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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3156 |
Franziskus
beim Sultan |
Der
Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap.
56, Konstanz 1603 |
Cap. 55. Schluß
Alsbald die von den Mohren gesehen werden /
sprengen ihre vil von dem Hauffen
herauß / eylen
der heyligen Gesellschafft zu als die hungerigen Wölff gegen den blossen Schäfflein / fahen sie
ohne einigen Widerstand / tractieren sie ubel / und wann sie nit zu dem Soldan begeret / wäre das End
ihres Lebens verhanden gewesen.
Wie
der heylig Franciscus dem Soldan
geprediget.
Cap. 56.
Also gebunden / wirdt
der heylige Mann sambt
seinen Gesellen / dem grossen Soldan
fürgeführt / welcher alsbald sie gefraget
/ wer sie wären / wer sie inn sein Heer geschickt /
und auff was End sie dahin kommen.
Deme antwortet der heylige
Vatter in sonderer Innbrunst diß
Geists / als der sich an so gewünschtem Ort befande:
Wisse O Soldan und Keyser / daß unser Ankunfft zu dir nit durch einigen
Menschen / oder irdischen Potentaten verschaffet und verordnet worden / sonder
durch den Willen unnd Anordnung dises
allermächtigisten Königs aller Königen / unnd Herrens aller Herren / den
ewigen Gott / welcher uns zu dir gesant / weil du inn diser Welt (uber das du sein Creatur wie wir
alle seynd) auch sein Diener bist / und sein Statt inn disem deinem Reich vertrittest / und solches Gewalts
dich mißbrauchest / und sein aller milteste Güte geschehen / daß du sambt allem disem Volck ausser dem wahren und
rechten Weg der Erkantnus seiner deines höchsten /
einigen unnd wahren Gottes wandlest
/ und so hoch irrest / deine Affection inn die Creatur / ohne Erkantnus deß Erschaffers und
Erlösers setzest / wie weit du ausser der Strassen der natürlichen Vernunft / durch welche du zu Erkantnus deines Irrsals / der
Ehre so du seiner Göttlichen Maiestät / und seinem Gesatz schuldig / kommen möchtest / giengest
/ und deßhalber ein groß Mitleiden mit dir getragen /
hat er uns (sag ich) zu dir gesant / den wahren Weg unn einig Remedium deines Heyls dir zu verkünden / welches da stehet allein in dem
Glauben und Gehorsam Christi Jesu / wahren Sohn Gottes / unnd
Menschen / der in die Welt kommen ist / uns auß dem
Gewalt deß Teuffels zu
erretten / unnd die ewige Glori
zu geben allen denen / so geweßt / noch seynd / unnd noch seyn werden / in seinem wahren Glauben getrew
/ dargegen aber die Pein und ewige Verdamnus den Ungehorsamen / und von seinem allerheyligisten Glauben Abgescheidnen
zu bereiten: / unnd auff daß er solches vollbrächte / auß
seiner unaußsprechlichen Güte ( nach dem er unser
Fleisch an sich genommnen ) mit selbiger für alle
unsere Schuld gnug thun /
und auff dem Stammen deß heyligen Creutzes für unsere Sünd sterben / unn alsdann in dem
Sacrament deß Tauffs / uns den Verdienst gedachtes seines Leidens
verlassen wöllen / durch welches wir zu dem ewigen Leben widergeboren / unnd aller unserer Sünden (in ihme)
absterben / vor der Gefengknus deß
Teuffels / unnd ewigen
Todts / so uns von einem so starcken Feind von
Ewigkeit getröet worden / versichert bleiben möchten.
Thu derhalben O grosser Soldan / die Ohren und innerliche Augen deines Verstands auff / verachte dise Bottschafft nit / welches dir an jetzo dein ewiger König schicket / laß
sein Gnad inn dein Hertz eingehen / der wirdt dir durch sein heyliges Liecht / dein grosse Verblendung
/ inn der du bißher gelebt
/ bald zu erkennen geben.
Betrachte wol was du vermagst / und schuldig bist disem
unserem Gott / umb das so er dich jetzt verstendigt / welcher gleicher Weiß wie er dich zu einem
Herren unn König auff Erden
gemacht hat / also kan er dir vil
ein grösser Reich ewigklich geben in den Himlen.
Wann du aber inn deinem Irrsal wirst verharren
/ so halte für gewiß / und zittere vor der Straff
/ die dir bereit ist: dann wisse unzweiffelich / daß du in seine Hand zeitlich oder spat
kommen / unnd ihme von
deinen und der Underthanen Sünden Rechenschafft geben
mußt.
Dise
und andere dergleichen Sachen hielte der heylige
Vatter mit so einem grossen Eyffer
dem Soldan vor / daß er
samt all den seinen (die gleichwohl unglaubig waren) erkenten / dise seine
Wort mehr als auß menschlicher Krafft herfliessen / und waren eben dises
Geists / so der Herr seinen Jüngeren versprochen / vergwisset
/ da er sagt:
Ich will euch
Zungen und Weißheit geben / welcher die Fürsten der
Welt nit widerstreben werden könden.
In sonderheit aber
ehret ihn mit besonderer Ehrerbietung der Soldan /
als er in dem Diener Christi so vil Tugenten / und Gnaden Gottes sahe
/ dancket im / und fraget ine in vilen newen
zweiffligen Sachen / merckte
fleissig auff deß Heylighen / als eines
Göttlichen Gesanten Antworten / begert
mit strengem Anhalten / er solte sich nit mehr zu uns Christen begeben / sonder bey ihme verbleiben.
Der heylige Vatter allerdings mit dem Eyffer
deß Glaubens angethan /
antwortet:
Wann
du / O grosser Soldan /
dich sambt deinem Volck wilt bekehren / so wil ich von
dein und ihrer wegen willigklich allhie
verbleiben / und wann du einig Bedencken hast deinen
Glauben gegen dem meinigen zu verwechslen / dieweil
die Zeit kurtz / so thu
gleich jetzo dise Prob /
schick und laß ein groß Feur
inn mitten deines Heers anzünden: Berueff
deine Pfaffen / und schaff daß wir alle zu gleich inn das Feur eingehen / unnd welcher von seinem Gott erhalten wirdt
/ dessen Glauben sollen die anderen annemmen / und
nachfolgen.
Der Soldan der
sich ab deß Heyligen
Proposition und Fürtrag verwunderet
/ spricht:
Ich glaube keiner
unserer Pfaffen werde dise Prob annemmen
wöllen: sagt es auch nit ohne Ursach
/ dann als dises kaum geredet / und ein gar alter
und von ihnen heylig geachteter Götzenknecht / so gegenwärtig ware
solches erhört / gab er alsbald die Flucht / förchtet
der Soldan wurde den Fürschlag
annemmen / und er in das Feur
eingehen müssen.
Der Heylig wendet
sich zum Soldan / unnd
sagt:
Verspriche Gott / O Soldan
/ daß du wöllest ein Christ werden / wann ichs allein thu / und erbeut mich alsbald inn das Feur einzugehen.
Der Soldan antwort / er dörffte ihme diß mal dises
Versprechen nit thun / noch
sein Anerbieten annemmen / er förchte
/ er möchte wegen diser Newerung
ein Auffruhr inn dem Läger
erwecken / nichts desto weniger aber schaffet er iunnerlich
grossen Nutz / unnd ob
er gleichwol selbig mal den
Tauff anzunemmen sich nit entschlusse / truge er doch gegen dem heyligen
Mann ein sondere Andacht / erbeut ihme
und seinen Gesellen ein grosse Summa Golds / Silber /
und Kleidungen / welche doch der heylig Mann nit mehr als Kot achtet / wolte
sie gar nit ansehen.
Dessen verwunderet
sich der Soldan noch mehrers
/ fahrt immer fort ine zu bitten / er solte dise Geschanck
annemmen / unnd wegen
seiner Seelen so vil Allmusen
verrichten / ob er sich gleichwol diser
Zeit den Tauff anzunemmen nit resoluieren möchte / das war
aber alles vergebens.
Derhalben
weil er inn dem Soldan kein
steiff und vest Fundament befande / wolt er sich hinwegk begeben: Der bittet ihne
höchlich / er solte sich offt
wider sehen lassen / dann er wolte weiter mit ihme reden / gibt ihme Brieff durch sein gantzes Reich /
daß er und seine Brüder sicherlich darinn predigen möchten / mit denen scheidet er von
dannen.
Folgendes Kapitel: Wie Franziskus
der Mohrin widerstand
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