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FRANZISKUS-CHRONIK

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Hl. Dominikus beim Generalkapitel. Verzicht auf Güter

27.2.2012

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 52, S. 181-183, Konstanz, 1603

Wie der heylig Dominicus bei disem Capitel erschinen / von seinem Entschluß daß seine Brüder nichts Eigens haben solten / durch das groß Wunderzeichen so er gesehen / unnd von der grossen Anzahl der Novitzen / so in selbigem Capitel angenommen worden.
Cap. 52.

Als der heylige Dominicus (der sich mit siben seiner Brüder daselbst befande) dises strenge Gebott (deß heyligen Francisci) vername / erschracke er sehr / und förchtet (weil er ihn so hoch liebte) es möchte auß solchem ein Ergernus entstehen / dieweil ihr ein so grosse Anzahl ohne alle Gedancken nach der Nahrung zu trachten / allda wären.

Der allmächtig Gott aber erzeigte gar bald / wie hoch er diser seiner Diener Sorg trüge / welche allezeit als die Vögelein mit dem Geist flugen / unnd inn  dem Himmel conversierten / auff daß er sie auff der Erden erhielte / erschine derhalben alsbald sein Hand uber die Völcker von Perus / Spoleti / Foligno / Assisi / und andere Umbligende / diese lauffen auß Göttlicher Inspiration zu mit geladnen Rossen / Eßlen / unnd Wägen / von Brot / Wein / Oel / Keß / Fleisch / Gflügel / Eyer / Schmaltz / und anderen zu Auffenthaltung deß Leibs nohtwendigen Sachen:

Andere bringen irdine Geschirr / als Häfen / Krüg / unnd dergleichen / andere Leyngwand / als Tischthücher / Fatzelet / ja gar das Thuch zu ihrer Bekleidung / und in Summa alles deß jenigen was die Notturfft erforderen möchte / uberflüssig / achtete sich selig der jenig / welcher ihnen mit grösserem Fleiß unnd Eyffer als der ander dienen köndte.

Da sahe man die grosse Herren unnd Ritter ihre Mäntel und Kappen abziehen / und auff die Erden / zu Ehren diser Diener Christi / außbreiten / vil Praelaten unnd geistliche Herren ihnen mit so grosser Ehrerbietung dienen / als ob sie den heyligen Apostlen dienten.

Le constat. (constant.) de Frat. Praed.

Derhalben als solches der heylige Vatter Dominicus sahe / erkent er wahr und unzweiffelich zu seyn / daß inn dem Diener Christi dem heyligen Francisco der H. Geist wohnte / strafft sich derhalben wegen der falschen Opinion / so er von ihme getragen / kniet vor ihm nider / unnd bekent sein Schuld / bezeugt an jetzo hätt er wahrhafftig inn dem Werck gesehen / daß der gütigiste Gott sonderbare Sorg uber seine Diener trage / ein Sach so er noch nie erkant hätte.

Darummen (sagt er) verspriche ich auch die Evangelische Armut zu halten / unnd gibe inn dieser Stund an der Statt Gottes / allen meinen Brüderen die Maledeyung / welche hinfüro was Eigens in gemein / oder besonder besitzen werden.

Derowegen unangesehen daß sie Einkommen / und Güter selbiger Zeit / Vermüg einer Bewilligung Babsts Honorij deß Dritten / inn dem Jar deß Herrn 1216. und dem ersten seines Babstthums gegeben / besitzen möchten / er doch / als er in dem 1220. Jar / eines nach disem grossen Capitel auch ein general Capitel / mit 220 München gehalten / mit denselben einhelligklich ihre Constitutiones reformiert / und ihre jetzige und zukünfftige Güter renunciert und auffgeben: von welcher Obligation wegen / ob wol der Prediger Orden durch billiche Dispensation / von wegen deß grossen Nutzes / so sie durch ihr Lehr in der Kirchen schaffen / für ihre Collegien unnd Lehrschulen / Einkommen haben mögen / halten sie doch in den anderen Klöstern / nach dem Befelch deß heyligen Vatters Dominici / die Evangelische Armut gar streng.

Under dessen führte der Ostiensische Cardinal ein grosse Anzahl ansehenlicher stattlicher Herren zu gedachtem Capitel / die Losament und Wohnungen selbiger seiner Brüder zu besichtigen / welche als sie sahen / daß sie auff blosser Erden / oder wenigem Stro / oder Hew lagen / sassen / assen / und schlieffen / unnd nach anderen Gelegenheiten nit trachteten / zu einem Küß (wie oben gesagt) ein Stein oder Holtz hatten / klopfften sie an die Brust / und sagten mit uberflüssigen Zeheren:

Wann dise heylige Männer auff der Erden essen und schlaffen / wie wirdt es dann uns Sünderen ergehen / die wir mit vilen Sünden beladen / ohne Bußwürckung  inn so grossem Uberfluß leben /

wurden von einer so heyligen Herd dermassen erbawet / daß sie ihr Leben und Sitten enderten / hinfüro ein tugentreich Leben führten / daß dero Bekehrung unnd Auferbawung deß Bäbstlichen Hoffs / anderer fürnemmen Herren / und alles umbligenden Volcks so groß / daß in disem einigen Capitel uber die 500. Novitzen in den Orden auffgenommen worden.

In Originalschreibweise.

Das Generalkapitel wird auf einem großformatigen Bild im Kreuzgang des Bozner Franziskanerklosters dargestellt.

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