ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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2001 - 5.10.2008

12F3156

Franziskus beim Sultan

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 56, Konstanz 1603


Cap. 55. Schluß

Alsbald die von den Mohren gesehen werden / sprengen ihre vil von dem Hauffen herauß / eylen der heyligen Gesellschafft zu als die hungerigen Wölff gegen den blossen Schäfflein / fahen sie ohne einigen Widerstand / tractieren sie ubel / und wann sie nit zu dem Soldan begeret / wäre das End ihres Lebens verhanden gewesen.

 

Wie der heylig Franciscus dem Soldan geprediget.

Cap. 56.

 

Also gebunden / wirdt der heylige Mann sambt seinen Gesellen / dem grossen Soldan fürgeführt / welcher alsbald sie gefraget / wer sie wären / wer sie inn sein Heer geschickt / und auff was End sie dahin kommen.

 

Deme antwortet der heylige Vatter in sonderer Innbrunst diß Geists / als der sich an so gewünschtem Ort befande:

 

Wisse O Soldan und Keyser / daß unser Ankunfft zu dir nit durch einigen Menschen / oder irdischen Potentaten verschaffet und verordnet worden / sonder durch den Willen unnd Anordnung dises allermächtigisten Königs aller Königen / unnd Herrens aller Herren / den ewigen Gott / welcher uns zu dir gesant / weil du inn diser Welt (uber das du sein Creatur wie wir alle seynd) auch sein Diener bist / und sein Statt inn disem deinem Reich vertrittest / und solches Gewalts dich mißbrauchest / und sein aller milteste Güte geschehen / daß du sambt allem disem Volck ausser dem wahren und rechten Weg der Erkantnus seiner deines höchsten / einigen unnd wahren Gottes wandlest / und so hoch irrest / deine Affection inn die Creatur / ohne Erkantnus deß Erschaffers und Erlösers setzest / wie weit du ausser der Strassen der natürlichen Vernunft / durch welche du zu Erkantnus deines Irrsals / der Ehre so du seiner Göttlichen Maiestät / und seinem Gesatz schuldig / kommen möchtest / giengest / und deßhalber ein groß Mitleiden mit dir getragen / hat er uns (sag ich) zu dir gesant / den wahren Weg unn einig Remedium deines Heyls dir zu verkünden / welches da stehet allein in dem Glauben und Gehorsam Christi Jesu / wahren Sohn Gottes / unnd Menschen / der in die Welt kommen ist / uns auß dem Gewalt deß Teuffels zu erretten / unnd die ewige Glori zu geben allen denen / so geweßt / noch seynd / unnd noch seyn werden / in seinem wahren Glauben getrew / dargegen aber die Pein und ewige Verdamnus den Ungehorsamen / und von seinem allerheyligisten Glauben Abgescheidnen zu bereiten: / unnd auff daß er solches vollbrächte / auß seiner unaußsprechlichen Güte ( nach dem er unser Fleisch an sich genommnen ) mit selbiger für alle unsere Schuld gnug thun / und auff dem Stammen deß heyligen Creutzes für unsere Sünd sterben / unn alsdann in dem Sacrament deß Tauffs / uns den Verdienst gedachtes seines Leidens verlassen wöllen / durch welches wir zu dem ewigen Leben widergeboren / unnd aller unserer Sünden (in ihme) absterben / vor der Gefengknus deß Teuffels / unnd ewigen Todts / so uns von einem so starcken Feind von Ewigkeit getröet worden / versichert bleiben möchten.

 

Thu derhalben O grosser Soldan / die Ohren und innerliche Augen deines Verstands auff / verachte dise Bottschafft nit / welches dir an jetzo dein ewiger König schicket / laß sein Gnad inn dein Hertz eingehen / der wirdt dir durch sein heyliges Liecht / dein grosse Verblendung / inn der du bißher gelebt / bald zu erkennen geben.

 

Betrachte wol was du vermagst / und schuldig bist disem unserem Gott / umb das so er dich jetzt verstendigt / welcher gleicher Weiß wie er dich zu einem Herren unn König auff Erden gemacht hat / also kan er dir vil ein grösser Reich ewigklich geben in den Himlen.

 

Wann du aber inn deinem Irrsal wirst verharren / so halte für gewiß / und zittere vor der Straff / die dir bereit ist: dann wisse unzweiffelich / daß du in seine Hand zeitlich oder spat kommen / unnd ihme von deinen und der Underthanen Sünden Rechenschafft geben mußt.

 

Dise und andere dergleichen Sachen hielte der heylige Vatter mit so einem grossen Eyffer dem Soldan vor / daß er samt all den seinen (die gleichwohl unglaubig waren) erkenten / dise seine Wort mehr als auß menschlicher Krafft herfliessen / und waren eben dises Geists / so der Herr seinen Jüngeren versprochen / vergwisset / da er sagt:

 

Ich will euch Zungen und Weißheit geben / welcher die Fürsten der Welt nit widerstreben werden könden.

 

In sonderheit aber ehret ihn mit besonderer Ehrerbietung der Soldan / als er in dem Diener Christi so vil Tugenten / und Gnaden Gottes sahe / dancket im / und fraget ine in vilen newen zweiffligen Sachen / merckte fleissig auff deß Heylighen / als eines Göttlichen Gesanten Antworten / begert mit strengem Anhalten / er solte sich nit mehr zu uns Christen begeben / sonder bey ihme verbleiben.

 

Der heylige Vatter allerdings mit dem Eyffer deß Glaubens angethan / antwortet:

 

Wann du / O grosser Soldan / dich sambt deinem Volck wilt bekehren / so wil ich von dein und ihrer wegen willigklich allhie verbleiben / und wann du einig Bedencken hast deinen Glauben gegen dem meinigen zu verwechslen / dieweil die Zeit kurtz / so thu gleich jetzo dise Prob / schick und laß ein groß Feur inn mitten deines Heers anzünden: Berueff deine Pfaffen / und schaff daß wir alle zu gleich inn das Feur eingehen / unnd welcher von seinem Gott erhalten wirdt / dessen Glauben sollen die anderen annemmen / und nachfolgen.

 

Der Soldan der sich ab deß Heyligen Proposition und Fürtrag verwunderet / spricht:

 

Ich glaube keiner unserer Pfaffen werde dise Prob annemmen wöllen: sagt es auch nit ohne Ursach / dann als dises kaum geredet / und ein gar alter und von ihnen heylig geachteter Götzenknecht  / so gegenwärtig ware solches erhört / gab er alsbald die Flucht / förchtet der Soldan wurde den Fürschlag annemmen / und er in das Feur eingehen müssen.

 

Der Heylig wendet sich zum Soldan / unnd sagt:

 

Verspriche Gott / O Soldan / daß du wöllest ein Christ werden / wann ichs allein thu / und erbeut mich alsbald inn das Feur einzugehen.

 

Der Soldan antwort / er dörffte ihme diß mal dises Versprechen nit thun / noch sein Anerbieten annemmen / er förchte / er möchte wegen diser Newerung ein Auffruhr inn dem Läger erwecken / nichts desto weniger aber schaffet er iunnerlich grossen Nutz / unnd ob er gleichwol selbig mal den Tauff anzunemmen sich nit entschlusse / truge er doch gegen dem heyligen Mann ein sondere Andacht / erbeut ihme und seinen Gesellen ein grosse Summa Golds / Silber / und Kleidungen / welche doch der heylig Mann nit mehr als Kot achtet / wolte sie gar nit ansehen.

 

Dessen verwunderet sich der Soldan noch mehrers / fahrt immer fort ine zu bitten / er solte dise Geschanck annemmen / unnd wegen seiner Seelen so vil Allmusen verrichten / ob er sich gleichwol diser Zeit den Tauff anzunemmen nit resoluieren möchte / das war aber alles vergebens.

 

Derhalben weil er inn dem Soldan kein steiff und vest Fundament befande / wolt er sich hinwegk begeben: Der bittet ihne höchlich / er solte sich offt wider sehen lassen / dann er wolte weiter mit ihme reden / gibt ihme Brieff durch sein gantzes Reich / daß er und seine Brüder sicherlich darinn predigen möchten / mit denen scheidet er von dannen.

Folgendes Kapitel: Wie Franziskus der Mohrin widerstand

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