders Mittel under den Burgeren wider guten Friden und Einigkeit gepflantzet.

Dieweil er aber selbiger Zeit daselbst sich nit auffhalten / sonder seiner Reiß nachsetzen müßte / so predigt er doch zu seiner Widerkunfft alldorten / und straffte sie umb die gehabte Haß / Feindschafft / unnd Uneinigkeit / hielte inen für die Gnad deß Herren / mit welcher er sie durch die Wort Bruders Silvesters eines heyligen Manns (auff daß er sich selbsten nit rühmbte) von einem so schweren Krieg / in welchem sie die Teuffel gehalten hätten / erlediget / stärckt sie also inn dem gemachten Friden nit allein / sonder brachte sie auch zu wahrer Buß ihrer Sünden.

In Originalschreibweise.

Die Geschichte in Arezzo regt zur Meditation an. Wir wollen nicht mehr darüber sagen.

 Franziskus-Übersicht - - - Index 1