ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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Von der Kasteiung des Fleisches und vom Kapitel der Teufel gegen die Minderen Brüder

2.3.2012

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 53, S. 183-186, Konstanz, 1603

Von der grossen Casteyung deß Fleisches / so in disem Capitel entdeckt worden / welche die Brüder deß heyligen Francisci übten / unnd wie er seine Ministros, so die Regel verenderen wolten / gestillet / und von dem erschröcklichen Capitel / so die Teuffel mitler Weilen wider die Minderen Brüder gehalten.

Cap. 53.

Demnach dem heyligen Vatter Francisco angezeigt warde / wie daß inn disem Capitel (Anmerkung: Mönchsversammlung) sich vil Brüder befenden / welche zu Ertödtung deß Fleisches / uber andere Abstinentzen / Fasten / unn Casteyungen / an Statt deß Cilicij oder Bußkleids / Bantzerhembter / oder grosse eysene Ring umb die Lenden trügen / welche ihnen grosse Schwachheiten / ja den Todt selbsten verursachten / befahle der mitleidenliche Vatter alsbaldt inn Krafft der Gehorsame / solche ihme sammetlich fürzutragen.

Darauff warden ime deren in die 500. beyderley Sorten zugebracht / darüber er ein Edict außgehen / unnd allen seinen Brüderen verbieten lassen / einicherley Ding von Eysen hinfüro an blossem Leib nie mehr zu tragen.

Uber diß ward bey selbigem Capitel / durch etliche gelehrte Minister, mit dem Protectore tractiert die Strenge diser so grossen Armut zu verlassen / und nach der Ordnung einer anderen alten Religion zu leben / auff daß sie das Eusserist fliehen / unnd ein leidenlich Leben anrichten möchten.

Als der Heylige dessen durch den Cardinal / der ihn auch zu disem ermahnete / berichtet / nimbt er ihn bey der Hand / führt ihn mit sich inn das Capitel / da die Ministri noch versamblet waren / wendet sich zu denselben / unn sagt:

Meine allerliebste Brüder / Gott unser gütigister Herr hat mich durch disen Weg der Einfalt / Armut / Demut / und grossen Strenge deß Lebens zu sich beruffen / und nit allein mich / sonder auch alle die so mir nachfolgen werden.

Derhalben seye keiner mehr under euch / der gedencke mich ein andere Regel anzunemmen / zu bereden / weder deß heyligen Augustini / Bernhardi / oder anderer / dann dise hat mir mein Herr gezeigt / unnd zu diser hat er uns durch sein unendtliche Güte beruffen / und will / daß wir Thoren inn diser Welt geachtet werden / dann er will uns durch einen anderen Weg / als durch weltlichen Verstand / unnd ewer närrische Weißheit / und Geschickligkeit / inn welcher ihr confundiert werden / in die Himmel beleiten: und ich vertrawe seiner Göttlichen Maiestät / die werde euch durch seine Gerichts Knecht die Teuffel straffen / unnd in eweren ersten Stand / darauß ihr nun gangen / wider ewer Willen wider zu kehren bezwingen / wann ihr solches selbster zuvor nit thun werden.

Als der Cardinal dise so strenge Antwort vername / erschrack er wegen des grossen Eyffers / so der Heylige zu Gott truge / dorffte weiter nichts sagen. Die Ministri zugen stillschweigend ab / förchteten ihnen vor einem böseren.

Nit lang nach disem / weil noch dises Capitel gehalten / warde dem heyligen Vatter geoffenbaret / wie daß ein grosse Anzahl der Teuffel sich inn dem Spital zwischen S. Maria der Engel / und Assisi versamblet / und auch ein Capitel hielten / und durch vilerley Mittel unnd Weg discurrierten / wie sie den Fürgang deß heyligen Francisci und seiner Religion verhinderen möchten / under welchen sonderlich ein listigerer und klüger dann die anderen / auff dise Weiß zu discurrieren anfienge / sagende:

Diser Franciscus unnd seine Brüder fliehen mit solchem Eyffer die Welt / und sünderen sich ab von derselben / mit grosser Krafft lieben sie an jetzo Gott / mit stetem Gebett unnd Casteyung deß Leibs / daß wir diser gar nichts / oder doch wenig wider sie vermögen werden / darumben gedunckt mich wir soltens an jetzo verbleiben lassen / und den Todt desselben ihres Haubts und Obristens erwarten / und alsdann die Brüder zu Auffnemmung junger Gesellen ohne Eyffer / ehrgirigen Alten / adelich erzogner Mannen / und vermeßner Hochgelehrten / (denen wirs einblasen wöllen) anreitzen / und dann durch diser Mittel / zu der Liebe der Welt / unnd ihren selbsten / zu grosser Begird der Geschickligkeit / und der blinden Ambition grosser zeitlicher Ehren / ziehen.

Auff dise Weiß wöllen wir uns rechen / wann wir den meisten Theyl nach unserem Willen gericht werden haben.

Dise Meynung gefiel den anderen wol / schiden darauff in grosser Hoffnung deß zukünfftigen Rahts von dannen / wolte Gott daß solches in vil Weg nit erfült wäre worden.

In Originalschreibweise.

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